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Das Lied vom weisen Oleg

Es gibt eine alte russische Legende, die 1822 der bekannte russische Dichter Alexander Puschkin als Ballade „Lied vom weisen Oleg“ bekannt gemacht hat (eine gelungene deutsche Übersetzung findet sich hier). Besungen wird Oleg der Weise, der zweite russische Zar und Begründer der Kiewer Rus‘. 150 Jahre später vertonte der Dichter Wladimir Wyssozki den gleichen Stoff als Populäres Volkslied.

Oleg der Weise auf einem Gemälde von Wiktor Waznezow

Der Inhalt der Ballade: Hoch gerüstet zu Roß reitet der erfolgreiche Oleg in die nächste Schlacht. Da begegnet ihm ein weiser Seher, der ihm auf die Anfrage kündet, dass er viel Erfolg haben wird, sein Reich bis an die Grenzen Byzanz erweitern wird, die Feinde zerstreuen wird, sich viel Ruhm aneignen wird. Dabei wird ihn in allen Gefahren sein mutiges Roß begleiten. Doch soll Oleg wissen: „Und doch einst von diesem Roß hast Du den Tod!“

Oleg ist getroffen und verfinstert. Betrübt verabschiedet er sich von seinem treuen Gefährten. Das Ross soll nun in einem entfernten Stall bewacht werden, damit es Oleg nicht gefährlich werden kann.

Jahre vergehen und nach vielen erfolgreichen Schlachten schmaußt der Fürst im Kreise seiner alten Vertrauten. Sie gedenken der vergangene Ereignisse, da erinnert sich Oleg an sein Pferd. Dabei erfährt er von seinen Dienern, dass diesen nun etliche Jahre am Hügelhang begraben liegt.

„Alter Seher, Du hast mich belogen! Noch heute trüge mein Roß mich vielleicht…“ denkt sich Oleg und lässt sich zur Hügelstätte führen, um die Gebeine zu sehen. Die Feuchtigkeit hat die Erde weggespüllt und einige Knochen sind zu sehen, darunter auch der Roßschädel. Auf diesen tritt der Fürst; dabei kriecht aus dem Schädel eine Grubenoter, kriecht am Bein des Fürsten empor und sticht ihn mit tödlichem Biss.

„Eine giftige Viper biss ihn,
und so fand er tatsächlich
durch sein eigenes Pferd den Tod.“

Ein bekanntes Erzählmuster, dass unzählig oft in der Weltliteratur vorkommt: „Der Versuch, einem vorhergesagten Schicksal zu entkommen, führt gerade zu dessen Erfüllung“.

König Ödipus ist hier vielleicht das berühmteste und auch tragischste Beispiel.Ein anderes ist Macbeth. Drei „Schicksalsschwestern „begrüßen ihn als den als zukünftigen König.“ Da sich andere Prophezeihungen dieser Frauen erfüllen, hält sich Macbeth für gerechtfertigt „seinem Schicksal“ nachzuhelfen und König Duncan zu beseitigen, der ja im Weg für seine Thronbesteigung steht. So macht sich Macbeth zum Mörder und zu einem Abhängigen dieser Prophezeihungen. Zu diskutieren ist: Bestimmen die Wahrsagungen Macbeths Schicksal oder enthüllen sie nur eine Zukunftsmöglichkeit, die Macbeht durch seine eigenen Entschiedungen verwirklicht?

Eine spannende Variante dieses Themas findet sich bei Tolkiens‘ Herr der Ringe. Der Hexenkönig von Angmar hält sich für unbesiegbar, da eine Prophezeihung ihn wissen lässt: „Nicht durch die Hand eines Mannes wird er fallen“. Genau in dem Moment, in dem er sich dieser Unbesiegbarkeit brüstet, nimmt Eowyn (eine Frau) den Helm ab und antworett „Ich bin kein Mann!“ und versetzt ihm den tödlichen Stich.

Mein Favorit unter solchen Erzählungen ist „Der Schmied seines Glückes“. Eine Erzählung von Gottfried Keller aus dem Novellenzyklus: „Die Leute von Seldwyla“. Keller erzählt die Geschichte vom Schmied Johannes Kabis. In seiner Werkstatt hängt ein Hufeisen mit dem Spruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Von dieser Botschaft ist er überzeugt. So verlässt er irgendwann auch sein Gewerbe, und zieht von Ort zu Ort auf der Suche nach Glück. An einem fernen Ort gelingt ihm durch Gechick, Selbstbewusstsein und Kleverniess ein schneller Aufstieg. Doch gerade seine Intrigen führen dazu, dass er am Ende alles verliert.

All diese alten Geschichten zeigen: In vergangenen Zeiten war man vom erbarmungslosen Takt des Schicksals beeindruckt. Jeder konnte dazu eine Geschichte erzählen, wie man den Umständen ausgeliefert hat. Heute schlägt der Zeiger klar in die andere Richtung, Die Selbstbestimmung ist hoch im Kurs. Es sind Zeiten geworden, in der „sich jeder für den Glück seines Schmiedes hält“. Jede auch nur wage Andeutung von der Abhängigkeit des Menschen von Gott, wird als Ketzerei empfunden, oft auch in kirchliche Kreise hinein. Selbstbestimmung ist einfach das Gebott der Stunde. Nicht Sklave des Schicksals möchte man sein, sondern Herr seines Schicksals!

Als Christ muss man beide Perspektiven verwerfen. Weder der Drohende Finger des Schicksals noch der Marktschreier der Selbstbestimmung kann ihn beeindrucken! Ein Christ weiß: „Meine Zeit steht in seinen Händen!“ (Ps. 31.16). Nichts bestimmt über mein Leben außer Gott allein. Wir sind niemals einem Schicksal ausgeliefert, sondern einem Gott, ohne dessen Willen nicht der kleinste Vogel vom Kurs abkommt und der alle unsere Haare gezählt hat. Einerseits löst die Bibel allen Schicksalsglauben dadurch auf, dass sie zeigt, dass Gottes Kontrolle viel weiter reicht. Es gibt kein blindes Schicksal, welches Gott Vorschläge dafür macht, was er uns zulassen soll oder nicht. Nein, er regiert allein und souverän!. Gott sitzt im Regimente. Keine unpersönliche Macht, sondern ein allmächtiger, allweiser, allguter Gott, der Herr Zebaoth (Mehr dazu hier).

Mit diesem Wissen um Gottes Regiment, klingt Selbstbestimmung zu sehr nach Rebellion. Nicht umsonst redet die Bibel ja auch von Selbstverleugnung, statt von Selbstbestimmung. Ja Gott möchte uns frei haben, ja Gott möchte uns mündig sehen, aber eine Autonomie? Völlig Undenkbar! Wie wäre sowohl das Schreiben oder Lesen dieses Artikels ohne Gottes Befähigung möglich gewesen?

Zum Schluss die Frage: Wie kann mein Bild von Gott so verändert werden, dass ich mich weder für einen Sklaven noch für einen Herr meiner Umstände halte, sondern ein vertrauensvoller Nachfolger Christi sein kann?

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Wenn selbst Beethoven und Shakespeare nicht genug sind

Die Tage bin ich bei Kreeft/Tacelli auf diese Aussage von/über Jean-Paul Sartre gestoßen: „Even the atheist Jean-Paul Sartre admitted that “there comes a time when one asks, even of Shakespeare, even of Beethoven, ‘Is that all there is?’ ” (Peter Kreeft und Ronald K. Tacelli, Handbook of Christian Apologetics: S. 78). – Ich habe das Zitat nicht auf deutsch finden können und übersetze frei: „Selbst der Atheist Jean-Paul Sartre räumte ein, dass es Zeitengibt, in der man sich sogar über Shakespeare und Beethoven fragt: ‚War das alles?'“

Kreeft und Tacelli führen Sartres Aussage im Rahmen ihrer Argumentation auf, dass unser Verlangen „nach Mehr“ davon zeugt, dass wir mit einem Verlangen „nach Mehr programmiert“ sind. Gänzliche Zufriedenheit im Materiellen? – Fehlanzeige!

Ich gebe den Autoren in ihrer These recht, aber beim Lesen der oben genannten Zeilen schweiften meine Gedanken zur Pracht der Musik. Zur Erfüllung, die wir beim Konsum von Musik erfahren. Sollte es da etwas besseres geben als „Beethovens Neunte“? Seine letzte vollende Sinfonie ist wirklich ein Genuss (Auf Youtube finden sich zahlreiche Aufführungen, von denen ich einige angehört habe, aber meine Expertise reicht nicht aus, um sie zu bewerten).

Es ist auch Beethovens Neunte die im Jahre 2072, wenn alle Emotionen mit Medikamenten unterdrückt werden und Kunst verboten ist, da sie Gefühle und Emotionen fördert, den leitenden „Anti-Gefühls-Polizisten“ John Preston zum Umdenken führt. So stellt es die Dystopie „Equilibrium“ dar: Als Preston ein Nest von „Sinnestätern“ aufdeckt, dass gefüllt ist mit den letzten Resten an Kunstartikeln, kann er nicht widerstehen eine Schalplatte aufzulegen und hört auf dieser die Neunte Sinfonie von Beethoven (Diese hervorragende Szene mit Christian Bale findet sich hier).

So gut wie jeder dürfte zumindest einen Auszug dieser Sinfonie kennen, die Europahymne über die Freude (Ich kann an dieser Stelle nicht widerstehen auf die herrliche Parodie dieser Ode an die Freude von Rowan Atkinson hinzuweisen). Geradezu auf unglaubliche Weise beeindruckend ist schließlich die Tatsache, dass diese Komposition von Beethoven verfasst wurde, als er bereits vollständig taub war.

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