
Kevin DeYoung: Christsein schafft eh keiner oder Warum Jesus nachzufolgen nicht bedeutet, die Welt zu retten, auf alles eine Antwort zu haben, sich mit geistlichem Stillstand abzufinden oder ständig ein schlechtes Gewissen zu haben.
2026 bei Verbum Medien erschienen
Taschenbuch,144 Seiten.
Preis:11,90
Es muss für einen Nachfolger Jesu möglich sein, die Worte zu hören „Recht so, du guter und treuer Kencht!“ ohne dass er politisch engagiert, Vollzeitblogger oder Sozialarbeiter ist.“
Was sind eigentlich die Gründe dafür, dass Christen zu der Überzeugung gelangen, ein gottwohlgefälliges Leben, echte Nachfolge und ein gerechter, heiliger Lebensstil seien letztlich unerreichbar? Die Ursachen sind vielfältig. Genau diesen geht Kevin DeYoung in seinem schmalen Büchlein nach und zeigt auf, wie Christen geradezu darauf programmiert werden, sich als „ständige Versager“ zu empfinden.
DeYoung beleuchtet dazu unterschiedliche Lebensbereiche. Ein Beispiel ist unsere „Stille-Zeit-Kultur“. Warum erklären wir die persönliche Stille Zeit zu einem zentralen Element eines gottesfürchtigen Lebens? In der Praxis führt das oft dazu, dass man pflichtbewusst fünf bis zehn Minuten in der Bibel liest und seine geistliche Checkliste abhakt, ohne tatsächlich in die Beziehung zu Gott zu investieren. Ähnlich verhält es sich mit dem Missionsbefehl: Aus einem Auftrag an die Gemeinde ist vielfach eine rein individuelle Verpflichtung geworden. DeYoung weist treffend darauf hin, dass, wenn der erste Teil („Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“) für jeden Einzelnen gelten soll, dies konsequenterweise auch für den zweiten Teil gelten müsste („und taufet sie…“). Während Letzterer jedoch richtigerweise als Auftrag der Gemeinde verstanden wird, wird beim ersten Teil oft weniger differenziert gedacht.
So entwickeln wir nicht selten eine „Niemals-genug“-Mentalität, die sich biblisch kaum begründen lässt. Gerade hier liegt eine besondere Stärke des Buches: DeYoung schreibt als erfahrener Pastor und Prediger und benennt ein weitverbreitetes Problem(S. 63) :
„Als Prediger weiß ich, wie man eine Predigt hält, die allen Zuhörern ins Gewissen redet. Man könnte meinen, dass eine gute Predigt bei den Zuhörern immer ein schlechtes Gewissen hinterlassen muss. Als Folge davon gäbe jede Predigt über Heiligung allen das Gefühl, nicht heilig genug zu sein. Jede Predigt über Gebet würde Schuldgefühle darüber wecken, dass sie zu wenig beten. Jede Predigt über Evangelisation hinterließe eine Gemeinde, die sich innerlich windet vor Schuldgefühlen über ihren vermeintlichen Ungehorsam. Diese Art der Predigt ist nicht gesund und sie führt auch nicht zu gesunden Gemeinden…“
Das Buch bietet zahlreiche hilfreiche Impulse, um diesem negativen Framing entgegenzuwirken – einem Framing, das wir uns teilweise selbst aneignen, das aber auch in verschiedenen Strömungen der evangelikalen Szene anzutreffen ist: die Haltung, sich als Christ grundsätzlich als ungenügend und scheiternd zu betrachten.
Neben den genannten Beispielen (Stille Zeit und Evangelisation) greift DeYoung weitere Themen auf, wobei nicht alle gleich überzeugend ausgearbeitet sind. So erscheint etwa die Betrachtung von Christsein und Wohlstand zwar als guter Überblick über die Thematik im Lukasevangelium, überzeugt jedoch weniger als Argument dafür, dass Wohlstand für Christen kein ernsthaftes Problem darstellt. An vielen anderen Stellen hingegen ist das Buch sehr stark – etwa in der Auslegung der Bergpredigt als positive, hilfreiche Leitlinie für das christliche Leben und nicht als moralische Keule zur Erzeugung von Schuldgefühlen.
Abschließend führt DeYoung zu einem praktischen Ziel christlichen Lebens: ein ruhiges, beständiges Leben in der Nachfolge, geprägt von wachsendem Vertrauen auf den Herrn im Alltag. Gerade darin liegt die bleibende Aktualität des Buches in einer schnelllebigen Zeit – auch wenn es zugleich deren Schwäche widerspiegelt, indem es stellenweise wie eine lose Sammlung von Blogartikeln wirkt.
Insgesamt sollte das Buch eine gute Lektüre für junge Christen sein, da DeYoung einen durchweg fröhlichen und leicht zugänglichen Schreibstil bewahrt, der in diesem Buch sehr bewahrend und gelungen übersetzt wurde.





Ich fragte Egelkraut damals, was sein Lieblingsbuch neben der Bibel wäre und er nannte mir einen damals gänzlich unbekannten Titel: