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Das Lied vom weisen Oleg

Es gibt eine alte russische Legende, die 1822 der bekannte russische Dichter Alexander Puschkin als Ballade „Lied vom weisen Oleg“ bekannt gemacht hat (eine gelungene deutsche Übersetzung findet sich hier). Besungen wird Oleg der Weise, der zweite russische Zar und Begründer der Kiewer Rus‘. 150 Jahre später vertonte der Dichter Wladimir Wyssozki den gleichen Stoff als Populäres Volkslied.

Oleg der Weise auf einem Gemälde von Wiktor Waznezow

Der Inhalt der Ballade: Hoch gerüstet zu Roß reitet der erfolgreiche Oleg in die nächste Schlacht. Da begegnet ihm ein weiser Seher, der ihm auf die Anfrage kündet, dass er viel Erfolg haben wird, sein Reich bis an die Grenzen Byzanz erweitern wird, die Feinde zerstreuen wird, sich viel Ruhm aneignen wird. Dabei wird ihn in allen Gefahren sein mutiges Roß begleiten. Doch soll Oleg wissen: „Und doch einst von diesem Roß hast Du den Tod!“

Oleg ist getroffen und verfinstert. Betrübt verabschiedet er sich von seinem treuen Gefährten. Das Ross soll nun in einem entfernten Stall bewacht werden, damit es Oleg nicht gefährlich werden kann.

Jahre vergehen und nach vielen erfolgreichen Schlachten schmaußt der Fürst im Kreise seiner alten Vertrauten. Sie gedenken der vergangene Ereignisse, da erinnert sich Oleg an sein Pferd. Dabei erfährt er von seinen Dienern, dass diesen nun etliche Jahre am Hügelhang begraben liegt.

„Alter Seher, Du hast mich belogen! Noch heute trüge mein Roß mich vielleicht…“ denkt sich Oleg und lässt sich zur Hügelstätte führen, um die Gebeine zu sehen. Die Feuchtigkeit hat die Erde weggespüllt und einige Knochen sind zu sehen, darunter auch der Roßschädel. Auf diesen tritt der Fürst; dabei kriecht aus dem Schädel eine Grubenoter, kriecht am Bein des Fürsten empor und sticht ihn mit tödlichem Biss.

„Eine giftige Viper biss ihn,
und so fand er tatsächlich
durch sein eigenes Pferd den Tod.“

Ein bekanntes Erzählmuster, dass unzählig oft in der Weltliteratur vorkommt: „Der Versuch, einem vorhergesagten Schicksal zu entkommen, führt gerade zu dessen Erfüllung“.

König Ödipus ist hier vielleicht das berühmteste und auch tragischste Beispiel.Ein anderes ist Macbeth. Drei „Schicksalsschwestern „begrüßen ihn als den als zukünftigen König.“ Da sich andere Prophezeihungen dieser Frauen erfüllen, hält sich Macbeth für gerechtfertigt „seinem Schicksal“ nachzuhelfen und König Duncan zu beseitigen, der ja im Weg für seine Thronbesteigung steht. So macht sich Macbeth zum Mörder und zu einem Abhängigen dieser Prophezeihungen. Zu diskutieren ist: Bestimmen die Wahrsagungen Macbeths Schicksal oder enthüllen sie nur eine Zukunftsmöglichkeit, die Macbeht durch seine eigenen Entschiedungen verwirklicht?

Eine spannende Variante dieses Themas findet sich bei Tolkiens‘ Herr der Ringe. Der Hexenkönig von Angmar hält sich für unbesiegbar, da eine Prophezeihung ihn wissen lässt: „Nicht durch die Hand eines Mannes wird er fallen“. Genau in dem Moment, in dem er sich dieser Unbesiegbarkeit brüstet, nimmt Eowyn (eine Frau) den Helm ab und antworett „Ich bin kein Mann!“ und versetzt ihm den tödlichen Stich.

Mein Favorit unter solchen Erzählungen ist „Der Schmied seines Glückes“. Eine Erzählung von Gottfried Keller aus dem Novellenzyklus: „Die Leute von Seldwyla“. Keller erzählt die Geschichte vom Schmied Johannes Kabis. In seiner Werkstatt hängt ein Hufeisen mit dem Spruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Von dieser Botschaft ist er überzeugt. So verlässt er irgendwann auch sein Gewerbe, und zieht von Ort zu Ort auf der Suche nach Glück. An einem fernen Ort gelingt ihm durch Gechick, Selbstbewusstsein und Kleverniess ein schneller Aufstieg. Doch gerade seine Intrigen führen dazu, dass er am Ende alles verliert.

All diese alten Geschichten zeigen: In vergangenen Zeiten war man vom erbarmungslosen Takt des Schicksals beeindruckt. Jeder konnte dazu eine Geschichte erzählen, wie man den Umständen ausgeliefert hat. Heute schlägt der Zeiger klar in die andere Richtung, Die Selbstbestimmung ist hoch im Kurs. Es sind Zeiten geworden, in der „sich jeder für den Glück seines Schmiedes hält“. Jede auch nur wage Andeutung von der Abhängigkeit des Menschen von Gott, wird als Ketzerei empfunden, oft auch in kirchliche Kreise hinein. Selbstbestimmung ist einfach das Gebott der Stunde. Nicht Sklave des Schicksals möchte man sein, sondern Herr seines Schicksals!

Als Christ muss man beide Perspektiven verwerfen. Weder der Drohende Finger des Schicksals noch der Marktschreier der Selbstbestimmung kann ihn beeindrucken! Ein Christ weiß: „Meine Zeit steht in seinen Händen!“ (Ps. 31.16). Nichts bestimmt über mein Leben außer Gott allein. Wir sind niemals einem Schicksal ausgeliefert, sondern einem Gott, ohne dessen Willen nicht der kleinste Vogel vom Kurs abkommt und der alle unsere Haare gezählt hat. Einerseits löst die Bibel allen Schicksalsglauben dadurch auf, dass sie zeigt, dass Gottes Kontrolle viel weiter reicht. Es gibt kein blindes Schicksal, welches Gott Vorschläge dafür macht, was er uns zulassen soll oder nicht. Nein, er regiert allein und souverän!. Gott sitzt im Regimente. Keine unpersönliche Macht, sondern ein allmächtiger, allweiser, allguter Gott, der Herr Zebaoth (Mehr dazu hier).

Mit diesem Wissen um Gottes Regiment, klingt Selbstbestimmung zu sehr nach Rebellion. Nicht umsonst redet die Bibel ja auch von Selbstverleugnung, statt von Selbstbestimmung. Ja Gott möchte uns frei haben, ja Gott möchte uns mündig sehen, aber eine Autonomie? Völlig Undenkbar! Wie wäre sowohl das Schreiben oder Lesen dieses Artikels ohne Gottes Befähigung möglich gewesen?

Zum Schluss die Frage: Wie kann mein Bild von Gott so verändert werden, dass ich mich weder für einen Sklaven noch für einen Herr meiner Umstände halte, sondern ein vertrauensvoller Nachfolger Christi sein kann?

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„Business Process Gnade“ von W. K. Doerffel

Wolfgang Karl Doerffel: Business Process Gnade – Kernaussagen der Bibel strukturiert und visualisiert.

104 farbige Seiten in DINA4

„Gott als Process Owner? Ja, natürlich! Wenn wir schon in unserem Business so viel Wert auf Prozesse legen, warum sollte dies ausgerechnet bei den wichtigen und zentralen Fragen des Lebens anders sein? Als Schöpfer des Universums hat Gott die Natur- und Lebensgesetze festgelegt.“

Zu diesem Buch griff ich zunächst nur, weil mich der Titel irritierte und sogar etwas abschreckte. Doch kaum hatte ich darin geblättert, musste ich meine Meinung ändern. Das Buch erweist sich als ein sehr intelligenter Versuch, einen grafischen Überblick über die ganze Bibel zu geben. Dabei setzt der Autor auf einen gelungenen Mix aus illustrativen Grafiken und erklärenden Texten.

Für den Stil des Buches wählt der Autor eine Sprache, die an technische Prozessbeschreibungen und Managementmethoden erinnert. Gerade diese ungewöhnliche Idee macht das Buch auch für glaubensferne Menschen interessant, denn es gelingt dem Autor, die Schlüssigkeit von Gottes Heilsplan Seite für Seite darzustellen. So enthält das Buch etwa eine Darstellung des israelitischen Lagers in der Wüste ebenso wie die mehr als 40 Stationen der Wüstenwanderung.

Weitere kreative Zugänge zu den Bibeltexten finden sich zum Beispiel in der Darstellung der vier Missionsreisen des Paulus, die wie eine Art „U-Bahn-Fahrplan“ gestaltet sind, in einer Stellenanzeige für einen Pastor bei der Besprechung des 1. Timotheusbriefes sowie in der Auflistung der Meilensteine der Weltgeschichte beim Propheten Zephanja.

Dass der Autor dem vollständigen Text der Bibel seine Aufmerksamkeit schenkt, macht das Buch besonders wertvoll – sowohl als Handbuch als auch als Ideensammlung für die Vorbereitung von Predigten oder Kinderstunden. Gerade die Verbindung der technischen „Arbeitssprache“ mit biblischen Texten empfinde ich als anregend für das eigene Nachdenken.

Dass der Autor vor allem die Bibel selbst sprechen lassen möchte, wird daran deutlich, dass aus jedem Bibelbuch mindestens ein Vers aufgenommen wird und er sich mit eigenen Interpretationen, etwa zu Fragen der Endzeit oder der Gaben, sehr zurückhält. Besonders stark fand ich die Betrachtung der Psalmen. Der Autor arbeitet die feinen Unterschiede der fünf Psalmenbücher so gründlich heraus, dass man die thematischen Entwicklungen innerhalb des Psalters sehr gut nachvollziehen kann. Gerade die Darstellung und Ausarbeitung der Psalmen gehört in diesem Umfang zu den gründlichsten, die ich bisher gesehen habe.

Bei den Psalmen kommt auch das vom Autor entwickelte System der sogenannten „Plotpearls“ besonders gut zur Geltung. Dabei wird jeder Bibelabschnitt – häufig ein Kapitel – mit einer farblich hinterlegten Perle markiert. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel sehr schnell erkennen, dass sich das fünfte Buch der Psalmen nahezu vollständig dem Lob Gottes widmet, während das dritte Buch viel Raum für die oft widrigen Lebensumstände in dieser Welt lässt.

Aufgelockert wird dieses Sachbuch durch kleine Gimmicks und humorvolle Anspielungen, die hier und dort versteckt sind und die Aufmerksamkeit geschickt auf den Inhalt lenken.

Für die vielen Grafiken ein geeignetes Format zu finden, ist sicher nicht leicht. So leidet das Buch ein wenig unter dem sehr großen DIN-A4-Format. Einerseits ermöglicht es, die Bibelbücher fast immer auf ein bis zwei Seiten darzustellen. Andererseits zwingt es den Autor dennoch zu einer relativ kleinen Schrift, die auf den großen Seiten mitunter etwas gedrungen wirkt. Während ich das feststelle, muss ich zugleich zugeben, dass mir selbst keine bessere Lösung einfallen würde. Gleichzeitig erklärt dieses Format auch, warum man bei diesem etwas mehr als 100 Seiten umfassenden Buch in Wirklichkeit ein recht umfangreiches Werk erhält. Der „Business-Slang“ macht das Buch zu einem möglichen Give-Away für den Kollegen am Arbeitsplatz.

Eine kostenlose Vorschau des Buches findet sich auf der Homepage des Autors, wo er auch weitergehende Informationen zu diesem Projekt gibt. Ich wünsche dem Autor eine wachsende Bekanntheit seines Werkes.

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Yassir Eric: Hass gelernt – Liebe erfahren

Yassir Eric kommt in einer streng muslimischen, für die sudanesische Politik einflussreichen Familie zur Welt. Er wächst in einer Zeit auf, in der sich die Regierung des Landes vom eher moderaten Sozialismus verabschiedet und schließlich die Scharia einführt – teils unter dem Einfluss einiger Onkel von Yassir. Seinen Namen erhielt er übrigens zu Ehren von Yassir Arafat, dem Anführer der Palästinensische Befreiungsorganisation, der in seiner Verwandtschaft vor allem für seinen Judenhass gefeiert wurde.

Mit acht Jahren wird Yassir in eine Koranschule geschickt. Dort lernt er innerhalb weniger Jahre den gesamten Koran auswendig. Die Verse werden auf Schiefertafeln geschrieben – doch diese einfach wegzuwischen wäre zu profan, könnten doch die Worte Allahs so auf die Erde fallen. Deshalb wird das Wasser, mit dem die Tafeln gereinigt werden, sorgfältig aufgefangen und anschließend getrunken.

Die Zeit in der Koranschule ist hart und grausam. Dennoch scheint die Anerkennung, die Eric nach seiner Rückkehr von seiner Familie erhält, zunächst Lohn genug zu sein. Obwohl ihn von Anfang an irritiert, dass in seinem Umfeld kaum Verständnisfragen zugelassen werden, entwickelt er sich schnell zu einem Anführer. Schon bald steht er vor der Entscheidung, ob er einen missliebigen Christen an seiner Oberschule beseitigen soll.

Das Buch gewährt in drei Lebensbereiche von Muslimen einen authentischen und persönlichen Einblick. Zunächst eröffnet es einen Blick in radikal-islamistische Szenen. Eric zeigt eindrücklich, wie häufig sich ein liberaler Islam nicht durchsetzen kann. Besonders prägnant schildert er die Hinrichtung des Reformtheologen Mahmoud Muhammad Taha, der eine Scharia im Land für unislamisch hielt – und gerade deshalb von radikaleren Muslimen getötet wurde. Eric beschreibt, wie Gruppen wie die Taliban oder der sogenannte „Islamische Staat“ mit ihren Ideen in vielen eher gemäßigten islamischen Milieus auf einen bereits vorbereiteten Boden stoßen, der häufig in der Verachtung gegenüber Andersgläubigen wurzelt.

Durch eine Begegnung mit zwei koptischen Christen erfährt Yassir, dass Christen wirkungsvoll beten können. Diese Begegnung führt letztlich zu seiner Konversion – und damit zum Ausschluss aus seiner Familie. Bis heute ist der Autor unter muslimischen Konvertiten aktiv, insbesondere als Leiter der Communio Messianica, der er seit 2024 als Bischof vorsteht. Im Buch schildert er die Erfahrungen muslimischer Konvertiten nicht nur aus seiner eigenen Geschichte, sondern auch anhand zahlreicher Begegnungen mit anderen Betroffenen.

Schließlich schreibt der Autor das Buch auch aus der Perspektive eines Migranten. In zwei kürzeren Kapiteln spricht er Probleme der Integration sowohl auf Seiten der Migranten als auch des deutschen Staates in erfrischender Deutlichkeit an.

Leider merkt man dem Buch an, dass es nicht ganz abgeschlossen wirkt. Während die Etappen bis zur Konversion gründlich und biografisch dicht dargestellt sind, werden die weiteren Stationen seit 1995 nur noch skizzenhaft behandelt.

Lesenswert bleibt das Buch dennoch – vor allem aus folgendem Grund: Es bietet einen seltenen Einblick in das Leben eines muslimischen, später christlichen Konvertiten aus erster Hand und eignet sich damit besonders für Leser, die den Dialog mit Muslimen suchen.

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Was ich mir für unsere Gottesdienste und Versammlungen wünsche!

Ein Schwerpunkt-Thema für NIMM-LIES soll dieses Jahr die Bibel sein! 2020 gab Thomas Schirrmacher ein Interview mit dem Pro-Medien-Magazin, in dem er mangelnde Bibelkenntnis als größte Bedrohung für das Christentum ausmachte. Er sagt:

„Die größte Bedrohung ist, dass die Bibelkenntnis abnimmt. Es geht dabei (…) um das Bibelwissen als Grundlage der zentralen Wahrheiten des Christentums.“

Schirrmacher hat völlig recht. Ständig bewegen die Christenheit – ob nun konservativ oder liberal – andere Themen. Heute mag es das Thema geistlicher Missbrauch sein. Viel wird darüber gesprochen. Kürzlich las ich einen Blog, der sich vor allem daran abarbeitet, dass der Hebräerbrief für sich genommen bereits als geistlicher Missbrauch verstanden werden müsse.

Selten war es wohl so unpopulär, die Bibel zu kennen, obwohl es gleichzeitig noch nie so einfach war, sich Bibelkenntnisse anzueignen. Deswegen möchte ich mich für NIMM-LIES in diesem Jahr verstärkt mit dem „Buch der Bücher“ beschäftigen. Wenn ich nur einen unserer Leser dazu bringen kann, mehr in der Bibel zu lesen, habe ich einen großen Sieg errungen.

Heute möchte ich darauf blicken, welchen Wert die Bibel in unseren Versammlungen und Gottesdiensten besitzt.

Es gäbe eine sehr einfache Möglichkeit, dem Wort Gottes in unseren Gottesdiensten mehr Priorität zu verleihen: Das Wort Gottes würde bereits dadurch in der Gemeinde geehrt werden, wenn man es im Gottesdienst öffentlich vorlesen würde. Ich habe das z. B. im Metropolitan Tabernacle in London erlebt. In jedem Gottesdienst wird dort jeweils ein Kapitel aus einem der Evangelien vorgelesen. In manchen Gemeinden erheben sich die Zuhörer sogar zum Hören des Wortes, weil man ihm diese Autorität zusprechen möchte. Das ist eindrücklich.

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Christlicher Glaube in den Herausforderungen unserer Zeit

Das Werk Christlicher Glaube in den Herausforderungen unserer Zeit liegt als vierbändiger Sammelband vor und ist im Umfeld der Konferenz Jesus25 entstanden. Die Reihe versammelt eine Vielzahl von Beiträgen zu zentralen Fragen des evangelikalen Glaubens und versteht sich insgesamt weniger als Spezialstudie, sondern als theologische Standortbestimmung.

Die vier Bände behandeln die Themen

  1. Heilige Schrift,
  2. Jesus Christus,
  3. Biblische Ethik und
  4. Die evangelikale Bewegung.

Ich möchte zunächst einige Bemerkungen zum Gesamtwerk machen und anschließend die einzelnen Bände vorstellen.


Zum Gesamtwerk

Das Besondere dieser Sammelbände liegt in der außergewöhnlichen Breite der Autorenschaft. Neben theologischen Fachvertretern kommen bewusst auch Laien zu Wort. Vertreten sind Autoren aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und Großbritannien. Die Altersspanne reicht vom Jahrgang 1996 bis zu Autoren wie Rolf Hille (1947) und Ulrich Parzany (1941). Auch weibliche Stimmen sind vertreten, etwa durch Nicola Vollkommer. Auffällig und erfreulich ist zudem die Beteiligung russlanddeutscher Autoren wie Heinrich Derksen.

Neben Theologen finden sich auch Naturwissenschaftler unter den Beiträgern, etwa Reinhard Junker oder Markus Till. Entsprechend unterschiedlich sind Länge und Anspruchsniveau der einzelnen Artikel: von kurzen, allgemeinverständlichen Texten bis hin zu umfangreichen, wissenschaftlich argumentierenden Essays.

Diese Vielfalt ist zugleich Stärke und Herausforderung des Gesamtwerks. Es eignet sich weniger zur fortlaufenden Lektüre, dafür umso mehr als Nachschlage- und Orientierungswerk. Gerade in digitaler Form (z. B. als Logos-Ausgabe) entfaltet diese Struktur ihren Nutzen.

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Was ich mir nicht wünsche von C.H. Spurgeon

Ausschnitte aus „Guter Rat für allerlei Leute“, wo Spurgeon zum Schluss des Buches das auflistet, was er sich nicht wünscht:

„Wenn es anderen Leuten gleich wäre und ich alles so haben könnte, wie ich es möchte, so wünschte ich mir nicht, dass mein argloses Buch von Kritikern verrissen würde, die nicht einmal die Ehrlichkeit gehabt haben, es zu lesen, sondern die sich ihr Urteil schon vorher gebildet haben, wie Simon der Einfältige es tat, als er zum Geschworenen gewählt wurde. (…)

Wenn ich wählen könnte, so wünschte ich nicht, dass mir ein halbes Dutzend Seiten aus diesem Buch als Einwickelpapier um die Butter ins Haus gebracht würden. Sehr unwahrscheinlich ist es allerdings nicht, und so muss ich schon damit vorliebnehmen.

Ich möchte nicht mit zwei alten Gäulen pflügen, die eine Gelenkentzündung an den Beinen haben und kurzatmig sind und überhaupt nicht mehr zur Arbeit taugen(…)

Ich wünschte mir nicht, eine Kuh mit einem Stutzschwanz in der Sommerzeit zu sein oder ein Knecht mit einem halben Dutzend Herren oder ein Prediger mit ungehobelten Tyrannen als Diakonen(…)

Ich möchte kein Hund sein mit einem Blecheimer am Schwanz oder kein Wurm am Angelhaken oder kein Mann mit einem zänkischen Weib als Frau. Ich habe durchaus keine Lust, in den Rachen eines Krokodils oder in die Hände der Anwälte zu fallen.

Ich möchte nicht taub werden vom Tratsch der Nachbarschaft und nicht zu Tode gequält werden vom Zeitschriftenwerber, der mir ein Abonnement aufdrängen will, das ohne Ende fortbesteht wie die Schulden eines alten Trunkenboldes.

Auch möchte ich nicht im Dienst bei einem Geizhals sein oder Arbeiter bei einem Brummbär oder Lakai bei einem Angeber oder Schmarotzer bei einem reichen Tollkopf. Ich möchte nicht Armengeld beantragen müssen.(…)

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Zwei gute Hinweise für Prediger aus dem Jahr 2025.

Immer wieder bekommt man gute Ratschläge, von denen denkt man sich wünscht, dass man sie früher gehört hätte. Im Bezug auf meinen Laien-Predigtdienst bekam ich so zwei äußerst hilfreiche Anmerkungen für meinen eigenen gelegentlichen Predigtdienst. Vielleicht sind diese Hinweise für den ein oder anderen Leser von NIMM-LIES ebenfalls hilfreich! Deswegen möchte ich sie mit euch teilen:

Selbstständiges Arbeiten mit der Bibel

In seinem gründlichen Johannes-Kommentar hält D.A. Carson, als er die Einflüsse der Synoptiker auf das vierte Evangelium und vice versa bespricht, diese wertvolle Beobachtung fest (S. 41):

„Es erscheint weit wahrscheinlicher, dass der Evangelist selbst, ein christlicher Prediger, über Jahre hinweg das Evangelium verkündigte. Zweifellos machte er sich Notizen; zweifellos lernte er von anderen und griff auf deren Arbeit zurück. Was immer er aus fremden Quellen aufnahm, eignete er sich – wie es einem guten Prediger entspricht – vollständig an; die ausgeprägte Einheitlichkeit des Stils ist dafür ein deutlicher Beleg. Schließlich fügte er das gesammelte Material zusammen und veröffentlichte es als Buch. Es ist durchaus vorstellbar, dass er das Werk in einzelnen Phasen erarbeitete; (…) In jedem Fall zeigt sich eine Sicherheit im Zugriff, eine Schlichtheit der Ausdrucksweise sowie eine Einheit von Thema und Entwicklung, die die rhetorische Kritik zu Recht würdigt und die von einem gereiften christlichen Zeugen und Theologen Zeugnis ablegt.“

Regelmäßig beobachte ich sowohl bei sehr einfachen Predigern wie bei sehr gründlich ausgebildeten Theologen, dass Ihnen genau dieser selbstständige Umgang mit der Bibel abkommt, den Johannes besaß als er über das Werk Jesu schrieb. Ich würde mir sehr wünschen, wenn mehr Prediger eigenständiger mit dem Zeugnis der heiligen Schrift umgingen, und nicht nur bereits vorhandenes aufwärmten. Das ist übrigens kein Argument gegen die Verwendung der zahlreichen Hilfmittel, die wir heute besitzen, sondern ein Argument für die richtige und weise Nutzung dieser Mittel. Eben als Unterstützung, aber nicht als Leitung für den Text, der an sich selbst schon immer stark ist. Schließlich steht er in der Bibel.

Was schief läuft, läuft häufig auch gut: So kenne ich durchaus sehr einfache, wie gründlich ausgebildete Brüder, die eben eigenständig mit dem Wort Gottes arbeiten können.

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„Zu Gast auf einem schönen Stern – Erinnerungen von Helmut Thielicke

Vor bald sechs Jahren, durfte ich den bekannten Theologen Helmuth Egelkraut noch kurz vor seinem Tode besuchen und ein sehr erbauliches Gespräch mit dem Autor einer hervorragenden Einführung in das Alte Testament führen.

Ich fragte Egelkraut damals, was sein Lieblingsbuch neben der Bibel wäre und er nannte mir einen damals gänzlich unbekannten Titel: „Zu Gast auf einem schönen Stern“ von Helmut Thielicke und damit einen Theologen, der mir damals gänzlich unbekannt war, und einen Titel, der mir befremdlich erschien, obwohl wohl kaum ein Theologe in der Nachkriegszeit bis in die 90er mehr in Deutschland gelesen wurde als Thielicke und auch diese seine Autobiogrpaphie, die Thielicke wenige Jahre vor seinem Tode verfasst hatte, in zahlreichen Neuauflagen in den 80ern und 90ern des vergangenen Jahrhunderts veröffentlicht wurde.

Es sollte aber noch einige Zeit dauern, bis ich mir dieses Buch anschaffte, und noch weitere Monate, bis ich dazu kam, dieses Buch zu lesen. Mich ließ in dieser Zeit der Gedanke keine Ruhe, was denn ein Egelkraut so Gutes an so einem Buch finden könne.

Doch als ich es aufschlug, wurde mir das bereits nach einigen Seiten klar. Bereits nach etwa zwanzig Seiten habe ich unterlassen, in dieser Autobiographie lesenswerte Stellen zu markieren, da es einfach zu viele wurden.

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Veranstaltungshinweis: Zeitgeschichte des Neuen Testaments am 12 und 13 Dez. 2025

Seit ich Alexander Schicks archäologische Beschreibung von Tischendorfs Entdeckung des Codex Sinaiticus „Tischendorf und die älteste Bibel der Welt“ gelesen habe, bin ich zu einem regelmäßigen Leser von Schicks Seite bibelausstellung.de¹ geworden.

Die Seite wirkt etwas altmodisch, das kann ggf. etwas vom guten Inhalt dieser Seite ablenken. Z.B. über die digitale Ausstellung, die sehr viele Informationen enthält. Für den Einstieg wäre wohl Abteilung 11 „Die Ketzer-Bibeln“ interessant.

Nun habe ich erfahren, dass Schick im Rahmen einer öffentlichen Vorlesung des Martin Bucer Seminars eine digital zugängliche Vorlesung über die Zeitgeschichte des Neuen Testaments mit folgenden Themen anbietet.

  • Auf den Spuren Herodes des Großen und des neugeborenen Messias Besuch in Bethlehem und auf dem Herodion, der Festung des Königs der Juden
  • Geboren von der Jungfrau Maria?!
  • Kleopatra & Herodes, Antonius & Augustus – erbitterter Streit um Jericho Die Winterpaläste der Makkabäer und der Herodesfamilie
  • Masada – der letzte Kampf um die Festung von Herodes dem Großen Weltkulturerbe am Toten Meer
  • Der Tempel von Herodes dem Großen – Spurensuche am Tempelberg in Jerusalem mit den neuesten Ausgrabungen im Ophel

Zeitpunkt: 12 und 13 Dezember 2025 (Fr, 19.00 – 22.00 Uhr Sa, 9.00 Uhr – 17.00 Uhr)

Teilnahme live im Gemeindehaus Arche in Hamburg möglich oder per Zoom:

https://us06web.zoom.us/j/85311139279?pwd=rlydmImRo8u96jfgkfPJQII9fTn2FC.1

Meeting-ID: 853 1113 9279 / Kenncode: 320051 – Anmeldung an Titus Vogt, hamburg@bucer.de


¹Die Webseite Bibelausstellung.de informiert über eine Wanderausstellung, die sich mit der Geschichte und Überlieferung der Bibel befasst — „von der Keilschrift zur Computerbibel“.

Dabei werden historisch bedeutende Exponate präsentiert: Alte Manuskripte, frühe Bibeldrucke, Handschriften aus verschiedenen Jahrhunderten sowie Nachbildungen biblischer Artefakte und Texte. Ziel ist es, Besuchenden einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Bibel entstanden, überliefert und verbreitet wurde – angefangen bei alten Schriften bis hin zu modernen Bibelausgaben.

Die Ausstellung richtet sich an ein breites Publikum: Von Interessierten an Archäologie und Geschichte über Gläubige bis hin zu Familien und Schulgruppen. Für Kinder und Jugendliche sind interaktive und verständliche Inhalte vorgesehen, um das Thema „Bibel und Geschichte“ anschaulich und zugänglich zu machen. Dem Betreiber merkt man die Leidenschaft für Bibel und biblische Archäologie in jeder Zelle an.

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Über Absurditäten der Bibelkritik

Ich bin im Johannes-Kommentar von John Carson auf dieses Zitat von A. H. N. Green-Armytage gestoßen, der in seinem wenig bekannten Werk über die Entstehung des Johannes-Evangeliums (John Who Saw: a Laymun’s Essay on the Authorship of the Fourth Gospel ) eine wertvolle Beobachtung über die Dimension der Bibelkritik gibt, die die Zuverlässigkeit nahezu jedes Bibeltextes hinterfragt. Ganz im Sinne von Bultmann behaupten viele die Steile These, dass „Wir (…) über das Leben und die Persönlichkeit Jesu so gut wie nichts wissen.“

Eine These, die nüchtern betrachtet, fern jeglicher sinnhaften Argumentation ist:

„Es gibt eine Welt – ich behaupte nicht, eine Welt, in der alle Gelehrten leben, aber doch eine, in die alle von ihnen sich bisweilen verirren und die manche von ihnen offenbar dauerhaft bewohnen – die nicht die Welt ist, in der ich lebe.

In meiner Welt schließt niemand daraus, dass eine Zeitung von der anderen abgeschrieben haben muss oder dass die Abweichungen in der Darstellung eine esoterische Bedeutung hätten, wenn The Times und The Telegraph dieselbe Geschichte in etwas unterschiedlicher Form berichten. In der Welt, von der ich spreche, würde man genau das als selbstverständlich voraussetzen. Dort wird keine Geschichte jemals aus Tatsachen abgeleitet, sondern immer nur aus irgendjemandes Version derselben Geschichte.

In meiner Welt wird fast jedes Buch – abgesehen von einigen derjenigen, die von Regierungsstellen herausgegeben werden – von einem einzigen Autor verfasst. In jener Welt wird fast jedes Buch von einem Ausschuss produziert, und manche sogar von einer ganzen Reihe von Ausschüssen.

In meiner Welt: Wenn ich lese, dass Mr. Churchill im Jahre 1935 gesagt hat, Europa steuere auf einen verheerenden Krieg zu, lobe ich seinen Weitblick. In jener Welt wird keine Weissagung, so vage sie auch formuliert sein mag, jemals vor dem Ereignis gemacht, sondern immer erst danach.

In meiner Welt sagen wir: „Der Erste Weltkrieg fand von 1914 bis 1918 statt.“ In jener Welt sagen sie: „Die Weltkriegs-Narrativbildung nahm im dritten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts Gestalt an.“

In meiner Welt leben Männer und Frauen ziemlich lange – siebzig, achtzig, ja sogar hundert Jahre – und sie sind mit etwas ausgestattet, das man Erinnerung nennt. In jener Welt hingegen (so scheint es) kommen sie ins Dasein, schreiben ein Buch und vergehen sogleich wieder, alles im Handumdrehen; und man vermerkt es mit Verwunderung über sie, dass sie „Spuren primitiver Überlieferung bewahren“ in Bezug auf Dinge, die sich gut innerhalb ihrer eigenen erwachsenen Lebenszeit ereignet haben.“