Diesen Artikel gibt es auch als Audio (Text-2-Speech-generiert):
Ich kann mir kaum eine bessere Zeit für Autodidakten vorstellen als die unserige. Das hat sowohl negative wie positive Ursachen.
Eine negative Ursache liegt im wachsenden Qualitätsverlust selbst renommierter Universitäten. Diese uralten Quellen fundamentaler Entdeckungen erweisen sich zunehmend als Orte, in denen auch der ungeschickteste Lügner die besten Karriere-Chancen hat, wenn er nur „die richtigen Argumente“ bedient. Eine Elite-Universität wie Cambridge, ein Ort also, wo viele bereit sind, Unmengen zu investieren, um ihren Kindern an diesem Ort ein Studium zu ermöglichen, das exzellent und außergewöhnlich ist, ließ sich so von einem recht hemdsärmeligen Schummler vorführen und machte ihn zum Star-Professor.
Auch an anderen Eliteeinrichtungen drängt sich bisweilen die Frage auf, ob politische Positionierungen und institutionelle Loyalitäten nicht den wesentlichen Teil der akademischen Karriere ausmachen. Die Antisemitismusdebatten an amerikanischen Eliteuniversitäten haben zumindest deutlich gemacht, dass akademisches Prestige keineswegs vor gravierenden intellektuellen und moralischen Fehlurteilen schützt.
Das sind zwei Beispiele, die sicherlich nur die Spitze des Eisbergs sichtbar machen. Aber es sind auch zwei Beispiele, die zeigen, dass „exzellente“ Ausbildung nicht mehr diese große Bildungslücke produziert wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Oder vielleicht produziert sie erst recht eine Bildungslücke, weil man schlicht das Falsche lernt? Ungewöhnliche Studiengänge, die nicht für sich selbst existieren könnten, machen die inflationäre Runde!
In jedem Fall kann man sich bei der Aneignung von Bildung nicht mehr auf einen renommierten Namen seiner Ausbildungsstätte verlassen! Ein Prinzip bleibt: Es geht bei Bildung nicht darum, zu einem gebildeten Establishment zu gehören.
Die positive Ursache liegt darin, dass es nun möglich ist, eine große Menge an Bildung vollständig kostenfrei oder zumindest kostengünstig zu „erwerben“. Jeder von uns kann mit Leichtigkeit und nach wenigen Klicks über eine Bibliothek verfügen, um die uns sicher noch vor wenigen Jahrhunderten, aber womöglich sogar noch vor wenigen Jahrzehnten jeder Gelehrte beneidet hätte.
Mit ein wenig Strategie und Fleiß ergeben sich hier die Möglichkeiten, sehr zügig einen umfassenden Bildungsstand in allen möglichen Bereichen zu erreichen, wahrscheinlich am allerleichtesten im Bereich der Theologie. Alle diese Möglichkeiten, sei es Wikipedia, die Google-Suche oder die Nutzung der zahlreichen Datenbanken und Web-Archive, die hier vorhanden sind, wurden durch die KI noch einmal verstärkend multipliziert.
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