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Biblische Schönheit

Wie oft erlebe ich, dass kleine Details des biblischen Berichts die Schönheit der biblischen Struktur und Erzählweise unterstreichen. Immer wieder frage ich mich, wie ich die vielen Schönheiten der biblischen Erzählweise übersehen konnte. So ist mir gerade die komplementäre Sicht auf das Gegenüber aufgefallen, mit der der Geliebte oder die Geliebte im Buch Hohelied beschrieben werden.

Der Freundin erblickt Ihren Geliebten von oben nach unten. Sie sieht erst seine Haare, dann die Augen, Wangen und Lippen seines Kopfes. anschließend gleitet ihr Blick über die Hände, den Leib auf die Beine um dann seine Gesamterscheinung wahrzunehmen.

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Drei evangelische Bekenntnisse im Vergleich

Seit ich „Der evangelische Glaube kompakt“ von Thomas Schirrmacher gelesen habe, war es mein langgehegter Wunsch, diese drei eng miteinander verwobenen evangelischen Bekenntnisschriften digital zu visualisieren.

Dabei handelt es sich um das presbyterianische Westminster-Bekenntnis von 1646, die kongregationalistische Savoy-Erklärung von 1658 und das 1689 angenommene Londoner Baptistische Glaubensbekenntnis.

Eine Gegenüberstellung des Westminster-Bekenntnisses und des Baptistischen Glaubensbekenntnisses findet sich bereits im Internet. Die vorhandenen Darstellungen wirken jedoch häufig veraltet. Zudem fehlt meist die Einbeziehung der Savoy-Erklärung, die gerade in Fragen der Gemeindelehre eine wichtige mittlere Darstellung spielt.

Mit confessio.glaubend.de erfülle ich mir nun diesen Wunsch.

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Helmut Thielicke: Zwischen Gott und Satan

Helmut Thielicke: „Zwischen Gott und SatanDie Versuchung Jesu und die Versuchlichkeit des Menschen

Im Dritten Reich 1938 unter dem Titel „Jesus Christus am Scheidewege“ erschienen.

Auflage von 1946

141 Seiten.

kostenfreier Download bei sermon-online.de

Helmut Thielicke war für mich die Neuentdeckung des letzten Jahres. Das vorliegende Buch ist ein frühes Werk Thielickes, erschienen in einer Zeit zunehmender Bedrängnis für Christen im Dritten Reich. Thielicke konnte zu diesem Zeitpunkt bereits erahnen, dass er nicht mehr lange im Hochschuldienst würde bleiben können. Tatsächlich wurde er 1940 aus dem Hochschuldienst entfernt und kurz darauf mit einem umfassenden Lehr-, Schreib- und Reiseverbot belegt.

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Corrie Ten Boom – Ein Licht in der Dunkelheit

Corrie Ten Boom Ein Licht in der Dunkelheit

Hörspielbuch von SCM Hänssler

Erstveröffentlichung 2017

Dauer: 1h 8min

Angehört auf audible.de

Bei der letzten längeren Autofahrt hörten wir mit den Kindern dieses wundervoll aufbereitete Hörspiel über Corrie Ten Boom. Es ist szenisch mit wunderschöner und angenehmer Hintergrundkullisse aufgebaut. Das es nicht ganz ein Hörspiel wird, liegt vor allem daran, dass ein Sprecher ausführliche Hintergrundinformationen gibt. Ohne diese würde aber die Erzählung zu verkünstelt wirken, ihre Authentizität und Glaubwürdigkeit verlieren. Diese Variante ermöglicht so auch eine höhere Inhaltsdichte, die ein reines Hörspiel ansonsten verlieren würde.

Da sich die Erzählung auf die Zeit ab der Verhaftung bis zur Freilassung konzentriert, gibt sie eine gute Ergänzung zur Biographischen Darstellung „Die Zuflucht“, die im gleichen Verlag erschienen ist.

Im Buch wie im Hörspielbuch wird eine Szene sehr eindrücklich geschildert: Im KZ Ravensbrück werden die Frauen von den Wärtern regelmäßig der erniedrigenden Praxis unterzogen sich nackt in Reih und Glied zu stellen. Für Corrie ist das besonders erniedrigend und beschämend. Sie hat lange damit zu kämpfen, Diese Demütigung zu ertragen und zu vergeben. Bis ihr einmal bei so einer Maßnahme klar wird, dass einst Jesus auch in seinem schwersten Kampf völlig entblöst am Kreuz hing. Sie schildert sehr ergreifend, wie diese Erfahrung ihr eine neue Erkenntnis Jesu ermöglichte und eine tiefere Identifikation mit den Leiden Ihres Heilands.

Das Hörspielbuch ist somit sehr gelungend als erbauliche Unterhaltung für mittellange Autofahrten, ist dabei spannend und gut verständlich realisiert, so dass Kinder ab etwa 10 Jahren bereits gut mitkommen sollten. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Realisation auch für missionarische Zwecke geeignet ist. Z.B. Im Dialog mit Menschen, die sich Fragen nach der Sinnhaftigkeit eigener Leiden stellen. Einziges Manko des Hörspiels ist die Entscheidung, als Sprecherin für Corrie eine Sprecherin mit starkem Holländischen Akzent einzusetzen – Was wohl authentisch klingen soll, bekommt so leicht den Hauch von akkustischem Blackfacing und wirkt durch den Fakt, dass die anderen Stimmen, die Holländer darstellen sollen, hochdeutsch klingen, umso befremdlicher.

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Die Alternative zum selbstständigen Bibellesen ist Menschenabhängigkeit

Die ersten Begegnungen mit evangelischen Theologen waren für mich herausfordernd. Sie besaßen so viel technisches Wissen, dass ich mir mit meiner alten Bibel ganz armselig vorkam. Erst mit der Zeit verstand ich, dass selbst gut ausgebildete Theologen noch Jahrzehnte nach ihrem Studium eine fatale Abhängigkeit besitzen. Für ihre Auslegungen sind sie von gegenwärtig gültigen Interpretationsrahmen abhängig. Einerseits hatte man gelernt, noch einzelne Passagen der Mosebücher unterschiedlichen mutmaßlichen Quellen und Redaktionsschichten zuzuordnen – jahwistischen, deuteronomistischen oder priesterlichen Traditionen. Andererseits ging regelmäßig die viel grundlegendere Fähigkeit abhanden, selbstständig mit dem biblischen Text zu arbeiten.

Ich kann nicht anders, als zutiefst zu beklagen, dass eine so große Anzahl derart begabter Menschen bei all der technischen Raffinesse oft niemals gelernt hat, selbstständig in der eigenen Bibel zu lesen.

Nun ist es natürlich eine Sache, was Theologen oder Bibelkritiker unternehmen. Wichtiger ist ja die Frage: Was mache ich? Und doch scheinen hier die Evangelikalen das gleiche Grundproblem zu besitzen. Denn eine Parallele lässt sich kaum leugnen: Auf der einen Seite der akademische Theologe, der scheinbar selbstständig urteilt, tatsächlich aber stark von den gerade anerkannten wissenschaftlichen Paradigmen abhängig sein kann. Auf der anderen Seite der Evangelikale, der sich auf die Autorität der Schrift beruft, seine konkrete Auslegung aber von Liebi, Plock, Memra, Riemenschneider oder anderen übernimmt.

So viele Unterschiede und doch ein Grundproblem: Beide lesen die Schrift nicht mehr selbstständig, sondern durch einen vorgegebenen Interpretationsrahmen.

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Kevin DeYoung: Christsein schaft eh keiner

Kevin DeYoung: Christsein schafft eh keiner oder Warum Jesus nachzufolgen nicht bedeutet, die Welt zu retten, auf alles eine Antwort zu haben, sich mit geistlichem Stillstand abzufinden oder ständig ein schlechtes Gewissen zu haben.

2026 bei Verbum Medien erschienen

Taschenbuch,144 Seiten.

Preis:11,90

Es muss für einen Nachfolger Jesu möglich sein, die Worte zu hören „Recht so, du guter und treuer Kencht!“ ohne dass er politisch engagiert, Vollzeitblogger oder Sozialarbeiter ist.“

Was sind eigentlich die Gründe dafür, dass Christen zu der Überzeugung gelangen, ein gottwohlgefälliges Leben, echte Nachfolge und ein gerechter, heiliger Lebensstil seien letztlich unerreichbar? Die Ursachen sind vielfältig. Genau diesen geht Kevin DeYoung in seinem schmalen Büchlein nach und zeigt auf, wie Christen geradezu darauf programmiert werden, sich als „ständige Versager“ zu empfinden.

DeYoung beleuchtet dazu unterschiedliche Lebensbereiche. Ein Beispiel ist unsere „Stille-Zeit-Kultur“. Warum erklären wir die persönliche Stille Zeit zu einem zentralen Element eines gottesfürchtigen Lebens? In der Praxis führt das oft dazu, dass man pflichtbewusst fünf bis zehn Minuten in der Bibel liest und seine geistliche Checkliste abhakt, ohne tatsächlich in die Beziehung zu Gott zu investieren. Ähnlich verhält es sich mit dem Missionsbefehl: Aus einem Auftrag an die Gemeinde ist vielfach eine rein individuelle Verpflichtung geworden. DeYoung weist treffend darauf hin, dass, wenn der erste Teil („Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“) für jeden Einzelnen gelten soll, dies konsequenterweise auch für den zweiten Teil gelten müsste („und taufet sie…“). Während Letzterer jedoch richtigerweise als Auftrag der Gemeinde verstanden wird, wird beim ersten Teil oft weniger differenziert gedacht.

So entwickeln wir nicht selten eine „Niemals-genug“-Mentalität, die sich biblisch kaum begründen lässt. Gerade hier liegt eine besondere Stärke des Buches: DeYoung schreibt als erfahrener Pastor und Prediger und benennt ein weitverbreitetes Problem(S. 63) :

„Als Prediger weiß ich, wie man eine Predigt hält, die allen Zuhörern ins Gewissen redet. Man könnte meinen, dass eine gute Predigt bei den Zuhörern immer ein schlechtes Gewissen hinterlassen muss. Als Folge davon gäbe jede Predigt über Heiligung allen das Gefühl, nicht heilig genug zu sein. Jede Predigt über Gebet würde Schuldgefühle darüber wecken, dass sie zu wenig beten. Jede Predigt über Evangelisation hinterließe eine Gemeinde, die sich innerlich windet vor Schuldgefühlen über ihren vermeintlichen Ungehorsam. Diese Art der Predigt ist nicht gesund und sie führt auch nicht zu gesunden Gemeinden…“

Das Buch bietet zahlreiche hilfreiche Impulse, um diesem negativen Framing entgegenzuwirken – einem Framing, das wir uns teilweise selbst aneignen, das aber auch in verschiedenen Strömungen der evangelikalen Szene anzutreffen ist: die Haltung, sich als Christ grundsätzlich als ungenügend und scheiternd zu betrachten.

Neben den genannten Beispielen (Stille Zeit und Evangelisation) greift DeYoung weitere Themen auf, wobei nicht alle gleich überzeugend ausgearbeitet sind. So erscheint etwa die Betrachtung von Christsein und Wohlstand zwar als guter Überblick über die Thematik im Lukasevangelium, überzeugt jedoch weniger als Argument dafür, dass Wohlstand für Christen kein ernsthaftes Problem darstellt. An vielen anderen Stellen hingegen ist das Buch sehr stark – etwa in der Auslegung der Bergpredigt als positive, hilfreiche Leitlinie für das christliche Leben und nicht als moralische Keule zur Erzeugung von Schuldgefühlen.

Abschließend führt DeYoung zu einem praktischen Ziel christlichen Lebens: ein ruhiges, beständiges Leben in der Nachfolge, geprägt von wachsendem Vertrauen auf den Herrn im Alltag. Gerade darin liegt die bleibende Aktualität des Buches in einer schnelllebigen Zeit – auch wenn es zugleich deren Schwäche widerspiegelt, indem es stellenweise wie eine lose Sammlung von Blogartikeln wirkt.

Insgesamt sollte das Buch eine gute Lektüre für junge Christen sein, da DeYoung einen durchweg fröhlichen und leicht zugänglichen Schreibstil bewahrt, der in diesem Buch sehr bewahrend und gelungen übersetzt wurde.

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Das Lied vom weisen Oleg

Es gibt eine alte russische Legende, die 1822 der bekannte russische Dichter Alexander Puschkin als Ballade „Lied vom weisen Oleg“ bekannt gemacht hat (eine gelungene deutsche Übersetzung findet sich hier). Besungen wird Oleg der Weise, der zweite russische Zar und Begründer der Kiewer Rus‘. 150 Jahre später vertonte der Dichter Wladimir Wyssozki den gleichen Stoff als Populäres Volkslied.

Oleg der Weise auf einem Gemälde von Wiktor Waznezow

Der Inhalt der Ballade: Hoch gerüstet zu Roß reitet der erfolgreiche Oleg in die nächste Schlacht. Da begegnet ihm ein weiser Seher, der ihm auf die Anfrage kündet, dass er viel Erfolg haben wird, sein Reich bis an die Grenzen Byzanz erweitern wird, die Feinde zerstreuen wird, sich viel Ruhm aneignen wird. Dabei wird ihn in allen Gefahren sein mutiges Roß begleiten. Doch soll Oleg wissen: „Und doch einst von diesem Roß hast Du den Tod!“

Oleg ist getroffen und verfinstert. Betrübt verabschiedet er sich von seinem treuen Gefährten. Das Ross soll nun in einem entfernten Stall bewacht werden, damit es Oleg nicht gefährlich werden kann.

Jahre vergehen und nach vielen erfolgreichen Schlachten schmaußt der Fürst im Kreise seiner alten Vertrauten. Sie gedenken der vergangene Ereignisse, da erinnert sich Oleg an sein Pferd. Dabei erfährt er von seinen Dienern, dass diesen nun etliche Jahre am Hügelhang begraben liegt.

„Alter Seher, Du hast mich belogen! Noch heute trüge mein Roß mich vielleicht…“ denkt sich Oleg und lässt sich zur Hügelstätte führen, um die Gebeine zu sehen. Die Feuchtigkeit hat die Erde weggespüllt und einige Knochen sind zu sehen, darunter auch der Roßschädel. Auf diesen tritt der Fürst; dabei kriecht aus dem Schädel eine Grubenoter, kriecht am Bein des Fürsten empor und sticht ihn mit tödlichem Biss.

„Eine giftige Viper biss ihn,
und so fand er tatsächlich
durch sein eigenes Pferd den Tod.“

Ein bekanntes Erzählmuster, dass unzählig oft in der Weltliteratur vorkommt: „Der Versuch, einem vorhergesagten Schicksal zu entkommen, führt gerade zu dessen Erfüllung“.

König Ödipus ist hier vielleicht das berühmteste und auch tragischste Beispiel.Ein anderes ist Macbeth. Drei „Schicksalsschwestern „begrüßen ihn als den als zukünftigen König.“ Da sich andere Prophezeihungen dieser Frauen erfüllen, hält sich Macbeth für gerechtfertigt „seinem Schicksal“ nachzuhelfen und König Duncan zu beseitigen, der ja im Weg für seine Thronbesteigung steht. So macht sich Macbeth zum Mörder und zu einem Abhängigen dieser Prophezeihungen. Zu diskutieren ist: Bestimmen die Wahrsagungen Macbeths Schicksal oder enthüllen sie nur eine Zukunftsmöglichkeit, die Macbeht durch seine eigenen Entschiedungen verwirklicht?

Eine spannende Variante dieses Themas findet sich bei Tolkiens‘ Herr der Ringe. Der Hexenkönig von Angmar hält sich für unbesiegbar, da eine Prophezeihung ihn wissen lässt: „Nicht durch die Hand eines Mannes wird er fallen“. Genau in dem Moment, in dem er sich dieser Unbesiegbarkeit brüstet, nimmt Eowyn (eine Frau) den Helm ab und antworett „Ich bin kein Mann!“ und versetzt ihm den tödlichen Stich.

Mein Favorit unter solchen Erzählungen ist „Der Schmied seines Glückes“. Eine Erzählung von Gottfried Keller aus dem Novellenzyklus: „Die Leute von Seldwyla“. Keller erzählt die Geschichte vom Schmied Johannes Kabis. In seiner Werkstatt hängt ein Hufeisen mit dem Spruch: „Jeder ist seines Glückes Schmied“. Von dieser Botschaft ist er überzeugt. So verlässt er irgendwann auch sein Gewerbe, und zieht von Ort zu Ort auf der Suche nach Glück. An einem fernen Ort gelingt ihm durch Gechick, Selbstbewusstsein und Kleverniess ein schneller Aufstieg. Doch gerade seine Intrigen führen dazu, dass er am Ende alles verliert.

All diese alten Geschichten zeigen: In vergangenen Zeiten war man vom erbarmungslosen Takt des Schicksals beeindruckt. Jeder konnte dazu eine Geschichte erzählen, wie man den Umständen ausgeliefert hat. Heute schlägt der Zeiger klar in die andere Richtung, Die Selbstbestimmung ist hoch im Kurs. Es sind Zeiten geworden, in der „sich jeder für den Glück seines Schmiedes hält“. Jede auch nur wage Andeutung von der Abhängigkeit des Menschen von Gott, wird als Ketzerei empfunden, oft auch in kirchliche Kreise hinein. Selbstbestimmung ist einfach das Gebott der Stunde. Nicht Sklave des Schicksals möchte man sein, sondern Herr seines Schicksals!

Als Christ muss man beide Perspektiven verwerfen. Weder der Drohende Finger des Schicksals noch der Marktschreier der Selbstbestimmung kann ihn beeindrucken! Ein Christ weiß: „Meine Zeit steht in seinen Händen!“ (Ps. 31.16). Nichts bestimmt über mein Leben außer Gott allein. Wir sind niemals einem Schicksal ausgeliefert, sondern einem Gott, ohne dessen Willen nicht der kleinste Vogel vom Kurs abkommt und der alle unsere Haare gezählt hat. Einerseits löst die Bibel allen Schicksalsglauben dadurch auf, dass sie zeigt, dass Gottes Kontrolle viel weiter reicht. Es gibt kein blindes Schicksal, welches Gott Vorschläge dafür macht, was er uns zulassen soll oder nicht. Nein, er regiert allein und souverän!. Gott sitzt im Regimente. Keine unpersönliche Macht, sondern ein allmächtiger, allweiser, allguter Gott, der Herr Zebaoth (Mehr dazu hier).

Mit diesem Wissen um Gottes Regiment, klingt Selbstbestimmung zu sehr nach Rebellion. Nicht umsonst redet die Bibel ja auch von Selbstverleugnung, statt von Selbstbestimmung. Ja Gott möchte uns frei haben, ja Gott möchte uns mündig sehen, aber eine Autonomie? Völlig Undenkbar! Wie wäre sowohl das Schreiben oder Lesen dieses Artikels ohne Gottes Befähigung möglich gewesen?

Zum Schluss die Frage: Wie kann mein Bild von Gott so verändert werden, dass ich mich weder für einen Sklaven noch für einen Herr meiner Umstände halte, sondern ein vertrauensvoller Nachfolger Christi sein kann?

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„Business Process Gnade“ von W. K. Doerffel

Wolfgang Karl Doerffel: Business Process Gnade – Kernaussagen der Bibel strukturiert und visualisiert.

104 farbige Seiten in DINA4

„Gott als Process Owner? Ja, natürlich! Wenn wir schon in unserem Business so viel Wert auf Prozesse legen, warum sollte dies ausgerechnet bei den wichtigen und zentralen Fragen des Lebens anders sein? Als Schöpfer des Universums hat Gott die Natur- und Lebensgesetze festgelegt.“

Zu diesem Buch griff ich zunächst nur, weil mich der Titel irritierte und sogar etwas abschreckte. Doch kaum hatte ich darin geblättert, musste ich meine Meinung ändern. Das Buch erweist sich als ein sehr intelligenter Versuch, einen grafischen Überblick über die ganze Bibel zu geben. Dabei setzt der Autor auf einen gelungenen Mix aus illustrativen Grafiken und erklärenden Texten.

Für den Stil des Buches wählt der Autor eine Sprache, die an technische Prozessbeschreibungen und Managementmethoden erinnert. Gerade diese ungewöhnliche Idee macht das Buch auch für glaubensferne Menschen interessant, denn es gelingt dem Autor, die Schlüssigkeit von Gottes Heilsplan Seite für Seite darzustellen. So enthält das Buch etwa eine Darstellung des israelitischen Lagers in der Wüste ebenso wie die mehr als 40 Stationen der Wüstenwanderung.

Weitere kreative Zugänge zu den Bibeltexten finden sich zum Beispiel in der Darstellung der vier Missionsreisen des Paulus, die wie eine Art „U-Bahn-Fahrplan“ gestaltet sind, in einer Stellenanzeige für einen Pastor bei der Besprechung des 1. Timotheusbriefes sowie in der Auflistung der Meilensteine der Weltgeschichte beim Propheten Zephanja.

Dass der Autor dem vollständigen Text der Bibel seine Aufmerksamkeit schenkt, macht das Buch besonders wertvoll – sowohl als Handbuch als auch als Ideensammlung für die Vorbereitung von Predigten oder Kinderstunden. Gerade die Verbindung der technischen „Arbeitssprache“ mit biblischen Texten empfinde ich als anregend für das eigene Nachdenken.

Dass der Autor vor allem die Bibel selbst sprechen lassen möchte, wird daran deutlich, dass aus jedem Bibelbuch mindestens ein Vers aufgenommen wird und er sich mit eigenen Interpretationen, etwa zu Fragen der Endzeit oder der Gaben, sehr zurückhält. Besonders stark fand ich die Betrachtung der Psalmen. Der Autor arbeitet die feinen Unterschiede der fünf Psalmenbücher so gründlich heraus, dass man die thematischen Entwicklungen innerhalb des Psalters sehr gut nachvollziehen kann. Gerade die Darstellung und Ausarbeitung der Psalmen gehört in diesem Umfang zu den gründlichsten, die ich bisher gesehen habe.

Bei den Psalmen kommt auch das vom Autor entwickelte System der sogenannten „Plotpearls“ besonders gut zur Geltung. Dabei wird jeder Bibelabschnitt – häufig ein Kapitel – mit einer farblich hinterlegten Perle markiert. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel sehr schnell erkennen, dass sich das fünfte Buch der Psalmen nahezu vollständig dem Lob Gottes widmet, während das dritte Buch viel Raum für die oft widrigen Lebensumstände in dieser Welt lässt.

Aufgelockert wird dieses Sachbuch durch kleine Gimmicks und humorvolle Anspielungen, die hier und dort versteckt sind und die Aufmerksamkeit geschickt auf den Inhalt lenken.

Für die vielen Grafiken ein geeignetes Format zu finden, ist sicher nicht leicht. So leidet das Buch ein wenig unter dem sehr großen DIN-A4-Format. Einerseits ermöglicht es, die Bibelbücher fast immer auf ein bis zwei Seiten darzustellen. Andererseits zwingt es den Autor dennoch zu einer relativ kleinen Schrift, die auf den großen Seiten mitunter etwas gedrungen wirkt. Während ich das feststelle, muss ich zugleich zugeben, dass mir selbst keine bessere Lösung einfallen würde. Gleichzeitig erklärt dieses Format auch, warum man bei diesem etwas mehr als 100 Seiten umfassenden Buch in Wirklichkeit ein recht umfangreiches Werk erhält. Der „Business-Slang“ macht das Buch zu einem möglichen Give-Away für den Kollegen am Arbeitsplatz.

Eine kostenlose Vorschau des Buches findet sich auf der Homepage des Autors, wo er auch weitergehende Informationen zu diesem Projekt gibt. Ich wünsche dem Autor eine wachsende Bekanntheit seines Werkes.

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Yassir Eric: Hass gelernt – Liebe erfahren

Yassir Eric kommt in einer streng muslimischen, für die sudanesische Politik einflussreichen Familie zur Welt. Er wächst in einer Zeit auf, in der sich die Regierung des Landes vom eher moderaten Sozialismus verabschiedet und schließlich die Scharia einführt – teils unter dem Einfluss einiger Onkel von Yassir. Seinen Namen erhielt er übrigens zu Ehren von Yassir Arafat, dem Anführer der Palästinensische Befreiungsorganisation, der in seiner Verwandtschaft vor allem für seinen Judenhass gefeiert wurde.

Mit acht Jahren wird Yassir in eine Koranschule geschickt. Dort lernt er innerhalb weniger Jahre den gesamten Koran auswendig. Die Verse werden auf Schiefertafeln geschrieben – doch diese einfach wegzuwischen wäre zu profan, könnten doch die Worte Allahs so auf die Erde fallen. Deshalb wird das Wasser, mit dem die Tafeln gereinigt werden, sorgfältig aufgefangen und anschließend getrunken.

Die Zeit in der Koranschule ist hart und grausam. Dennoch scheint die Anerkennung, die Eric nach seiner Rückkehr von seiner Familie erhält, zunächst Lohn genug zu sein. Obwohl ihn von Anfang an irritiert, dass in seinem Umfeld kaum Verständnisfragen zugelassen werden, entwickelt er sich schnell zu einem Anführer. Schon bald steht er vor der Entscheidung, ob er einen missliebigen Christen an seiner Oberschule beseitigen soll.

Das Buch gewährt in drei Lebensbereiche von Muslimen einen authentischen und persönlichen Einblick. Zunächst eröffnet es einen Blick in radikal-islamistische Szenen. Eric zeigt eindrücklich, wie häufig sich ein liberaler Islam nicht durchsetzen kann. Besonders prägnant schildert er die Hinrichtung des Reformtheologen Mahmoud Muhammad Taha, der eine Scharia im Land für unislamisch hielt – und gerade deshalb von radikaleren Muslimen getötet wurde. Eric beschreibt, wie Gruppen wie die Taliban oder der sogenannte „Islamische Staat“ mit ihren Ideen in vielen eher gemäßigten islamischen Milieus auf einen bereits vorbereiteten Boden stoßen, der häufig in der Verachtung gegenüber Andersgläubigen wurzelt.

Durch eine Begegnung mit zwei koptischen Christen erfährt Yassir, dass Christen wirkungsvoll beten können. Diese Begegnung führt letztlich zu seiner Konversion – und damit zum Ausschluss aus seiner Familie. Bis heute ist der Autor unter muslimischen Konvertiten aktiv, insbesondere als Leiter der Communio Messianica, der er seit 2024 als Bischof vorsteht. Im Buch schildert er die Erfahrungen muslimischer Konvertiten nicht nur aus seiner eigenen Geschichte, sondern auch anhand zahlreicher Begegnungen mit anderen Betroffenen.

Schließlich schreibt der Autor das Buch auch aus der Perspektive eines Migranten. In zwei kürzeren Kapiteln spricht er Probleme der Integration sowohl auf Seiten der Migranten als auch des deutschen Staates in erfrischender Deutlichkeit an.

Leider merkt man dem Buch an, dass es nicht ganz abgeschlossen wirkt. Während die Etappen bis zur Konversion gründlich und biografisch dicht dargestellt sind, werden die weiteren Stationen seit 1995 nur noch skizzenhaft behandelt.

Lesenswert bleibt das Buch dennoch – vor allem aus folgendem Grund: Es bietet einen seltenen Einblick in das Leben eines muslimischen, später christlichen Konvertiten aus erster Hand und eignet sich damit besonders für Leser, die den Dialog mit Muslimen suchen.

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Was ich mir für unsere Gottesdienste und Versammlungen wünsche!

Ein Schwerpunkt-Thema für NIMM-LIES soll dieses Jahr die Bibel sein! 2020 gab Thomas Schirrmacher ein Interview mit dem Pro-Medien-Magazin, in dem er mangelnde Bibelkenntnis als größte Bedrohung für das Christentum ausmachte. Er sagt:

„Die größte Bedrohung ist, dass die Bibelkenntnis abnimmt. Es geht dabei (…) um das Bibelwissen als Grundlage der zentralen Wahrheiten des Christentums.“

Schirrmacher hat völlig recht. Ständig bewegen die Christenheit – ob nun konservativ oder liberal – andere Themen. Heute mag es das Thema geistlicher Missbrauch sein. Viel wird darüber gesprochen. Kürzlich las ich einen Blog, der sich vor allem daran abarbeitet, dass der Hebräerbrief für sich genommen bereits als geistlicher Missbrauch verstanden werden müsse.

Selten war es wohl so unpopulär, die Bibel zu kennen, obwohl es gleichzeitig noch nie so einfach war, sich Bibelkenntnisse anzueignen. Deswegen möchte ich mich für NIMM-LIES in diesem Jahr verstärkt mit dem „Buch der Bücher“ beschäftigen. Wenn ich nur einen unserer Leser dazu bringen kann, mehr in der Bibel zu lesen, habe ich einen großen Sieg errungen.

Heute möchte ich darauf blicken, welchen Wert die Bibel in unseren Versammlungen und Gottesdiensten besitzt.

Es gäbe eine sehr einfache Möglichkeit, dem Wort Gottes in unseren Gottesdiensten mehr Priorität zu verleihen: Das Wort Gottes würde bereits dadurch in der Gemeinde geehrt werden, wenn man es im Gottesdienst öffentlich vorlesen würde. Ich habe das z. B. im Metropolitan Tabernacle in London erlebt. In jedem Gottesdienst wird dort jeweils ein Kapitel aus einem der Evangelien vorgelesen. In manchen Gemeinden erheben sich die Zuhörer sogar zum Hören des Wortes, weil man ihm diese Autorität zusprechen möchte. Das ist eindrücklich.

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