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Zwei gute Hinweise für Prediger aus dem Jahr 2025.

Immer wieder bekommt man gute Ratschläge, von denen denkt man sich wünscht, dass man sie früher gehört hätte. Im Bezug auf meinen Laien-Predigtdienst bekam ich so zwei äußerst hilfreiche Anmerkungen für meinen eigenen gelegentlichen Predigtdienst. Vielleicht sind diese Hinweise für den ein oder anderen Leser von NIMM-LIES ebenfalls hilfreich! Deswegen möchte ich sie mit euch teilen:

Selbstständiges Arbeiten mit der Bibel

In seinem gründlichen Johannes-Kommentar hält D.A. Carson, als er die Einflüsse der Synoptiker auf das vierte Evangelium und vice versa bespricht, diese wertvolle Beobachtung fest (S. 41):

„Es erscheint weit wahrscheinlicher, dass der Evangelist selbst, ein christlicher Prediger, über Jahre hinweg das Evangelium verkündigte. Zweifellos machte er sich Notizen; zweifellos lernte er von anderen und griff auf deren Arbeit zurück. Was immer er aus fremden Quellen aufnahm, eignete er sich – wie es einem guten Prediger entspricht – vollständig an; die ausgeprägte Einheitlichkeit des Stils ist dafür ein deutlicher Beleg. Schließlich fügte er das gesammelte Material zusammen und veröffentlichte es als Buch. Es ist durchaus vorstellbar, dass er das Werk in einzelnen Phasen erarbeitete; (…) In jedem Fall zeigt sich eine Sicherheit im Zugriff, eine Schlichtheit der Ausdrucksweise sowie eine Einheit von Thema und Entwicklung, die die rhetorische Kritik zu Recht würdigt und die von einem gereiften christlichen Zeugen und Theologen Zeugnis ablegt.“

Regelmäßig beobachte ich sowohl bei sehr einfachen Predigern wie bei sehr gründlich ausgebildeten Theologen, dass Ihnen genau dieser selbstständige Umgang mit der Bibel abkommt, den Johannes besaß als er über das Werk Jesu schrieb. Ich würde mir sehr wünschen, wenn mehr Prediger eigenständiger mit dem Zeugnis der heiligen Schrift umgingen, und nicht nur bereits vorhandenes aufwärmten. Das ist übrigens kein Argument gegen die Verwendung der zahlreichen Hilfmittel, die wir heute besitzen, sondern ein Argument für die richtige und weise Nutzung dieser Mittel. Eben als Unterstützung, aber nicht als Leitung für den Text, der an sich selbst schon immer stark ist. Schließlich steht er in der Bibel.

Was schief läuft, läuft häufig auch gut: So kenne ich durchaus sehr einfache, wie gründlich ausgebildete Brüder, die eben eigenständig mit dem Wort Gottes arbeiten können.

Das wünsche ich für mich mehr, damit mein Zeugnis gereift und eigenständig und dadurch ja nur authentischer und ehrlicher werden kann.

Zum Typ von Hörern reden, den Ihr gerne hättet

Helmut Thielicke berichtet in „Zu Gast auf einem schönen Stern“, über die Anfänge als Prediger, als ihm im dritten Reich der Lehrdienst an der Universität versagt wurde. Eine Große Ermutigung für mich, war die Art wie er sich seinen Zuhörern stellte. Nun hatte er eine kleien Schar alternder Damen um sich, statt wie gewohnt lernbegierige Studenten. Ich möchte dafür Thielicke umfangreich zu Wort kommen lassen (S. 142):

Meine erste dienstliche Handlung ist mir unvergeßlich. Es war der wöchentliche Bibelabend im Gemeindehaus. (…) In dem kleinen Saal erwarteten mich etwa zwanzig alte Damen. Das Nesthäkchen hatte, wenn ich mich recht erinnere, gerade 72 »Lenzen entgegengelächelt«. Der Organist war ein Greis von 82 Jahren, dessen Harmoniumspielen sehr unter seinen gichtigen Fingern litt. Sie gestatteten es ihm kaum noch, eine Einzeltaste individuell genau zu treffen. Der Greisinnen-Chor aber sang, wie es mir schien, durchaus flott, jedenfalls verglichen mit der Harmoniumbegleitung, die ihn vergeblich einzuholen versuchte. Für kurze Augenblicke befiel mich eine melancholische Anwandlung, die von der Erinnerung an das Singen der Studenten ausgelöst wurde. Dann aber ermannte ich mich zu dem Entschluß, die Sache mit Humor zu nehmen, und ich redete die alten Damen an, als ob ich Achtzehnjährige vor mir hätte, gebrauchte einige deftige und höchst weltliche Ausdrücke und flocht auch die eine oder andere Anekdote ein. Eine der alten Damen, die bald vor Vergnügen krähten, sagte am Schluß: »Sie waren aber gar nicht wie ein Stadtpfarrer, Herr Stadtpfarrer!« Nun weiß ich nicht, was die betagten Hörerinnen daheim oder in den Läden von diesem Abend erzählt haben, zunächst jedenfalls vergrößerte sich der Kreis der Damen noch etwas, und siehe da: Bald verschob sich das Durchschnittsalter merklich nach unten, und nach zunächst vereinzelten, etwas schüchternen Vertretern des männlichen Geschlechts kamen auch immer mehr Herren. Schließlich rückten sogar Jugendliche in größerer Zahl an, und wir mußten noch den Nachbarsaal hinzunehmen. Das machte mich sehr glücklich, weil es mir das Gefühl gab, auf einem vermutlich richtigen Weg zu sein. Ich habe mein Rezept späterhin manchmal jüngeren Theologen verraten. Es lautete: »Ihr müßt für den Typ von Hörern reden, den Ihr gerne hättet, auch wenn noch niemand davon da ist. Viele machen den Fehler, sich dem Diktat der Anwesenden zu fügen.«

Ein homiletisch wichtiger Rat: Predigt gewinnt nicht dadurch Kraft, dass sie sich dem Ist-Zustand anpasst, sondern dadurch, dass sie eine geistliche Wirklichkeit voraussetzt und eröffnet.

Vor allem diesen zweiten Rat möchte ich in Zukunft deutlich stärker beherzigen.

Welche Ratschläge haben euch in eurem Predigtdienst oder auch im Umgang mit der Bibel im Allgemeinen besonders geholfen?

In Kategorie: Allgemein

Über den Autor

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Hallo, ich bin Sergej und lese vor allem theologische Bücher reformierter Prägung. Als Familie wohnen wir im Südschwarzwald!

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