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„Business Process Gnade“ von W. K. Doerffel

Wolfgang Karl Doerffel: Business Process Gnade – Kernaussagen der Bibel strukturiert und visualisiert.

104 farbige Seiten in DINA4

„Gott als Process Owner? Ja, natürlich! Wenn wir schon in unserem Business so viel Wert auf Prozesse legen, warum sollte dies ausgerechnet bei den wichtigen und zentralen Fragen des Lebens anders sein? Als Schöpfer des Universums hat Gott die Natur- und Lebensgesetze festgelegt.“

Zu diesem Buch griff ich zunächst nur, weil mich der Titel irritierte und sogar etwas abschreckte. Doch kaum hatte ich darin geblättert, musste ich meine Meinung ändern. Das Buch erweist sich als ein sehr intelligenter Versuch, einen grafischen Überblick über die ganze Bibel zu geben. Dabei setzt der Autor auf einen gelungenen Mix aus illustrativen Grafiken und erklärenden Texten.

Für den Stil des Buches wählt der Autor eine Sprache, die an technische Prozessbeschreibungen und Managementmethoden erinnert. Gerade diese ungewöhnliche Idee macht das Buch auch für glaubensferne Menschen interessant, denn es gelingt dem Autor, die Schlüssigkeit von Gottes Heilsplan Seite für Seite darzustellen. So enthält das Buch etwa eine Darstellung des israelitischen Lagers in der Wüste ebenso wie die mehr als 40 Stationen der Wüstenwanderung.

Weitere kreative Zugänge zu den Bibeltexten finden sich zum Beispiel in der Darstellung der vier Missionsreisen des Paulus, die wie eine Art „U-Bahn-Fahrplan“ gestaltet sind, in einer Stellenanzeige für einen Pastor bei der Besprechung des 1. Timotheusbriefes sowie in der Auflistung der Meilensteine der Weltgeschichte beim Propheten Zephanja.

Dass der Autor dem vollständigen Text der Bibel seine Aufmerksamkeit schenkt, macht das Buch besonders wertvoll – sowohl als Handbuch als auch als Ideensammlung für die Vorbereitung von Predigten oder Kinderstunden. Gerade die Verbindung der technischen „Arbeitssprache“ mit biblischen Texten empfinde ich als anregend für das eigene Nachdenken.

Dass der Autor vor allem die Bibel selbst sprechen lassen möchte, wird daran deutlich, dass aus jedem Bibelbuch mindestens ein Vers aufgenommen wird und er sich mit eigenen Interpretationen, etwa zu Fragen der Endzeit oder der Gaben, sehr zurückhält. Besonders stark fand ich die Betrachtung der Psalmen. Der Autor arbeitet die feinen Unterschiede der fünf Psalmenbücher so gründlich heraus, dass man die thematischen Entwicklungen innerhalb des Psalters sehr gut nachvollziehen kann. Gerade die Darstellung und Ausarbeitung der Psalmen gehört in diesem Umfang zu den gründlichsten, die ich bisher gesehen habe.

Bei den Psalmen kommt auch das vom Autor entwickelte System der sogenannten „Plotpearls“ besonders gut zur Geltung. Dabei wird jeder Bibelabschnitt – häufig ein Kapitel – mit einer farblich hinterlegten Perle markiert. Auf diese Weise lässt sich zum Beispiel sehr schnell erkennen, dass sich das fünfte Buch der Psalmen nahezu vollständig dem Lob Gottes widmet, während das dritte Buch viel Raum für die oft widrigen Lebensumstände in dieser Welt lässt.

Aufgelockert wird dieses Sachbuch durch kleine Gimmicks und humorvolle Anspielungen, die hier und dort versteckt sind und die Aufmerksamkeit geschickt auf den Inhalt lenken.

Für die vielen Grafiken ein geeignetes Format zu finden, ist sicher nicht leicht. So leidet das Buch ein wenig unter dem sehr großen DIN-A4-Format. Einerseits ermöglicht es, die Bibelbücher fast immer auf ein bis zwei Seiten darzustellen. Andererseits zwingt es den Autor dennoch zu einer relativ kleinen Schrift, die auf den großen Seiten mitunter etwas gedrungen wirkt. Während ich das feststelle, muss ich zugleich zugeben, dass mir selbst keine bessere Lösung einfallen würde. Gleichzeitig erklärt dieses Format auch, warum man bei diesem etwas mehr als 100 Seiten umfassenden Buch in Wirklichkeit ein recht umfangreiches Werk erhält. Der „Business-Slang“ macht das Buch zu einem möglichen Give-Away für den Kollegen am Arbeitsplatz.

Eine kostenlose Vorschau des Buches findet sich auf der Homepage des Autors, wo er auch weitergehende Informationen zu diesem Projekt gibt. Ich wünsche dem Autor eine wachsende Bekanntheit seines Werkes.

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Das Gebet eines Arminianers
polemische Apologetik von C.H. Spurgeon

In seiner Predigt „Free Will – a slave“ denkt Spurgeon darüber nach, wie wohl ein arminianisches Gebet klingen würde:

„Ihr habt bestimmt schon viele arminianische Predigten gehört, aber ihr habt noch nie ein arminianisches Gebet gehört – denn im Gebet sind die Heiligen eins in Wort, Tat und Geist.
Ein Arminianer würde auf den Knien verzweifelt beten wie ein Calvinist. Er kann nicht über den freien Willen beten: das ist schlichtweg unmöglich. Stellt euch vor, er würde beten:

„Herr, ich danke dir, dass ich nicht wie diese armen, anmaßenden Calvinisten bin. Herr, ich wurde mit einem herrlichen freien Willen geboren; ich wurde mit einer Kraft geboren, durch die ich mich dir von selbst zuwenden kann; ich habe meine Gnade verbessert. Wenn jeder mit seiner Gnade dasselbe getan hätte wie ich, wären sie alle gerettet worden. Herr, ich weiß, du machst uns nicht willig, wenn wir nicht selbst willig sind. Du gibst jedem Menschen Gnade; manche verbessern sie nicht, aber ich schon. Es gibt viele, die in die Hölle gehen werden, die genauso mit dem Blut Christi erkauft wurden wie ich; sie hatten genauso viel vom Heiligen Geist, der ihnen gegeben wurde; sie hatten eine genauso gute Chance und waren genauso gesegnet wie ich. Es war nicht deine Gnade, die uns unterschiedlich gemacht hat; ich weiß, dass sie sehr viel getan hat, dennoch habe ich den Knopf gedrückt; ich habe das genutzt, was mir gegeben wurde, und andere nicht – das ist der Unterschied zwischen mir und ihnen.“

– Das ist ein Gebet für den Teufel, denn niemand sonst würde ein solches Gebet sprechen.“ (eigene Übersetzung)

Damit fällt Spurgeon einen Punkt, den Herman Bavinck im ersten Band seiner Reformed Dogmatics ähnlich sieht. Er schreibt dort (S377): „Es ist unbestrittenes Zeugnis aller religiöser Erfahrung von Christen, dass das Heil, sowohl in einem objektiven, wie subjektiven Sinn, einzig das Werk Gottes ist. Somit mag eine Person in Theorie ein Pelagianer sein, in der Praxis des christlichen Lebens, vor allem im Gebet ist jeder Christ ein Augustinianer. Denn hier ist alle Selbstverherrlichung ausgeschlossen, und nur Gott allein bekommt die Ehre….“