Alle Artikel in der Kategorie “Zitate

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Unterscheidung von Schöpfung und Schöpfer in den Psalmen

In seinen „Reflections on the Psalms“, schreibt C.S ein Buch „als Amateur für andere und spricht sowohl über die Schwierigkeiten wie über die gewonnen Erkenntnisse, die er beim Lesen der Psalmen gehabt hat“ (S.2, eigene Übersetzung). Dabei schreckt Lewis nicht vor den Problematischen Themen wie den Rachepsalmen zurück, ja sortiert die Kapitel seines Werks sogar nach „der Anstößigkeit“ der Themen und stellt die schwierigen Kapitel an den Anfang. In Kapitel 9 über die Bedeutung der Natur/Schöpfung in den Psalmen, bin ich auf diese wichtige Beobachtung gestoßen (Eigene Übersetzung):

„Die Juden glaubten, wie wir alle wissen, an einen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Natur und Gott waren verschieden; der eine hatte den anderen geschaffen; der eine herrschte und der andere gehorchte. Dies, sage ich, wissen wir alle. Dennoch entgeht uns die Bedeutung dieser Aussage (…).Zunächst einmal ist es für uns eine Plattitüde. Wir nehmen sie als selbstverständlich hin. In der Tat vermute ich, dass viele Menschen davon ausgehen, dass allen Religionen eine klare Schöpfungslehre zugrunde liegt: dass im Heidentum die Götter oder einer der Götter die Welt erschaffen haben; sogar, dass die Religionen normalerweise mit der mit der Beantwortung der Frage: „Wer hat die Welt erschaffen?“ beginnen.  In Wirklichkeit ist die Lehre von der Schöpfung eine selten zu findende Lehre.(…) Und wenn wir im Heidentum Geschichten darüber finden, sind sie oft religiös unwichtig, nicht im Geringsten zentral für die Religionen, in denen wir sie finden. Sie befinden sich am Rande dessen, wo die Religion in das mündet, was man vielleicht sogar zu jener Zeit als eher märchenhaft empfunden hat. In einer ägyptischen Geschichte tauchte ein Gott namens Atum aus dem Wasser auf und, da Zwitter, zeugte und gebar die beiden nächsten Götter; Danach nehmen die Dinge ihren Lauf. (…) Einem babylonischen Mythos zufolge zeugte, bevor Himmel und Erde geschaffen wurden, ein Wesen namens Aspu und ein Wesen namens Tiamat gebarLahmu und Lahamur, die ihrerseits Anshar und Kishar hervorbrachten. Es wird dabei
ausdrücklich betont, dass dieses letzte Paar größer war als seine Eltern, so dass es sich eher um einen Evolutions- als um einen Schöpfungsmythos handelt. (…). Die griechische Mythologie beginnt mit Himmel und Erde, die bereits existieren. Weiterlesen

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„… trotzdem Ja zum Leben sagen“ von Viktor Frankl
Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager

Ich bin über diese nüchternen und doch erschütternden Aufzeichnungen von Viktor Frankl in seinem Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ gestoßen. Sie haben mich sofort gefesselt. Frankls Weisheit mit Leiden umzugehen ist äußerst lehrreich. Ich habe einige Zitate aus dem Buch ausgewählt:

Individuelle Schuld und gute Tat

Das Individuum ist es, das schuldig am Nächsten wird und jedes mal aufs Neue vor der Entscheidung steht, gut oder böse zu handeln. Entsprechend stellt Frankl fest:

Unter den Lagerinsassen, die sich viele, viele Jahre in Lagern aufhielten, von einem Lager in das andere und schließlich insgesamt in Dutzende von Lagern gebracht wurden, konnten sich im Durchschnitt nur jene am Leben erhalten, die in diesem Kampf um die Lebenserhaltung skrupellos waren und auch vor Gewalttätigkeit, ja sogar nicht einmal vor Kameradschaftsdiebstahl zurückschreckten. Wir alle, die wir durch tausend und abertausend glückliche Zufälle oder Gotteswunder – wie immer man es nennen will – mit dem Leben davongekommen sind, wir wissen es und können es ruhig sagen: die Besten sind nicht zurückgekommen (Hervorhebung des Autors)

„Der Mut zum Bekenntnis erhöht den Wert einer Erkenntnis“

Das Werk ist bereits 1946 erschienen, wurde im deutschsprachigen Raum zunächst lange kaum beachtet, ist aber in vielen anderen Ländern schnell zum Bestseller lanciert. Zunächst wollte Frankl das Buch anonym herausgeben, denn im KZ ist man nicht mehr Häftling, sondern nur eine Nummer. Er war Nummer 119104:

„Tatsächlich war die Niederschrift schon beendet, als ich mich davon überzeugen ließ, daß eine anonyme Veröffentlichung insofern entwertet würde, als der Mut zum Bekenntnis den Wert einer Erkenntnis erhöht. Daraufhin habe ich um der Sache willen auch auf nachträgliche Streichungen verzichtet und so den gebotenen Mut zum Bekennen gegen die Scheu vor dem Exhibitionieren ausgespielt – und damit gleichsam mir selber einen Streich gespielt.“ Weiterlesen

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Ein Zitat aus „Der verborgene Umgang mit Gott“ von Jakob Kroeker
Denn Gemeinschaft mit Gott ist unabhängig von jedem Gericht und jeder Prüfung.

Der verborgene Umgang mit GottIn Jakob Kroekers neu aufgelegtem und sehr lesenswertem Buch „Der verborgene Umgang mit Gott“ (gegenwärtig reduziert erhältlich) habe ich dieses Zitat gefunden. Er bespricht hierbei 1. Mo 6,16 und überlegt sich dabei, wie es wohl für Noah aussah, nur einen Blick nach oben zu haben. Mitten in seiner Zwangsquarantäne hatte Noah Gemeinschaft mit Gott:

„So groß und köstlich es aber auch war, dass Noah mit seiner Familie zusammen durch die Nöte seiner Zeit hindurchgerettet werden sollte, so bedeutete die Gemeinschaft mit Gott für ihn jedoch noch weit mehr. Wurde ihm durch die hereinbrechende Flut auch vieles genommen, brach auch alles unter den Stürmen und Gerichtswogen der Zeit zusammen, wurde er auch für Wochen und Monate in seiner Freiheit und Bewegung auf seine Arche beschränkt -die Gemeinschaft mit Gott konnte ihm durch kein Gericht über das für den Untergang ausgereifte Leben genommen werden.

Denn Gemeinschaft mit Gott ist unabhängig von jedem Gericht und jeder Prüfung. Mag auch Bestehendes wanken, die Werte entwertet und die zartesten Bande der Liebe zerrissen werden, nichts vermag die Fenster nach oben zuschließen und dem Menschen des Glaubens, wie Noah einer war, den Umgang mit Gott zu nehmen.“ Weiterlesen

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Als der Apostel Johannes zweimal eine Dummheit beging…

Die vier apokalyptischen Reiter

Offenbarung 22,8–9:Und ich, Johannes, bin es, der dies gehört und gesehen hat. Und als ich’s gehört und gesehen hatte, fiel ich nieder, um anzubeten zu den Füßen des Engels, der mir dies zeigte. Und er spricht zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein Mitknecht und der Mitknecht deiner Brüder, der Propheten, und derer, die bewahren die Worte dieses Buches. Bete Gott an!“

Diese Stelle fasziniert mich in der Offenbarung in besonderer Weise.

  • Zunächst einmal ist hier die Transparenz des Johannes nicht hoch genug zu schätzen. Bei seinen Offenbarungen, die alle anderen Apostel überbieten, steigen ihm diese nicht zu Kopf: Nein er berichtet nach den größten Visionen der Neuschöpfung Gottes auch über sein Versagen. Er hat Gott auf den Thron erblickt, dem Lamm Gottes, dem Löwen aus Zion zugeschaut, die Gerichte Gottes gesehen und ist doch noch anfällig für Götzendienst. In einer anderen Weise zeigt es auch, wie anfällig wir für Götzendienst sind.
  • Dann fällt auf, dass ihm das ganze zwei Mal passiert. In Offb. 19,10 ist ihm das schon einmal passiert, dass ein Engel ihn zurechtwies, nicht in Götzendienst zu verfallen. In einer gewissen Weise ist es den besonders erhebenden Visionen geschuldet. In Offb. 19 ist es der Jubel über den Endgültigen Untergang Babylons, die völlige Einnahme der Herrschaft durch Gott. In Offb. 22 ist sein Verhalten die Folge des Erblickens des Neuen Jerusalems
  • In besonderer Weise fasziniert aber, „wer sich nicht von Engeln beeindrucken lassen hat“. Viele erschraken zutiefst vor Engeln und erwarteten ihr Ende. Eine Ausnahme berichtet uns ausgerechnet auch Johannes, aber in seinem Evangelium: Maria Magdalena. Achtet darauf in Joh 20,11-14: Ihr begegnen Engel, haben eindrucksvolle Gewänder, sprechen in Herrlichkeit. Aber Maria hat dafür nichts übrig. Ja wir lesen das so explizit als Reaktion (V.14): „sie wandte sich um“. Sie sucht ausschließlich Jesus.
  • Schließlich aber beeindruckt die obige Stelle über die Herrlichkeit, die wir wie unsere Mitbrüder im Neuen Jerusalem haben werden. Die mögliche zukünftige Verherrlichkung kann man nicht genug würdigen.  Die langweiligste Person kann eines Tages zu einer Person werden, von der man sehr versucht wäre, diese anzubeten. Ich glaube, niemand hat diese These besser auf den Punkt gebracht als C.S.Lewis, in dieser häufig zitierten Feststellung (Eigene Übersetzung aus seiner Predigt The Weight of Glory):

„Es ist eine  recht ernste Sache, in einer Gesellschaft potentieller Götter und Göttinnen zu leben, sich daran zu erinnern, dass die langweiligste und uninteressanteste Person, mit der man spricht, eines Tages ein Geschöpf sein könnte, das man, wenn man es jetzt sähe, stark versucht wäre anzubeten. oder aber ein Schrecken und eine Verderbnis, wie man sie heute, wenn überhaupt, nur in einem Alptraum antrifft. Den ganzen Tag über helfen wir einander in gewissem Maße, das eine oder andere Ziel zu erreichen. Im Lichte dieser überwältigenden Möglichkeiten sollten wir alle unsere Beziehungen zueinander, alle Freundschaften, alle Liebschaften, alle Spiele, alle Politik mit der ihnen eigenen Ehrfurcht und Umsicht betreiben. Es gibt keine gewöhnlichen Menschen. Sie haben noch nie mit einem einfachen Sterblichen gesprochen. Nationen, Kulturen, Künste, Zivilisationen – sie sind sterblich, und ihr Leben ist für uns wie das Leben einer Mücke. Aber es sind die Unsterblichen, mit denen wir scherzen, mit denen wir arbeiten, die wir heiraten, die wir brüskieren und ausnutzen – unsterbliche Schrecknisse oder ewige Pracht. (…) Und unsere Nächstenliebe muss eine echte und teure Liebe sein, mit tiefem Gefühl für die Sünden, trotz derer wir den Sünder lieben – keine bloße Toleranz oder Nachsicht die die Liebe parodiert wie der Leichtsinn die Fröhlichkeit. Neben dem Allerheiligsten Sakrament selbst ist der Nächste das heiligste Objekt, das sich unseren Sinnen darbietet.“

 

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Wilhelm Busch berichtet über seinen Dienst als Prediger in Bielefeld
Aus "Plaudereien in meinem Studierzimmer"

Plaudereien in meinem Studierzimmer“ (Wilhelm Busch) – Buch antiquarisch  kaufen – A01uvQex01ZZSÜber seine ersten Jahre als Prediger, damals noch in einem Arbeiterviertel von Bielefeld berichtet Wilhelm Busch in „Plaudereien in meinem Studierzimmer“, (2. Auflage, S. 44f, hier neu Aufgelegt und auch frei als .pdf erhältlich), und gewährt so einen Blick in seine Arbeitsweise, seinen Eifer (Beachte die regelmäßigen Hausbesuche und wie er auf Kritik weise reagiert), aber auch seine Analysefähigkeiten. Ich glaube, das was Busch in den Zwanzigern des 20ten Jahrhunderts beobachten hat, wird durch Twitter, Hashtag & Co in den Zwanzigern des 21ten Jahrhunderts multipliziert.

„In diesem Bezirk nun schenkte es mir Gott, dass ich die Kraft des Evangeliums herrlich erfahren durfte.

Zuerst fing ich an damit, jeden Vormittag und Nachmittag von Haus zu Haus Besuche zu machen. Bald aber hörte ich, dass die Männer spotteten: „Der Pfaffe kommt nur zu unseren Frauen, wenn die Männer nicht da sind!“ Von da an verlegte ich meine Besuche auf den Abend. Da traf ich die Männer und kam mit ihnen ins Gespräch. 

Ich habe damals zum ersten Mal erlebt, wie die Menschen weithin das eigene Denken aufgegeben haben zugunsten von Denkschemata und Schlagworten. es war ermüdend immer und immer dieselben Phrasen zu hören von „Verelendung der Massen“, von der „Schuld der Kirchen“, die „die Waffen gesegnet haben“ und „geschweigen haben zu der Ausbeutung“ oder „wie die Kirchgänger schlechter sind als alle anderen.“ Mein Herz schrie danach, endlich einmal ein eigenes, aus dem eigenen Denken oder aus dem Herzen entsprungenes Wort zu hören.

#Der Ehrlichkeit halber mumm ich hier einfügen, dass ich dasselbe später ebenso bei den sogenannten Gebildeten gefunden habe. Wenn die Schlagworte, mit denen sie den Ruf Gottes ablehnten, auch andere waren, sie waren doch genauso wenig selbst erdacht, wie bei den Bielefelder Arbeitern. 

Ja mit Schrecken entdeckte ich im Laufe der Zeit: Sogar die Theologen haben ihre festen und geprägten Sprachformeln. Die Menschen kommen mir oft vor, als wenn man ihnen das Gehirn weggenommen und dafür Schallplatten in den Kopf gesetzt hätte, die nun auf bestimmte Stichworte hin ablaufen.

Am traurigsten empfinde ich diesen Tatbestand, wenn ich ihn bei gläubigen Christen treffe. Ich meine: Wer zum Glauben an Jesus kommt und nun mit seinem Herrn lebt, hat auch seinen eigenen, vom Erleben geprägten Wortschatz…“

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Wo ist Kirche?
Artikel 27 des niederländischen Bekenntnisses

Im 27ten Artikel des niederländischen Glaubensbekenntnisses findet sich ein bemerkenswerter Satz, umgeben in einer gelungenen Zusammenfassung:

„Wir glauben und bekennen eine katholische oder allgemeine Kirche, welche ist eine heilige Vereinigung oder Gemeinschaft aller gläubigen Christen, welche ihr ganzes Heil von dem einen Jesus Christus erwarten, gereinigt durch sein Blut und durch seinen Geist geheiligt und versiegelt. Diese Kirche ferner war vom Anfang der Welt und wird bis zu ihrem Ende bleiben, wie dies auch daraus erhellt, dass Christus ein ewiger König ist, der niemals ohne Untertanen sein kann. Übrigens schützt Gott diese heilige Kirche gegen alle Wut und Angriffe der Welt, wenn sie auch für einige Zeit nur sehr klein und fast verlöscht in den Augen der Menschen erscheint, wie Gott in jener sehr gefährlichen Zeit des Ahab sich siebentausend Männer bewahrt haben soll, die ihre Knie nicht vor dem Baal beugten. Endlich ist diese heilige Kirche an keinem bestimmten Ort gelegen oder beschränkt oder irgend an bestimmte Personen gebunden oder gekettet, sondern sie ist über den ganzen Erdkreis zerstreut und verbreitet, obgleich sie in Herz und Willen in ein und demselben Geiste durch die Kraft des Glaubens ganz verbunden und vereinigt ist.

Guy de Brès, Autor des Bekenntnisses, erfuhr an eigener Haut, was es heißt, zu einer „kleinen, fast verlöschten Kirche“ anzugehören. Für sein Bekenntnis, mit dem er die protestantische Minderheit Hollands vor dem rigorose Verfolgung von Prinz Philipp II verteidigen wollte, sollte er den Widerstand der Behörden auf sich ziehen. Einige Jahre später wurde er gefangengenommen und mit gerade mal 45 Jahren zum Tode verurteilt.

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Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!›
Aus "Bilder aus der Pilgerreise"

„Ich fühle mich stets geneigt, Evangelist für das Missbehagen, das der arme Christ im Sumpfeder Verzagtheit leiden musste, zu tadeln. So sehr ich John Bunyan auch schätze, halte ich ihndoch nicht für unfehlbar, und jüngst hörte ich eine Geschichte über ihn, die ich für eine sehr gute halte:
Da war in Edinburg ein junger Mann, der gerne Missionar werden wollte. Er war ein verständiger junger Mann, daher überlegte er: «Wenn ich Missionar werden will, ist es gar nicht nötig, dass man mich weit von hier fortsende; ich kann ja in Edinburg ebenso gut Missionar sein.» Hier ist ein Wink für solche Schwestern, die in ihren Bezirken Traktate verbreiten, aber ihrem eigenen Dienstmädchen keinen geben. Nun, dieser junge Mann wollte sogleich mit dem Missionieren beginnen und mit der ersten Person sprechen, die ihm begegnete. Diese war eine alte Fisch-händlerin. Wer diese Art einmal kennen gelernt hat, vergisst sie sobald nicht wieder; es sind ganz außerordentliche Frauen. Er trat auf sie zu und sagte: «Liebe Frau, Sie haben da eine große Last auf Ihrem Rücken zu tragen; ich möchte Sie fragen, ob Sie auch eine andere, eine geistliche Last kennen gelernt haben.» – «Wie», antwortete sie; «meinen Sie die Last, von der in Bunyans ‹Pilgerreise› die Rede ist? Wenn Sie die meinen, so will ich Ihnen nur sagen, dass ich sie schon seit langer Zeit los bin, wahrscheinlich ehe Sie geboren wurden. Aber ich habe einen besseren Weg eingeschlagen als Bunyans Pilger. Der Evangelist, von dem Bunyan erzählt, war einer von euren Pastoren, die nicht das Evangelium verkündigen, denn er sagte: ‹Behalte jenes Licht im Auge und laufe auf die enge Pforte zu!› Nun, junger Mann, das war nicht der rechte Ort, wohin er laufen musste. Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!› Aber statt dessen schickte er den armen Pilger erst nach der Pforte hin, und das hat ihm nicht sonderlich genützt.» – «Aber sind Sie denn nicht durch einen Sumpf der Verzagtheit gekommen?» fragte der junge Mann. «Ja, allerdings; aber es war viel leichter, ohne Last hindurchzukommen, als mit einer schweren Last auf dem Rücken.»

Die alte Frau hatte ganz recht. John Bunyan schiebt die Befreiung von der Last am Anfang der Pilgerreise viel zu weit hinaus. Wenn er den gewöhnlichen Lauf der Dinge beschreiben wollte, so war er ganz im Recht; wenn er aber zeigen wollte, wie es sein sollte, war er im Unrecht. Wir dürfen zu der suchenden Seele nicht sagen: «Wenn du gerettet sein willst, so eile hin zum Taufbassin, gehe zur Pforte, gehe zur Kirche, oder tue dies und tue jenes.» Nein, dicht vor der Pforte sollte das Kreuz stehen, und wir sollten zu den Sündern sagen: «Dort wirf dich nieder und blicke hinauf, so bist du gerettet. Du kannst nicht errettet werden, bis du deine Last am Fuße des Kreuzes niederlegst und in Jesu Frieden findest.»

Aus „Bilder aus der PIlgerreise von C.H. Spurgeon“ (der Komplette Text findet sich hier)

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Das Gebet eines Arminianers
polemische Apologetik von C.H. Spurgeon

In seiner Predigt „Free Will – a slave“ denkt Spurgeon darüber nach, wie wohl ein arminianisches Gebet klingen würde:

„Ihr habt bestimmt schon viele arminianische Predigten gehört, aber ihr habt noch nie ein arminianisches Gebet gehört – denn im Gebet sind die Heiligen eins in Wort, Tat und Geist.
Ein Arminianer würde auf den Knien verzweifelt beten wie ein Calvinist. Er kann nicht über den freien Willen beten: das ist schlichtweg unmöglich. Stellt euch vor, er würde beten:

„Herr, ich danke dir, dass ich nicht wie diese armen, anmaßenden Calvinisten bin. Herr, ich wurde mit einem herrlichen freien Willen geboren; ich wurde mit einer Kraft geboren, durch die ich mich dir von selbst zuwenden kann; ich habe meine Gnade verbessert. Wenn jeder mit seiner Gnade dasselbe getan hätte wie ich, wären sie alle gerettet worden. Herr, ich weiß, du machst uns nicht willig, wenn wir nicht selbst willig sind. Du gibst jedem Menschen Gnade; manche verbessern sie nicht, aber ich schon. Es gibt viele, die in die Hölle gehen werden, die genauso mit dem Blut Christi erkauft wurden wie ich; sie hatten genauso viel vom Heiligen Geist, der ihnen gegeben wurde; sie hatten eine genauso gute Chance und waren genauso gesegnet wie ich. Es war nicht deine Gnade, die uns unterschiedlich gemacht hat; ich weiß, dass sie sehr viel getan hat, dennoch habe ich den Knopf gedrückt; ich habe das genutzt, was mir gegeben wurde, und andere nicht – das ist der Unterschied zwischen mir und ihnen.“

– Das ist ein Gebet für den Teufel, denn niemand sonst würde ein solches Gebet sprechen.“ (eigene Übersetzung)

Damit fällt Spurgeon einen Punkt, den Herman Bavinck im ersten Band seiner Reformed Dogmatics ähnlich sieht. Er schreibt dort (S377): „Es ist unbestrittenes Zeugnis aller religiöser Erfahrung von Christen, dass das Heil, sowohl in einem objektiven, wie subjektiven Sinn, einzig das Werk Gottes ist. Somit mag eine Person in Theorie ein Pelagianer sein, in der Praxis des christlichen Lebens, vor allem im Gebet ist jeder Christ ein Augustinianer. Denn hier ist alle Selbstverherrlichung ausgeschlossen, und nur Gott allein bekommt die Ehre….“

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Das ausgetauschte Leben
Ein Brief von Hudson Taylor an seine Schwester

In einem sehr persönlichen Brief schildert Hudson Taylor, wie er im Kampf um die Heiligung Christus neu als Erretter erlebt hat (Vollständig hier zu finden):

„Ich fühlte, dass ich für mich persönlich wie für die ganze Mission mehr Heiligkeit, mehr Leben,
mehr Kraft bedürfe. Ich empfand, welche Undankbarkeit, Gefahr und Sünde darin lag, dass ich nicht ganz nahe bei Gott lebte. Ich betete, fastete, rang, fasste Entschlüsse, las das Wort Gottes fleißiger, suchte mir mehr Stille zu nehmen, um über die göttlichen Dinge nachzudenken? alles war wirkungslos. Jeden Tag, ja jede Stunde stand ich unter dem Druck der Sünde. Ich wusste, dass alles gut sein würde, wenn ich nur in Jesus bliebe; aber ich konnte nicht. Ich begann den Tag mit Gebet und war entschlossen, meine Augen nicht einen Augenblick von ihm abzuwenden.“

Taylor fühlt sich als Versager, weil das nicht gelingt: Weiterlesen

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Wann bin ich gesetzlich? – Ein Einblick von John Colquhoun

Wenn ein Mensch zu Taten des Gehorsams gedrängt ist, weil er den Zorn Gottes fürchtet, der sich im Gesetz offenbart und nicht weil er an Seine Liebe glaubt, die sich im Evangelium offenbart… Wenn er Gott wegen Seiner Macht und Gerechtigkeit fürchtet und nicht aufgrund Seiner Güte, wenn er in Gott viel eher einen rächenden Richter, als einen leidenschaftlichen Freund und Vater sieht, und und wenn er Gott als fürchterliche Majestät vor sich sieht, statt unendlich gnädig und barmherzig wird dadurch sichtbar, dass er unter der Herrschaft eines gesetzlichen Geistes ist, oder zumindest daran leidet… Er zeigt, dass er unter dem Einfluss dieses hasserfüllten Versuchers steht … wenn sein Vertrauen auf göttliches Erbarmen durch die Lebendigkeit seiner Pflichten und nicht durch die Entdeckungen der Freiheit und der Reichtümer erlösender Gnade geprägt sind, die ihm im Evangelium angeboten werden, oder wenn er das ewige Leben nicht als Gabe Gottes durch Jesus Christus erwartet, sondern als Gottes Rekompensation für seinen Gehorsam und sein Leiden, wird schmerzhaft deutlich, dass er sich unter der Macht eines gesetzlichen Geistes befindet.

gefunden in „The Whole Christ“ von Sinclair Ferguson, der hier aus dem Werk „Treatise on the Law and Gospel“ des Purtianers John Colquhoun zitiert.