Alle Artikel in der Kategorie “Zitate

Kommentare 2

Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Gefunden in Luthers Tischreden:

214. Das Gesetz und Evangelium recht zu unterscheiden, ist keines Menschen Kunst

Kein Mensch lebt auf Erden, der das Evangelium und Gesetz recht zu unterscheiden weiß. Wir lassen es uns wohl dünken, wenn wir predigen hören, wir verstehens; aber es fehlt weit, allein der heilige Geist kann diese Kunst. Dem Menschen Christus hats auch gefehlt am Ölberge, so daß ihn ein Engel trösten mußte; der war doch ein Doktor vom Himmel, dennoch wurde er durch den Engel gestärkt. Ich hätte auch gemeint, ich könnte es, weil ich so lange und so so viel davon geschrieben habe; aber, wenn es ans Treffen geht, so sehe ich wohl, daß mirs weit, weit fehlt! So soll und muß allein Gott der heiligste Meister sein.

212: Was Gesetz und Evangelium sei

Das Gesetz ist das, was wir tun sollen; das Evangelium aber handelt von Gott, von dem, was Gott geben will. Das erste können wir nicht tun; das zweite können wir annehmen, und zwar mit dem Glauben. Aber siehe, wie die Menschen sind: das erste, was sie nicht tun können, wollen sie tun, und das zweite, was sie annehmen sollten, wollen sie nicht glauben usw.

215.

Diese zwei Lehren, Gesetz und Evangelium, sind hoch vonnöten, die muß man beieinander haben und wohl treiben, doch unterschiedlich und mit großer Bescheidenheit, sonst werden die Leute entweder vermessen oder verzweifeln, besonders wenn der Teufel aus dem Evangelium ein Gesetz macht. Darum beschreibt Mose diese beiden Lehren sehr fein und wohl durch einen oberen und unteren Mühlstein (5. Mose 24, 6). Der obere Stein poltert und stößt; dieser ist das Gesetz, aber er ist von Gott recht gehängt, daß er nur treibt. Der untere Stein aber ist still und ruht, das ist das Evangelium. Unser Herrgott hat den Oberstein fein gehängt, daß er nicht ganz zerreibe und zermalme, sondern hat an beide, an den oberen und an den unteren Stein, Gnade gehängt.

[Aus: Martin Luther: Der neue Glaube. Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 6292-6296
(vgl. Luther-W Bd. 9, S. 98-99) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

Kommentare 0

Schlechtes Gesetz versus gutes Gesetz

Robertson McQuilkin schreibt in seiner „Biblischen Ethik“ im Rahmen der Besprechung von Bestrafungen von Verbrechen:

„Im Allgemeinen verstärken gute Gesetze moralische Standards, und schlechte Gesetze schwächen moralische Standards. Es gibt viele Arten, schlechte Gesetze oder Justizsysteme zu entwickeln.

Nicht durchsetzbare Gesetze, welche die Gesellschaft nicht durchsetzen will, so wie die amerikanische Prohibition) sind schlecht, weil sie den Respekt für das Gesetz untergraben, wenn sie nicht durchgesetzt werden und Korruption unter den Bürgern und den verantwortlichen Beamten fördern. 

Ungerechte Gesetze gibt es auf unterschiedliche Arten. Es ist ungerecht, Beweise vom Hörensagen anzuerkennen oder jemanden ohne angemessene Beweise zu verurteilen. Es ist ungerecht, ein Opfer von sexueller Gewalt oder von Kindesmissbrauch wiederholten emotionalen und mentalen Angriffen, Scham und Einschüchterung im Gerichtssaal auszusetzen. Eine vorherrschende Art der Ungerechtigkeit in unserem gegenwärtigen System ist, dass die Armen ohne Beziehungen und die Ungebildeten proportional wesentlich häufiger verurteilt werden als jene, die sich die Vertretung durch einen Rechtsanwalt leisten können, die Freunde in hohen Positionen haben und wissen, wie man das System „bearbeitet“. Es ist ungerecht, jemanden zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen, der einen Ladendiebstahl im Wert von zehn Dollar begangen hat, aber kein Gesetz dagegen zu haben, dass der Besitzer der Ladenkette die Regierung illegal um Hunderte und Tausende von Dollars seiner Einkommenssteuer bringt.“

Im weiteren Verlauf schildert der Autor, wie vier völlig unterschiedliche Verbrechen (ein Mord, ein Kuss und die Ermordung eines „königlichen Schwans“) zu komplett gleichen Strafen geführt haben.

Obwohl McQuilkin vornehmlich die US-Amerikanische Situation im Blick hat, ist sein Impuls bedenkenswert, ich denke auch in der Besprechung und Bewertung der Corona-Maßnahmen.

Das das Infektionsschutzgesetz bis zu fünf Jahre Haft bei Verstößen dagegen androht (siehe hier) ist schon starker Tobak, wenn man bedenkt, dass die Kosten des Gesundheitssystems vom privaten Bürger getragen werden und im Blick hat, dass hier Politik vornehmlich durch Verordnungen, also sowohl am Parlament und am Föderalismus vorbei, also mehrfach die prüfenden Augen der Gewaltenteilung aushebend, realisiert wird. Wenn man Kinderpornos besitzt und verbreitet, kommt man übrigens mit einem halben Jahr auf Bewährung davon, wie uns ein bekannter Fußballspieler neulich lehrte.

Ich denke auch, dass das ein Aspekt ist, der in der Bewertung der Corona-Maßnahmen zu kurz kommt, so wie er z.B. in der Erklärung „Jesus im Mittelpunkt behalten – trotz Corona“ dargestellt wird. Ein schlechtes Gesetz ist nämlich für mich die Möglichkeit als Bürger mich bei Regierung und mit sonstigen Mitteln dafür einzusetzen, dass dieses Gesetz „besser wird“. Der Pauschale Verweis ja/nein genügt da nicht. Noch weniger überzeugt es, wenn man Kritiker der Maßnahmen, die z.B. gerichtlich gegen Verordnungen vorgehen, bereits „unbiblischen Verhaltens“ zu tadeln. Im Übrigen würden wir ja kaum jemanden so auf den Pranger stellen, weil er regelmäßig mit Strafzetteln für schnelles Fahren zu rechnen hat. Und ja, ich weigere mich die Aufrichtigkeit hinter den Maßnahmen zu akzeptieren, wenn ich die Hunderttausend Abgetriebenen Jährlich im Blick habe. Manche scheinen zu vergessen, dass kaum ein Politiker so vehement für die Verpflichtung zum Tragen medizinischer Masken gekämpft hat, wie Nüßlein. War sicher nur ein Zufall…

Ich beobachte sehr wohl auch ganz lebensnah diese Ausgewogenheit. Für den 09.05.2021 wurde für unsere Stadt eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen abgesagt. Die Polizei marschierte mit 300 Polizisten durch die Stadt, um die knapp 30 illegal doch angekommenen Demonstranten die geballte Macht des Staates entgegenzusetzen. Aber was konnte ich dann beobachten: Sah ich doch wirklich zwei Polizisten in einem Fahrzeug der Bundespolizei ohne den verpflichtenden Mundschutz herumfahren (Etwas was mir übrigens schon häufiger aufgefallen ist). Normalerweise empfände ich es als gewisse Erleichterung, wenn auch die Polizei nicht penibel auf dem Buchstaben des Gesetzes baut, aber hier packte mich doch ein „heiliger Zorn“. Einerseits ein Grundrecht auf Demonstrationen so rigoros einschränken und doch gleichzeitig so locker mit der Maskenpflicht umzugehen, kann nicht ausgewogen sein.

Ich habe das Fahrzeug daraufhin bei der Polizei gemeldet. Ob wirklich irgendwelche Maßnahmen unternommen werden, werde ich nie erfahren können. Wer soll mir garantieren können, dass hier nicht eine Gilde wie Pech und Schwefel medienwirksam zusammenhält?  Werden dem Polizisten nun auch fünf Jahre Haft für potentielle Verbreitung von Corona angedroht? Oder anders gefragt: Meine Heimatstadt Villingen-Schwenningen ist nun mal Hochburg für Prostitution und Sexgewerbe, ein beachtlicher Teil davon ist illegal organisiert. Warum nicht auch mal hier mit brachialer Staatsgewalt samt Hubschrauber durchgreifen?

Mich persönlich frustriert nur eine Sache dabei: Ich bin nämlich äußerst unpolitisch. Zunehmend kommt also die Frage auf, wie gerecht Gesetze sind, wenn zunehmend alltägliche Handlungen politisiert werden.

Kommentare 1

„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schildbürger sind ursprünglich für ihre Klugheit weithin bekannt und werden überall in der Welt gefragt um mit ihrer Klugheit die Dinge zu regeln. Doch Schilda, ihr Heimatort geht dadurch den Bach runter. Also muss etwas unternommen werden. Die Schildbürger nehmen sich nun vor, sich besonders dumm zu stellen. Allen sagt der Plan zu, außer dem Lehrer, der einwendet:

„Wer klug tut, wir davon noch lange nicht klug.Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“. Die anderen lachten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, meinte der Schmied neugierig. „Eure Dummheit“, rief der Lehrer. Da lachten sie ihn alle aus.

Als erste Dummheit beschließt man den Bau eines dreieckigen Rathauses ohne Fenster. Dieser wird bald eine weltbekannte Kuriosität und spült Geld in die Stadtkasse:

>„So wurden die Schildbürger zwar nicht wegen ihres dreieckigen Rathauses, sondern vielmehr wegen ihrer vergessenen Fenster berühmt. Es dauerte nicht lange, so kamen auch schon die ersten Reisenden nach Schilda, bestaunten die Einwohner, übernachteten und ließen überhaupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte der Ochsenwirt zu seinen Freunden, „als wir gescheit waren, mussten wir das Geld in der Fremde verdienen. Jetzt, da wir dumm geworden sind, bringt man es uns ins Haus!“ 

Doch wie viel Dummheit ist eigentlich ideal? Als man Minna, die Kuh des Bürgermeisters dazu bringen möchte, das Gras auf einer Mauer abzugrasen und sie beim Hinaufhieven erstickt, bemerkt der Bürgermeister voll Kummer:

„Liebe Freunde«, sagte er zerknirscht, »an Minnas vorzeitigem Ableben ist einzig und allein unser Scharfsinn und Verstand schuld. Hätte ich das Gras auf der Mauer nicht bemerkt und daraus gefolgert, daß es nutzbringend verwendet werden müsse, wäre das brave Tier noch munter und guter Dinge. Ich fürchte, wir sind noch immer nicht dumm genug.« Die anderen nickten nachdenklich.“

Weil die Schildbürger irgendwann mit dem Umgang mit einem „Maushund“ überfordert sind, zünden sie ihre ganze Stadt an und sind so gezwungen in die ganze Welt auszuwandern:

„Und so kommt es, daß es heutzutage die Stadt Schilda nicht mehr gibt und die Schildbürger auch nicht. Das heißt: Es gibt sie natürlich noch. Nur ihre Enkel und Urenkel und deren Enkel und Urenkel leben über die ganze Erde verstreut. Sie wissen gar nicht mehr, daß sie von den Schildbürgern abstammen. Von Leuten also, die sich, um glücklich zu werden, dumm stellten und dadurch ins Unglück gerieten, daß sie dumm wurden. Und sie können es auch gar nicht wissen.

Denn heutzutage gelangen die Dummen zu Ruhm und Rang, zu Geld und Glück genauso wie die Gescheiten. Woran sollten also die Dummen auf unserer Erde merken, daß sie dumm sind? Ein einziges Merkmal gibt es, woran man die Dummen erkennt: Mit dem, was sie erreicht haben, sind sie selten, aber mit sich selber sind sie stets zufrieden. Gebt also gut Obacht! Bei den anderen, und bei wem noch? Ganz recht,bei euch!“

Alle Zitate aus Erich Kästner: Die Schildbürger.

Kommentare 0

Die Predigt des Reverend Sprague aus St. Petersburg

In die Abenteuer von Tom Sawyer hat Reverend Sprague zwei Mal die Gelegenheit für eine Predigt. Das eine Mal spricht er über dies und das und das andere Mal ist er ein Tausendsassa um die Realität in den gewünschten Farben leuchten zu lassen. Nichts neues im Westen also.  Ganz zu Beginn des Buches erleben wir einen Sonntag von Tom (Hervorhebungen von mir):

„Und jetzt kam die Predigt. Es war eine gute, leutselige Predigt und ging bis ins einzelne. Sie beschäftigte sich mit der Kirche und mit den Kindern der Kirche; mit den anderen Kirchen des Dorfes; mit dem Dorfe selbst; mit dem Lande; mit dem Staat; mit den Behörden der einzelnen Staaten; mit den Vereinigten Staaten; mit dem Kongreß; mit dem Präsidenten; mit den Staatsdienern; mit den armen, sturmumtosten Seefahrern; mit den unter dem Joch ihrer Monarchen seufzenden Millionen Europas und des Orients; mit den Glücklichen und Reichen, die nicht Augen haben, zu sehen und Ohren, zu hören; mit den armen Seelen auf fernen Inseln; und schloß mit der Bitte, daß seine Worte auf guten Boden fallen und dereinst hundertfältige Frucht tragen möchten. Amen

Der Knabe, dessen Geschichte dieses Buch enthält, hatte keine Freude an dieser Predigt, er hörte sie einfach an — und vielleicht auch das nicht. Doch merkte er sich einzelne Details daraus, ganz unbewußt, denn, wie gesagt, er achtete kaum darauf, aber er kannte den Sermon des Geistlichen
schon längst und bemerkte es sofort, wenn mal irgend ein neuer Passus eingeschoben war, und das empfand er dann unangenehm; er hielt Beisätze und Abweichungen von dem Althergebrachten für unnobel und unrecht“ (S. 33 aus dieser Übersetzung)

Weiterlesen

Kommentare 0

Die verändernde Macht der Rechtfertigung aus Gnaden

„Vor kurzem ging ich durch die Straßen von Sandtown. Es fühlte sich für mich wie das vom Krieg zerstörte Vukovar an, nur dass diese Zerstörung nicht durch Krieg, sondern durch rassische Spannungen, Verbrechen und wirtschaftlichen Niedergang verursacht wurden. Es gab aber auch einen weiteren wichtigen Unterschied. Zwölf Blöcke der Stadt wurden durch die New Song Community zu einem Bereich der Liebe Gottes herausgeschnitzt. Tote Straßen aufs neue mit Leben erfüllt.

Mark Gornik, Pastor der Gemeinde machte die Bemerkung beinahe beiläufig. Als er die Vernichtung der Wohngebiete erklärte, meinte er, dass die Lehre von der Rechtfertigung aus Gnaden die notwendigen Ressourcen für Heilung enthält. Er muss es wohl wissen, dachte ich, schließlich lebt und arbeitet er hier in Sandtown schon seit mehr als zehn Jahren (…).

Doch für die meisten Theologen ist die Rechtfertigung aus Gnaden eine leere Doktrin. Manche haben sie verlassen und lassen sie auf dem theologischen Misthaufen dahinrosten; sie halten sie im Allgemeinen für nutzlos, ja selbst für deutlich geringere soziale Pathologien als wenig hilfreich, geschweige denn in Fragen von Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Andere verfolgen eine Art antiquarisches Interesse an dieser Lehre. Sie untersuchen und polieren ein Artifakt des sechzehnten Jahrhunderts und zeigen ihre Sammlung stolz den seltenen Besuchern ihrer kleinen Museen. Ob nun rostig oder poliert, die Lehre von der Rechtfertigung aus Gnaden gammelt dahin, leer und leblos. Eine tote Lehre.

Könnte die Hoffnung für Innenstädte auch in der Wiederentdeckung der Lehre von der Rechtfertigung aus Gnade liegen? Wie können tote Straßen von einer toten Lehre belebt werden?

Stell dir einmal vor, du hast keine Arbeit, kein Geld und bist von der restlichen Gesellschaft abgeschnitten in einer Welt, die von Armut, Gewalt beherrsch ist (…) Dich umgibt dabei eine Gesellschaft, die vom eisernen Gesetz des Erfolgs regiert wird. Seine glitzernden Güter jagen an deinen Augen vorbei, wenn du fernsiehst und auf tausendfache Weise sagt die Gesellschaft dir tagaus und tagein, dass du wertlos bist, weil du nichts erreicht hast. Du bist ein Versager und du weißt ganz genau, dass du auch weiterhin ein Versager bleiben wirst, weil es keine Möglichkeiten gibt, morgen das zu erreichen, was du heute nicht erreicht hast. Deine Würde ist zerstört und deine Seele ist gefangen in der Finsternis der Verzweiflung.

Doch das Evangelium sagt dir, dass du nicht durch außenstehende Kräfte definiert wirst. Es sagt dir, dass du bedingungslos angenommen, ja viel mehr, bedingungslos und unendlich geliebt wirst, völlig unabhängig von dem, was du erreicht hast oder nicht erreichen konntest. (…)

Stell dir nun vor, dass dieses Evangelium von einer Gemeinschaft nicht bloß verkündigt, sondern verkörpert wird, die nicht das „Ergebnis von Werken“ ist, sondern eine Gemeinschaft ist, die „in Christus zu guten Werken geschaffen wurde“ (Eph. 2,10). Durch grenzenlose Gnade gerechtfertigt, sucht sie die „Rechtfertigung“ durch Gnade derer, die durch das unangebrachte Leistungsgesetz der Gesellschaft „ungerecht gemacht wurden“. (…) Das ist Rechtfertigung aus Gnaden, verkündigt und gelebt. Eine tote Lehre? Wohl kaum!“ (…)

Gottes Liebe ist diese unentbehrliche Fürsorge für die menschliche Seele, von der der Prophet spricht, wenn er ausruft: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! (Jes 55,1)“


Aus „Against the Tide“ – Love in a Time of Petty Dreams and Persisting Enmities von Mirsolav Volf (Kindle Positionen 1406 – 1431) – eigene Übersetzung

Kommentare 0

„Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.“

Blogger Viktor (ich empfehle seinen exzellenten Artikel über die Petrusschlüssel) hat mich auf den exakten Wortlaut der zwei Paragraphen zu Schwangerschaftsabbrüchen gemacht. Ich staune über den unerwarteten Pro-Life Wortlaut. So heißt es in §219, Absatz 1:

“ Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen. Das Nähere regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.“

Zur Gegenüberstellung: nur 3 % der mehr als 100.000 (in Worten: Ein hundert Tausend Schwangeschaftsabbrüche 2019 wurde von Minderjährigen vorgenommen. Das ist keine Pro-Life Propaganda, sondern offizielle Daten des statistischen Bundesamtes. Ich habe bei diesen hohen Zahlen Mühe zu glauben, dass die Beratung der Frauen wirklich im Kontext von §219 stattfand. Weiterlesen

Kommentare 2

Ist der Glaube ein Geschenk von Gott?

Es ist immer wieder bereichernd, manchmal aber auch ernüchternd konfessionelle Schriften zu studieren. So bin ich erst jetzt dazu gekommen, die fünf Punkte der Remonstranten von 1610 zu lesen und habe doch etwas unerwartet Überraschendes entdeckt. Ich übersetzte aus der lateinischen und holländischen Version, die ich von P. Schaff besitze:

Dass der Mensche den selig machenden Glauben nicht aus sich selber besitzt, noch aus Kraft seines freien Willens, da er im Zustand der Auflehnung und der Sünde nichts Gutes (was ja insbesondere der seligmachende Glaube ist) aus sich heraus denken, wollen oder tun kann. Es ist aber notwendig, dass er von Gott, in Christus durch seinen Heiligen Geist wiedergeboren und in der Wiedergeburt, in Vernunft, den Affekten, des Willen und allen Kräften neu belebt wird, damit er nach dem Wort Christi richtig verstehen, denken, wollen und das wahre Gute vollbringen kann. Wie auch Joh. 13,5 sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“

Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass die englische Übersetzung von Schaff, die auch im Weg Grundlage für zahlreiche veröffentlichte Versionen ist, das holländische „´t salichmaeckende Gheloove“ (bzw. in der lateinischen Fassung dieser fünf Punkte mit „salvificam fidem“) interessanterweise mit „saving grace“ wiedergibt. Dadurch geht m.E. der doch wichtige Punkt verloren, dass die Remonstranten an dieser Stelle wirklich vom Glauben als Geschenk sprachen. Lateinisch, was auch so weit ich das verstehe die Veröffentlichungssprache war, ist die Sache eindeutig ausgedrückt: „Homo salvificam fidem non habet a se“ – Der Mensch hat den rettenden Glauben nicht aus sich selbst.

Noch spannender aber: Sie sprechen davon, dass der Glaube auf die Wiedergeburt folgt.

Das bringt mich zu dieser Überlegung: Was meint man eigentlich damit, wenn man meint, dass man „sich nicht festlegen möchte“ und weder „Calvinist noch Arminianer“ sei, sondern irgendwo in der Mitte stehe, da man „beiden Seiten der Medaille“ recht geben möchte. Diese möchte ich dann bitten mir zu sagen, warum selbst die „arminianische“ Position für sie zu deterministisch ist?  (z.B. hier auf apologia.net). Natürlich ist obiger Punkt auch im geschichtlichen Kontext zu sehen, z.B. darin, dass die ganze Debatte um die „Fünf Punkte“ eigentlich nur in einem reformierten Kontext stattfinden kann, und der Arminianismus nur in einem solchen Kontext entsteht. Oder auch darin, dass die lutherische Betonung der Gnadenlehre aufgrund der völligen Verderbtheit hier entsprechend eine Anschlußpunkt sah.

Was mir aber aufs neue aufging, wie furchtbar rational wir von der freien Selbstbestimmung des Menschen ausgehen. Der Mensch ist Herr über sein Schicksal und selbst die Himmel sollen sich ihm fügen. Glaube ein Geschenk? Wiedergeburt als Grundlage für irgend etwas Gutes? Im Bekenntnis meiner Gemeinde klingt es anders. Hier ist die Rede davon, dass Gott uns die Wiedergeburt schenkt, wenn wir uns zu ihm bekehren. Ein Denken, dass im Evangelikalismus weit verbreitet sein dürfte.  Ob wir dann noch Arminianer und nicht vielmehr längst Pelagianer ist dann  ja die eigentliche Frage.

„Homo salvificam fidem non habet a se“

Kommentare 0

Bis zum Bodensatz

Auf Siegfried Kettling bin ich durch Viktor von Christusallein.com gestoßen. Kettling, lutherischer Theologe, besitzt eine ungewöhnliche Ausdrucksweise, wahrscheinlich wohl etwas, das Lutheraner häufig auszeichnet. Hilfreich empfand ich seine Ausführungen zum Beten. Es ist ein größerer Abschnitt, denn ich unverändert wiedergeben möchte. Gefunden in: „Und der sagte ja“, ein nur noch antiquarisch erhältliches Werk:

Kürzlich habe ich ein Gebet gelesen. Es lautete etwa so: “ Gott, ich will dir sagen, wer du bist und wie du dich mir gegenüber benommen hast. Ich sage es dir mitten ins Gesicht, nehme kein Blatt vor den Mund. Mit glatten Worten bist du auf mich zugekommen wie ein junger Mann, der schön tut, wenn er ein ahnungsloses Mädchen beschwatzen will. Schließlich habe ich mich betören lassen, bin mir dir gegangen. Übel hast du mein Vertrauen missbraucht, mich brutal vergewaltigt und anschließend sitzengelassen. Nun stehen die Leute ringsum, halten sich den Bauch vor Lachen: „Schön dumm von Dir, auf den reinzufallen.“ Gott, ich sage es dir ins Gesicht – ein Verführer bist du!“

Ist das – ein Gebet? Nicht eher eine Gotteslästerung?`Sollten wir nicht nach der Polizei rufen? glücklicherweise ist Blasphemie strafbar. Welcher Lump redet so von Gott, und wer wagt so etwas abzudrucken? Weiterlesen

Kommentare 0

Verschwende deinen Morgen nicht!

„John Piper nennt drei schlechte Motive, die uns anziehen, am Morgen zuerst zum Handy zu greifen.

  • Neuigkeitshunger: Wir wollen mit Neuigkeiten über unsere Freunde versorgt werden.
  • Egohunger: Es schmeichelt, wenn uns jemand erwähnt.
  • Unterhaltungshunger: Wir wollen unterhalten werden.

und dann drei Dinge, die wir vermeiden möchten:

  • Langeweile vermeiden
  • Verantwortlichkeit vermeiden
  • Härte vermeiden

Alternative? Lass dich wecken, um die Bibel zu lesen.“

aus „Ich führe mich, weil Gott mich führt“ von Hanniel Strebel,

Kommentare 1

Das höchste Gut des Menschen

„Gott und Gott allein ist das höchste Gut des Menschen.

In einem allgemeinen Sinne können wir sagen, dass Gott das höchste Gut all seiner Kreaturen ist. Denn Gott ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, die Quelle allen Seins und jeglichen Lebens und die überfließende Quelle allen Gutes. Jede Kreatur schuldet jeden einzelnen Augenblick seine ganze Existenz einzig Ihm, der das Eine, Ewige und Allgegenwärtige Wesen ist.

Doch das Konzept des höchsten Guts schließt üblicherweise auch den Gedanken mit ein, dass dieses Gut von den Kreaturen selbst erkannt und genossen wird. Und das kann natürlich nicht der Fall für die leblose oder nicht-rationale Schöpfung sein. Die leblose Schöpfung existiert bloß und besitzt überhaupt kein Lebensprinzip. Die anderen Geschöpfe, so wie die Pflanzen besitzen zwar ein Lebensprinzip, haben aber keinerlei Empfinden. Die Tiere besitzen zwar zusätzlich zu ihrer Existenz und ihrem Leben eine Art des Bewusstseins, doch es ist ein Bewusstsein, dass die Dinge um sich durch Sinnesreize wahrnimmt. Sie sind sich der irdischen, aber nicht der himmlischen Dinge bewusst. Sie sind sich der tatsächlichen, der freudigen, der nützlichen Dinge bewusst. Doch sie besitzen kein Bewusstsein für die Wahrheit, das Gute und das Schöne. Sie besitzen ein sinnliches Empfinden und sinnliche Wünsche, doch entsprechend sind sie auch durch Sinneswahrnehmung gesättigt und können zu den geistlichen Dingen nicht durchdringen.

Beim Menschen ist das völlig anders. Er ist eine Kreatur, die von Anfang an im Bilde Gottes geschaffen wurde und diesen göttlichen Ursprung kann er weder löschen noch zerstören. Auch wenn er durch die Sünde die herrlichen Eigenschaften der Erkenntnis, der Gerechtigkeit und der Heiligkeit verloren hat, die im Bilde Gottes liegen, sind sie doch in ihm in „kleinen Überresten“, als Schenkungen der Schöpfung vorhanden. Diese reichen nicht nur aus, um das Bewusstsein der Schuld aufrechtzuerhalten. Diese bezeugen auch seine ursprüngliche Größe und erinnern ihn beständig an seine göttliche Berufung und sein himmlisches Schicksal…“

Übersetzt aus „The Wonderful Works of God“