Alle Artikel in der Kategorie “Zitate

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Wie soll eine Predigt nicht sein…

Der Blog „Bibelkreis München“ verlinkt sporadisch auch Artikel von NIMM-LIES. Heute wiederum bin ich auf einen sehr spannenden Artikel gestoßen, ein (größeres) Zitat von Helge Stadelmann:

„Liebe Gemeinde!
Den Text für unsere heutige Predigt finden wir in unserem Volksliederbuch:
»Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein. Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohlgemut. Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr: Da besinnt sich das Kind, läuft nach Haus geschwind.«
Soweit unser Text!
Wie wir sehen, geht es hier um einen Menschen wie du und ich. Es geht um »Hänschen«. Dieses Wort »Hänschen« kommt von »Hans«, und »Hans« kommt von »Johannes« – und wenn wir noch etwas weiter graben, merken wir, dass »Johannes« vom hebräischen Grundtext her »Jochanan« heißt – und das bedeutet: »Gott ist gnädig«! Dies eine steht also von Anfang an über dem Leben unseres »Hänschen«: Gott ist gnädig. Und genauso steht die Verheißung über dem Leben eines jeden Menschen, der auf diese Welt kommt, und damit auch über uns: Gott ist gnädig!
Dieses Hänschen ist noch »klein«. Vielleicht weiß er noch gar nichts von der Gnade, die über seinem Leben waltet. Aber er hat diese Gnade bereits nötig. Denn wir wissen: So klein ein Mensch auch sein mag, so sündig ist er doch schon. Das wird in unserem Text auch unübersehbar klar. Hier heißt es: Er »ging allein«. Genau das ist das Problem. Hänschen geht seinen Lebensweg »allein«, ohne Gott – meint, sein Leben noch selbst in die Hände nehmen und gestalten zu können. Und solch ein eigener Weg hat immer nur ein Ziel: »In die weite Welt hinein«! Der Weg »allein«, ohne Gott, führt immer schnurstracks »in die Welt«.
Was für ein Leben ist das dort in der »Welt«! Es ist das nichtige Gegenstück zu einem Leben mit Gott. Zwei Merkmale prägen dieses weltliche Leben. 1.) Da ist zunächst einmal die Eitelkeit: »Stock und Hut steh’n ihm gut […]«, so steht es hier. Diese äußeren Dinge wie »Stock« und »Hut« treten plötzlich in den Vordergrund, ganz so, als ob solche Eitelkeiten ins Zentrum unseres Lebens gehörten. 2.) Und zweitens ist das Leben in der Welt gekennzeichnet durch vergängliche Freude: »[…] ist gar wohlgemut«, so lesen wir. Wir müssen ja nicht glauben, den Menschen in der Welt ginge es immer schlecht! Ganz im Gegenteil. Wir wissen doch schon aus den Psalmen, dass es dem Gottlosen oft sehr gut geht. Er genießt die Welt und ist »gar wohlgemut«. Dass diese Freude vergänglich ist, steht auf einem anderen Blatt.
Und nun kommt die große Wende. »Aber«, so heißt es: »Aber Mutter […]«!  ….Weiterlesen

Insgesamt bin ich schon regelmäßig auf gute Hinweise beim Bibelkreis München gestoßen.

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Spurgeon – wie ihn keiner kennt?

Ich möchte auf zwei Zitate aufmerksam machen, die man von Spurgeon wahrscheinlich nicht erwarten würde:

Das erste habe ich in der siebten von ihm überhaupt schriftlich veröffentlichten Predigt zum Thema „The Church of Christ“ gefunden. Geradezu prophetisch sieht Spurgeon die Zukunft Israels vor Augen. Neben einem offensichtlich physischen Israel, das Spurgeon im Blick hat, fällt auch die positive Eschatologie auf. Die Hoffnung, dass schon bald die ganze Welt „evangelikalisiert“ wird, erwies sich bekanntlich als Trugschluss und aus der überaus positiv enthusiastischen Phase, die sicher bis in den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter Evangelikalen anhielt, folgte spätestens nach dem ersten Weltkrieg eine frustrierende Ernüchterung. Das wäre sicherlich eine interessante Studie, in wie weit auch die Euphorie um Spurgeon zu dieser Entwicklung beigetragen hat:

„Not long shall it be ere they shall come-shall come from distant lands wher’er they rest or roam; and she who has been the offscouring of all things, whose name has been a proverb and a byword, shall become the glory of all lands. Dejected Zion shall raise her head, shaking herself from dust, and darkness, and the dead. Then shall the Lord feed his people, and make them and the places round about his hill a blessing. I think we do not attach sufficient importance to the restoration of the Jews. We do not think enough of it. But certainly, if there is anything promised in the Bible, it is this. I imagine that you cannot read the Bible without seeing clearly that there is to be an actual restoration of the children of Israel. „Thither they shall go up; they shall come with weeping unto Zion, and with supplications unto Jerusalem.“ May that happy day soon come! For when the Jews are restored, then the fulness of the Gentiles shall be gathered in; and as soon as they return, then Jesus will come upon Mount Zion to reign with his ancients gloriously, and the halcyon days of the Millennium shall then dawn; we shall then know every man to be a brother and a friend; Christ shall rule, with universal sway.“

Über das zweite Zitat bin ich in „Finding the right hills to die on“ von Gavin Ortlund gestoßen. Tatsächlich findet sich dieses Zitat in der sechsten von Spurgeons Predigten. Also ein Frühwerk aus dem Jahr 1855. Vier Jahre bevor Darwins „Origins of the Species“ erschien, traf Spurgeon in einer Predigt diese Aussage: 

„We do not know how remote the period of the creation of this globe may be—certainly many millions of years before the time of Adam. Our planet has passed through various stages of existence, and different kinds of creatures have lived on its surface, all of which have been fashioned by God.“

Später zitiert Gavin Spurgeon aus einer weiteren Predigt:

„We have discovered that thousands of years before that God was preparing chaotic matter to make it a fit abode for man, putting races of creatures upon it who might die and leave behind the marks of His handiwork and marvelous skill before He tried His hand on man.“

Beide Zitate zeigen im Übrigen, dass die Gap-Theorie, die gerne Scofield zugeschrieben wird, von Spurgeon locker in seinen Predigten verwendet wurde.

Im Aktuelleren Kontext gibt es eher das Problem, dass man Spurgeons explizite und bewusst vertretene reformierte Positionen entweder übersehen, oder als eine Haltung „eines Kindes seiner Zeit“ abgetan werden. Mehr dazu findet sich in I.H. Murrays Beitrag, auf den mein Artikeltitel ja anspielt.

Insgesamt zeigen aber die drei aufgeführten Zitate, dass wir bei Christen der Kirchengeschichte generell viel mehr Abweichungen von unseren eigenen Standards gestatten, als von unseren Zeitgenossen. Die ganze Debatte, ob man nur dann Evangelikal sein kann, wenn man rigoros am Kurzzeit-Kreationismus festhält, tönt in die gleiche Richtung.

Gleichzeitig sind wir besorgt, Personen vergangener Zeit gemäß unseren Vorstellungen zu harmonisieren. So fällt es mir durchaus schwer, obige Aussagen so zu akzeptieren. Und der Druck, diese wegzuerklären (z.B.: als Verweis auf vermeintliches Frühwerk) ist immens.

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Wenn es nach dem Willen des Wolfes geht, so ist das Lamm im Unrecht“

„Ein Wolf und Lämmlein kamen von ungefähr beide an einen Bach zu trinken. Der Wolf trank oben am Bach, das Lämmlein aber fern unten. Da der Wolf des Lämmleins gewahr ward, rief er zu ihm und sprach: Warum trübest du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?“ Das Lämmlein antwortet: „Wie kann ich dir das Wasser trüben, trinkst du doch über mir und möchtest es mir wohl trüben?“ Der Wolf sprach: „Wie, fluchst du mir noch dazu?“ Das Lämmlein antwortet: „Ich fluche nicht.“ Der Wolf sprach: „Ja, dein Vater tat mir vor sechs Monden auch ein solch’s.“ Das Lämmlein antwortet: „Bin ich doch dazumal nicht geboren gewest, wie soll ich es meinem Vater entgelten?“ Der Wolf sprach: „So hast du mir aber meine Wiesen und Äcker abgenaget und verderbet.“ Das Lämmlein antwortet: „Wie ist das möglich, habe ich doch (noch) gar keine Zähne?“ „Ei“, sprach der Wolf, „und wenn du gleich viel ausreden und schwätzen kannst, will ich dennoch heute nicht ohne Fressen bleiben.“ Und würget also das unschuldige Lämmlein und fraß es


Lehre: Der Welt Lauf ist: Wer fromm sein will, der muss leiden, sollt man eine Sache vom alten Zaun brechen. Denn Gewalt geht vor Recht. Wenn man dem Hunde zu willen (ist), so hat er das Leder gefressen. Wenn es nach dem Willen des Wolfes geht, so ist das Lamm im Unrecht“

Aus Martin Luthers Fabeln.

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„Lasset eure Bitte im Gebet vor Gott kundwerden“

In meiner Bibliothek findet sich schon länger ein Band mit dem Titel „Seelsorge“ vom bekannten Liederdichter und Pfarrer der württembergischen Erweckungsbewegung Johann Christoph Blumhardt. Tatsächlich habe ich mich bisher gescheut zu diesem Band zu greifen, weil ich eine „inflationäre Verwendung schönfärberischer Adjektive“, Sentimentale Nostalgie oder überschwengliche Begeisterung fürchtete. Aber Blumhardt redet Klartext, ist super verständlich und behält doch eine gewisse Poesie in seinem Schreibstil bei. Ein Auszug aus vielen sehr guten Gedanken zum Thema Gebet:

„Nun heißt es aber weiter: Lasset eure Bitte im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden. Das ist ein schönes Wort. Es gibt oft Leute, die beten so, als ob der liebe Gott doch nichts nach ihnen frage und sie im Stich ließe, daher mögen sie keine besonderen Bitten mehr aussprechen und noch viel weniger eine Danksagung kundwerden lassen. Das ist aber eine böse Sache, wenn der Herr nie hören darf, Er habe einem auch schon viel Gutes getan und wunderbar geholfen. Wenn die Wohltaten Gottes übersehen werden vor lauter Bitten und Seufzen und Schreien, so gefällt das dem Heiland nicht. Es ist gerade so, wie wenn jemand, dem ich schon oft geholfen habe, mich immer wieder so verzweifelt anbettelt, als hätte ich ihm noch nie etwas Gutes getan; das tut einem weh; und so dürfen wir uns auch wohl dessen dankbar erinnern, was der Herr uns schon Gutes getan hat. Unter dem Danken wird es einem leicht, unter dem Danken kann man erst recht bitten. Es gibt einfältige Leute, besonders Kinder, an denen kann man viel lernen, wie man bitten und wie man danken soll. Wenn die kleinen Kinder beten, da können sie im Augenblick, wo sie anfangen, schon denken, der Heiland sie, da, und wenn sie Ihm sagen: Bitte, tue das! so wisse Er es jetzt und habe es gehört und sind glückselig. Ein Kind kann sich auch etwas abschlagen lassen und kommt das nächste Mal doch wieder zum Vater und bittet und erwartet etwas vom Vater. Aber die großen Leute, die tun immer, als wenn der liebe Gott doch nicht hörte, sie glauben nicht, und darum kommt es auch nie zu einer Danksagung. Warum? Sie stellen sich beim Beten nicht vor Gottes Angesicht; der Heiland ist ihnen nicht klar vor Augen, sonst müßten sie schon nach dem ersten Sätzchen, nach der ersten Bite sich beruhigt fühlen, im Gedanken: ich habe mein Angeliegen jetzt an den rechten Ort gelegt, jetzt wird der Heiland die Sache in die Hand nehmen und für mich sorgen.“


Aus J.C. Blumhardt, Seelsorge.

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„Nicht den Gegenstand, der mir zum Falle wurde, nein, den Fall selbst liebte ich“

Auf diesen Auszug aus den Bekenntnissen von Augustinus bin ich durch eine sehr gelungen Predigt von Paul Koch aus der St. Martini Kirche in Bremen aufmerksam geworden. Dieser Text findet sich im Vierten Kapitel des zweiten Buches. Die deutsche Übersetzung der Confessiones  findet man lizenzfrei im Internet.

„Bekannt ist, dass dein Gesetz, o Herr, den Diebstahl bestraft, und zwar sogar das in die Herzen der Menschen eingegrabene Naturgesetz, das nicht einmal ihre Bosheit auszulöschen vermag. Denn welcher Dieb ertrüge, auch wenn er begütert ist, gleichmütig den Diebstahl eines, den Not dazu treibt? Ich aber wollte einen Diebstahl begehen und habe ihn auch begangen, nicht durch irgendwelche Notwendigkeit veranlasst: an Gerechtigkeit fehlte es mir, ja ich hatte Ekel vor ihr, und vor Bosheit erstickte ich. Denn ich stahl, was ich im Überfluß, ja noch viel besser besaß. Auch wollte ich nicht, was der Diebstahl mir verschaffte, genießen, sondern den Diebstahl selbst und die Sünde.

Nahe unserm Weinberg stand ein Birnbaum mit zwar zahlreichen, jedoch häßlichen und unschmackhaften Früchten. Diese abzuschütteln und hinwegzuschleppen, machten wir jungen Leute uns ohne Scham- und Ehrgefühl bei tiefer Nacht auf – so lange hatten wir unser verderbliches Spiel auf dem Platze getrieben – und trugen gewaltige Lasten von dort hinweg, nicht um sie zu essen, sondern um sie den Schweinen vorzuwerfen. Und wenn wir auch eine Kleinigkeit davon aßen, so geschah es nur deshalb, weil wir damit etwas Unerlaubtes tun konnten.

Sieh mein Herz, o mein Gott, sieh mein Herz, dessen du dich erbarmt hast in der Tiefe seiner Bosheit. Sieh, mein Herz soll dir nun sagen, was es dort suchte, dass ich nämlich ohne jeden Grund böse und meiner Bosheit Grund nur die Bosheit selbst war. Abscheulich war sie, und trotzdem liebte ich sie, liebte mein Verderben, liebte meinen Fehltritt.; als ich in der Verworfenheit meines Gemütes. mich von deiner Grundfeste ins Verderben stürzte, da begehrte ich nicht schimpflich irgendeinen Gegenstand, sondern die Schande selbst.“

Augustinus, der auch seine sexuellen Ausschweifungen vor seiner Bekehrung bereut, wählt doch gerade ein Ereignis seiner Kindheit als Generalexempel für seine abgrundtief böse Veranlagung. Trueman weist in Grace Alone  (S. 58, eigene Übersetzung) zurecht darauf hin, dass, „diese Passage eine wunderschöne Vereinigung aus Erzählung und Theologie ist. Die trivialen Details der Erzählung ziehen den Leser in die Begebenheit hinein, ganz subtil aber auch persönlich. Hätte Augustinus ein Schwerverbrechen, z.B. einen Mord, einen Raubüberfall oder einen Staatsverrat, wäre der Leser wohl schockiert, würde sich aber kaum mit dem Protagonisten identifizieren. Nur wenige Leser hätten Erfahrung gehabt solche Verbrechen zu begehen noch das Verlangen gespürt so etwas zu tun. Doch die Handlung eines kindlichen Diebstahls ist die Art von Sünde, die jedes Kind entweder begangen hat oder versucht hat. Die Erzählung zieht den Leser in etwas hinein, mit der er sich identifizieren kann: Den Diebstahl einer Frucht vom Baum des Nachbarn. Wir lesen den Abschnitt und wir erkennen etwas von uns selbst. Die Erzählung stellt eine theologische Falle dar.“

 

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Allein Gnade!

Carl Trueman hat einen Band zur fünfbändigen Reihe „5 Solas Series“ von Herausgeber Matthew Barrett beigetragen. Aktuell lässt sich „Grace Alone – Salvation as a Gift of God“ sehr günstig als Logos-Buch erwerben. Wie kann das Heil gleichzeitig allein aus Gnaden und allein aus Glauben und allein in der Schrift zu finden sein? Ein spannendes Statement dazu habe ich bei Donald Carson in „Collected Writings on Scripture“ gefunden (im Essay: „Recent Developments in the Doctrine of Scripture“):“Als ich ein Junge war, habe ich mich immer gewundert wie diese drei Aussagen (sola gratia, sola fide und sola scriptura) logisch sein können, wenn jedes für sich einen Alleinstatus beansprucht, doch im Laufe der Zeit lernte ich, dass die Gnade der einzige Grund für das Heil, der Glaube das einzige Mittel des Heils und die Schrift die einzige Autorität für Glauben und Leben ist“. Doch zurück zu Trueman.  Der Autor überzeugt neben guten Argumenten auch durch eine feine Ausdrucksweise und bildgeladene Sprache. Ich habe versucht ein etwas längeres Zitat zu übersetzen:

„Entgegen billiger Gefühlsduselei ist die Gnade Gottes im Alten Testament viel mehr als eine Marotte oder sich ergebende Kapitulation gegenüber menschlicher Rebellion. Gott ignoriert das Problem der Sünde nicht und tut nicht so, als existiere diese nicht. Er verspürt einen heiligen Zorn gegenüber der Sünde und kann diese Ablehnung seiner Herrschaft nicht einfach zur Seite wischen, als wäre sie nie geschehen. Somit etabliert Gott unter Mose ein Opfersystem (…) Diese Tatsache – das Gott es ist der das Opfersystem etabliert und reguliert – sollte nicht übersehen werden. Sie ist bedeutend, weil sie uns lehrt, dass die alttestamentlichen Opfer nicht ein Versuch menschlicher Wesen waren, etwas zu finden, dass einen zornigen Gott beruhigen oder ihm schmeicheln könnte. Weiterlesen

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Preis und Ehre dem dreieinigen Gott

Beim Lesen von Robert Lethams Werk über die Heilige Dreieinigkeit Gottes bin ich über diesen Auszug des Pfingstgebets der syrisch-orthodoxen Kirche Südindiens gestoßen. Diese Christen führen ihre Gründung auf die Missionsarbeit von Thomas zurück! Die vollständige Liturgie zu Pfingsten findet sich hier.  Typisch Ostkirche: „Gott, Erbarme dich meiner!“. Auch Typisch Ostkirche (laut Letham): „Die Dreieinigkeit ist zentraler für das Leben und die Anbetung der Gemeinde als im Westen“. Dieses Gebet bestätigt Lethams Annahme:

„Ehre sei Ihm, der unsichtbar, verborgen und über allem menschlichen Denken, Sinnen und Verständnis erhaben ist. Er, selbstexistent und selbstgenügsam, Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge hat keinen Anfang und wird immerdar ohne Ende bestehen. Der ewige, unvergängliche und unergründliche eine wahre Gott. Ein Wesen, eine Autorität und ein Wille des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. In ihm ist kein Name ohne eine Person und keine Person ist jünger oder älter als die andere Person, noch gibt es einen Wandel oder eine Veränderung einer Person, ob zum Wachstum oder zur Erniedrigung. Kein Name und keine Person ist jünger oder von der göttlichen Substanz getrennt. Wenn der „Vater“ sagen, dann kommen der Sohn und der Heilige Geist von ihm. Wenn wir „Sohn“ sagen, dann werden der Vater und der Heilige Geist durch Ihn erkannt. Wenn wir „Geist“ sagen, dann sind der Vater und der Sohn in ihm vollkommen. Der Vater ist der Schöpfer, ungeboren. Der Sohn ist geboren und gebiert nicht. Der Heilige Geist geht vom Vater aus und empfängt vom Sohn die Person (consubstantial) und das Wesen (co-essential) des Vaters. Ihm gebührt Ruhm, Ehre und Macht zu dieser Zeit der Pfingstfeier und zu allen Festen, Zeiten, Stunden und Zeitpunkten von nun an in allen Tagen unseres Lebens für immer.“

Ich entschuldige mich für eine schwache Übertragung, da dieses Gebet so zweimal übersetzt wurde. Dennoch spürt man auch so die Anbetung der Heiligen Dreieinigkeit.

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“ Welch süsser Tausch, welch unerforschliches Walten, welch unverhoffte Wohltat…“

Faith Alone: Audio Lectures TitelbildIch höre derzeit mit Genuss Thomas R. Schreiners Werk (von ihm selbst vorgelesen übrigens): Faith Alone, welches ich via Audible erwerben konnte.

Schreiner fängt sein Werk mit einer Betrachtung der historischen Entwicklung der Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben an. Für einen Protestanten ist es hierbei immer spannend, wie die Kirchenväter zu diesem Thema standen. Fasziniert hat mich diese Aussage aus dem Brief des Mathetes an Diognetus. Der Verweis auf den süßen (oder fröhlichen) Tausch erinnert an Martin Luther. Hier findet sich dieses Werk in der Bibliothek der Kirchenväter. Insgesamt ist dieses Schreiben als eine sehr frühe christliche Schriftdes 2 Jh. zu werten. Die Idee dieses Zitat zu strukturieren habe ich von Justin Taylor von TGC.

Als aber das Mass unserer Ungerechtigkeit voll
und es völlig klar geworden war, dass als ihr Lohn Strafe und Tod uns erwarte,

und als der Zeitpunkt gekommen war,
den Gott vorausbestimmt hatte,

um fortan seine Güte und Macht zu offenbaren,
– o überschwengliche Menschenfreundlichkeit und Liebe Gottes

– da

hasste
und verstiess er uns nicht
und gedachte nicht des Bösen,

sondern

war langmütig und geduldig
und nahm aus Erbarmen selbst unsere Sünden auf sich;
er selbst gab den eigenen Sohn als Lösepreis für uns,

den Heiligen für die Unheiligen,
den Unschuldigen für die Sünder,
den Gerechten für die Ungerechten,
den Unvergänglichen für die Vergänglichen,
den Unsterblichen für die Sterblichen.

Denn was anders war imstande, unsere Sünden zu verdecken als seine Gerechtigkeit?
In wem konnten wir Missetäter und Gottlose gerechtfertigt werden, wenn nicht allein im   Sohne Gottes?

Welch süßer Tausch,
welch unerforschliches Walten,
welch unverhoffte Wohltat,

dass die Ungerechtigkeit vieler in einem Gerechten verborgen würde und die Gerechtigkeit eines einzigen viele Sünder rechtfertige!

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Eine komplexe und vielfältige Geschichte

Je mehr ich mich mit dem Buch Richter befasse, desto mehr staune ich über die literarische Komplexität dieses Geniestreichs hebräischer Geschichtsschreibung. Ein Hinweis von A.E. Cundall, den ich mit euch teilen möchte:

„Wir sollten darauf achten, dass wir nicht auf leichtfertige Weise unsere westlichen Beobachtungs- und Analyse-Methoden in das Studium antiker Nahöstlicher Dokumente importieren. Zum Beispiel werden im Buch Richter nicht weniger als fünf Gründe dafür angegeben, warum Israel daran scheitert, das Land Kanaan einzunehmen. Es lag an den überlegenen Waffen und Befestigungsanlagen der Kanaaniter (1,19), es lag an Israels Neigung, mit den Einwohnern des Landes Bündnisse zu schließen (2,1-5). Ein Grund lag in der Sünde Israels und der notwendigen Bestrafung dafür (2,20-21). Auch wollte Gott Israels Treue testen (2,22-23; 3,4). Schließlich sollte Israel auch Kriegstechnik erlernen. (3,1-3). Anzunehmen, dass hierin eine Inkonsistenz vorliegt, würde bedeuten, dass man den grundlegenden hebräischen Entwurf des Lebens verwirft, der ein hoch entwickeltes Konzept der Souveräntität Gottes besaß. Israel versagte bei der Eroberung aus sehr klaren Gründen und so blieben die ursprünglichen Eiwnohner im Land, doch Gott „übersteuerte“ selbst das zum Besten seines Volkes. Es gibt keinen Grund an dieser Stelle zwei oder mehr (Überlieferungs-) Traditionen anzunehmen. Alle fünf Gründe lagen dem Hebräischen Verständnis zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Kontexten vor Augen. In ähnlicher Weise könnten wir vor der Weise zurückschrecken, in der Israel in die Hand bestimmter Unterdrücker ausgeliefert wird, um anschließend durch einen bestimmten Richter befreit und regiert zu werden, während der Kontext es sehr deutlich macht, dass nur eine kleine Zahl der Stämme und ein relativ kleiner Teil des Landes betroffen war. Eine Erklärung dafür könnte in dem hebräischen Verständnis der ethnischen Solidarität liegen. ( Aus: Cundall, A. E., & Morris, L. (1968). Judges and Ruth: an introduction and commentary (Bd. 7, S. 25–26). Downers Grove, IL: InterVarsity Press.)

Hier noch der Originaltext: Weiterlesen

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„Deshalb könnt ihr kühn zum Vater treten und getrost bitten“

„Es gibt außerdem noch einiges andere, das anscheinend zu den Sakramenten gerechnet werden könnte, nämlich all das, dem eine Verheißung Gottes zuteil geworden ist: dazu gehören das Gebet, das Wort, das Kreuz. Denn Christus hat den Betenden an vielen Stellen (der Schrift) Erhörung zugesagt, besonders Luk. 11, 5 ff., wo er uns mit vielen Gleichnissen zum Beten einlädt.“(Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche 1520).

Warum sollen wir beten? Weil Gott es befohlen hat. So führt es Luther in seinem großen Katechismus in der Besprechung des Vater Unsers aus:

„Darum bitten wir und vermahnen aufs fleißigste jedermann, daß man solches zu Herzen nehme und auf keine Weise unsere Gebete verachte. Denn man hat bisher ins Teufels Namen so gelehret, daß niemand solches geachtet und gemeinet hat, es wäre genug, daß das Werk getan wäre, Gott erhörets oder höret es nicht. Das heißt das Gebet auf gut Glück versucht und ins Blaue hinein gemurret; darum ist es ein verlorenes Gebet. Denn wir lassen uns durch solche Gedanken beirren und abschrecken: ich bin nicht heilig noch würdig genug; wenn ich so fromm und heilig wäre wie Petrus oder Paulus, so wollte ich beten. Aber nur weit hinweg mit solchen Gedanken, denn eben das Gebot, das Paulus getroffen hat, das trifft mich auch, und um meinetwillen ist ebensowohl das zweite Gebot gegeben wie um seinetwillen, daß er kein besseres noch heiligeres Gebot zu rühmen hat. Darum sollst Du so sagen: mein Gebet, das ich tue, ist eben so köstlich, heilig und Gott gefällig wie das des Paulus und der Allerheiligsten. – Grund: ich will ihn gern der Person halber heiliger sein lassen, aber des Gebotes halber nicht, weil Gott das Gebet nicht der Person halber ansiehet, sondern seines Worts und Gehorsams halber.“ (Der Große Katechismus, 1529)

Auf die Frage wie wir beten sollen geht Luther in der „Deutschen Auslegung des Vaterunsers für die einfältigen Laien (1519)“ ein: Weiterlesen