Alle Artikel von “Sergej Pauli”

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Johannes Calvin über Gesetz und Gnade

Ich habe mir „als Ostervorbereitung“ das Kapitel (II,16) über Jesu Leiden, Tod, Auferstehung und Himmelfahrt sowie das Kapitel (III,25) über die Auferstehung der Toten in Calvins Institutio angeschaut und bin für die Nachfolge ermutigt und geistlich gestärkt worden. Interessanterweise fängt Calvin die Betrachung von Jesu Leiden mit der Frage an, warum es nötig ist, oder vielleicht besser formuliert: Wie wir in dem Leiden der Gnade Gottes teilhaftig werden. In II.16.2 bringt er eine wunderbare Ausführung, wie Gottes Gerechtigkeit und Barmherzigkeit durch das Opfer Christi uns erst kostbar wird. Ich zitiere ausführlich und wünsche allen Lesern ein gesegnetes Osterfest.

„Aber bevor wir weitergehen, müssen wir im Vorbeigehen der Frage nachsinnen, wie es sich denn miteinander vereinbaren lässt, dass Gott, der uns mit seinem Erbar­men zuvorgekommen ist, uns doch feind ist, bis er in Christus mit uns versöhnt ist! Denn wie hätte er uns in seinem eingeborenen Sohne eine solch einzigartige Bürg­schaft seiner Liebe zu uns geben können, wenn er uns nicht schon zuvor in freier Gnade freundlich gesinnt gewesen wäre? Hier entsteht also wirklich der Schein eines Widerspruchs, und ich muss also diesen Knoten zu lösen versuchen. Der Heilige Geist sagt es in der Schrift etwa so: Gott ist den Menschen feind gewesen, bis sie durch Christi Tod bei ihm wieder zu Gnaden gekommen sind (Röm. 5,10). Oder wir hören auch, der Mensch sei unter dem Fluch, bis seine Ungerechtigkeit durch Christi Opfertod gesühnt sei (Gal. 3,10.13), oder auch, er sei von Gott getrennt, bis dass in Christi Leib die Gemeinschaft wiederhergestellt sei (Kol. 1,21f.). Diese und ähnliche Sprüche sind unserem Verständnis angepasst, damit wir besser erkennen, wie jämmerlich und notvoll unsere Lage ist außer Christus. Denn wenn es uns nicht mit klaren Worten gesagt würde, dass Gottes Zorn und Strafe und der ewige Tod auf uns gelegen, so würden wir weniger anerkennen, wie elend wir ohne Gottes Er­barmen wären, und das Geschenk der Befreiung weniger zu schätzen wissen! Ich will ein Beispiel bilden.

Es hört jemand: Wenn dich Gott, als du noch ein Sünder warst, so gehasst und dich so von sich gestoßen hätte, wie du es verdient hättest, so wärest du jämmerlich zugrunde gegangen; aber Gott hat dich von sich aus und in freiem Er­barmen in Gnaden angenommen, wollte dich nicht gänzlich verstoßen und rettete dich aus solcher Gefahr. Wer das hört, der wird gewiss davon innerlich betroffen, er wird auch zu einem gewissen Teil erwägen, was er also Gottes Erbarmen für Dank schuldig ist.

Aber wenn er nun auf der anderen Seite hört, was die Schrift lehrt: Du bist durch die Sünde wirklich von Gott abgekommen, bist ein Erbe des Zorns, bist dem Fluch des ewigen Todes verfallen, ausgeschlossen von jeder Hoffnung auf das Heil, fremd aller Segnung Gottes, Sklave des Satans, Gefangener unter dem Joch der Sünde, schrecklichem Verderben ausgeliefert, ja, schon mitten darin! — dann aber ist Christus als Fürsprecher ins Mittel getreten und hat die Strafe auf sich genommen, hat gelitten, was nach Gottes gerechtem Urteil alle Sünder leiden mussten, hat all das Böse, das sie vor Gott verhasst machte, mit seinem Blute ge­sühnt; und nun ist durch dieses Sühnopfer dem Vater Genüge getan, durch diesen Fürsprecher sein Zorn besänftigt, auf diesem Grund der Friede Gottes mit den Men­schen fest gegründet, nun ruht auf dieser Verbindung Gottes Wohlgefallen gegen uns! — ich sage, wenn der Mensch das hört, wird er nicht um so tiefer das alles zu Herzen nehmen, je deutlicher und lebendiger ihm vor Augen gestellt wird, wie groß die Not ist, aus der ihn Gott herausreißt?

Kurz, wir sind ja von Natur gar nicht so beschaffen, dass wir nach dem Leben aus Gottes Barmherzigkeit recht ver­langen und dafür genugsam danken können, wenn uns nicht zuvor der Schrecken vor dem Zorn Gottes und das Entsetzen vor dem ewigen Tode durch die Seele dringt und uns zu Boden wirft; und deshalb unterweist uns die göttliche Lehre der­art, dass wir Gott als uns feindlich erblicken, seine Hand ausgereckt sehen, um uns zu verderben — aber doch nur, damit wir seine Freundlichkeit und seine Vaterliebe allein in Christus ergreifen! “

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Alle Predigten von Timothy Keller nun kostenfrei verfügbar

Ich höre sehr gerne Predigten von Tim Keller und von keinem Prediger habe ich mich mehr für meinen sporadischen Laien-Predigerdienst inspirieren lassen.

Seit dem 30.03.23 bietet Gospel in Life nun sämtliche Predigten von Tim Keller kostenfrei zum Download an. Das gibt Tim Keller in einer Erklärung bekannt, die hier aufgerufen werden kann.

Soweit ich das überblicken kann betrifft das nicht nur die Predigten von Tim Keller, sondern die sämtlicher Prediger der Redeemer Churches. In den fielen Jahren seines Predigtdienstes hat Tim Keller zu unterschiedlichen Themen kleine Predigtreihen veröffentlicht (z.B. Glaubensbekenntnis, Eigenschaften Gottes, Gleichnisse, Harte Reden Jesu) mit der ihm typischen kulturapologetischen Darstellungsart. Die Predigtreihen entwickelten sich oft parallel oder folgernd aus Büchern von Tim Keller (z.B. über den Propheten Jona).

Schon die letzten Jahre konnte man einen wechselnden Teil der Predigten Kellers z.B. im Podcast oder auf youtube anhören. Nun stehen über 1900 Predigten von Keller vollständig kostenfrei zum Download bereit. In der oben verlinkten Ankündigung erläutert Keller warum die Predigten bisher nicht kostenfrei zur Verfügung standen.

P.S.: Meine (bisherigen) Lieblingspredigten von Keller stelle ich übrigens in diesem Artikel vor.

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„Darum Ostern“ von Heuckelbach.org

Es fällt deutlich auf, dass das Missionswerk Werner Heuckelbach in den letzten Jahren neue Wege ausprobiert, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Das Programm, man möchte schon fast sagen, die Marke „Darum Ostern“ ist sicherlich dabei besonders positiv hervorzuheben.

Gegenwärtig gibt es wieder eine Menge Verteilmaterial, sowohl analog wie auch digital (siehe Link). Vor allem das Magazin, „Darum Ostern“ stellt die Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu in „Magazinform“ dar (nach dem Markus-Evangelium). Ich werde auf jeden Fall ein paar Examplare unter die Magazine auf der Arbeit „schmuggeln“.

Viel weiteres Material für die unterschiedlichsten Kanäle findet sich im Heuckelbach-Shop (Link)

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Kein Buch, sondern ein Erlebnis: „Die Brüder Karamasow“

Ich habe schon einige Werke von Dostojweskij gelesen und hatte immer Mühe mich in der Mitte der Werke durch Abschnitte durchzukämpfen, die ich als zu langmatig empfand (Dostojewskij, der häufig pro Seite bezahlt wurde, „streckte“ seine Romane gelegentlich), deswegen entschied ich mich bei „Die Brüder Karamasow“ für ein Hörbuch.

Doch meine Vorsicht war bei diesem Werk fehl am Platz. Die Brüder Karmasow fesselt von Anfang bis zum Schluss. Im Zentrum des Romans steht vor allem Alexei („Aljoscha“) Karamasow, der Jüngste der drei Söhne von Fjodor Karamasow. Fjodor Karamasow ist ein Säufer, Lüstling, Geizhals und Spötter. Ein furchtbarer, kaum zu ertragender Mann, so dass sich dem Leser (oder Hörer) die gleiche Frage aufdrängt, die der älteste der drei Brüder, Dmitri („Mitja“) schließlich ausspricht: Warum sollte ein solcher Mann überhaupt am Leben bleiben?

Der Vater tut nun auch sein bestes, um die sowieso schon angeschlagene Liebesbeziehung seines Sohnes weiter zu untergraben, indem er um die gleiche Dame buhlt wie sein Sohn. Doch nicht nur das, er prahlt damit bei der ersten Zusammenkunft „der Familie“ nach Jahren. Man trifft sich im Kloster, dessen Mitglied Alexeij werden will. Bald geschieht auch das Drama, dass von Anfang an in der Luft schwebt: Der Vater wird ermordet aufgefunden, und alle Indizien sprechen dafür, dass es gerade der 28-jährige Mitja war, der den Mord begangen hat. Hat er doch wenige Tage vor dem Mord selbst überall herumposaunt, dass er am liebsten seinen Vater töten würde… Soweit der Ausgangspunkt des Romans, der nun sehr viele Seitenwege einschlägt. Sehr ausführlich wird das Leben von Starez Sossima, einem Art Eremetien-Abt geschildert, der der Mentor von Aljoscha ist. Der Starez schildert auf seinem Sterbebett sein Verständnis von Schuld, Vergebung und Verantwortung. Damit findet sich ein Gegenentwurf zum Konzept zum zweiten Bruder Iwan, der Atheist ist. („Ich leugne gar nicht, dass es einen Gott gibt, aber diese von ihm geschaffene Welt lehne ich ab. Ich gebe ihm mein Eintrittsbillett in diese Welt zurück“). Sein Modell schildert Iwan dem gläubigen Aljoscha in seiner Dichtung vom Großinquisition: Hier kehrt Christus während der Hochphase der spanischen Inquisition als Wundertäter auf die Erde zurück und wird natürlich nach dem ersten vollbrachten Wunder vom Großinquisitor inhaftiert, der nun Christus darum bittet, sich aus der Kontrolle der Kirche zurückzuhalten, die man nun im Griff hätte. Für Iwan ist diese Begebenheit nur die Begründung für seinen Nihilismus: „Alles ist erlaubt!“. In seiner Legende sieht er eine überzeugende Argumentation für den Nihilismus selbst aus religiöser Sicht.

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Mein Herz dichtet ein feines Lied… Liederbücher im Review

Wenn ich die Möglichkeiten habe, andere Gemeinden zu besuchen, bin ich immer besonders auf das verwendete Liederbuch gespannt, und konnte so einige interessante Liederbücher kennenlernen. Ich gestatte mir ein Kurzreview über verschiedene Liederbücher, die ich aktiv benutze. Schreibt mir doch im Kommentar, welche Erfahrungen ihr mit Liederbüchern gemacht habt und welche ihr empfehlen könnt?

Glaubenslieder von CV Dillenburg ist ein sehr umfangreiches Liederbuch mit über 550 Liedern. Die Mischung aus alten Glaubensliedern und vielen neuen ist sehr gelungen. Der Brüdergemeindliche Hintergrund birgt für mich teils gänzlich unbekannte Lieder. Von den aktiv von uns genutzten Liedern finden sich am meisten eher in diesem Liederbuch

+ Umfangreiche Liedauswahl
+ Noten und Text gemeinsam
+ Vierstimmiger Satz mit Akkorden
o Preis
– Dünnes Papier empfindlich
Gesamtbewertung: 4,5/5 Sternen

Loben ist der Klassiker unter den CLV-Liederbüchern. Das Liederbuch enthält 365 Lieder, für jeden Tag eines. Auch hier sind die Noten mit Satz und Akkorden versehen. Ich greife zu diesem Liederbuch, wenn ich Lieder von Siebald spielen möchte. Manche der neuen Arrangements sind meines Erachtens zu verkünstelt

+ günstig
+ Für sehr viele Lieder gibt es CD-Fassungen „zum Eintrainieren“
o Arrangements nicht immer gelungen
o Mittlerer Umfang
Gesamtbewertung: 4/5 Sternen

Über Einklang bin ich erst vor Kurzem gestoßen, obwohl das Liederbuch bereits 2019 erschienen ist. Es erscheint mir ein Stückweit wie ein Mix aus Loben und Glaubenslieder, wobei sich im Liederbuch auch einige gänzlich neue Lieder finden. Insgesamt ein gelungener Mix, den ich mir in Zukunft näher anschauen möchte. Vorteilhaft ist die Ringbuchfassung für Klavier und Musikbegleitung, die separat erhältlich ist.

+ Ringbuchfassung für Klavier
+ Neue und unveröffentlichte Lieder
+ Vierstimmiger Satz
Gesamtbewertung: 4,5/5 Sternen

Mit dem Liederbuch der Friedensstimme bin ich aufgewachsen. Der Umfang des Liederbuches mit über 1300 Lieder seine Stärke. Es sind auch einige gute Übersetzungen russischsprachiger Lieder dabei (ich persönlich hätte mir ein paar mehr gewünscht). Leider besitzt die recht teure Notenfassung keine Gitarrengriffe. Im Grunde rächt sich an dieser Stelle der große Umfang des Buches.

+ günstig
+ umfangreich
+ enthält Übersetzungen russischer
– Notenfassung ist zu umständlich (2 Bde.) und besitzt keine Gitarrengriffe
– gegenwärtig nur die Großdruckfassung erhältlich
Gesamtbewertung: 4/5 Sternen

Jugend für Christus wiederum war mein Jugendliederbuch. Wer die Möglichkeit hat, die Alte Auflage von vor 2009 zu erwerben, sollte es tun, denn mit der Revision 2009 wurden etwa 20 der fröhlichsten Lieder durch „gottesfürchtige ersetzt“. Die Stärke des Liederbuches sind gelungen anlassbezogene Lieder (Weihnachten, Ostern, Hochzeit, Erntedank usw…)

+ vierstimmiger Satz mit Akkorden
o nicht ganz so günstig
Gesamtbewertung: 4-4,5 (alte Auflage) / 5 Sternen

Bei „Sing auf dem Weg“ bin ich gespaltener Meinung. Einerseits freut es mich, dass viele auch komplexere russische Lieder mit ihrer emotionalen und künstlerischen Art nun auch auf deutsch erhältlich sind. Andererseits lässt manch einer der Liedtexte einen fragen, ob es sich dabei überhaupt um ein christliches Lied handelt, wenn vor allem z.B. die eigenen Emotionen besungen werden.

+ Vierstimmiger Satz mit Akkorden
+ viele kunstvolle Lieder aus dem Russischen übersetzt
– Text gelegentlich nicht sonderlich wertvoll
Gesamtbewertung 3,5/5 Sternen

„Seht unseren Gott“ von E21 ist schon so ein Liederbuch, wo eigentlich gleich alle mitsingen können. Die Schwäche des Buches ist neben seiner doch beschränkten Auswahl die Tatsache, dass sämtliche Lieder nur einstimmig notiert sind.

+ günstiges Ringbuch mit einer griffigen Auswahl
o- geringe Liedauswahl (136 Lieder)
– sämtliche Lieder nur einstimmig notiert
– gegenwärtig nicht verfügbar
Gesamtbewertung 3/5 Sternen

Man darf sich bei diesem Liederbuch von dem Jungen im Sakko auf dem Cover nicht abschrecken lassen. Die Auswahl der über 150 Lieder ist sehr gut gelungen und deckt ein weites Spektrum von Liedern ab, die von Kindern gerne gesungen werden. Alle Lieder enthalten Noten und Akkordsatz. Wer ein gutes Liederbuch fürs Singen mit den Kindern sucht hat mit diesem Buch sicher einen guten Anfang.

+ gelungene Liedauswahl
+ gut geeignet um mit Kindern zu singen, aber nicht „zu kindlich“
+ guter Umfang für ein Kinderliederbuch
Gesamtbewertung 5/5 Sternen
Nachfolge Christi - Thomas von Kempen
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„Wenn ich doch wüsste, dass ich bis zum Ende bestehe“

In Thomas von Kempen Klassiker „Nachfolge Christi“ fand ich im ersten Buch, Kapitel 25 diese bewegende Aussage, die ein interessantes Licht auf die Frage der Heilsgewissheit wirft. Wie oft wird uns bange bei der Frage, ob wir wirklich bis zum Ende werden aushalten können. Nun von Kempen berichtet über einen solchen Menschen, denn dieser Gedanke bis „zum Kummer ganz erschöpfte“:

„Als einst jemand zwischen Furcht und Hoffnung lange angstvoll schwebte und sich von Traurigkeit ganz abgemattet in der Kirche vor einem Altar auf seine Knie niederwarf und betete und in seinem Herzen dachte und sagte: O wenn ich doch wüsste, ob ich im Guten verharren werde! – vernahm er sogleich innerlich eine himmlische Stimme, welche zu ihm sprach: Wenn du nun dieses wüsstest, was wolltest du dann tun? Tue jetzt, was du dann tun würdest, und du wirst vollkommen sicher sein. Hiedurch getröstet und gestärkt übergab er sich ganz dem göttlichen Willen, und das ängstliche Zweifeln hörte auf. Er wollte nicht mehr vorwitzig nachforschen, um zu wissen, was ihm künftig bevorstehe, sondern er war vielmehr bedacht, zu erkennen, was Gott am gefälligsten und am vollkommensten nach Seinem Willen wäre, damit er jedes gute Werk unternähme und ausführte“

Angesichts der Tatsache, dass man es sich im Katholizismus mit der Heilsgewissheit schwer tut, und offensichtlich die Zerknirschung/Reue über die Sünden für wichtiger hält, als den Glauben an die Errettung, ist die Verheißung, dass „vollkommen Sicherheit“ möglich ist, sehr wertvoll

Gleichzeitig denke ich , dass von Kempen einen wichtigen Gedanken auch für uns Protestanten hat: Ein gutes lehrmäßiges Verständnis von der Heilsgewissheit kann einem häufig nur wenig helfen, und selbst wachsende Gewissheit macht uns nicht notwendiger Gottgefälliger.

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„…dass wir, solange wir leben, dazu verdammt sind, mit uns selbst zusammenzuleben…“

Erschreckend schnell schrumpfen unsere Freiheiten dahin. Wer das noch anzweifelt, der mag mal versuchen eine Stelleanzeige ohne das „d“ beim Geschlecht zu veröffentlichen. Oder einen Ausweis ohne Fingerabdruck zu beantragen. Oder eine SIM-Karte für sein Handy ohne Ausweisprüfung zu installieren. Oder sein Kind einzuschulen ohne Prüfung des Impfbuchs. Oder eine Webseite ohne Seitenweise DSGV-Hinweise und Cookie-Popup zu betreiben. Oder zu sagen, dass „Homosexualität“ Sünde sei. Oder Seelsorge für LGBT-Geschädigte anbieten. Oder, oder, oder…

Dabei sind alle genannten Punkte noch Anfang des Jahrhunderts kein Problem gewesen. Dieser noch schlummernde, aber doch nahezu allmächtige Drache der staatlichen Kontrolle und Überwachung beängstigt mich. Er schnaubt immer lauter. Was passiert wohl, wenn er zu seinem grausamen Zerstörungswerk aufwacht? Entsprechend griff ich zu Hannah Arendts Essay „Was heißt persönliche Verantwortung in einer Diktatur?“, um nicht nur in Erwartung von noch Schlimmeren handlungsunfähig zu werden, sondern auch Ruhe und nötige Gelassenheit zu finden. Ein Zitat dieses Buches, dass den Umschlag schmückt, möchte ich mit euch teilen:

„Die Trennungslinie zwischen denen, die denken wollen und deshalb für sich selbst urteilen müssen, und denen, die sich kein Urteil bilden, verläuft quer zu allen sozialen Unterschieden, quer zu allen Unterschieden in Kultur und Bildung. In dieser Hinsicht kann uns der totale moralische Zusammenbruch der ehrenwerten Gesellschaft während des Hitlerregimes lehren, dass es sich bei denen, auf die unter solchen Umständen Verlass ist, nicht um jene handelt, denen Werte lieb und teuer sind und die an moralischen Normen und Maßstäben festhalten; man weiß jetzt, dass sich all dies über Nacht ändern kann, und was davon übrig bleibt, ist die Gewohnheit, an irgendetwas festzuhalten. Viel verlässlicher werden die Zweifler und Skeptiker sein, nicht etwa weil Skeptizismus gut und Zweifel heilsam ist, sondern weil diese Menschen es gewohnt sind, Dinge zu überprüfen und sich ihre eigene Meinung zu bilden. Am allerbesten werden jene sein, die wenigstens eins genau wissen: dass wir, solange wir leben, dazu verdammt sind, mit uns selbst zusammenzuleben, was immer auch geschehen mag.“

Hannah Arendt
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Mit ChatGPT im Gespräch über Johannes 9, Sinn im Leiden, Mission und empfehlenswerte Bibelkommentare

Die Künstliche Intelligenz OpenAI bzw. ChatGPT ist in aller Munde. Sie schreibt kleine Programme, Gedichte und Sachtexte, löst Matheaufgabe und empfiehlt Pizzabelag. Auf Biblipedia findet sich gar ein Predigttext von ChatGPT. Ich konnte nicht wiederstehen auf chat.openai.com mit der künstlichen Intelligenz über Johannes 9 zu reden (Ich habe die Antworten von ChatGPT immer wieder gekürzt, da er häufig ganze Fragmente beinahe Identisch wiedergab, ansonsten aber nichts am Text geändert). Dennoch brachte ich die AI am Schluß dazu Jesus als Retter zu bekennen.

S.P: Welche Hintergrundinformationen benötige ich, um Johannes Kapitel 9 besser zu verstehen? Ich meine das Wunder Jesu, als er den Blindgeborenen sehend gemacht hat:

ChatGPT: Um das Wunder, das Jesus in Johannes 9 vollbringt, in seinem historischen und literarischen Kontext zu verstehen, könnten einige Hintergrundinformationen hilfreich sein:

  1. In der Bibel werden Wunder oft als Zeichen dargestellt, die die Autorität und Macht Gottes oder seiner Vertreter demonstrieren. Das Wunder des Blindengeborenen, der sehend gemacht wird, könnte also als ein solches Zeichen verstanden werden, das Jesus als von Gott gesandten Messias oder Prophet ausweist.
  2. Das Johannesevangelium gehört zu den späteren Schriften des Neuen Testaments und unterscheidet sich in mancher Hinsicht von den anderen Evangelien. Eines der Hauptmerkmale des Johannesevangeliums ist sein starkes Augenmerk auf die Verkündigung Jesu und seine göttliche Natur. Im Johannesevangelium werden viele Wunder beschrieben, die Jesus vollbringt, und sie werden oft als „Zeichen“ bezeichnet, die die Wahrheit seiner Lehren und seine göttliche Natur bezeugen sollen.
  3. In der jüdischen Tradition galt Blindheit oft als Strafe für Sünde. Das Wunder, das Jesus vollbringt, indem er den Blindgeborenen sehend macht, könnte daher auch als eine Art „Sündenvergebung“ oder „Reinigung“ verstanden werden, die Jesus für den betreffenden Menschen vollzieht.
  4. Johannes 9 findet innerhalb des größeren Kontexts des Johannesevangeliums statt. Es könnte daher hilfreich sein, auch die umgebenden Kapitel zu lesen, um das Wunder in seinem literarischen Kontext besser zu verstehen.

S.P.: Ist Strafe für die Sünde die übliche Erklärung für unser Leiden?

ChatGPT: In manchen Religionen und theologischen Traditionen wird das Leiden und die Not, die Menschen erfahren, als Strafe für Sünde gesehen. Dieser Gedanke findet sich zum Beispiel in der jüdischen Tradition und in manchen christlichen Traditionen. In der Bibel werden manche Leiden, die Menschen erfahren, tatsächlich als direkte Folge von Sünde dargestellt, zum Beispiel das Leiden, das Kain aufgrund seiner Mordtat erfährt (Genesis 4,12).

In anderen Fällen wird das Leiden, das Menschen erfahren, als Teil des menschlichen Lebens betrachtet, das alle Menschen aufgrund der ursprünglichen Sünde, die Adam und Eva begangen haben, teilen. Dieser Gedanke findet sich zum Beispiel in der christlichen Tradition, die das Konzept der Erbsünde lehrt.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Sichtweise des Leidens nicht die einzige oder universelle Sichtweise ist. In manchen Religionen und theologischen Traditionen wird das Leiden anders erklärt, zum Beispiel als Prüfung oder Gelegenheit zur persönlichen Entwicklung. Andere sehen das Leiden als einfach einen Teil des menschlichen Lebens an, ohne es direkt mit Sünde oder Strafe in Verbindung zu bringen.(…)

S.P.: Warum ist es wichtig für dich zu betonen, dass es keine allgemeingültige Antwort auf das Leiden gibt?

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Wenn selbst Beethoven und Shakespeare nicht genug sind

Die Tage bin ich bei Kreeft/Tacelli auf diese Aussage von/über Jean-Paul Sartre gestoßen: „Even the atheist Jean-Paul Sartre admitted that “there comes a time when one asks, even of Shakespeare, even of Beethoven, ‘Is that all there is?’ ” (Peter Kreeft und Ronald K. Tacelli, Handbook of Christian Apologetics: S. 78). – Ich habe das Zitat nicht auf deutsch finden können und übersetze frei: „Selbst der Atheist Jean-Paul Sartre räumte ein, dass es Zeitengibt, in der man sich sogar über Shakespeare und Beethoven fragt: ‚War das alles?'“

Kreeft und Tacelli führen Sartres Aussage im Rahmen ihrer Argumentation auf, dass unser Verlangen „nach Mehr“ davon zeugt, dass wir mit einem Verlangen „nach Mehr programmiert“ sind. Gänzliche Zufriedenheit im Materiellen? – Fehlanzeige!

Ich gebe den Autoren in ihrer These recht, aber beim Lesen der oben genannten Zeilen schweiften meine Gedanken zur Pracht der Musik. Zur Erfüllung, die wir beim Konsum von Musik erfahren. Sollte es da etwas besseres geben als „Beethovens Neunte“? Seine letzte vollende Sinfonie ist wirklich ein Genuss (Auf Youtube finden sich zahlreiche Aufführungen, von denen ich einige angehört habe, aber meine Expertise reicht nicht aus, um sie zu bewerten).

Es ist auch Beethovens Neunte die im Jahre 2072, wenn alle Emotionen mit Medikamenten unterdrückt werden und Kunst verboten ist, da sie Gefühle und Emotionen fördert, den leitenden „Anti-Gefühls-Polizisten“ John Preston zum Umdenken führt. So stellt es die Dystopie „Equilibrium“ dar: Als Preston ein Nest von „Sinnestätern“ aufdeckt, dass gefüllt ist mit den letzten Resten an Kunstartikeln, kann er nicht widerstehen eine Schalplatte aufzulegen und hört auf dieser die Neunte Sinfonie von Beethoven (Diese hervorragende Szene mit Christian Bale findet sich hier).

So gut wie jeder dürfte zumindest einen Auszug dieser Sinfonie kennen, die Europahymne über die Freude (Ich kann an dieser Stelle nicht widerstehen auf die herrliche Parodie dieser Ode an die Freude von Rowan Atkinson hinzuweisen). Geradezu auf unglaubliche Weise beeindruckend ist schließlich die Tatsache, dass diese Komposition von Beethoven verfasst wurde, als er bereits vollständig taub war.

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Wenn man nicht mehr lesen kann…

Immer wieder habe ich Phasen, in denen mir Bücher, vor allem theologische Bücher als derart lästig vorkommen, dass ich sie nicht mehr lesen mag.

Es sind Phasen, in denen mich selbst die besten Werke und liebsten Autoren ärgern. Ich möchte das an einem meiner Lieblingsautoren, Carl R. Trueman, illustrieren. So fiel mir immer auf, dass er „katholikenfreundlich“ schreibt. Das finde ich im Allgemeinen zunächst unproblematisch. Aber dann lese ich seine Kritik an den Evangelikalen, die Bekenntnisse nicht so ernst nehmen. Nun was soll man dann machen? Soll ich Carl. R. Trueman daran erinnern, dass es ja sein Bekenntnis ist, das in Artikel 26,5 über den Papst diese Aussage trifft: „Auch der Papst von Rom kann nicht in irgendeinem Sinn ihr Haupt sein, sondern er ist der Antichrist, der Mensch der Sünde und Sohn des Verderbens, der sich selbst in der Kirche gegen Christus und alles, was Gott genannt wird, erhebt“. In Kürze: Ich fange an, diese Aussagen persönlich zu nehmen und das Gefühl, dass all diese Aussagen bloß Macht-Strategien sind, um sich einen guten Lehrstuhl zu verschaffen oder die richtige Zeitschrift (FirstThings) als Herausgeber zu erhalten, fängt an zu dominieren.

Natürlich mag ich mich irren, und ich hoffe, hier kein Urteil über Trueman zu fällen, sondern vor allem zu beschreiben, wie der Keim eines Verdachts aufkommt, der nicht so schnell ausgerottet werden kann. Das Lesen von Trueman ist auf jeden Fall zunächst gelähmt. Greife ich nach Trueman zu einem seelsorgerlichen Werk, keimt der Verdacht aber weiter: Auch dieses Buch landet in der Ecke, da ich nicht den Verdacht loswerde, dass dieses wiederum aus rein finanziellen oder sonstig manipulativen Gründen verfasst wurde. Im Übrigen ist das ganze hier nur ein punktueller Einblick in eine äußerst dicke und Schicht Frustration mit theologischen Büchern, die oft lange schlummert und nun erbarmungslos herausbricht. Ich habe einfach keine Geduld mehr mit ihnen.

Das kann gehörig frustrierend sein, aber da ich bereits die dritte Runde „dieser Fastenzeit“ drehe, bringe ich dieses Mal etwas mehr Gelassenheit mit. In diesem Artikel möchte ich nun schildern, was ich anschließend unternehme (und was mich letztlich zu den Büchern zurückbringt)

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