Alle Artikel von “Sergej Pauli”

Kommentare 0

Letters of Note – Briefe, die die Welt bedeuten

Da läuft man nach Jahren mal wieder in eine Tschibo-Filiale und stolpert über ein Buch, das man gleich einpackt – und völlig zurecht, wie sich herausstellen stellte.

Der Band enthält ein Sammelsurium von 112 Briefen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Menschheitsgeschichte. So findet sich der vermeintliche Brief von Jack the Ripper an eine Bürgerwehr (der Sendung war eine menschliche Niere beigelegt), wie der Brief, den Charles Dickens an die Times schrieb, als er der Hinrichtung eines Paars beiwohnte.

Was das Buch besonders anschaulich macht ist, dass bei den meisten Briefen die Originale als farbliche Abbildungen beigefügt sind.

So kann man z.B. die Kokosnuss bestaunen, die John F. Kennedy während des zweiten Weltkriegs mit einer Hilfsbitte nach einer Strandung einem neugeborenen übergab oder das Rezepte des Eierkuchens, dass Queen Elizabeth II an US-Präsiden Eisenower sandte.

Handschriftliche Briefe! Ah, wie wundervoll und herrlich! Da kriegt man Lust, selber ein paar Briefe zu schreiben.

Einige Briefe sind herrlich ironisch, so wie die Bitte eines 14 Jährigen Fidel Castros beim US-amerikanischen Präsidenten um „einen grünen zehn Dollar Schein“ oder das Schreiben einer Elfjährigen an den damals noch bartlosen Abraham Lincoln mit dem Hinweis, dass ein Bart ihm sicher viel mehr Wählerstimmen einbringen würde („Alle Damen lieben Bärte“). Immer wieder findet man aber auch erschütternde Schreiben, wie z.B. ein Brief vom FBI an Martin Luther King, in dem sie ihn aktiv erpressen und ihm nahelegen Suzid zu begehen (!) oder das SChreiben vom Mark Chapman an einen Memorabilia-Experten, der frägt, was ein signiertes Album von John Lennon für einen Wert besitzt (Chapman hat wenige Stunden nachdem er sein Album von Lennon signieren lassen hat, diesen erschossen).

Obwohl jeder Brief seine Geschichte beschreibt, finden sich auch Briefe mit historischer Bedeutung, wie z.B. eine Schrift aus der ägyptischen Antike, die den Dienst eines „Pharao-angestellten schildert“ oder das Schreiben, in dem Maria Stuart ihre bevorstehende Hinrichtung schildert.

In einigen Fällen bekommt man auch die Antwort mit, so auch in dem Fall, als Phyllis, am 19.01.1936 Einstein fragte, ob Wissenschaftler beten, die Einstein, wenn auch sehr freundlich formuliert letztlich verneint, auch wenn er eingesteht, dass „Doch auch jeder, der sich ernsthaft mit der Wissenschaft beschäftigt, ist irgendwann davon überzeugt, dass ein Geist den Gesetzen des Universums innewohnt, der dem des Menschen bei weitem überlegen ist.“ Auf diese Art führt die Beschäftigung mit der Wissenschaft zu einem ganz besonderen religiösen Gefühl, das sich natürlich sehr von der Religiosität einer unbefangeneren Person unterscheidet“

Die Briefe sind auch mit ihren Fehlern übersetzt worden, was auch in der Übersetzung (der meist ursprünglich englischen Briefe) lebensnah werden lässt. Das Buch kann ein guter Startpunkt für weitere historische Studien werden. Auf Englisch kann man die im Buch enthaltenen Briefe mit vielen weiteren auch auf der gleichnamigen Seite lesen: lettersofnote.com.

Kommentare 2

„Zum König geboren“ von Dorothy L. Sayers

Dieses Buch ist eine kostbare Entdeckung für das Jahr 2022. Manfred Siebald, der das Buch übersetzt hat, liefert auch das Vorwort zu diesem Werk, dass zu seiner Veröffentlichung in den 40ern Jahren für Empörung gesorgt hat:

Der Hintergrund war dieser: Das BBC wollte einen Hörspielzyklus über das Leben Jesu veröffentlichen. Dass man Dorothy L. Sayers, also eine Nicht-Theologin (und Krimi-Schreiberin) als Autorin dieses Werkes aussuchte, schockierte die Zuhörerschaft womöglich ähnlich wie die Tatsache, dass die theatralische Darstellung der Dreieinigkeit verboten war. Verstieß auch ein Hörspiel dagegen?

Was herauskam ist ein zwölfteiliger Hörspielzyklus mit umfangreichen Personenbeschreibungen. Der Zusammenhang zu dem Buch: Das Buch ist die Übersetzung der Hörspieltexte und eben der Personenbeschreibungen. Dieses Buch zu lesen war mir ein Hochgenuss und immer wieder nickte ich überrascht über die Zusammenhänge, die Sayers aus den einzelnen Begebenheiten im Leben Jesu zog: Z.B. wie die drei Versuchungen Jesu in der Wüste immer wieder an ihn in seinem Dienst herantraten. Oder wie sich die Frage nach der Macht und Herrschaft von Krippe bis Kreuz bis hin zur Auferstehung zieht.

Weiterlesen
Kommentare 0

„Das Gericht über Gott“ – von John Stott

In dem umfassenden und ausgezeichneten Werk „Das Kreuz“ schreibt John Stott darüber, was er als „das größte und herrlichste aller Themen“ bezeichnet. Das Buch betrachtet weit mehr als den Aspekt des Sühnetodes, auch wenn das eine zentrale Stellung einnimmt. Scott schafft es vor den Leser allgemeinverständlich verschiedene Aspekte des Kreuzes Christi zu zeigen, die Bedeutung des Kreuzes für die Verkündigung, für unser Gottesbild, als Wirkung für unsere Heiligung und dem Sieg über dem Bösen, aber auch als Antwort auf ungelöste Fragen nach dem Leid, die Stott zu Ende seines Werkes betrachtet Hier findet sich die Kurzgeschichte „das Lange Schweigen“. An dieser Stelle ist keine Quelle angegeben und ich konnte auch in der englischen Fassung keinen Ursprung ausmachen, nehme also an, dass diese lesenswerte Kurzgeschichte von John Stott selbst stammt (ich hoffe der Verlag verzeiht mir ein etwas zu großes Zitat):

Weiterlesen
Kommentare 0

Jesus predigen – nicht irgendwas!

In „Jesus predigen – nicht irgendwas!“ finden sich drei Essays von Wilhelm Busch über die Kunst des Predigers. Im ersten, ausgezeichneten Essay, der 1938 unter dem Titel „Vom Dienst des Predigers“ erschienen ist, schreibt Wilhelm Busch auch darüber, dass es „wichtig ist, die klare Linie des Textes in ihrer ganzen Einseitigkeit stehenzulassen, dem Text nicht seine Eigenheit rauben. Wir dürfen nicht aus der Sorge heraus, es könnten lehrhafte Missverständnisse entstehen, mit „zwar auch“ allerlei Einschränkungen einfügen, die schließlich die klare, anschauliche Richtung des Textes verwischen oder verbiegen.“

Weiterlesen
Kommentare 2

„…und ihre Freundschaft zerbrach nicht“
aus "Der Silberne Sessel" von C. S. Lewis

„und ihre Freundschaft zerbrach nicht“ – In der silberne Sessel erfahren Eustachius und Jill von Rilian, dem Sohn Kaspians, der bei einem der zahllosen Versuche sich an der Schlange zu rächen, die seine Mutter ermordet hat, entführt wird.

Dieser Zwischenfall sollte die Freundschaft von Kaspian mit Drinian (der Leibwache des jungen Prinzens) unter starke Spannung setzen. Diese Begebenheit illustriert, wie Freundschaften durch Schicksalsschläge herausgefordert werden und wie Vergebung und Nachsicht eine Freundschaft bewahren können: Weiterlesen

Kommentare 0

Lesenswerte Blogartikel Oktober 2022

Ein paar Artikel, die im Oktober verfangen haben. Diesmal habe ich einige Blogneuentdeckungen für euch.

Kommentare 0

Der „Schmuggler Gottes“ ist tot
Anne van der Bijl ist heim gegangen

Foto: Open Doors

Am 27.09.2022 ist Anne van der Bijl, besser bekannt als Bruder Andrew, heimgegangen. Der Gründer und langjährige Leiter von Open Doors machte bereits in den 60ern des letzten Jahrhunderts Schlagzeilen mit Bibelschmuggelaktionen in die kommunistischen Länder des Ostblocks. Über diese berichtete er in einem langjährigen Bestseller „der Schmuggler Gottes. Sehr hörenswert ist auch das gleichnamige Hörbuch. 

Der Schmuggler GottesNachdem sein Buch veröffentlicht wurde, war für ihn zwar der Weg in die Staaten des Warschauer Paktes versperrt, es eröffneten sich neue Möglichkeiten für Bibeltransporte, nach China und in islamische Länder. Heute ist OpenDoors vor allem für seinen Einsatz für verfolgte Christen weltweit bekannt.

Zahlreiche Zeitschriften berichten heute über den Tod von Bruder Andrew. Eine Auswahl:

Kommentare 1

„Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.“
Der vollständige Text eines Lied-Klassikers

Heute morgen bin ich mit den Klängen dieses Liedes aufgewacht. Diese Zeile einer Strophe blieb sitzen: „Ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.“ Wie viele unserer Probleme, unserer Sorgen sind auf unsere Selbstversessenheit zurückzuführen!

Der Wikipedia-Artikel zu diesem Lied zeigt alle ursprünglichen Strophen, die Gerhard Tersteegen 1757 zum heute als  „Ich bete an die Macht der Liebe“- Lied veröffentlicht hat. Die Originalfassung wurde nach der Melodie „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ gesungen. Da jedes Liederbuch das dieses Lied enthält, heute unterschiedlich gekürzte Fassungen führt, fand ich es interessant, die vollständige Fassung zu beleuchten.

„Für dich sei ganz mein Herz und Leben,
mein süßer Gott, und all mein Gut,
für dich hast du mir’s nur gegeben,
in dir es nur und selig ruht.
Hersteller meines schweren Falles,
für dich sei ewig Herz und alles.

Ich liebt und lebte recht im Zwange
Wie ich mir lebte, ohne dich;
Ich wollte dich nicht, ach so lange!
Doch liebtest du, und suchtest mich,
Mich böses Kind aus bösem Samen
Im hohen, holden Jesus-Namen

Dein Vaters Herzens Eingeweide
In diesem Namen öffnen sich;
Ein Brunn der Liebe, Fried und Freude,
Quillt nun so nah, so mildiglich;
Mein Gott, wenn’s doch der Sünder wüsste!
Sein Herz alsbald dich lieben müsste.

Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesus offenbart;
ich geb‘ mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Wie bist du mir so zart gewogen.
Und wie verlangt dein Herz nach mir!
Durch Liebe sanft und tief gezogen
neigt sich mein Alles auch zu dir.
Du traute Liebe, gutes Wesen,
du hast mich und ich dich erlesen.

Ich fühls‘, du bist’s; dich muss ich haben:
Ich fühls‘, ich muss für dich nur sein:
Nicht im Geschöpf, nicht in den Gaben;
Mein Plätzchen ist in dir allein:
Hier ist die Ruh, hier ist Vergnügen;
Drom folg ich deinen selgen Zügen

Ehr sei dem hohen Jesus-Namen!
In dem der Liebe Quell entspringt,
von dem hier alle Bächlein kamen,
aus dem der Selgen Schar dort trinkt:
Wie beugen sie sich ohne Ende! (2 Stimme: Wir beugen uns mit ohne Ende)
Wie falten sie die frohen Hände (2 Stimme: Wir falten mit die frohen Hände)

O Jesu, dass dein Name bliebe
im Herzen tief gedrücket ein;
möcht deine süße Jesusliebe
in Herz und Sinn gepräget sein.
Im Wort, im Werk und allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen.“

Kommentare 0

Russisch-Orthodoxe Seelsorge bei Starez Sossima
Aus die Brüder Karamasow von F.M. Dostojewski

„Die Brüder Karamasow“ ist ein Meisterwerk in unterschiedlichster Hinsicht. Vielleicht ergibt sich auf diesem Blog einst die Möglichkeit zu einer ausführlichen Besprechung dieses letzten Romans von F.M. Dostojewski.

Im Zweiten Kapitel des zweiten Buches des Ersten Teils dieses umfangreichen Werkes (mein russisches Hörbuch ist über 45h lang) können wir Starez Sossima (Ein Starez ist so etwas wie eine Art „Über-Abt“ eines orthodoxen Klosters) bei Gesprächen mit unterschiedlichen Ratsuchenden beobachten. Ich finde in seinen Antworten viel Weisheit, auch wenn man manches „ins Evangelische“ übersetzen sollte. Aus dem halben Dutzend Gesprächen (hier ab S. 34) habe ich drei ausgesucht.

Die Szenen sind in sich abgeschlossen, und bis auf eine haben sie auch keine weitere Bedeutung für den Verlauf des Romans, können also in sich gelesen werden. Ich habe sehr ausführliche Zitate gewählt, um auch die gezeichneten Rahmenbedingungen aufzuzeigen:

Kann schwere Sünde vergeben werden?

Beachtet das Feingefühl, mit dem der Starez das Private privat sein lässt aber vor allem den Hinweis auf das Evangelium am Schluss. In Dostojewskis Beispielen findet sich zudem immer ein Zusammenhang zwischen körperlichem und seelischem Leid.

„Der Starez hatte in der Menge bereits die glühenden Augen einer abgezehrten, offenbar schwindsüchtigen jungen Bäuerin bemerkt. Schweigend sah sie ihn an, ihre Augen baten um etwas,aber sie schien sich zu fürchten, näher zu kommen.
»Was führt dich her, meine Liebe?«

»Erlöse meine Seele, Vater!« sagte sie leise und langsam, fiel auf die Knie und beugte sich bis zu seinen Füßen. »Ich habe gesündigt, Vater. Ich fürchte mich wegen der Sünde.«

Der Starez setzte sich auf die unterste Stufe, und die Frau näherte sich ihm, ohne sich von den Knien zu erheben.

»Ich bin das dritte Jahr Witwe«, begann sie fast flüsternd und schien dabei am ganzen Körper zu zittern. »Ich hatte es schwer in der Ehe, er war alt und schlug mich. Dann lag er krank, ich sah ihn an und dachte: Wenn er nun wieder gesund wird und aufsteht, was dann? Und da kam mir dieser Gedanke …«

»Warte!« sagte der Starez und brachte sein Ohr ganz dicht an ihre Lippen. Die Frau sprach flüsternd weiter, so daß die anderen kaum ein Wort auffangen konnten. Sie war bald fertig. Weiterlesen

Kommentare 0

J.I. Packer in seiner Einführung zu Owens Werk über das Sühneopfer Christi
Was ist biblisches Evangelium?

Manche Diamanten sind gut versteckt. Das gilt unbedingt für den Einleitungsessay, den J.I. Packer (Vgl. für einen Lebenslauf diesen Artikel) 1958 als Einführung in eine Neuauflage von John Owens Buch „The Deaht of Death in the Death of Christ“ verfasst hat. Der Artikel findet sich im Web oder deutschsprachig als Teil dieser gekürzten Übersetzung von John Owens Klassiker.

Neulich griff ich wiederholt zur Einführung von Packer, eigentlich weil ich mich für Owens Werk aufwärmen wollte: Bisher habe ich nichts vergleichbares gelesen, dass präziser den Unterschied von Arminianismus und Calvinismus aufzeigt. Häufig kann man den Eindruck bekommen, als meine man das selbe, und betrachte zwei unterschiedliche Perspektiven. Weit gefehlt, folgt man der Argumentation von Packer (eigene Übersetzung):

„Es gibt zwei kohärente Interpretationen des biblischen Evangeliums, die in einem klaren Gegensatz zueinander sind. Der Unterschied zwischen den beiden sind nicht bloß unterschiedliche Schwerpunkte, sondern der Inhalt. Ein Evangelium verkündigt einen Gott, der rettet, das andere spricht von einem Gott, der den Menschen befähigt, sich selbst zu retten. Das eine verkündigt die drei großen Handlungen der Heiligen Dreieinigkeit zur Wiederherstellung der verlorenen Menschheit – Erwählung durch den Vater, Erlösung durch den Sohn und Berufung durch den Geist – als an die gleichen Personen gerichtet und ihre Errettung unfehlbar erhaltend. Die andere Sicht gibt jeder Handlung eine anderen Bezugspunkt (die Erlösung bezieht sich auf die gesamte Menschheit, die Berufung auf alle, die das Evangelium hören, und die Erwählung auf die Hörer, die darauf antworten) und bestreitet, dass das Heil des Menschen durch irgendeine dieser Handlungen gesichert ist.

Diese zwei Theologien zeichnen den Heilsplan somit in völlig unterschiedlichen Kategorien auf. Die eine macht das Heil vom Werk Gottes abhängig, die andere vom Werk des Menschen; die eine betrachtet den Glauben als Teil des Heilsgeschenkes Gottes, die andere als des Menschen eigenen Beitrag zum Heil; die eine gibt Gott die ganze Ehre für die Rettung der Gläubigen, die andere teilt das Lob zwischen Gott, der sozusagen die Heilsmaschinerie gebaut hat, und dem Menschen, der sie durch seinen Glauben in Gang gesetzt hat.

Diese Unterschiede sind zweifellos wichtig, und der bleibende Wert der „fünf Punkte“ als Zusammenfassung des Calvinismus besteht darin, dass sie deutlich machen, in welchen Bereichen und in welchem Ausmaß diese beiden Auffassungen voneinander abweichen….“