Im Rahmen einer Vorbereitung zu einem Vortrag über die Heilsgewissheit, habe ich unterschiedliche Quellen referenziert. Ein kurzer Überblick. Weiterlesen
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Vom Zweifel zur Glaubensgewissheit
Der jüdisch-amerikanische Radio-Moderator Dennis Prager über Evangelikale
Das Leseverhalten der Evangelikalen aus jüdischer Sicht
Dennis Prager ist in Amerika schon jahrzehntelang als konservativer und ungewöhnlicher Radiomoderator bekannt. Seine Analyse des Leseverhaltens evangelikaler Christen dürfte global ins Schwarze treffen. Entdeckt, via Monergism:
„Eine Sache, die mir bei Evangelikalen aufgefallen ist, ist, dass sie nicht lesen. Sie lesen die Bibel nicht, sie lesen die großen christlichen Denker nicht, sie haben noch nie von Aquin gehört. Wenn sie Presbyterianer sind, haben sie noch nie die Begründer des Presbyterianismus gelesen. Das kann ich nicht verstehen. Als Jude ist das für mich verwirrend. Das Gebot des Studiums ist im Judentum so tief verwurzelt, dass wir uns in das Studium vertiefen. Gott hat uns ein Gehirn gegeben, sollen wir es nicht in seinem Dienst einsetzen? Wenn ich das Haus eines evangelikalen Christen betrete und insgesamt 30 Bücher sehe, die meisten davon Bestseller, verstehe ich das nicht. Ich habe Bücherregale mit christlichen Büchern, und ich bin Jude. Warum habe ich mehr christliche Bücher als 98 % der Christen in Amerika? Das ist so seltsam für mich.“
O-Ton: Weiterlesen
Thomas Watson über die Glaubensgewissheit
Eine Studie zu "A Body of Divinity"
Lesezeit: 16 Minuten
In seiner “A Body of Divinity” (auf Deutsch als “Darlegung der christlichen Lehre und ihre Anwendung” veröffentlicht) führt Thomas Watson in Teil V, Kap.6 (S.250-260) seine Überlegungen über die Gewissheit der Liebe Gottes aus. Damit bespricht er einen Aspekt der 36ten Frage des kürzeren Westminster Katechismus, die “Wohltaten, die in diesem Leben Rechtfertigung, Sohnschaft und Heiligung begleiten”, der von der Zusicherung von Gottes Liebe spricht.
Im deutschsprachigen Gebrauch wird Assurance (of Faith) häufig als Heilsgewissheit wiedergegeben. Da aber die Gewissheit des Heils nicht anderer Art als der christliche Glaube sein kann und auch nicht unabhängig eines evangelischen Glaubens existieren kann, würde ich persönlich den Begriff der Glaubensgewissheit bevorzugen. In manchen Fällen könnte man auch von der Gewissheit der Errettung sprechen. Wertvoll ist der Hinweis, dass es hier um die Gewissheit geht, dass Gottes Liebe mir gilt. Es ist die Frage, die Luthers Suche nach einem gnädigen Gott antreibt und auf diese Weise auch ein Reibungspunkt mit der katholischen Kirche. Schließlich hielt der Chefverteidiger des Katholizismus Kardinal Bellarmino einmal fest: “Die zentrale Häresie der Protestanten ist, dass die Heiligen eine bestimmte Gewissheit ihrer gnädigen Annahme vor Gott haben können” (Aus S. Ferguson: The Whole Christ, S. 181, der dabei De Justificatione Impii, 3.2.3. zitiert) Weiterlesen
Als der Apostel Johannes zweimal eine Dummheit beging…

Offenbarung 22,8–9: „Und ich, Johannes, bin es, der dies gehört und gesehen hat. Und als ich’s gehört und gesehen hatte, fiel ich nieder, um anzubeten zu den Füßen des Engels, der mir dies zeigte. Und er spricht zu mir: Tu es nicht! Ich bin dein Mitknecht und der Mitknecht deiner Brüder, der Propheten, und derer, die bewahren die Worte dieses Buches. Bete Gott an!“
Diese Stelle fasziniert mich in der Offenbarung in besonderer Weise.
- Zunächst einmal ist hier die Transparenz des Johannes nicht hoch genug zu schätzen. Bei seinen Offenbarungen, die alle anderen Apostel überbieten, steigen ihm diese nicht zu Kopf: Nein er berichtet nach den größten Visionen der Neuschöpfung Gottes auch über sein Versagen. Er hat Gott auf den Thron erblickt, dem Lamm Gottes, dem Löwen aus Zion zugeschaut, die Gerichte Gottes gesehen und ist doch noch anfällig für Götzendienst. In einer anderen Weise zeigt es auch, wie anfällig wir für Götzendienst sind.
- Dann fällt auf, dass ihm das ganze zwei Mal passiert. In Offb. 19,10 ist ihm das schon einmal passiert, dass ein Engel ihn zurechtwies, nicht in Götzendienst zu verfallen. In einer gewissen Weise ist es den besonders erhebenden Visionen geschuldet. In Offb. 19 ist es der Jubel über den Endgültigen Untergang Babylons, die völlige Einnahme der Herrschaft durch Gott. In Offb. 22 ist sein Verhalten die Folge des Erblickens des Neuen Jerusalems
- In besonderer Weise fasziniert aber, „wer sich nicht von Engeln beeindrucken lassen hat“. Viele erschraken zutiefst vor Engeln und erwarteten ihr Ende. Eine Ausnahme berichtet uns ausgerechnet auch Johannes, aber in seinem Evangelium: Maria Magdalena. Achtet darauf in Joh 20,11-14: Ihr begegnen Engel, haben eindrucksvolle Gewänder, sprechen in Herrlichkeit. Aber Maria hat dafür nichts übrig. Ja wir lesen das so explizit als Reaktion (V.14): „sie wandte sich um“. Sie sucht ausschließlich Jesus.
- Schließlich aber beeindruckt die obige Stelle über die Herrlichkeit, die wir wie unsere Mitbrüder im Neuen Jerusalem haben werden. Die mögliche zukünftige Verherrlichkung kann man nicht genug würdigen. Die langweiligste Person kann eines Tages zu einer Person werden, von der man sehr versucht wäre, diese anzubeten. Ich glaube, niemand hat diese These besser auf den Punkt gebracht als C.S.Lewis, in dieser häufig zitierten Feststellung (Eigene Übersetzung aus seiner Predigt The Weight of Glory):
„Es ist eine recht ernste Sache, in einer Gesellschaft potentieller Götter und Göttinnen zu leben, sich daran zu erinnern, dass die langweiligste und uninteressanteste Person, mit der man spricht, eines Tages ein Geschöpf sein könnte, das man, wenn man es jetzt sähe, stark versucht wäre anzubeten. oder aber ein Schrecken und eine Verderbnis, wie man sie heute, wenn überhaupt, nur in einem Alptraum antrifft. Den ganzen Tag über helfen wir einander in gewissem Maße, das eine oder andere Ziel zu erreichen. Im Lichte dieser überwältigenden Möglichkeiten sollten wir alle unsere Beziehungen zueinander, alle Freundschaften, alle Liebschaften, alle Spiele, alle Politik mit der ihnen eigenen Ehrfurcht und Umsicht betreiben. Es gibt keine gewöhnlichen Menschen. Sie haben noch nie mit einem einfachen Sterblichen gesprochen. Nationen, Kulturen, Künste, Zivilisationen – sie sind sterblich, und ihr Leben ist für uns wie das Leben einer Mücke. Aber es sind die Unsterblichen, mit denen wir scherzen, mit denen wir arbeiten, die wir heiraten, die wir brüskieren und ausnutzen – unsterbliche Schrecknisse oder ewige Pracht. (…) Und unsere Nächstenliebe muss eine echte und teure Liebe sein, mit tiefem Gefühl für die Sünden, trotz derer wir den Sünder lieben – keine bloße Toleranz oder Nachsicht die die Liebe parodiert wie der Leichtsinn die Fröhlichkeit. Neben dem Allerheiligsten Sakrament selbst ist der Nächste das heiligste Objekt, das sich unseren Sinnen darbietet.“
Ein Loblied auf den Jakobusbrief
Die Bibel lesen.
Fast jeder meiner Logos-Kommentare zum Jakobus-Brief nimmt Bezug auf Luthers Geringschätzung des Jakobusbriefes. Luther machte wenig Hehl daraus, dass er nicht viel für diesen Brief übrig hatte. Aber lasst ihn dahin fahren! Ich will lieber Luthers Werk vergessen und von allen Lutheranern getrennt sein, als nicht den Jakobusbrief zu besitzen.
In meiner christlichen Bubble hat man den Jakobusbrief immer wertgeschätzt. Ein kostbares Erbe meiner Kindheit und russlanddeutschen Prägung ist es, dass ich sogar angehalten wurde, diesen Brief auswendig zu lernen. Ein lohnenswerter Invest für gerade mal 108 Verse.
Im folgenden möchte ich skizzenhaft davon berichten, was ich am Jakobusbrief wertschätze und auf ein paar Einwände eingehen, die uns ggf. vom Lesen und Umsetzen des Jakobusbriefes abhalten könnten.
Seelsorgerliche Qualität
Der Brief ist kurz, sehr praktisch und von unerwarteter seelsorgerlicher Qualität. Immer wieder fallen mir neue Perlen auf. Eine Auswahl.
Versuchungen als Grund zur Freude:
Jakobus ist furchtbar realistisch. Versuchungen sind nicht der Ausnahmezustand, sondern die Norm. Ja, Versuchungen und Freude können Hand in Hand gehen: „Meine Brüder und Schwestern, erachtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtung fallt“, (Jak. 1,2) ruft der Autor uns zu. Er blickt auf das Ziel überstandener Anfechtungen: Vollkommenheit (V.4). In den Versuchungen ist Gott am Werk mit einem Ziel. Die Weisheit hier durchzublicken mag uns fehlen, doch wir wissen wo wir um Hilfe flehen dürfen. Jakobus hat hier unsere Probleme im Blick: Will Gott uns in unseren Anfechtungen etwa wirklich erhören? Natürlich, deswegen sollen wir Zweifel meiden(V.7). Jakobus hat dabei nicht nur feinsinnige oder feingeistige Anfechtungen im Blick, sondern durchaus auch materiellen Mangel (V9-11), aber auch materiellen Erfolg und verweist auf die richtige Reaktion darauf. Der Reiche soll sich nicht durch seinen Erfolg zum Stolz verführen lassen, sondern sich unter Gottes Hand demütigen. Der Arme und Niedrige, braucht nicht zu verzweifeln, sondern darf sich seiner Höhe (in Christus) rühmen.
Immer wenn ich mich über Anfechtungen „aufregen“ möchte und sie als „unfair“ empfinde. Erinnere ich mich an Jak. 1,2-12. Weiterlesen
Created in God’s Image
Eine Anthropologie von Anthony Hoekema
„Was ist der Mensch?“, auch wenn man in religiösen Werken vornehmlich Bücher sucht, die der Frage nachgehen, „Was Gott sei“, lässt sich nicht die Bedeutung der Lehrevom Menschen leugnen. Wie wir diese Frage beantworten, wird weitreichenden Einflüsse auf unser Denken und Leben haben.
Anthony A.Hoekema (1913-1988), langjähriger Dozent für systematische Theologie am Calvin Colege hat in den späten 80ern mit „Created in God’s Image“ (z.B. für 19,99$ bei logos erhältlich) ein überraschend leicht zugängliches Werk zu diesem Thema Thema geschrieben.
Das der Mensch als bzw. zum Bilde Gottes geschaffen ist, ist zentraler Ausgangspunkt für Hoekemas Überlegungen. Zunächst arbeitet er hinaus, was es bedeutet, dass der Mensch eine „geschaffene Person/Persönlichkeit“ ist:
„Der Mensch ist aber nicht nur ein Geschöpf, er ist auch eine Person. Und eine Person zu sein bedeutet, eine Art von Unabhängigkeit zu haben – nicht absolut, sondern relativ. Eine Person zu sein bedeutet, in der Lage zu sein, Entscheidungen zu treffen, Ziele zu setzen und sich in Richtung dieser Ziele zu bewegen. Es bedeutet, Freiheit zu besitzen – zumindest in dem Sinne, dass man in der Lage ist, seine eigenen Entscheidungen zu treffen. Der Mensch ist kein Roboter, dessen Weg vollständig von äußeren Kräften bestimmt wird; er verfügt über die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und Selbststeuerung. Ein Mensch zu sein bedeutet, um es mit Leonard Verduins malerischem Ausdruck zu sagen, ein „Geschöpf der Optionen“ zu sein.“ (S.5-6; eigene Übersetzung)
Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!›
Aus "Bilder aus der Pilgerreise"
„Ich fühle mich stets geneigt, Evangelist für das Missbehagen, das der arme Christ im Sumpfeder Verzagtheit leiden musste, zu tadeln. So sehr ich John Bunyan auch schätze, halte ich ihndoch nicht für unfehlbar, und jüngst hörte ich eine Geschichte über ihn, die ich für eine sehr gute halte:
Da war in Edinburg ein junger Mann, der gerne Missionar werden wollte. Er war ein verständiger junger Mann, daher überlegte er: «Wenn ich Missionar werden will, ist es gar nicht nötig, dass man mich weit von hier fortsende; ich kann ja in Edinburg ebenso gut Missionar sein.» Hier ist ein Wink für solche Schwestern, die in ihren Bezirken Traktate verbreiten, aber ihrem eigenen Dienstmädchen keinen geben. Nun, dieser junge Mann wollte sogleich mit dem Missionieren beginnen und mit der ersten Person sprechen, die ihm begegnete. Diese war eine alte Fisch-händlerin. Wer diese Art einmal kennen gelernt hat, vergisst sie sobald nicht wieder; es sind ganz außerordentliche Frauen. Er trat auf sie zu und sagte: «Liebe Frau, Sie haben da eine große Last auf Ihrem Rücken zu tragen; ich möchte Sie fragen, ob Sie auch eine andere, eine geistliche Last kennen gelernt haben.» – «Wie», antwortete sie; «meinen Sie die Last, von der in Bunyans ‹Pilgerreise› die Rede ist? Wenn Sie die meinen, so will ich Ihnen nur sagen, dass ich sie schon seit langer Zeit los bin, wahrscheinlich ehe Sie geboren wurden. Aber ich habe einen besseren Weg eingeschlagen als Bunyans Pilger. Der Evangelist, von dem Bunyan erzählt, war einer von euren Pastoren, die nicht das Evangelium verkündigen, denn er sagte: ‹Behalte jenes Licht im Auge und laufe auf die enge Pforte zu!› Nun, junger Mann, das war nicht der rechte Ort, wohin er laufen musste. Er hätte sagen sollen: ‹Siehst du jenes Kreuz? Dahin eile so schnell wie möglich!› Aber statt dessen schickte er den armen Pilger erst nach der Pforte hin, und das hat ihm nicht sonderlich genützt.» – «Aber sind Sie denn nicht durch einen Sumpf der Verzagtheit gekommen?» fragte der junge Mann. «Ja, allerdings; aber es war viel leichter, ohne Last hindurchzukommen, als mit einer schweren Last auf dem Rücken.»
Die alte Frau hatte ganz recht. John Bunyan schiebt die Befreiung von der Last am Anfang der Pilgerreise viel zu weit hinaus. Wenn er den gewöhnlichen Lauf der Dinge beschreiben wollte, so war er ganz im Recht; wenn er aber zeigen wollte, wie es sein sollte, war er im Unrecht. Wir dürfen zu der suchenden Seele nicht sagen: «Wenn du gerettet sein willst, so eile hin zum Taufbassin, gehe zur Pforte, gehe zur Kirche, oder tue dies und tue jenes.» Nein, dicht vor der Pforte sollte das Kreuz stehen, und wir sollten zu den Sündern sagen: «Dort wirf dich nieder und blicke hinauf, so bist du gerettet. Du kannst nicht errettet werden, bis du deine Last am Fuße des Kreuzes niederlegst und in Jesu Frieden findest.»
Aus „Bilder aus der PIlgerreise von C.H. Spurgeon“ (der Komplette Text findet sich hier)
Das bleibende Erbe des (frühen) Thomas Schirrmacher
Der Wert von "Ethik" und "Der Römerbrief"
Es gibt so viele Gründe, um sowohl über die mehrbändige Ethik wie den zweibändigen Römerbrief-Kommentar von Thomas Schirrmacher begeistert zu sein.
Zunächst wäre zu bemerken, dass Schirrmacher einfach das Wort Gottes reden lässt. Es kommt regelmäßig vor, dass die Werke durch Seitenweisen Auflisten von Bibelversen zu bestimmten Themen durchzogen sind. So werden alle Verse des Neuen Testaments aufgelistet, die das Wort syneidesis („Mitwisser, Gewissen“) aufführen. Es gelingt Schirrmacher dabei immer, die Themen zu treffen, die debattiert werden, und so seine eigene Position zu verteidigen. In diesem Fall z.B. darum, um darzustellen, dass „das Gewissen jedoch nicht autonom, sondern „theonom, nicht dem eigenen, sondern dem göttlichen Gesetz unterstellt (ist)“ (Ethik, 2.32). Oder man vergleiche die seitenweise aufgelisteten Bibelverse, die zum Thema Prädestination und Verantwortung zusammengetragen werden (frei zugänglich hier). Ich glaube, das kann einem manchmal kindisch, vielleicht auch töricht vorkommen, so als kennen wir Gottes Wort nicht. Aber wer sich wirklich auf Gottes Wort einlässt, und es sprechen lässt, wird immer bemerken, wie es nicht fruchtlos bleiben wird.
Vor allem bei seiner Ethik wird zudem die mutige Verteidigung und Einbindung des Alten Testaments sichtbar. Schirrmacher versucht immer, den ganzen Kanon einzubinden. Dabei geht es mir nicht nur um eher allgemein gehaltene Kapitel, wie z.B. Lektion 20 in Band 2, dass „die Gültigkeit des alttestamentlichen Moralgesetzes“ bespricht, sondern auch um detaillierte, wie herausfordernde Fragen, wie die „zur Sklaverei“ in Lektion 53 (Band 5). Da Schirrmacher auch hier genau auf den biblischen Text blickt, wie z.B. hier: “ Daneben wurde ein Zahlungsunfähiger jedoch vor allem durch Gerichtsbeschluss zum Sklaven. Die Sklaverei erfüllt also bei Delikten, die mit finanziellen Vergehen oder Folgen zu tun hatten, die Funktion, die die heutige Geld- und Gefängnisstrafe erfüllen sollen“ (Bd. 5, S. 233). Schirrmacher zeigt immer wieder auf, dass sich in der Bibel das beste Gesetz aller Zeiten finden lässt. Weiterlesen
Es ehrt Gott, wenn wir ausschließlich auf seine Verherrlichung ausgerichtet sind
Auf die Frage „auf wie viele Weisen man Gott verherrlichen kann“, hat Thomas Watson viele Antworten. Eine ist, dass wir Gott dann verherrlichen wenn wir uns auf seine Ehre hin ausrichten. Klingt fast trivial, nicht? Doch hören wir auf Watson:
Wir sind auf Gottes Verherrlichung ausgerichtet…
„(1.) Wenn wir Gottes Ehre über alle anderen Dinge stellen; über Ansehen, Besitz oder Beziehungen; wenn die Ehre Gottes mit diesen konkurriert – dann müssen wir seine Ehre diesen vorziehen. Wenn Beziehungen auf unserem Weg zum Himmel liegen, müssen wir entweder über sie hinweggehen oder sie zerstören. „Jeder, der seinen Vater oder seine Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert ; wer seinen Sohn oder seine Tochter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert!“ Mt.10,37. Ein Kind muss vergessen, dass es ein Kind ist; es muss weder Vater noch Mutter kennen um der Sache Gottes willen. „Der von seinem Vater und von seiner Mutter spricht: »Ich sehe ihn nicht«, und von seinem Bruder: »Ich kenne ihn nicht«“ (5. Mo 33,9). Das bedeutet also, auf Gottes Ehre ausgerichtet zu sein.
(2.) Wir richten uns auf Gottes Ehre aus, wenn wir uns damit zufrieden geben, dass Gottes Wille geschieht, auch wenn er dem unseren widerspricht. „Herr, ich bin zufrieden damit zu verlieren, wenn du gewinnst. Ich bin zufrieden, weniger Gesundheit zu haben – wenn ich mehr Gnade habe, und du mehr Herrlichkeit. Lass es gute oder bittere Medizin sein – wenn DU sie mir nur gibst. Herr, ich begehre das, was am meisten zu deiner Ehre ist!“ Unser gesegneter Erlöser sagte: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Mt.26,69. Wenn Gott durch seine Leiden mehr Herrlichkeit haben kann, war er zufrieden mit dem Leid. „Vater, verherrliche deinen Namen.“
(3.) Wir streben nach Gottes Herrlichkeit, wenn wir uns damit zufrieden geben, von anderen in Gaben und Ansehen überboten zu werden – damit seine Herrlichkeit vergrößert wird. Ein Mensch, der Gott in seinem Herzen und Gottes Ehre in seinem Blick hat, wünscht, dass Gott verherrlicht wird; Wer auch immer das Werkzeug dabei sein mag, so freut er sich darüber, wenn das geschieht. „Einige predigen aus Eifersucht und Rivalität. Andere aber predigen über Christus mit reinen Motiven. Diese anderen haben keine reinen Beweggründe, wenn sie über Christus predigen. Sie predigen mit selbstsüchtigem Ehrgeiz, nicht aufrichtig. Aber ob ihre Motive nun rein sind oder nicht, die Tatsache bleibt dass die Botschaft über Christus gepredigt wird, also freue ich mich.“ Sie predigten Christus aus Neid, sie beneideten Paulus um die Schar Menschen und sie predigten, um ihn zu übertreffen und ihm seine Zuhörer wegzunehmen. „Nun“, sagt Paulus, „so lange Christus gepredigt wird und Gott die Ehre bekommt, will ich mich freuen. Lass meine Kerze erlöschen, wenn die Sonne der Gerechtigkeit nur scheinen mag!“
Aus: Thomas Watson, A Body of Divinity; eigene Übersetzung.
„Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt.“
Die Heidelberger Disputation 1518
Durch Carl Trueman (z.B. in seiner Vorlesung zur Reformationsgeschichte, in der Essay-Sammlung des Autors „Reformation – heute noch aktuell“ im kürzlich erschienen Buch „Luther on the christian life“ geht er jeweils sehr ausführlich auf Luthers Unterscheidung zwischen Theologen der Herrlichkeit und Theologen des Kreuzes ein). wurde ich auf ein Ereignis in Luthers Laufbahn aufmerksam, dass in vielen Darstellungen des Reformators schnell untergeht.
Im April 1518 (und noch deutlich vor der Eröffnung des Verfahrens durch die römische Kurie im Juli 1518) fand unter Leitung Luthers eine Disputation in der Versammlung der Augustiner statt, die seine Thesen zum Ablass diskutieren sollte. Luther bereitete Thesen vor, die wohl einige überrascht haben dürften. Sehr entschieden entscheidet sich Luther für eine augustinische Darstellung des Heils. Einige der 28 Thesen (hier samt Begründung vollständig zu finden) im Wortlaut:
Die Werke der Menschen, wenn sie auch noch so sehr in die Augen fallen und gut zu sein scheinen, müssen doch als Todsünden gelten.
Der Mensch, der da meint, er wolle dadurch zur Gnade gelangen, dass er tut, soviel ihm möglich ist, häuft Sünde auf Sünde, so dass er doppelt schuldig wird.
Ganz gewiss muss ein Mensch an sich selbst verzweifeln, um für den Empfang der Gnade Christi bereitet zu werden.
Das Gesetz sagt: »Tue das!«, und es geschieht niemals. Die Gnade spricht: »An den sollst du glauben!«, und alles ist schon getan.
Nicht der ist gerecht, der viel Werke tut, sondern wer ohne Werke viel an Christus glaubt.
Die Liebe Gottes findet nicht vor, sondern schafft sich, was sie liebt. Die Liebe des Menschen entsteht nur an dem, was sie liebenswert findet.
