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Lebst du mit deiner ganzen Hirnleistung für Christus?

„Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!“ (Markus 12,30)

Ich liebe es, mit jungen Christen zu sprechen. Sie haben oft noch diese frische, unbekümmerte Beziehung zu Gott und Jesus. Häufig spürt man ein inneres Brennen, das vielen älteren Christen abhandenkommt. Ich glaube jedoch, dass das, was im Alter verloren geht, seine Wurzeln oft schon in den frühen Tagen der Nachfolge Christi hat.

Natürlich gibt es unterschiedliche Ursachen, und was ich nun schildere, beschreibt womöglich eher ein Symptom als eine Ursache: eine bereits vorhandene Unentschlossenheit – oder auch die Vorstellung, oft geprägt durch das eigene, eigentlich christliche Elternhaus, dass man in allem „erfolgreich“ sein muss: im Beruf, in der Ehe, in der Karriere; ein schönes Haus, gelungene Urlaube, perfekt erzogene Kinder, überall engagiert – auf der kirchlichen Bühne ebenso wie beim Stadteinsatz; aktiv in Musik, Kunst und Literatur; unterwegs in WhatsApp und Instagram – und das alles, während man angeblich vollständig nur für Christus lebt.

Das klingt nach einem unerreichbaren Perfektionismus – und ist es auch! Doch wir streben nur deshalb nach solch einem Perfektionismus, weil wir das Perfekte – oder vielmehr den Perfekten – nämlich Jesus Christus, aus dem Blick verloren haben.

Man könnte dazu viel schreiben, doch mit diesem Artikel möchte ich die Beziehung zu diesem Perfekten aus der Perspektive unserer geistigen Kapazitäten betrachten.

In Markus 12,30 verwendet die Lutherbibel 2017 statt „Verstand“ das sanftere Wort „Gemüt“. Aber der griechische Begriff dianoia ist mit „Verstand“ oder auch „Gesinnung“ gut getroffen.

Und da möchte ich dich fragen – mein lieber junger oder älterer Christ: Wie viel Prozent deiner Hirnleistung investierst du in Christus? Liebst du Gott wirklich mit deiner ganzen Verstandeskraft?

Leider beobachte ich bei vielen Christen – nicht zuletzt durch eine im Wesentlichen weltlich geprägte, mit konservativer Rhetorik kaschierte Ablehnung verstandesmäßiger Betätigung und geistiger Arbeit – eine große Zurückhaltung.

Das kann ich nur bedauern. Denn ich sehe ja deinen Eifer für gute Noten in Deutsch – aber wo ist dein Eifer, die Bibel zu lesen? Ich sehe, wie fleißig, gewissenhaft und ausführlich du praktische Fragestellungen angehst. Aber warum dann so viel Oberflächlichkeit, wenn es um Gottes Wort geht?

Um es anschaulich zu machen: Einst saß ich in einer Runde mit einigen Laienpredigern und sogar einem Pastor. Dieser sprach über seine Pläne, eine Photovoltaikanlage zu installieren. Er kannte die Technik bis ins Detail – und genau das hatte ich auch erwartet. Dieser Pastor machte alles perfekt: Ob Bienen züchten, Reisen nach Israel oder eben die PV-Anlage. Ich kenne kaum jemanden, der so tüchtig ist. Aber über Jesus und den Glauben konnte er in dieser Runde nicht reden. Und dabei dürfte er gar kein schlechter Prediger sein. Doch das waren vielleicht zehn Prozent seiner Hirnleistung, die er dafür aufbringt – die übrigen 90 Prozent fließen in Selbstoptimierung.

Das macht mich immer wieder traurig: So viele tüchtige, kluge, begabte Menschen – und doch stellen sie ihren Verstand Christus nicht zur Verfügung. Manche halten das sogar für fragwürdig und wollen lieber „nicht zu viel nachdenken“ – was glaubhaft wirken könnte, wenn sie dieselbe Haltung auch gegenüber den zahllosen Themen dieser Welt hätten, mit denen ihr Verstand dann aber ganz und gar ausgefüllt ist. Da ist dann ein beinahe enzyklopädisches Wissen vorhanden: Die Mutter weiß alles über Impfungen und Erziehung, der Vater über Fliesen und Stahlpreise, das Kind über Paris Saint-Germain und den neuen vollelektrischen Mercedes CLA.

Ich glaube: Den Herrn mit ganzem Verstand zu lieben heißt, dass wir von nichts mehr wissen sollten als von Gott. Das Beste unserer geistigen Kraft sollte ihm dienen. Dieser Aufruf gilt für kluge Köpfe genauso wie für Einfältige.

Natürlich – es gibt viel über den CLA, über Fliesen oder über Impfungen zu wissen. Alles spannende, interessante Themen. Auch mich interessiert das. Und doch kann ich euch sagen: Nichts ist fesselnder, erfüllender, ergreifender und umfassender als die Beschäftigung mit Gott. Sein Wort, sein Werk, sein Wirken, seine Güte, seine Gnade – all das ist es, was das Beste unserer Hirnleistung verdient.

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