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„Mir scheint der Teil der christlichen Lehre welcher von der Prädestination handelt, nicht der schwierigste zu sein…“

Die Webseite Licht-und-Recht.de ist immer wieder eine Quelle für Neuentdeckungen.

So habe ich neulich ein Schreiben von Ursinus an einen (zu diesem Zeitpunkt) lutherisch-humanistischen Theologen namens Jakob Monau gefunden, der sich mit der Lehre von der Prädestination auseinandersetzt. Ganze 14 DINA4-Seiten ist der Brief lang und wurde offensichtlich in einer Nacht fertiggestellt. Eine ganze Seite lang zitiert Ursinus Bibelverse, wie Gott auch im „Bösen“ wirkt. Wie gesagt, ohne jegliche digitalen Mittel, im Grunde aus dem Stand heraus. Obwohl nicht immer ganz freundlich im Ton, bleibt Ursinus sachlich und leicht verständlich. Er schreibt:

„Mir scheint der Teil der christlichen Lehre welcher von der Prädestination handelt, nicht, wie Du schreibst, der schwierigste zu sein; wofern wir nur die heilige Schrift ohne Vorurteile lesen undohne Leidenschaft mit dem ernsten Streben, nicht etwa Gott nach unseren Phantasiegebilden umzugestalten, sondern von Ihm selbst über Ihn zu lernen und ihm allein alle Ehre zu geben und von uns ab zu Ihm hin zu wenden. So ist mir vieles leicht geworden, was schwierig zu sein schien, so lange ich auf das Ansehen der Menschen mich stützte, welche weder sich, noch mir halfen. Es gibt kein Stück der heiligen Lehre, über welches sich in den prophetischen und apostolischen Schriften mehr Stellen finden, als eben von der Vorsehung, von der Erwählung und dem freien Willen, so daß es mich Wunder nimmt, wie gelehrte und christliche Männer hier nicht vorwärts können.

Tue, was ich getan habe. Ich habe nämlich, um alles, was sowohl in Aussprüchen als auch in
Beispielen der heil. Schrift über diese Frage enthalten ist, zu sammeln, zu erwägen und zusammenzustellen, die Bibel mit großem Fleiß von der Genesis bis zum Schluß der Apokalypse durchgelesen. Als ich solches getan hatte, belächelte ich teils, teils aber verwünschte ich jenen Kehricht von Disputationen und diesen Dunst von Sophismen, welche vergebens diesem Blitz entgegengestellt werden. Manche, auch Gutgesinnte, hatten hierzu wirklich keine Muße, sonst hätten sie sich gewiß nicht so verirrt. Das aber halte mir fest! Wenn nicht gleich Alles Dir klar und deutlich wird, so lasse Dich dadurch nicht verwirren, sondern denke ernstlich in Deinem Gemüte nach, Gott um Beistand anrufend und jene Grundlage, welche bei den Frommen außer aller Frage steht, festhaltend: Daß nämlich nicht Du, sondern Gott der Urheber Deines Heils und alles dessen ist, was Du bist, hast und Gutes entweder Großes oder Kleines tust. So wirst Du niemals mit Gefahr Deines Gewissens oder Heiles irren, wenn Du auch nicht Alles auflösen und entwirren kannst, was Du wohl möchtest. Das Wissen bläht auf, die Liebe aber erbaut.“

Ursinus, einer der Autoren des Heidelberger Katechismus brilliert als Meistertheologe. Im Übrigen beweist dieser Brief auch, dass all die Fragen, die heute diskutiert wurden, bereits vor knapp 500 Jahren diskutiert wurden. Von Ursinus werde ich sicher mehr lesen.

 

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Tertullian: Verteidigung

„Wenn der Tiber bis in die Stadtmauern steigt, wenn der Nil nicht bis über die Feldfluren steigt, wenn die Witterung nicht umschlagen will, wenn die Erde bebt, wenn es eine Hungersnot, wenn es eine Seuche gibt, sogleich wird das Geschrei gehört: „Die Christen vor den Löwen!“ So viele vor einen?! Ich bitte euch, wie viele Kalamitäten haben nicht schon vor Tiberius, d.h. vor der Ankunft Christi, den Erdkreis und die Stadt betroffen?“ – Tertullian in „Verteidigung“.

Es gibt viele Gründe, warum man Tertullian lesen sollte. Da wäre erst einmal die generell anti- oder zumindest unchristliche Atmosphäre des zweiten Jahrhunderts, die unserer nicht unähnlich ist. C. Trueman bemerkte meines Erachtens  zurecht, dass wir vor allem aus dem zweiten und dritten Jahrhundert am meisten für unsere Zeit schöpfen können. Ähnlich wie vor fast zweitausend Jahren, wird das Christentum nicht nur abgelehnt, es gilt als unästhetisch und widerlich. Vom Marktplatz der zulässigen Meinungen ist es schon lange ausgeschloßen.

Doch es liegt auch an Tertullian persönlich, warum seine „Verteidigung des Christentums“ ein guter Startpunkt ist, um die Literatur der Kirchenväter kennenzulernen. Er gehört mit Geburtsjahr 150 n.Chr. noch zu den sehr frühen Kirchenvätern und dürfte die Schnittstelle des Wandels von der griechisch zur lateinisch sprechenden Kirche sein. Was nur Wenige wissen: Tertullian polemisierte gegen eine zu frühe Taufe von Kindern (in „Von der Taufe“). Als Baptist habe ich natürlich eine besondere Freude bei diesem Werk gehabt. Tertullian ist dabei Polemiker durch und durch. Es dürfte natürlich an seiner juristischen und rhetorischen Ausbildung gelegen haben. Aber das alles macht sein Werk nur lesenswerter. So veröffentlicht er sein Apologeticum, also seine Verteidigung des Christentums mitten in einer wüsten Verfolgung der Christen in und um Karthago. Argument für Argument zerlegt er die antichristliche Haltung des römischen Reiches. So frägt er sich, warum Christen gefoltert werden, auch nachdem sie ihr „Verbrechen Christen zu sein“ gestanden haben. Bei allen anderen Verbrechern wende man die Folter schließlich nur bis zum Geständnis ein, ja nach römischem Recht sei Folter nach dem Geständnis gar nicht zulässig. Er enttarnt geschickt die antichristlichen Verschwörungstheorien seiner Zeit: Christen waren als inzestpraktizierende Kannibalen verrufen. Hier zeigt sich sein Wissen der Kultur im römischen Reich. Tatsächlich zeigt er menschenverachtende Praktiken in den unterschiedlichen römischen Götzenkulten auf. Allen diesen ist das Christentum überlegen. Schließlich ist auch das Christentum ein Weg von alters her, eine uralte Religion. Auch hier kann Tertullian darauf verweisen, das Mose als Prophet älter ist, als mancher der römischen Gottheiten und auf jeden Fall älter als die römische Geschichte. Weiterlesen

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Stille Nacht – Heilige Nacht

Stille Nacht - Heilige NachtWeihnachten ist längst nicht mehr nur ein christliches Fest – es ist auch ein säkularer Feiertag: Je nach Glaubensüberzeugung feiern die einen die Geburt Jesu Christi, die anderen das Fest der Liebe, des Friedens und der Familie. Man kann Weihnachten in der säkularen Gesellschaft ohne Gottesdienst, ohne christliche Lieder und ohne Christus feiern. Mit dieser Beobachtung beginnt Timothy Keller sein Buch Stille Nacht – Heilige Nacht. Warum wir Weihnachten heute noch feiern. Nach seiner Wahrnehmung ist die wahre Weihnachtsbotschaft vielerorts verloren gegangen – und zwar auch in christlichen Kreisen: „Im säkularen wie im christlichen Weihnachtsfest geht es fast nur um Frieden, Freude und Licht“ (S. 110).

Dass Weihnachten einen viel tieferen Sinn hat, entfaltet der Autor in acht Kapiteln zu klassischen Weihnachtstexten aus dem Propheten Jesaja, dem Matthäus- und dem Lukasevangelium sowie 1. Johannes 1,1–4. Zwar spricht auch Keller in den acht Kapiteln seines Buchs viel von Gottes Liebe, seinem Frieden und seinem Licht, diese Begriffe wirken bei ihm jedoch kräftiger als in so mancher Weihnachtspredigt, da er sie in den Kontrast zur Finsternis, zum Krieg (in dieser Welt und in unseren Herzen) und Gottes gerechtem Zorn setzt. Keller ist überzeugt: „Weihnachten ist – genau wie Gott selber – sowohl wunderbarer als auch gefährlicher und bedrohlicher, als wir uns das vorstellen“ (S. 8). weiterlesen auf evangelium21.net

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Lexikas zu unterschiedlichen Bereichen

Dank Logos, greife ich vermehrt auf Bibellexikas und theologische Wörterbücher zurück. Eine Auswahl der Most-Reads 2020:

Der Klassiker -Lexikon zur Bibel

Ich glaube das von Rienecker ins Leben gerufene Lexikon, das von G. Maier, Landesbischof a.D. weitergeführt wurde, dürfte schon seit Jahrzehnten ein Klassiker sein. Der Umfang dieses Lexikons ist immer noch für jeden Laien zugänglich, dabei brillieren die Artikel durch zahlreiche Bibelstellenangaben. Tipp: „Lebendige Begriffe“ (Wie Versöhnung, Seele, Schlaf, Sprache…) lesen und alle Bibelstellen dazu betrachten. Ein Turboboost, um anzufangen, Begriffe biblisch zu denken und anzuwenden.

Der Digitale

Viel zu spät und eher zufällig habe ich wibilex entdeckt. Im Grunde wie Maier/Rienecker, aber deutlich umfangreicher, aber leider auch weniger bibeltreu. Ansonsten brillieren die Artikel durch zumeist wissenschaftliche Qualität und schließen auch theologische Begriffe und geschichtliche Entwicklungen mit ein, die außerhalb des biblischen Textes stehen. Im Grunde genommen so etwas, wie ein religiöses Wikipedia.

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Das höchste Gut des Menschen

„Gott und Gott allein ist das höchste Gut des Menschen.

In einem allgemeinen Sinne können wir sagen, dass Gott das höchste Gut all seiner Kreaturen ist. Denn Gott ist der Schöpfer und Erhalter aller Dinge, die Quelle allen Seins und jeglichen Lebens und die überfließende Quelle allen Gutes. Jede Kreatur schuldet jeden einzelnen Augenblick seine ganze Existenz einzig Ihm, der das Eine, Ewige und Allgegenwärtige Wesen ist.

Doch das Konzept des höchsten Guts schließt üblicherweise auch den Gedanken mit ein, dass dieses Gut von den Kreaturen selbst erkannt und genossen wird. Und das kann natürlich nicht der Fall für die leblose oder nicht-rationale Schöpfung sein. Die leblose Schöpfung existiert bloß und besitzt überhaupt kein Lebensprinzip. Die anderen Geschöpfe, so wie die Pflanzen besitzen zwar ein Lebensprinzip, haben aber keinerlei Empfinden. Die Tiere besitzen zwar zusätzlich zu ihrer Existenz und ihrem Leben eine Art des Bewusstseins, doch es ist ein Bewusstsein, dass die Dinge um sich durch Sinnesreize wahrnimmt. Sie sind sich der irdischen, aber nicht der himmlischen Dinge bewusst. Sie sind sich der tatsächlichen, der freudigen, der nützlichen Dinge bewusst. Doch sie besitzen kein Bewusstsein für die Wahrheit, das Gute und das Schöne. Sie besitzen ein sinnliches Empfinden und sinnliche Wünsche, doch entsprechend sind sie auch durch Sinneswahrnehmung gesättigt und können zu den geistlichen Dingen nicht durchdringen.

Beim Menschen ist das völlig anders. Er ist eine Kreatur, die von Anfang an im Bilde Gottes geschaffen wurde und diesen göttlichen Ursprung kann er weder löschen noch zerstören. Auch wenn er durch die Sünde die herrlichen Eigenschaften der Erkenntnis, der Gerechtigkeit und der Heiligkeit verloren hat, die im Bilde Gottes liegen, sind sie doch in ihm in „kleinen Überresten“, als Schenkungen der Schöpfung vorhanden. Diese reichen nicht nur aus, um das Bewusstsein der Schuld aufrechtzuerhalten. Diese bezeugen auch seine ursprüngliche Größe und erinnern ihn beständig an seine göttliche Berufung und sein himmlisches Schicksal…“

Übersetzt aus „The Wonderful Works of God“

 

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Wie soll eine Predigt nicht sein…

Der Blog „Bibelkreis München“ verlinkt sporadisch auch Artikel von NIMM-LIES. Heute wiederum bin ich auf einen sehr spannenden Artikel gestoßen, ein (größeres) Zitat von Helge Stadelmann:

„Liebe Gemeinde!
Den Text für unsere heutige Predigt finden wir in unserem Volksliederbuch:
»Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein. Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohlgemut. Aber Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr: Da besinnt sich das Kind, läuft nach Haus geschwind.«
Soweit unser Text!
Wie wir sehen, geht es hier um einen Menschen wie du und ich. Es geht um »Hänschen«. Dieses Wort »Hänschen« kommt von »Hans«, und »Hans« kommt von »Johannes« – und wenn wir noch etwas weiter graben, merken wir, dass »Johannes« vom hebräischen Grundtext her »Jochanan« heißt – und das bedeutet: »Gott ist gnädig«! Dies eine steht also von Anfang an über dem Leben unseres »Hänschen«: Gott ist gnädig. Und genauso steht die Verheißung über dem Leben eines jeden Menschen, der auf diese Welt kommt, und damit auch über uns: Gott ist gnädig!
Dieses Hänschen ist noch »klein«. Vielleicht weiß er noch gar nichts von der Gnade, die über seinem Leben waltet. Aber er hat diese Gnade bereits nötig. Denn wir wissen: So klein ein Mensch auch sein mag, so sündig ist er doch schon. Das wird in unserem Text auch unübersehbar klar. Hier heißt es: Er »ging allein«. Genau das ist das Problem. Hänschen geht seinen Lebensweg »allein«, ohne Gott – meint, sein Leben noch selbst in die Hände nehmen und gestalten zu können. Und solch ein eigener Weg hat immer nur ein Ziel: »In die weite Welt hinein«! Der Weg »allein«, ohne Gott, führt immer schnurstracks »in die Welt«.
Was für ein Leben ist das dort in der »Welt«! Es ist das nichtige Gegenstück zu einem Leben mit Gott. Zwei Merkmale prägen dieses weltliche Leben. 1.) Da ist zunächst einmal die Eitelkeit: »Stock und Hut steh’n ihm gut […]«, so steht es hier. Diese äußeren Dinge wie »Stock« und »Hut« treten plötzlich in den Vordergrund, ganz so, als ob solche Eitelkeiten ins Zentrum unseres Lebens gehörten. 2.) Und zweitens ist das Leben in der Welt gekennzeichnet durch vergängliche Freude: »[…] ist gar wohlgemut«, so lesen wir. Wir müssen ja nicht glauben, den Menschen in der Welt ginge es immer schlecht! Ganz im Gegenteil. Wir wissen doch schon aus den Psalmen, dass es dem Gottlosen oft sehr gut geht. Er genießt die Welt und ist »gar wohlgemut«. Dass diese Freude vergänglich ist, steht auf einem anderen Blatt.
Und nun kommt die große Wende. »Aber«, so heißt es: »Aber Mutter […]«!  ….Weiterlesen

Insgesamt bin ich schon regelmäßig auf gute Hinweise beim Bibelkreis München gestoßen.

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Spurgeon – wie ihn keiner kennt?

Ich möchte auf zwei Zitate aufmerksam machen, die man von Spurgeon wahrscheinlich nicht erwarten würde:

Das erste habe ich in der siebten von ihm überhaupt schriftlich veröffentlichten Predigt zum Thema „The Church of Christ“ gefunden. Geradezu prophetisch sieht Spurgeon die Zukunft Israels vor Augen. Neben einem offensichtlich physischen Israel, das Spurgeon im Blick hat, fällt auch die positive Eschatologie auf. Die Hoffnung, dass schon bald die ganze Welt „evangelikalisiert“ wird, erwies sich bekanntlich als Trugschluss und aus der überaus positiv enthusiastischen Phase, die sicher bis in den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts unter Evangelikalen anhielt, folgte spätestens nach dem ersten Weltkrieg eine frustrierende Ernüchterung. Das wäre sicherlich eine interessante Studie, in wie weit auch die Euphorie um Spurgeon zu dieser Entwicklung beigetragen hat:

„Not long shall it be ere they shall come-shall come from distant lands wher’er they rest or roam; and she who has been the offscouring of all things, whose name has been a proverb and a byword, shall become the glory of all lands. Dejected Zion shall raise her head, shaking herself from dust, and darkness, and the dead. Then shall the Lord feed his people, and make them and the places round about his hill a blessing. I think we do not attach sufficient importance to the restoration of the Jews. We do not think enough of it. But certainly, if there is anything promised in the Bible, it is this. I imagine that you cannot read the Bible without seeing clearly that there is to be an actual restoration of the children of Israel. „Thither they shall go up; they shall come with weeping unto Zion, and with supplications unto Jerusalem.“ May that happy day soon come! For when the Jews are restored, then the fulness of the Gentiles shall be gathered in; and as soon as they return, then Jesus will come upon Mount Zion to reign with his ancients gloriously, and the halcyon days of the Millennium shall then dawn; we shall then know every man to be a brother and a friend; Christ shall rule, with universal sway.“

Über das zweite Zitat bin ich in „Finding the right hills to die on“ von Gavin Ortlund gestoßen. Tatsächlich findet sich dieses Zitat in der sechsten von Spurgeons Predigten. Also ein Frühwerk aus dem Jahr 1855. Vier Jahre bevor Darwins „Origins of the Species“ erschien, traf Spurgeon in einer Predigt diese Aussage: 

„We do not know how remote the period of the creation of this globe may be—certainly many millions of years before the time of Adam. Our planet has passed through various stages of existence, and different kinds of creatures have lived on its surface, all of which have been fashioned by God.“

Später zitiert Gavin Spurgeon aus einer weiteren Predigt:

„We have discovered that thousands of years before that God was preparing chaotic matter to make it a fit abode for man, putting races of creatures upon it who might die and leave behind the marks of His handiwork and marvelous skill before He tried His hand on man.“

Beide Zitate zeigen im Übrigen, dass die Gap-Theorie, die gerne Scofield zugeschrieben wird, von Spurgeon locker in seinen Predigten verwendet wurde.

Im Aktuelleren Kontext gibt es eher das Problem, dass man Spurgeons explizite und bewusst vertretene reformierte Positionen entweder übersehen, oder als eine Haltung „eines Kindes seiner Zeit“ abgetan werden. Mehr dazu findet sich in I.H. Murrays Beitrag, auf den mein Artikeltitel ja anspielt.

Insgesamt zeigen aber die drei aufgeführten Zitate, dass wir bei Christen der Kirchengeschichte generell viel mehr Abweichungen von unseren eigenen Standards gestatten, als von unseren Zeitgenossen. Die ganze Debatte, ob man nur dann Evangelikal sein kann, wenn man rigoros am Kurzzeit-Kreationismus festhält, tönt in die gleiche Richtung.

Gleichzeitig sind wir besorgt, Personen vergangener Zeit gemäß unseren Vorstellungen zu harmonisieren. So fällt es mir durchaus schwer, obige Aussagen so zu akzeptieren. Und der Druck, diese wegzuerklären (z.B.: als Verweis auf vermeintliches Frühwerk) ist immens.

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Wie können wir denn lesen? – Folge 2

Dieser Artikel besitzt einen Vorläufer. Lese hier.

Es sind der Predigten unzählige, die nach unabänderlichem Muster ablaufen: Ausgehend von einem Text wie z.B. Joh.10, der über die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit des guten Hirten Jesus spricht, konzentrierte sich der Prediger die zwanzig bis dreißig Minuten seiner Predigt nahezu ausschließlich darauf, zu erläutern, dass diese Verheißung uns nicht leichtfertig machen soll, es vor allem darum geh, den guten Hirten zu hören und mit ewiger Heilsgewissheit hat dieser Text sowieso erst einmal nichts zu tun. An dieser Stelle möchte man jedes Mal fragen: Wieso steht nicht genau das im Text. Was nützt das Gerede vom Skopus, wenn er dich überhaupt nicht interessiert? Wieso sagt Jesus, oder zumindest die Apostel an einer anderen Stelle, als Diskussion dieser Begebenheit, etwas darüber, dass die Zuhörer doch bitte mit all diesen Verheißungen nicht übertreiben sollen. Das man diesen Text schnell missbrauchen kann und dass man jetzt unbedingt hinzufügen muss, dass es vor allem darum geht, auszuhalten (und eben nicht um die Vertrauenswürdigkeit des Hirten).

Im Übrigen, passiert das auf der anderen Seite des Spektrums genauso: Eher seltener predigt man über Texte, wie die berühmte Stelle in Hebräer 6. Aber jedes Mal, wenn sie genannt wird, verpasste es bisher kein Prediger, denn ich dazu (live) hören durfte, anzumerken, dass es so „schlimm schon nicht sein wird“, und wir einen gnädigen Gott haben, und dieser Text womöglich nicht unbedingt etwas in unsere Kreise sagt. Und ein endgültiger Abfall jetzt so endgültig womöglich nicht ist. Und überhaupt, sollten wir uns alle nicht zu sehr beunruhigen lassen. Meine Frage wieder: Warum nicht einfach von der endgültigen Gefahr des Abfallens sprechen, wie es der Text tut?

Beide obige Beispiele sollten zeigen, dass es sich eben nicht um ein Calvinismus-Arminianismus-Problem handelt, denn beide Probleme habe ich sowohl im reformierten, wie im zeitgenössisch evangelikalen Spektrum beobachtet: Kaum findet sich eine Troststelle in der Bibel, kann man nicht mehr ernst genug über die Verantwortung sprechen. Kaum findet sich eine mahnende, gar drohende Stelle, kann man nicht genug über die Gnade Gottes sprechen. Warum kann man nicht einfach darüber sprechen, was im Text steht? Genau das meine ich, wenn ich von den „Harmonisierugnen des Todes“ sprechen möchte. Also Erklärungen, die den biblischen Text „deaktivieren“, statt ihn zu „aktivieren“. Spätestens, wenn man sich in die Lage eines verzweifelten, verängstigten Zuhörers versetzt, der womöglich unter völliger Verzweiflung oder Entmutigung oder Ablehnung leidet: Wie viel könnte man hier mit dem Verweis auf einen völlig zuverlässigen und mitfühlenden Hirten erreichen? Und wie viel verpasst man, weil man auch bei solchen Texten nur bei der eigenen Verantwortung bleibt? Abgründe tun sich hier auf, die einen erschaudern lassen. Weiterlesen

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Wenn es nach dem Willen des Wolfes geht, so ist das Lamm im Unrecht“

„Ein Wolf und Lämmlein kamen von ungefähr beide an einen Bach zu trinken. Der Wolf trank oben am Bach, das Lämmlein aber fern unten. Da der Wolf des Lämmleins gewahr ward, rief er zu ihm und sprach: Warum trübest du mir das Wasser, dass ich nicht trinken kann?“ Das Lämmlein antwortet: „Wie kann ich dir das Wasser trüben, trinkst du doch über mir und möchtest es mir wohl trüben?“ Der Wolf sprach: „Wie, fluchst du mir noch dazu?“ Das Lämmlein antwortet: „Ich fluche nicht.“ Der Wolf sprach: „Ja, dein Vater tat mir vor sechs Monden auch ein solch’s.“ Das Lämmlein antwortet: „Bin ich doch dazumal nicht geboren gewest, wie soll ich es meinem Vater entgelten?“ Der Wolf sprach: „So hast du mir aber meine Wiesen und Äcker abgenaget und verderbet.“ Das Lämmlein antwortet: „Wie ist das möglich, habe ich doch (noch) gar keine Zähne?“ „Ei“, sprach der Wolf, „und wenn du gleich viel ausreden und schwätzen kannst, will ich dennoch heute nicht ohne Fressen bleiben.“ Und würget also das unschuldige Lämmlein und fraß es


Lehre: Der Welt Lauf ist: Wer fromm sein will, der muss leiden, sollt man eine Sache vom alten Zaun brechen. Denn Gewalt geht vor Recht. Wenn man dem Hunde zu willen (ist), so hat er das Leder gefressen. Wenn es nach dem Willen des Wolfes geht, so ist das Lamm im Unrecht“

Aus Martin Luthers Fabeln.

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Benjamin Breckinridge Warfield

Als John MacArthur gefragt wurde, welche Bücher er auf eine einsame Insel mitnehmen würde, listet er als zweites ein Buch von Warfield auf: The Inspiration and Authority of the Bible. Wer sich auf der anderen Seite mit Warfield wohl bekanntestem Schüler, nämlich J.Gresham Machen beschäftigt, wird ebenfalls wissen, wie sehr sein Denken von Warfield gezehrt hat. Vergleiche hierfür z.B. die Kurzbiographie von Piper über Machen aus dem Jahre 1993 (J. Gresham Machen’s Response to Modernism). Somit war ein grundlegendes Interesse an den Schriften Warfields gegeben, doch bin ich an dem von MacArthur genannten Buch kläglich gescheitert. Es war mir einfach zu schwer. Deswegen war ich sehr dankbar für einen Guide, den ich in meiner Logos Bibliothek gefunden habe.   Nach einer kurzen Biographie, die an einen Wikipedia-Artikel erinnert, folgen Stationen des Lebens, Soziales Netzwerk (damit man weiß, mit wem sich Warfield auseinandergesetzt hat) und Einflüsse auf sein Denken (Wer hätte gedacht, dass niemand anderes als Franz Delitzsch Warfield ausgebildet hat). Im Übrigen: Über Frame und Van Til sind es gerade mal zwei Generationen um zurück zu Warfield zu kommen, der bis zu seinem tode 1921 am Princeton Theological Seminary unterrichtet hat und als der letzte Princetonian gilt. Weiterlesen