Alle Artikel von “Sergej Pauli”

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Ressourcen zur Bundestheologie

„As the dispensational perspective is being evaluated, it should not be forgotten that covenant theologians and dispensationalists stand side by side in affirming the essentials of the Christian faith. Very often these two groups within Christendom stand alone in opposition to the inroads of modernism, neo-evangelicalism, and emotionalism. Covenant theologians and dispensationalists should hold in highest regard the scholarly and evangelical productivity of one another. It may be hoped that continuing interchange may be based on love and respect.“

Robertson, O. P. (1980). The Christ of the Covenants (S. 201–202). 

Aktuell möchte ich vertieft in das Leben Abrahams eintauchen. Das Leben Abrahams zirkuliert um den Bundesschluss mit Gott. Im zwölften Kapitel wird Segen verheißen, im fünfzehnten Kapitel einseitig durch Gott bestätigt, im siebzehnten bekommt Abraham das Bundeszeichen und einen neuen Namen, und nachdem er seine Treue und Hingabe („wandle vor mir und sei fromm“, 1 Mo. 17,1) beweißt, bekräftigt Gott seine Verheißungen mit einem Schwur.

„Die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder.“ (Gal. 3,7) Vor einigen Jahren machte J. Ligon Duncans Buch „Covenant Theology„ einen mächtigen Eindruck auf mich. Für mich persönlich war es in vielen Fragen ein Durchbruch (z. B. auch in der Frage der Bedeutung der Sakramente). Somit gestehe ich, dass ich eher bundestheologisch an die Bibel heran gehe. Ich sehe aber, den Dispensationalismus nicht als 180° der Bundestheologie gegensätzlich. Vergleiche hierfür diese Übersicht im Vergleich zwischen klassischem Dispensationalismus und klassischer Bundestheologie. Ich denke einfach, dass es zu weit geht, die Bundesschlüsse (Hmm, was ist eigentlich die Mehrzahl von Bund?) als Anfänge eines völlig neuen Zeitalters zu bezeichnen. Wo würde denn das z. B. im Leben Davids stattfinden? Es ist ja eher so, dass nichts neues im Staate Kanaan stattfindet, dass aber die Verheißungen Gottes (für ein völlig neues Zeitalter), immer wieder neu bestätigt werden. Letzten Endes schließt Gott mit seinem Volk nur durch Christus oder um Christi willen einen Bund. Zudem wird eine rein irdische Lokalisierung der Bundesverheißungen einfach den Texten nicht gerecht, die immer wieder von einem „ewigen Bund“ reden (vgl. z. B. 1 Mo. 9,16; 1 Mo. 17,7;  Ps. 105,10; Ps. 111,5;  Heb. 13,20). Natürlich kann die Betonung eines Kontinuums zwischen AT und NT zu weit gehen, aber generell neigen wir dazu, das AT als nicht mehr „gültig“, nicht mehr „notwendig“, als „alten Bund“ abzustempeln. Die Texte des AT taugen dann höchstens dafür, moralistische Ansprüche an unseren Nächsten zu stellen. Übrigens hat Roger Liebi ebenfalls einen Beitrag über die Bedeutung des AT für Christen veröffentlicht. Wenn wir schon bei Liebi sind, seinen Beitrag über das Leben Abrahams fand ich ebenfalls hilfreich. Weiterlesen

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„Die Kinder warten immer gespannt auf die längeren Hörspiele…“

Unsere Kinder sind begeisterte Radio Doppeldecker Hörer. Wenn sie schon im Bett liegen, dürfen sie eine Folge zum Schlafengehen anhören. Bei über 700 Episoden bin ich erstmal ganz gut versorgt (wir hören immer den Podcast)  Da wir also von dieser Arbeit derart profitieren, dachte ich, dass die Zeit nun für ein Interview reif wäre. Radio Doppeldecker (endlich mal ein wirklich hörenswertes Radio) war so freundlich, meine Fragen zu beantworten.

Seit wann gibt es Radio Doppeldecker bereits?

Die erste Sendung von Radio Doppeldecker wurde 2005 ausgestrahlt.

Ihr habt bislang mehr als 777 Episoden veröffentlicht. Gehen da die Ideen nicht irgendwann einmal aus? Weiterlesen

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Vorstellung: „Das Herman Bavinck Projekt“

Normalerweise möchte ich darauf verzichten, Artikel doppelt zu veröffentlichen. Aber an dieser Stelle erlaube ich mir eine Ausnahme (Dieser Artikel erschien am 9.12.2019 bereits auf meiner Homepage):

Wie alles begann…

Ich stieß über eine Notiz aus dem Jahr 2014(!!!), in der die Rede davon war, dass eine deutsche Übersetzung von Bavincks Dogmatik kurz vor der Fertigstellung steht. Meine Recherche ergab: Das Problem ist ein Flaschenhals. Germanisten und Theologen werden für ein sattelfestes Lektorat gesucht. Dabei wurde der Text von Dr. Jürgen-Burkhard Klautke bereits übersetzt. Ein kurzes Gespräch in unserer Katechismus-Runde machte klar: Das Ding muss durchkommen. Für den deutschen Markt wäre Bavincks Dogmatik jetzt wie Honig für das Maul eines hungrigen Bären!

Übrigens, eine kurze Recherche beim Bavinck-Institut ergab, dass es selbst auf Chinesisch oder Russisch mehr Werke von Bavinck gibt als auf deutsch. Die reformierte Dogmatik gibt es bereits auf Koreanisch und Indonesisch.

Was können wir tun?

Ich kann die Leser dieser Zeilen somit nur zur Unterstützung dieses Projektes aufrufen. Ich denke die Möglichkeiten sind hierfür vielfältig. Vielleicht kennen Sie einen geeigneten Lektor oder sind es sogar selbst? Dann kontaktieren Sie mich einfach und ich teile Ihnen die Kontaktdaten von Br. Klautke mit. Vielleicht legt Ihnen Gott aufs Herz zu spenden, denn finanzielle Mittel fehlen hier auch noch. Dafür habe ich einen Paypal Moneypool erstellt.

Zudem habe ich ein Banner erstellt, dass direkt zum Moneypool führt. Wenn Sie also das selbe Anliegen „bewerben“ möchten, dann kopieren Sie diesen Code auf Ihren Blog/ Ihre Seite:

<a href=“https://www.paypal.com/pools/c/8kuO7Di2va“ target=“_blank“>
<img src=“https://www.glaubend.de/wp-content/uploads/2019/12/bavinck_banner.png“ alt=“Das Herman Bavinck Projekt“ title=“Das Herman Bavinck Projekt“>
</a>

Dadurch fügen Sie das oben gezeigte Bild samt einen Link auf den Paypal-Moneypool ein. Wenn Interesse an der Informationsweitergabe durch Flyer oder Ähnliches besteht, freue ich mich über Ihre Anfrage an mich.

Schließlich bleibt aber das Wichtigste unsere Abhängigkeit vom himmlischen guten Hirten. Ohne Ihn können wir nichts tun und deswegen dürfen wir alle unsere Anliegen, Wünsche und Sorgen zu Ihm im Gebet bringen. Auch für die Veröffentlichung dürfen wir als Privatmenschen, als Hauskreise oder auch als Gemeinden beten.

Input

Wer mehr über Bavinck und sein Werk erfahren möchte, findet viel Content bei hanniel.ch.

Ich durfte zudem mit Jürgen-Burkhard Klautke, den Übersetzer des Werkes, sprechen:

1)Warum gerade H. Bavinck?

Während in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland die schriftkritische und liberale Theologie um sich griff, schenkte Gott in seiner Gnade in den Niederlanden eine Reformation: Hunderttausende reformierter Christen verließen die Staatskirche und konstituierten eigene konfessionelle Kirchen, die sich zu einem Kirchenverband zusammenschlossen. Dies erfolgte unter der Führung von Abraham Kuyper. Der Dogmatiker, der diese Entwicklung maßgeblich geistig begleitete und prägte, indem er als Dogmatiker für die Theologenausbildung zuständig wurde, war Herman Bavinck.

2) Hat Dogmatik heute generell noch eine Chance und einen Markt?

Das weiß ich nicht. Aber ich weiß: Als ich die Dogmatik von Hermann Bavinck in den Niederlanden las, gingen mir ganz neue Welten auf. So etwas und zwar in systematischer Form hatte ich bis dahin noch nicht gelesen.

3) Wie weit ist die Übersetzung? Welche Arbeit muss noch getan werden?

Die Übersetzung ist fertig. Aber sie muss noch etliche Male lektoriert werden. Dies erfolgt sozusagen in meiner freien Zeit. Vielleicht kann man sich vorstellen, was das heißt für ein Werk, das vom Umfang her 2500 Seiten umfasst.

4) Welche Wirkung versprechen Sie sich von dem Buch?

Bavinck war Niederländer. Aber sein Vater, ein Pastor, zog aus Deutschland in die Niederlande. Somit war Herman Bavinck nicht nur die deutsche Sprache von Kindheit an sehr vertraut, sondern auch die deutsche Philosophie und natürlich auch die liberale, also die konfessionslose Theologie, wie sie sich damals nicht zuletzt in der Theologie A. Ritschls widerspiegelte. Indem er sich nicht nur aber auch mit ihr konfrontierte, ist seine Dogmatik nicht veraltet, sondern stellt einen großen Gewinn dar.

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„Aber wenn es um Gottes Urteil ginge, habe jeder freilich eine Ausrede…“

„Calvin nämlich äußerte sehr heftige Kritik an seiner Hörerschaft. Er fragte sich, ob sie wohl überhaupt zuhörten. Gewiss, in Genf werde das Evangelium gepredigt, „aber was hat man davon, wenn niemand was damit anfängt“(1)? Die Menschen gingen einzig zur Kirche, weil sie es so gewohnt seien. Es sei ein Ritual geworden, und daher  „kommen sie so wieder heraus, wie sie hineingegangen sind“ (2). Calvin zufolge ging man mit den Predigten um, als ob es Märchen wären (3). Daher seien die Menschen auch unwissend. Sollte man beispielsweise um Weihnachten herum fragen, „wisst ihr, was es bedeutet, dass Gott sich im Fleisch offenbart hat, dann dürfte man mit großer Mühe einen unter zehn finden, der zu wiederholen imstande ist, was er als kleines Kind bezüglich seines Glaubens gelernt hat“ (4). Sie seien gerade wie die Tiere, die gewohnheitsmäßig zur Fütterung liefen. „Denn sobald sie zum Abendmahl, zur Taufe oder einer Hochzeit wegen zur Kirche gehen, wissen sie eigentlich nicht einmal, worum sie bitten müssen“ (5). Die Glocke läute jeden Tag, aber man reagiere nicht darauf. Am Sonntag würden die Menschen bis zu viermal mit Glockengeläut in die Kirche gerufen. Dennoch halte man es für ausreichend, einmal zu erscheinen. „Kurzum, die überwiegende Mehrheit lebt nach der alten Redensart, nahe bei der Kirche und fernab von Gott“ (6). Ihren Mangel an Einsatz und Eifer tarnten sie mit allerlei neugierigen Fragen, „und dann wollen sie wissen, warum Gott einige auserwählt und andere zurückgewiesen hat“ (7). Aber wenn es um Gottes Urteil ginge, habe jeder freilich eine Ausrede und fühle sich niemand schuldig. Kurz und gut „sie wollen gerne die Gemächer des Paradieses kennen, aber sie tun nicht ihr Bestes, um dort auch hinzugelangen“ (8). Es sei doch zum Verrücktwerden, dass Türken, Juden, Heiden und die Papisten ihren Aberglauben treuer ergeben seien als die Menschen in Genf ihrem Dienst am Evangelium (9). Und bei all dieser Kritik meint Calvin sich auch immer selbst. Er steht als Prediger dem Volk gegenüber, doch ist er als Mensch eben auch Teil dieses Volkes. Calvin bleibt ungeachtet all dieser Zustände stets dicht am Text der Bibel. Das dürfte an seiner humanistischen Prägung liegen, wonach man sich gar nicht nah genug am Quellentext halten konnte. Ein eher persönlicher Grund ist seine andauernde Suche nach Sicherheit. In einer Welt, in der er alles als fließend, turbulent und verwirrend empfand, war seiner Meinung nach Gottes Wort der einzige Fixpunkt. Wer also festen Halt suchte, tat gut daran, so nah als nur irgend möglich am Wort zu bleiben.“ Weiterlesen

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Mit Vern Sheridan Poythress im Gespräch

poythressSergej Pauli (S.P.): Sehr geehrter Herr Prof. Vern S. Poythress. Sie besitzen zahlreiche Abschlüsse. Einen Doktor der Mathematik und einen Magister in Apologetik. Zwischendurch studierten Sie auch Linguistik. Welches Ihrer Fachbereiche lieben Sie am meisten?

Vern S. Poythress (V.S.P): Mein Bereich am Westminster Theological Seminary ist die Forschung des Neuen Testaments, da ich einen Doktor der Theologie besitze. Das ist der Bereich, den ich am meisten liebe. Doch ich mag auch die anderen Bereiche, die du nanntest.

S.P.: Sie schrieben Bücher zu sehr unterschiedlichen Themen (Angefangen vom Dispensationalismus und Logik, bis hin zur Mathematik und dem Buch der Offenbarung). Gibt es einen roten Faden in Ihren Büchern?

Inerrancy and the GospelsV.S.P.: Was in meinem Leben geschah, entwickelte sich Stück für Stück. Zunächst besaß ich kein bestimmtes Ziel. Von Zeit zu Zeit spürte ich, dass der Herr mir Ideen gab, die es wert waren, dass man sie zum Nutzen anderer aufschrieb. So schrieb ich das, was mir der Herr zum Schreiben gab.

Doch wenn ich zurückschaue, denke ich, dass der rote Faden der Bücher die Hermeneutik, also das Prinzip der Auslegung (oder Interpretation) ist.

Einige meiner Bücher konfrontieren auf direkte Weise Schwierigkeiten der Auslegung. Zum Beispiel schrieb ich das Buch The Returning King, in welchem ich die Offenbarung bespreche. Unter all den Büchern des Neuen Testaments wurde ich besonders zur Offenbarung gezogen, weil sie eine Herausforderung für die Auslegung ist.

Einige meiner weiteren Bücher haben akademischen Inhalt, wie Logik oder Mathematik. In diesem Fall bestand die Herausforderung darin, diese Themenfelder aus einem christlichen Blickfeld zu betrachten. Somit findet sich auch hier die Herausforderung der Interpretation.

The Miracles of Jesus: How the Savior's Mighty Acts Serve as Signs of RedemptionEinige meiner Bücher besprechen Themen der Bibel: Theophany und The Miracles of Jesus. Hier versuchte ich den Menschen zu helfen, die Bedeutung des Themas zu verstehen.

Ich schrieb zwei Bücher über die Unfehlbarkeit der Schrift, nämlich Inerrancy and Worldview und Inerrancy and the Gospels. Ursache dafür ist, dass unser Verständnis und die Verteidigung der Unfehlbarkeit der Bibel damit verknüpft sind, wie wir die Bibel interpretieren – insbesondere an den Stellen, an denen sie oberflächlich betrachtet Fehler zu enthalten scheint.

S.P.: Gibt es unter Ihren Büchern solche, die Sie nicht erneut schreiben würden? Gibt es Themen, in denen Sie Ihre Meinung geändert haben?

V.S.P.:Ich habe meine Meinung zu keinem meiner Werke wesentlich geändert. Doch ich würde drei kleinere Veränderungen erwähnen.

Redeeming ScienceErstens war das allererste Buch, das ich schrieb, nämlich Philosophy, Science and the Sovereignty of God, nur eine leichte Anpassung meiner Theologischen Masterarbeit. Es war kein besonders leicht zugängliches Werk. Ich würde es heute als nicht derart reif bezeichnen, wie es hätte sein können. Es wurde in weiten Teilen durch Redeeming Science und Redeeming Philosophy abgelöst.

Zweitens tendiert Understanding Dispensationalists dazu, eine „grammatisch-historische Exegese“ als Grundlage zu verwenden. Ich denke immer noch, dass die grammatisch-historische Exegese ein wesentlicher Bestandteil im Verständnis der Bibel sein sollte, doch ich wurde zunehmend durch die Tatsache sensibilisiert, dass unterschiedliche Ausleger diesen Begriff etwas anders verstehen und dass es ein Aspekt eines großen Ganzen ist, das der göttlichen Kommunikation wachsende Aufmerksamkeit schenkt.

Logic: A God-Centered ApproachZuletzt machte ich einige Korrekturen in meinem Buch Logic, um ein paar Dinge klar zustellen. Wenn es eine zweite Auflage geben wird, werden diese Anpassungen umgesetzt sein. Das Buch über Logic kann für Leser ebenfalls herausfordernder werden, je weiter sie damit kommen. Doch die Alternative wäre ein mehrbändiges Werk und dass wollte ich nicht machen.

S.P.: In aller Kürze: Wie können Logik, Mathematik, Wissenschaften… erlöst werden?

V.S.P.: In meinem Buch The Lordship of Christ bespreche ich in Kürze die Tatsache, dass es Menschen sind, die erlöst werden und nicht wissenschaftliche Themenfelder. Dennoch halte ich „Erlösung“ für den geeigneten Begriff, um anzuzeigen, dass erlöste Menschen in ihrem The Lordship of Christ: Serving Our Savior All of the Time in All of Life with All of Our HeartDenken in erlösenden Wegen wachsen müssen, so wie es Röm. 12,1-2 aufzeigt: „Erneuert euch durch Veränderung eures Sinnes“. Diese Erneuerung betrifft auch eine Veränderung dessen, wie wir jedes einzelne Lernfeld als Christen betrachten. Ich schrieb über Logik und Mathematik, weil dies die allerletzten Bereiche wären, von denen die Menschen ein verändertes Denken eines Christen hierüber, erwartet hätten.

S.P.: Gibt es Themen, die Sie immer noch herausfordern?

V.S.P.: Es gibt so viele Felder, die ich nicht in Tiefe studiert habe. Selbst in der Mathematik, gibt es Fachbereiche, die ich nicht verstehe.

S.P.:Wann hatten Sie Ihren ersten Durchbruch zum Tri-Perspektivalismus (Triperspectivalism)?

Redeeming MathematicsV.S.P.:Ich bin mir nicht mehr sicher. Ich schrieb etwas über diese Geschichte in meinem Artikel, „Multiperspectivalism and the Reformed Faith“. Auf drei Quellen bin ich in etwa einem Jahr (1971-72) gestoßen: Kenneth Pikes triperspektiver Ansatz zur Linguistik, John Frames triperspektive Lehre am Westminster Seminary und Edmund Clowney’s Biblisch-Theologische Themen: Christus als Prophet, König und Priester. Ich habe keines dieser erfunden, doch ich sah, dass sie zueinander affin waren.

S.P.: Als Professor am WTS, was sind die Hauptlernfelder, die Sie ihren Studenten für einen lebenslangen Dienst mitgeben wollen?

V.S.P.: Ich betrachte das Wachstum in der Erkenntnis Gottes und in der Heiligung als das Thema Nummer 1. Der intellektuelle Inhalt und die gelernten Methoden könnten den Studenten für ein ganzes Leben helfen. Doch sie sind nicht der ultimative Vorzug, den die Gemeinschaft mit Gott so zentral macht.

S.P.: Was ist Ihrer Meinung nach die erschreckendste Entwicklung im amerikanischen (und weltweiten) Evangelikalismus?

V.S.P.: Ich bin über den Grad bestürzt, in dem sich der amerikanische Evangelikalismus durch den Mainstream der amerikanischen Kultur verführen lässt.

Revelation Sutdy GuideIn jeder Kultur der Welt sind bibelgläubige Christen unter kulturellem Druck. Es kann vor allem Verfolgung oder vor allem Verführung sein. Keines davon ist neu, wie das Buch der Offenbarung uns erinnert. An so vielen Orten in dieser Welt, ist das Christentum schwach und oberflächlich. Und doch baut Gott seine Gemeinde. Es gibt so vieles, wo für wir dankbar sein können.

S.P.: Wie können insbesondere junge Menschen auf diese Entwicklungen reagieren?

V.S.P.:Benutzt weiterhin die Mittel der Gnade:  Das Lesen in der Bibel, das Gebet und der regelmäßige Besuch einer bibelgläubigen Gemeinde. Abkürzungen sind nicht zu empfehlen. Für jene, die Zeit, Geld und Energie besitzen, ist eine formelle theologische Ausbildung an einer bibelgläubigen Einrichtung eine riesige verändernde Anlage für das ganze restliche Leben. Sie bringt den Gemeinden Vorzüge und weitere Vorteile für das ganze Leben, in allen nur möglichen Aspekten, ob Gebet, Geistliches Leben, Arbeit, Familie, Politik, Kunst… Die Meisten besuchen ein Theologisches Seminar mit der Absicht, Diener des Evangeliums zu werden. Doch das Seminar bringt für fast jeden Christen viele Vorteile.

S.P.: Wenn Sie nur drei Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen könnten, welche wären dies?

TheophanyV.S.P.: Zunächst die ESV Study Bible. Ich muss aber die RSV (Revised Standard Version) und die NEB (New English Bible) hinzufügen, weil ich mit diesen Bibelversen auswendig gelernt habe und sie gerne dabeihätte, um diese frisch zu halten. (Ich empfehle die NEB nicht, doch früher war das meine Auswendig-Lern-Bibel, bevor ich zu anderen Bibelübersetzungen griff.) Wenn es Bücher außerhalb der Bibel sein sollen, dann wäre es das New Bible Dictionary (oder ein anderes Bibel-Lexikon) und das New Bible Commentary. Wenn es kein theologisches Werk sein soll, dann würde ich C.S. Lewis Der König von Narnia mitnehmen.

S.P.: Vielen Dank für das Gespräch!

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„Gottes Wort wird ohne Anfechtung nicht gelernt“

Luther im Kreise seiner Familie musizierend. Gemälde von Gustav Spangenberg (1828-1891)

Luther im Kreise seiner Familie musizierend. Gemälde von Gustav Spangenberg (1828-1891) (gemeinfrei)

In den letzten Wochen befielen mich Anfechtungen, die ich in dieser Intensität schon viele Jahre nicht erlebt habe. In C.S. Lewis‘ Dienstanweisung an den Unterteufel wird der Unterteufel letzten Endes für sein Versagen vom Oberteufel aufgefressen. Das Bild eines Teufels, der einen samt Haut und Haar fressen will, schwebt mir häufig in meinen Anfechtungen. Man ist mit einem Gegner konfrontiert, der einem zu stark ist. Zum Glück dürfen wir als Christen zu dem EINEN rennen, der den Satan in die Flucht jagt.

Ein Lehrmeister der Anfechtung, dürfte Martin Luther sein. Die Auswahl Kurt Alands, die ich als digitale Bibliothek besitze, liefert mehr als 315 Suchergebnisse für die Begriffe Anfechtung. In seiner Vorrede zum 1 Band der deutschen Schriften (1939), redet Luther über die „rechte Weise, Theologie zu studieren“. Man solle sich an Psalm 19 orientieren:

Da wirst du drei Regeln drin finden, die den ganzen Psalm hindurch reichlich vorgetragen werden. Sie heißen: Gebet, Meditation, Anfechtung.

Dass man Gottes Wort nicht ohne Anfechtung lernen kann,  bezeugte Luther regelmäßig in seinen Tischreden, so z.B. TR 15:

Meine Theologie hab ich nicht auf einmal gelernt, sondern ich hab immer tiefer und tiefer danach forschen müssen. Da haben mich meine Anfechtungen zu gebracht; denn die heilige Schrift kann man nimmermehr verstehen, außer durch Praxis und Anfechtungen. (…) So hat Paulus auch einen Teufel gehabt, der ihn mit Fäusten geschlagen und ihn so mit seinen Anfechtungen getrieben hat, fleißig in der heiligen Schrift zu studieren. So habe ich den Papst, die Universitäten und alle Gelehrten und durch sie den Teufel mir am Halse kleben gehabt; die haben mich in die Bibel gejagt, daß ich sie fleißig gelesen und damit ihr rechtes Verständnis endlich erlangt habe. Wenn wir sonst einen solchen Teufel nicht haben, so sind wir nur spekulative Theologen, die lediglich mit ihren Gedanken umgehen und mit ihrer Vernunft allein spekulieren, daß es so und also sein solle;

Luther spricht auch darüber, welche Anfechtung die größte ist (TR 175):

Die Anfechtung des Glaubens ist die allerschwerste, denn der Glaube soll alle anderen Anfechtungen und Übel überwinden. Wenn dieser nun in Anfechtungen unterliegt, so überfallen die anderen alle, auch die allerkleinsten, den Menschen. Wenn aber der Glaube bleibt, so kann man die allergrößten Anfechtungen verachten. Denn wenn der Glaube recht und gesund ist, nehmen die anderen Anfechtungen ab.

Danach ist wieder davor (und fühlt sich aufs Neue völlig neu an, in TR 186):

Wenn eine Anfechtung vorbei ist, dann ist bestimmt auch schon die nächste da, der wir uns entgegenstellen müssen. Und wenn diese andere kommt, betragen wir uns, als wäre sie die erste oder als ob wir überhaupt keine vorher gespürt hätten.

Der Angriffspunkt der Heilsgewissheit (TR 674):

Das ist die größte Anfechtung des Teufels, wenn er sagt: Gott haßt die Sünder. Du aber bist ein Sünder, also haßt Gott auch dich. Diese Anfechtung bekommt der eine so, der andere so zu spüren.  (…) Solche Anfechtungen sind uns sehr dienlich und nicht, wie es scheint, zum Verderben. Sie sind eine Unterweisung und jeder Christ soll bedenken, daß er ohne Anfechtungen Christus nicht recht erfahren kann.

Luther redete recht offen über seine Anfechtungen und sah in diesen ein Gnadenmittel (TR 676):

In dieser Zeit habe ich des öfteren mit Gott gehadert: in meiner Ungeduld warf ich ihm seine Versprechungen vor. Da lehrte mich Gott die heilige Schrift recht verstehen. Denn es ist sonst unmöglich, daß ein Mensch die heilige Schrift verstehe, wenn es ihm immer nach seinem Willen geht. Denn Gott will, daß wir nicht an unserer Ungeduld zerbrechen. Er sagt nämlich in seiner ganzen Schrift (Ps. 130, 6): Warte, warte »von einer Morgenwache bis in die Nacht!« Und er ist wahrlich ein feiner Gott. Wenn er schon nicht sofort hilft, so gibt er doch ein Maß, das man tragen kann. So sagt auch Hiob (13, 15 ff.): Wenn mich Gott schon erwürgte, so will ich doch auf ihn hoffen. Mag es immerhin sein, daß du dein Antlitz vor mir verbirgst, so kann ich dennoch nicht glauben, daß du mein Feind bist.

Aus der Veste Coburg 1530 schreibt er an Hieronymus Weller:

In dieser Art der Anfechtung und des Kampfes ist die Verachtung die beste und leichteste Weise den Teufel zu besiegen. Verlache den Widersacher und suche jemand auf, mit dem Du vertraulich plaudern kannst. Die Einsamkeit mußt Du auf jede Weise fliehen, denn so fängt er Dich am sichersten und stellt Dir nach, wenn Du allein bist. Durch Spott und Verachtung wird dieser Teufel überwunden, nicht durch Widerstand und Disputieren. Daher sollst Du mit meiner Frau und den anderen scherzen und spielen, damit Du diese teuflischen Gedanken zu Fall bringst, und sei darauf bedacht, daß Du guten Mutes bist, lieber Hieronymus. Diese Anfechtung ist Dir notwendiger als Speise und Trank. Ich will Dir erzählen, was mir einst widerfahren ist, als ich ungefähr in Deinem Alter war: Als ich frisch ins Kloster gekommen war, geschah es, daß ich immer traurig und betrübt einherging, auch diese Traurigkeit nicht ablegen konnte. Deshalb suchte ich Rat und beichtete Doktor Staupitz (dieses Mannes tue ich gern Erwähnung) und eröffnete ihm, was für greuliche und schreckliche Gedanken ich hätte. Darauf sagte er: Du weißt nicht, Martin, wie nützlich und notwendig dir diese Anfechtung ist, denn Gott plagt dich nicht umsonst so; du wirst sehen, daß er dich als einen Diener gebrauchen wird, um große Dinge auszurichten. Und so geschah es.

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„Hinter ihm hergehen, das ist etwas schlechthin Inhaltloses“

Im ersten Kapitel seines 1937 erschienen Werkes „Nachfolge“ hält D. Bonhoeffer zum „Ruf in die Nachfolge“ am Beispiel des Zöllners Levi fest:

Der Ruf ergeht, und ohne jede weitere Vermittlung folgt die gehorsame Tat des Gerufenen. Die Antwort des Jüngers ist nicht ein gesprochenes Bekenntnis des Glaubens an Jesus, sondern das gehorsame Tun. Wie ist dieses unmittelbare Gegenüber von Ruf und Gehorsam möglich? Es ist der natürlichen Vernunft überaus anstößig, sie muß sich bemühen, dieses harte Aufeinander zu trennen, es muß etwas dazwischentreten, es muß etwas erklärt werden. Es muß unter allen Umständen eine Vermittlung gefunden werden, eine psychologische, eine historische. Man stellt die törichte Frage, ob nicht der Zöllner Jesus schon vorher gekannt habe und daher bereit gewesen sei, auf seinen Ruf hin zu folgen. Eben hierüber aber schweigt der Text hartnäckig, es liegt ihm ja gerade alles an dem gänzlich unvermittelten Gegenüber von Ruf und Tat. Psychologische Begründungen für die frommen Entscheidungen eines Menschen interessieren ihn nicht. Warum nicht? Weil es nur eine einzige gültige Begründung für dieses Gegenüber von Ruf und Tat gibt: Jesus Christus selbst. Er ist es, der ruft. Darum folgt der Zöllner. Die unbedingte, unvermittelte und unbegründbare Autorität Jesu wird in dieser Begegnung bezeugt. Nichts geht hier voraus, und es folgt nichts anderes als der Gehorsam des Gerufenen. Daß Jesus der Christus ist, gibt ihm Vollmacht zu rufen und auf sein Wort Gehorsam zu fordern. Jesus ruft in die Nachfolge, nicht als Lehrer und Vorbild, sondern als der Christus, der Sohn Gottes. So wird in diesem kurzen Text Jesus Christus und sein Anspruch auf den Menschen verkündigt, sonst nichts. Kein Lob fällt auf den Jünger, auf sein entschiedenes Christentum. Der Blick soll nicht auf ihn fallen, sondern allein auf den, der ruft, auf seine Vollmacht. Auch nicht ein Weg zum Glauben, zur Nachfolge ist gewiesen, es gibt keinen anderen Weg zum Glauben als den Gehorsam gegen den Ruf Jesu. Was wird über den Inhalt der Nachfolge gesagt? Folge mir nach, laufe hinter mir her! Das ist alles. Hinter ihm hergehen, das ist etwas schlechthin Inhaltloses. Es ist wahrhaftig kein Lebensprogramm, dessen Verwirklichung sinnvoll erscheinen könnte, kein Ziel, kein Ideal, dem nachgestrebt werden sollte. Es ist gar keine Sache, für die es sich nach menschlicher Meinung verlohnte, irgendetwas oder gar sich selbst einzusetzen. Und was geschieht? Der Gerufene verläßt alles, was er hat, nicht, um damit etwas besonders Wertvolles zu tun, sondern einfach um des Rufes willen, weil er sonst nicht hinter Jesus hergehen kann. Diesem Tun ist an sich nicht der geringste Wert beigemessen. Es bleibt in sich selbst etwas völlig Bedeutungsloses, Unbeachtliches. Die Brücken werden abgebrochen, und es wird  einfach vorwärtsgegangen. Man ist herausgerufen und soll „heraustreten“ aus der bisherigen Existenz, man soll „existieren“ im strengen Sinn des Wortes. Das Alte bleibt zurück, es wird ganz hingegeben.

Seit 2016 sind Bonhoeffers Werke nun gemeinfrei. „Nachfolge“ kann hier als pdf heruntergeladen werden.

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„Das Wort hat es alles gewirkt und ausgerichtet“

Summa summarum: predigen will ichs, sagen will ichs, schreiben will ichs. Aber zwingen, mit Gewalt dringen will ich niemand, denn der Glaube will willig, ungenötigt angenommen werden. Nehmt (Euch) ein Beispiel an mir. Ich bin dem Ablaß und allen Papisten entgegen gewesen, aber mit keiner Gewalt, ich habe allein Gottes Wort getrieben, gepredigt und geschrieben, sonst habe ich nichts getan. Das hat, wenn ich geschlafen habe, wenn ich Wittenbergisch Bier mit meinem Philipp (Melanchthon) und Amsdorff getrunken habe, so viel getan, daß das Papsttum so schwach geworden ist, daß ihm noch nie ein Fürst noch Kaiser so viel Abbruch getan hat. Ich hab nichts getan, das Wort hat es alles gewirkt und ausgerichtet.
[Martin Luther: Acht Sermone gepredigt zu Wittenberg in der Fastenzeit. Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 2474
(vgl. Luther-W Bd. 4, S. 69) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

Luther auf dem Reichstag zu Worms. Kolorierter Holzschnitt von 1556, Bildrechte: gemeinfrei

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Verteidigung der Trinität, der Wahrheit, des Denkens und der Tollheit

2019 war für mich durch das Lesen (und Hören) der Werke von Carl R. Trueman geprägt. Es ist ein neues Ereignis, sich ausführlicher mit ein und dem selben Autor zu beschäftigen (vielleicht müsste man Martin Luther ausnehmen, in dem Fall meine ich ein und den selben zeitgenössischen Autor). Motiviert haben mich die Autorenprofile von Hanniel, mit dem Ziel, sich durch ein Gesamtwerk durchzuarbeiten. Doch an das umfangreiche Werk von z.B. Carson wagte ich mich zunächst nicht. Somit ein Quick-Review über den Autor, Dozenten, Pastor, Prediger und Blogger Trueman: Weiterlesen

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„In der Gewissheit, dass unsere Sünden durch Sein Opfer vergeben sind, finden wir Ruhe und Heilssicherheit.“

File:John Calvin 01.jpg

Der junge Jean Calvin

Nach dem Tode Heinrich VIII 1547 wurde Eduard VI, als einziger Sohn Heinrichs bereits mit 9 Jahren König von England und Irland. In diesem Alter hatte er natürlich nur repräsentative Funktionen, die eigentliche Macht hatte in den ersten 2,5 Jahren seiner Herrschaft Eduard Seymor, Duke (in etwa Herzog) of Somerset, in der Funktion eines Lordprotectors mit erweiterten Befugnissen. Diese nutzte er zur Freude der „Evangelicals“ im Land, um die Reformation intensiver voranzutreiben. Kein Wunder, dass den Duke auch ein Schreiben von Jean Calvin erreichte, verfasst am 22. Oktober 1548.  Der Calvin-Biograph Herman J. Selderhuis hält fest: „Calvin war unerschütterlich, opferbereit und kompromisslos. Seine Lehre wies alle Merkmale auf, die zur damaligen Zeit erfolgsversprechend waren: Sie war unkompliziert, biblisch begründet und klar formuliert und deshalb allen Menschen zugänglich. (…) Was Calvin im Jahr 1548 an den Herzog von Somerset schrieb, war tatsächlich schon 1536 (Anm. von mir: In diesem Jahr erschien die erste Auflage seiner berühmten Institutio) seine Lehre gewesen und sollte auch 1564 noch seine Lehre sein (Anm. von mir: Todesjahr Calvins) (…) Zwar schrieb Calvin später noch tausende von seiten mit ausführlicheren Erörterungen hierzu, aber tatsächlich findet sich in den Schriften nichts mehr als das, was auch schon auf dieser halben DIN-A4-Seite formuliert ist. Und das wurde alles durch seinen an Idealismus grenzenden Optimismus getragen.“ (S.75-76)

Datei:Edward Seymour Duke of Somerset.jpg

Edward Seymour Duke of Somerset

Die populäre Darstellung Calvins, der auch erfolgreiche Schriftsteller wie Stefan Zweig erlagen, als die einen freudlosen Zynikers und pessimistischen Eigenbrötler zeichnet, lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn man die zahlreichen Briefe Calvins studiert. Wir finden einen mutigen, ehrlichen Christen, der seine Mitmenschen ernst nimmt. Den Duke of Somerset ermutigt er, der Führung Gottes zu vertrauen, mutig das Evangelium zu verkündigen und in schwierigen Zeiten auszuharren:

„…nämlich das wir Gott als einzigen Herren unserer Seele und sein Gesetz als einzige Regel und geistige Anleitung für unser Gewissen anerkennen, so dass wir Ihm nicht gemäß allerlei törichter menschlicher Anordnungen dienen. Weiter, dass er auf seine Art, im Geiste und mit reinem Herzen, verehrt werden will. Andererseits erkennen wir jedoch, dass wir im Inneren unselig sind, dass wir in all unserem Denken und Handeln verdorben sind, so dass unser Herz ein Abgrund des Bösen ist. Darum verzweifeln wir an uns selbst, weisen jeden Anspruch auf Weisheit, Würde oder Fähigkeit zum Guten ab. Wir wenden uns der Quelle von allem Guten zu, das ist Jesus Christus, und wir nehmen das an, was Er uns gibt, nämlich die Verdienste seines Leidens und Sterbens, damit wir dadurch die Versöhnung mit Gott erfahren. Rein gewaschen durch sein Blut, fürchten wir nun nicht mehr, dass wir aufgrund unserer Sünden vor dem himmlischen Thron keine Gnade finden werden. In der Gewissheit, dass unsere Sünden durch Sein Opfer vergeben sind, finden wir Ruhe und Heilssicherheit. Wir werden durch Seinen Geist geheiligt, um uns so gehorsam der Gerechtigkeit Gottes zu widmen. Gestärkt durch seine Gande werden wir den Teufel, die Welt und das Fleisch überwinden. Als Glieder Seines Körpers zweifeln wir schließlich nicht daran, dass Gott uns zu seinen Kindern zählt und dass wir Ihn voller Vertrauen als unseren Vater anrufen dürfen. Für uns ist es deutlich, dass alles, was in der Kirche gesagt und getan wird, auf dieser Hauptsache basiert, nämlich dass wir der Welt entzogen und in den Himmel hinauffahren werden mit unserem Haupt und unserem Heiland“

Einige Jahre später gelangt Maria I Tudor an die Macht und hinterlässt eine blutige Spur im englischen Protestantismus. Trost und „gute Unterweisung“ haben die Protestanten Englands also mehr als nötig gehabt.