Alle Artikel von “Sergej Pauli”

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Leserunde: Das Westminster Bekenntnis

Artikel 1.1: Die göttliche Offenbarung

Durchaus evangelikal fängt das Westminster Bekenntnis mit der Beschreibung der Göttlichen Schrift. Klar wird im ersten Absatz deutlich gemacht, dass es für die Gemeinde Gottes Weg ist, Ihr seinen Willen mitzuteilen. Kein Platz bleibt für Schwärmerei.

Liberalen Theologen ist dies durchaus ein Dorn im Auge. So wird z.B. die Chicago Erklärung wegen ihrer „unchristlichen Hochschätzung“ der Schrift verworfen.  Wie überraschte es mich von einem evangelischen Pastor zu hören, ich würde Christus verachten, wenn ich das geschriebene Wort höher halte, als die Person Christi. Dass aber die Person Christi nur durch sein geschriebenes Wort bekannt ist (und nicht durch Archäologie und Fantasien von Geschichtswissenschaftlern) schien er zu übersehen.

Artikel 1.2: Die Bücher der Heiligen Schrift

Die Bestätigung (keine Definition!) des Kanons der Heiligen Schrift, war nötig, da die katholische Kirche für die Bücher des Alten Testaments nicht klar sah. Ein Artikel zum Kanon des NT erschien hier im Blog.

Artikel 1.3: Die Apokryphen sind menschliche Schriften

Bei H. Egelkraut (Das Alte Testament , 6 Auflage, S. 56) fand ich diese sehr schöne Erklärung des Begriffes „apokryph“:

Apokryph bedeutet verborgen, und bezeichnet Bücher, die (weil nicht kanonisch) nicht öffentlich im Gottesdienst, sondern nur privat (d.h. im Verborgenen gelesen werden durften

Viele Apokryphen sind hilfreiche und historisch sinnvolle Schriften. So die Makkabäer im Alten Testament, oder der Hirte von Hermas im Neuen Testament.  Apokryphen sollten jedoch nicht mit pseudepigraphischen Schriften, wie dem Thomasevangelium verwechselt werden, welche Fälschungen sind, mit dem Ziel Irrlehren zu verbreiten. Eine recht übersichtliche Darstellung findet sich in Wikipedia. Weiterlesen

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Zitat: Der Christen größte Kunst

Doktor Luther sprach: Wenn jemand fragte, was doch die Christen können und lehren? da soll man nichts anderes antworten, als daß man Christus kenne und an ihn glaube und wisse, daß er vom Vater gesandt sei, Joh. 17. Wer das nicht kann noch lehrt oder treibt, der rühme sich nur keinen Christen, ob gleich sonst jemand wisse alles, was unter dem Himmel geschieht, und wie Gott Himmel und Erde geschaffen habe mit dem Meer und allem, was drinnen ist, ja, daß er auch die Zehn Gebote wisse und sie halte. In Summa, wenn er gleich soviel wüßte und vermöchte wie die Engel, dennoch macht solches alles keinen Christen. Darum sagt Gott Jer. 9, 23, 24: »Der Weise rühme sich nicht seiner Weisheit, noch der Starke seiner Stärke, will sich aber jemand rühmen, der rühme sich, daß er mich (Christus) wisse und kenne, daß ich der Herr bin, der Barmherzigkeit gibt und reicht.«

[Martin Luther: Der neue Glaube. Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 6098
(vgl. Luther-W Bd. 9, S. 31) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

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Tipp: William Carey, der Vater der modernen Mission

William Careys Werk ist kaum zu überschauen. Sein Einfluss in Indien ist nicht hoch genug zu schätzen. So ist auch die Abschaffung des Missbrauchs der Witwenverbrennungen auf seinen Einsatz zurückzuführen. Mehrere Pflanzen wurden von ihm entdeckt und beschrieben. Jedoch ist er vor allem Missionar und Bibelübersetzer gewesen. Als Sprachgenie war es ihm möglich das Neue Testament in 22 Sprachen zu übersetzen. Die ganze Bibel hat er zudem in weitere 6 Sprachen übersetzt, darunter Sanskrit, Hindi, Marathi und Bengalisch. Vor allem die bengalische Bibelübersetzung war sein Lebenswert, viele weitere Übersetzungen verstehen sich natürlich als Pionierarbeit.

Wenn mir etwas bei der Biographie nicht gefallen hat, dann das sie zu kurz ist. Ein derart umfangreiches Werk, wie die Mission in Serampore kann man kaum hinreichend auf etwas mehr als 250 Seiten beschreiben. Dennoch ist das Buch ein gutes Einstiegswerk und gibt eine gute Übersicht über einen der größten Missionare seit der Zeit der Apostel. Man könnte zum Leben Careys an dieser Stelle zahlreiche Ausführungen machen, z. B. seine Kampf gegen das Kastensystem. Mitglied ihrer Gemeinschaft konnte nur jemand werden, der auch mit Christen anderer Kasten und Herkünfte Gemeinschaft pflegt. Manche „kulturellen“ Gepflogenheiten mussten der Lehre der Schrift weichen.

Seine Reformen im Bildungssystem, sein Kampf gegen die Sklaverei, sein Beispiel für die weltweite Missionsbewegung überhaupt, sein Einfluss auf weitere bekannte Missionare wie Adoniram Judson oder Henry Martin, Seine problematische Beziehung zu seiner ersten Frau, die ihren Aufenthalt in Indien nicht verkraftete und wahnsinnig wurde, sind nur einige Themen die einer intensiven Besprechung wert sind. An dieser Stelle jedoch möchte ich ein Schreiben anhängen, dass er an seinen Sohn Jabez schrieb, als dieser sich ebenfalls der Mission weihte und an eine Missionsstation ausgesandt wurde. Die folgenden Zeilen habe ich in der Biographie über William Carey von S. Pearce Carey, erschienen im CLV-Verlag (9,90 EUR), gefunden (S. 201 f.). Weiterlesen

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Westminster Bekenntnis (1647)

Lange ist es her, als nimm-lies.de seine letzte Leserunde hatte. Das soll 2018 besser werden. Ich sehe es als Führung, dass ich in letzter Zeit regelmäßig auf das Westminster Bekenntnis hingewiesen wurde, so möchte ich dieses auch mit den Lesern dieses Blogs besprechen. Das Westminster Bekenntnis ist in 33 Kapitel aufgeteilt, die gut einzeln betrachtet werden können.

Wir werden entdecken, welch hohe Informationsdichte sich in Bekenntnissen im Allgemeinen, und in diesem im Besonderen versteckt. Man sieht geradezu den Schweiß und den Hirnschmalz der Brüder, die im Gebet und intensiven Gesprächen um die rechte Formulierung rangen. Dies respektiere ich sehr. Davon profitiere ich auch in meinem geistlichen Wachstum. Hierfür kann es hilfreich sein, einige Absätze visuell aufzuarbeiten und das wollen wir gemeinsam tun.

Viele Punkte sprechen mich persönlich an, andere sprechen tiefste Geheimnisse der christlichen Seele aus. Auch dieses wollen wir betrachten. Schließlich werde ich auch so ehrlich sein, mir unklare Positionen anzugeben und auch Fragen an dieses Bekenntnis zu stellen. Ich werde wagen, dort zu widersprechen, wo ich anderer Meinung bin. Hier freue ich mich bereits auf eine lebhafte und konstruktive Diskussion.

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Was ist Gnade?

Hier habe ich einen interessanten Aufsatz von Jerry Bridges gefunden, denn ich gerne mit euch teilen möchte. Bridges ringt um die rechte Definition von „Gnade“. Als Analogie beschreibt er das gütige Verhalten seiner Mutter gegenüber heimatlosen amerikanischen Wanderarbeitern, sogenannten Hobos.

Während diese keinen Anspruch zur Gnade (in Ihrem Fall ein warmes Essen) hatten, hat ein Sünder nicht nur keinen Anspruch auf Hilfe, nein vielmehr hat er nur Anspruch auf eine Bestrafung (Abweisung).

Gottes Gnade richtet sich nicht nur an Personen, die keinen Verdienst vorweisen können, sondern sogar an solche, die Unrecht begangen haben. Göttliche Gnade ist mehr als ein unverdientes Geschenk. Ein wichtiges Element im biblischen Verständnis von Gnade ist das Vorhandensein von begangenem Unrecht, [das geahndet werden müsste].

Außerdem findet beim Sünder eine persönliche Verachtung gegen Gott statt. Die Sünde eines Menschen verstößt nicht nur gegen das Gesetz Gottes sondern auch gegen die Person Gottes. Wenn Gott hier Gnade walten lässt, ohne Vergeltung jedoch würde er die Gerechtigkeit untergraben. Vor allem diesen wichtigen Punkt zu illustrieren gelingt Bridges gut:

Nun wollen wir einen weiteren Faktor in die fiktive Geschichte einführen. Angenommen meine Mutter hätte den Mann nicht nur als denjenigen erkannt, der unser Haus ausgeraubt hat, sondern als denjenigen, der im Verdacht steht, auch noch andere Nachbarhäuser ausgeraubt zu haben. Jetzt hätte sie die staatsbürgerliche Pflicht gehabt, die Polizei zu rufen.
Angenommen, sie hätte zu sich selbst gesagt: „Ich weiss, dass dieser Mann wahrscheinlich andere Häuser in der Gegend ausgeraubt hat, aber ich habe Erbarmen mit ihm. Er hat wahrscheinlich Frau und Kinder zu Hause. Ich gebe ihm stillschweigend etwas zu Essen und schicke ihn dann weg.“ Damit hätte Mutter die Gerechtigkeit im Interesse der Barmherzigkeit untergraben.

Bridges kommt zu dieser Definition von Gnade:

Gnade ist Gottes Gunst[oder: Hinwendung] durch Christus für [zu] Menschen, die seinen Zorn verdienen

Die vier Seiten habe ich mit Freude und Tränen in den Augen gelesen. Halleluja, wir haben einen gütigen Gott, welcher ein starker Retter ist!

Jerry Bridges ist Autor des Buches „Gott vertrauen„.

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Sola Scriptura

Szenario: Katholische Kirche. Viele der besonders bekannten Praktiken in katholischen Kirchen sind ganz klar auf eine eher seltsame Auslegungsart der Schrift zurückzuführen, z.B.: das Zölibat, als Schlussfolgerung einer bildlichen Überladung von  1. Tim 3,2  „Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaft“. Weib wird als Symbol für Gemeinde gesehen. Natürlich an dieser Stelle, an anderen Stellen heißt Weib immer noch Weib. Wann welches Bild gilt, wer weiß das schon?

Ein zweites Beispiel findet sich in dem Amt des Papstes, so dass man gerne die Apostolischen Vollmachten „vererbbar“ macht, und sich nur auf Verse wie z.B Matthäus 16,18 stützt, wo es heißt:  Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. Hier baut man Grundlegen auf einer eher schwierig zu verstehenden Stelle auf. Ganze Abschnitte der Schrift die anderes bezeugen, müssen sich diesem unterordnen. Dass man die Schrift mit der Schrift auslegt, muss auch bedeuten, dass dunkle Stellen durch lichte erleuchtet werden sollten, nicht umgekehrt.

Das Spiel haben die Liberalen (vor allem evangelischen) Kirchen froh weiter getrieben. Man bekannte die treuesten Bekenntnisse, und mit diesen die Jungfrauengeburt und die Gottheit, das Sterben und die Auferstehung Jesu und schließlich auch die Hölle und die Ewigkeit  und bestritt diese sobald man auf die Kanzel stieg. Natürlich mit den besten Absichten, wie: „Wichtig ist, dass Jesus in unserem Herzen aufersteht. Wichtig ist, dass wir in Jesus ein Motiv eines liebenden Gottes erkennen“, etc. Dergleichen Aussagen in Massen findet man z.B. auf chrismon.

Auch hier verzichtete man auf Auslegungsprinzipien. Die Folge: Nun kann jeder alles x-Beliebige in die Schrift rein- und auch wieder rauslesen. Die Folge ist jedoch vor allem, dass die Themenbreite an christlichen Themen abnimmt. Pietistische Verlage haben uns dies zugenüge vorgemacht. Die Entwicklung politische Entwicklungen Israels zu interpretieren, haut in die selbe Kerbe.  Martin Luther schrieb einmal:

„Darum rate ich diesem Romanisten, dass er noch ein Jahr in die Schule gehe und lerne, was doch heißt eine Christenheit oder ein Haupt der Christenheit, ehe er die argen Ketzer mit solchen hohen, tiefen, breiten und langen Schriften vertreibt. Es tut mir aber in meinem Herzen wehe, dass wir leiden müssen von solchen tollen Heiligen, dass sie die heilige Schrift also frech, frei und unverschämt zerreißen und lästern, sich unterstehen die Schrift zu händeln, so sie nicht genugsam sind, dass sie die Säue hüten sollten. Ich habe bisher gehalten, wo man etwas mit der Schrift soll bewähren, müßte dieselbe Schrift eigentlich zur Sache dienen. Aber nun lerne ich, das es genugsam sei, viel Schrift rips raps zusammenzuwerfen, es reime sich oder nicht. Wenn die Weise gilt, so will ich aus der Schrift wohl bewähren, dass Rastrum besser sei, den Mamesier1.“ (Von dem Papsthum zu Rom, wider den hochberühmten Romanisten zu Leipzig)


1 Während Rastrum billiges Bier ist, welches sich nur Studenten gönnten, bezeichnet Mamesier (besser: Malvesier) edlen Wein.

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Reformiertes Liedgut

Liederbuch ohne Noten (1311 Lieder)Heute habe ich eine reformierte Gemeinde besucht und ich musste doch sehr schmunzeln, als ich feststellte, dass diese Gemeinde ein Liederbuch besitzt, welches insgesamt 38 Lieder beinhaltet. Doch etwas wenig. Gibt es denn in der Tat nur so wenige Lieder mit guter Lehre? Da lobe ich mir das Liederbuch meiner Gemeinde, welches hier bestellt werden kann. Übrigens,  finden sich hier 1311 Lieder.

Nur mal einige Beispiele:

Heilsgewissheit

Über hundert Lieder thematisieren die Heilsgewissheit, so der bekannte Klassiker: „Keiner wird zuschanden„. Wie jubelt meine Seele, wenn wir dieses Lied als Gemeinde singen und es heißt:

Keiner wird zuschanden, welcher Gottes harrt
sollt ich sein der erste, der zuschanden ward?
Nein, das ist unmöglich, du getreuer Hort
Eher fällt der Himmel, eh mich täuscht dein Wort

Du hast zugesaget: Wer da bittet, nimmt
wer da sucht, soll finden, was ihm Gott bestimmt
wer im festen Glauben mutig klopfet an
dem wird ohne Zweifel endlich aufgetan

Hier findet sich auch einiges von Gustav Knak, so das Lied „Wer sich dem Heiland mit brennendem Herzen ergeben“, dort heißt es

3. Wollte der Teufel mit trüglichen Ehren ihm winken,
lässt der Herr Jesus die Krone des Lebens ihm blinken;
beut ihm die Welt
irdische Freuden und Geld,
bringt sie ihn doch nicht zum Sinke

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Brief an einen Dauerzocker
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Brief an einen Dauerzocker

Lieber Zocker

Vielleicht wird dich dieser Brief ärgern. Das wünsche ich mir eigentlich. Weil mir Unwille und Widerstand lieber sind als passives Hinnehmen. Passivität deutet nämlich auf Enttäuschung hin. Könnte es sein, dass du zu einem bestimmten Zeitpunkt resigniert hast? Für Jungs ist die Schule ein Ort für solche Enttäuschungen. Sie ist öde. Die Inhalte gefallen nur Mädchen, die brav Vokabeln büffeln.

Dabei hättest du es wahrscheinlich faustdick hinter den Ohren, ich meine damit (auch) im Kopf. Nur ist dein Kopf nicht gleichermassen trainiert wie deine Finger. Ich frage mich, was wohl geschehen würde, wenn du konsequent dein Hirn trainieren würdest! Zugegeben, das braucht einige Jährchen. Doch jetzt sitzt du die beste Zeit deines Lebens ab, als ob es nichts Spannenderes geben würde als auf eine kleine Glastafel zu gucken (oder auf das Tablet bzw. den PC). Und ich befürchte, dass es tatsächlich nichts Spannenderes gibt. Sonst würdest du es nicht ständig tun.

Ein gescheiter Mann hat gesagt: Wer ein Wozu hat, erträgt fast jedes Wie. Und ich füge hinzu: Wer kein Wozu hat, testet fast jedes Wie aus. Die Stimulation des Hirns durch das Zocken ist nicht zu verachten. Die Ausschüttungen sind beträchtlich. Nur muss der Stoff – wie beim Süchtigen – immer höher dosiert werden. Online-Spiele sind Betäubung und Ablenkung. Die Kräfte, Ideen und Erwartungen werden umgelenkt.

Steil vorgelegt: Ein erfülltes Leben und (übermässiges) Zocken schliessen sich gegenseitig aus. Du suchst das, was alle Menschen suchen. Glück. Aber du suchst es am falschen Ort (im virtuellen Raum) und in einer falschen Form (unmittelbarer Kick-back in Form von positiven Gefühlen). Ich vermute, dass du es dir nicht eingestehen willst, dass du suchst. Ich denke mir auch, dass du es gar nicht wissen willst. Also begibst du dich lieber in freiwillige Gefangenschaft: Am selben Ort, alleine (physisch, meine ich), gedanklich absorbiert, körperlich immer in derselben (oft verkrampften) Körperhaltung.

Weiterlesen auf www.hanniel.ch

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Die Zeit auskaufen

Die folgenden Zeilen fand ich in „Vom Knast zur Kanzel – Das Leben des Wolfgang Dyck“ (S.117 ff.)

Müßiggang ist aller Laster Anfang, sagt das Sprichwort. Es muss ja gleich nicht alles so dick kommen; es fängt meist klein an. Meine Frau und ich machten einen kleinen Spaziergang die Bahrenfelder Chaussee runter. Da sahen wir auf der anderen Seite die Reklame der Bahrenfelder Lichtspiele: »Der brave Soldat Schweijk«. Ein Film, den ich schon früher einmal in der ostzonalen Fassung gesehen hatte. Da ich nun einmal für mein Leben gern lache und wir nichts vor hatten, gingen wir nach langer, langer Zeit zum ersten Mal ins Kino. Ausgerechnet wurde an diesem Abend als Vorfilm ein kurzer Streifen gezeigt: »Der Sonntag der anderen«. Dieser Film berichtete von der Arbeit der Heilsarmee. Alle Akteure kannte ich persönlich. Ich sagte zu meiner Frau: »Da muss ich ausgerechnet ins Kino gehen, um mir zeigen zu lassen, was ich in meiner freien Zeit zu tun habe.« Eine Bank hinter uns spotteten einige junge Leute beim Anblick der Heilsarmee. Mit ein paar gezielten Worten brachte ich sie zum Schweigen. So hatte mein Kinobesuch einen doppelten Dienst getan. Eigentlich hatte ich ja gar kein Recht, mich über das verkehrte Verhalten anderer Leute aufzuregen, wo ich ja selber verkehrt gehandelt hatte. Als wir dann zu Hause ankamen, bekam ich eine zweite Zurechtweisung. Ich öffnete den Briefkasten und zog einen Umschlag hervor, in dem ein Exemplar »Herold Seines Kommens« lag. Ausgerechnet in diesem Blatt stand ein Leitartikel unter der Überschrift: »Jesus als Straßenprediger«. In dieser Nacht wurde mir unumstößlich klar, dass mein Platz am Hamburger Hauptbahnhof ist. So begannen wir am nächsten Sonntag um 19 Uhr wie gewohnt unsere Straßenpredigten. Seit dieser Lektion habe ich sehr auf meine Zeit achtgegeben. Ich habe mir dann auch keinen Kinobesuch mehr geleistet. Natürlich möchte ich daraus kein Gesetz für andere machen, denn ich kann von anderen nicht fordern, was für mich gilt. Dennoch sollten wir bedenken, dass unsere Zeit in Gottes Händen steht. Zeit haben heißt Leben haben und unser Leben gehört Gott. Es sollte immer zu seiner Verfügung stehen. Ansonsten sollte man sich erholen und ausruhen, um so bereit zu sein für den nächsten Dienst.

Wolfgang Dyck wurde schon als Jugendlicher wiederholt straffällig und verbrachte 11 Jahre seines Lebens hinter Gefängnismauern. Durch den Kontakt zur Heilsarmee erlebte er seine Umkehr zu Jesus Christus, die sein Leben total veränderte. Aus dem ehemaligen Schwerverbrecher wurde nun ein leidenschaftlicher Rufer zu Jesus Christus. In Kneipen und Nachtlokalen, in Zuchthäusern und auf der Straße verkündigte er in rastlosem Einsatz die Botschaft vom Kreuz. Wo er erschien, gab es Schlagzeilen in den Zeitungen und Tumult unter den Christen. Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte ist ein Beweis dafür, dass es bei Gott keine unmöglichen Fälle gibt.

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Rettender Glaube ist eine Herausforderung

Rettender Glaube ist also aus folgenden Gründen so schwierig:

  1. Der wahre Charakter rettenden Glaubens ist dem natürlichen Menschen völlig fremd, und daher wird dieser leicht von Satans einleuchtenden Attrappen getäuscht. Doch selbst wenn der Mensch aus der Bibel weiß, was rettender Glaube ist, kehrt er Christus entweder traurig den Rücken zu wie der reiche Jüngling, als er von den Bedingen der Nachfolge erfuhr, oder er bekennt in heuchlerischer Weise das zu haben, was ihm Wirklichkeit noch fehlt.
  1. Die Macht der Selbstliebe beherrscht den Menschen innerlich mit Überlegenheit, und sich selbst zu verleugnen ist eine zu hohe Anforderung für den natürlichen Menschen.
  2. Die Liebe  zur Welt und die Sympathie der Freunde steht einer völligen Auslieferung an Christus im Wege.
  3. Die Forderung Gottes, dass er von ganzem Herzen geliebt werden will und dass wir „im ganzen Wandel heilig“ sein sollen (1. Petr 1,15) widerstrebt dem fleisch.
  4. Die Schmach Christi zu tragen, von der religiösen Welt gehasst zu werden (Joh 15,18), um der Gerechtigkeit willen Verfolgung zu erleiden, ist etwas, wovor Fleisch und Blut zurückschrecken.
  5. Uns vor Gott zu demütigen und bußfertig all unseren Eigenwillen zu bekennen, ist etwas, wogegen ein nicht zerbrochenes Herz rebelliert.
  6. Den „guten Kampf des Glaubens zu kämpfen“ (1 Tim 6,12) und „den Bösen zu überwinden“ (1 Jo 2,13) ist für solche, die ihre eigene Bequemlichkeit lieben, ein zu anstregendes Unterfangen.

Große Mengen möchten vor der Hölle errettet werden (das ist der natürliche Instinkt des Lebenswillens), aber diese Menschen wollen nicht von der Sünde errettet werden. Ja, es gibt Zehntausende, die irregeführt wurden und meinen, sie hätten „Christus als ihren Retter angenommen“, doch ihr Leben zeigt eindeutig, dass sie ihn als ihren Herrn ablehnen. Wenn ein Sünder Vergebung von Gott erlangen möchte , muss er seinen Weg verlassen (Jes 55,7) Niemand kann sich zu Gott bekehren, solange er sich nicht von den Götzen abkehrt (12 Thes 1,9). Daher forderte der Herr Jesus. „So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein“ (Lk 14,33)

Arthur W. Pink in „Was ist rettender Glaube“ (S.48f.)