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Wie können wir denn lesen? – Folge 2

Dieser Artikel besitzt einen Vorläufer. Lese hier.

Es sind der Predigten unzählige, die nach unabänderlichem Muster ablaufen: Ausgehend von einem Text wie z.B. Joh.10, der über die Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit des guten Hirten Jesus spricht, konzentrierte sich der Prediger die zwanzig bis dreißig Minuten seiner Predigt nahezu ausschließlich darauf, zu erläutern, dass diese Verheißung uns nicht leichtfertig machen soll, es vor allem darum geh, den guten Hirten zu hören und mit ewiger Heilsgewissheit hat dieser Text sowieso erst einmal nichts zu tun. An dieser Stelle möchte man jedes Mal fragen: Wieso steht nicht genau das im Text. Was nützt das Gerede vom Skopus, wenn er dich überhaupt nicht interessiert? Wieso sagt Jesus, oder zumindest die Apostel an einer anderen Stelle, als Diskussion dieser Begebenheit, etwas darüber, dass die Zuhörer doch bitte mit all diesen Verheißungen nicht übertreiben sollen. Das man diesen Text schnell missbrauchen kann und dass man jetzt unbedingt hinzufügen muss, dass es vor allem darum geht, auszuhalten (und eben nicht um die Vertrauenswürdigkeit des Hirten).

Im Übrigen, passiert das auf der anderen Seite des Spektrums genauso: Eher seltener predigt man über Texte, wie die berühmte Stelle in Hebräer 6. Aber jedes Mal, wenn sie genannt wird, verpasste es bisher kein Prediger, denn ich dazu (live) hören durfte, anzumerken, dass es so „schlimm schon nicht sein wird“, und wir einen gnädigen Gott haben, und dieser Text womöglich nicht unbedingt etwas in unsere Kreise sagt. Und ein endgültiger Abfall jetzt so endgültig womöglich nicht ist. Und überhaupt, sollten wir uns alle nicht zu sehr beunruhigen lassen. Meine Frage wieder: Warum nicht einfach von der endgültigen Gefahr des Abfallens sprechen, wie es der Text tut?

Beide obige Beispiele sollten zeigen, dass es sich eben nicht um ein Calvinismus-Arminianismus-Problem handelt, denn beide Probleme habe ich sowohl im reformierten, wie im zeitgenössisch evangelikalen Spektrum beobachtet: Kaum findet sich eine Troststelle in der Bibel, kann man nicht mehr ernst genug über die Verantwortung sprechen. Kaum findet sich eine mahnende, gar drohende Stelle, kann man nicht genug über die Gnade Gottes sprechen. Warum kann man nicht einfach darüber sprechen, was im Text steht? Genau das meine ich, wenn ich von den „Harmonisierugnen des Todes“ sprechen möchte. Also Erklärungen, die den biblischen Text „deaktivieren“, statt ihn zu „aktivieren“. Spätestens, wenn man sich in die Lage eines verzweifelten, verängstigten Zuhörers versetzt, der womöglich unter völliger Verzweiflung oder Entmutigung oder Ablehnung leidet: Wie viel könnte man hier mit dem Verweis auf einen völlig zuverlässigen und mitfühlenden Hirten erreichen? Und wie viel verpasst man, weil man auch bei solchen Texten nur bei der eigenen Verantwortung bleibt? Abgründe tun sich hier auf, die einen erschaudern lassen. Weiterlesen

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„Alle hoffen, dass der Teufel jenseits des Meeres ist und wir Gott in der Tasche haben“

Book as Artifact, Artifact as Book: Part Four • Southwestern UniversityEigentlich ist es eine logische Schlussfolgerung von Luthers rigoroser Verteidigung von sola fide und sola gratia, dass man den Sinn des Gesetzes völlig in Frage stellt. So tat es auf jeden Fall auch Johannes Agricola, ein lutherischer Theologe, auf den Luther so viele Hoffnungen setzte, dass er ihn in seinem Heim in Wittenberg ließ, und sich von ihm selbst für Predigten und Vorlesungen vertreten ließ. Agricola war nun der Ansicht, dass die Predigt des Gesetzes für Christen unnötig ist, da man nun im neuen Bund, nämlich im Bund der Gnade lebt. Entsprechend gehören „das Gesetz Gottes bzw. die Zehn Gebote aus der Kirche (…) verstoßen und in das Rathaus (…)verwiesen;“

Wie aber sollte die Predigt des Evangeliums ohne Gesetz möglich sein? „Lieber Gott, kann man es denn nicht ertragen, dass die heilige Kirche sich als Sünderin erkennt, die an die Vergebung der Sünden glaubt und dazu im Vaterunser um die Vergebung der Sünden bittet? Woher weiß man aber, was Sünde ist, wenn es das Gesetz und das Gewissen nicht gibt? Und woher will man lernen, was Christus ist, was er getan hat für  uns, wenn wir nicht wissen sollen, was das Gesetz ist, das er für uns erfüllt hat, oder was Sünde ist, für die er an unserer Stelle genuggetan hat?“ Agricolas Vorschlag das Evangelium nur aus dem Trost der Tat Christi zu predigen, lehnt Luther entschieden ab.

Luther listet auf, wie wichtig das Gesetz für ein protestantisches Programm der Bildung und Erziehung eines Christen wichtig ist, auch verwurzelt im lutherischen Bekenntnis: „Und es wundert mich sehr, wie man mir unterstellen kann, dass ich das Gesetz bzw. die Zehn Gebote verwerfen wollte, wo es doch von mir so viele Auslegungen der Zehn Gebote und nicht nur eine gibt, die man in unseren Kirchen auch täglich predigt und lehrt, ganz zu schweigen von der Confessio Augustana und der Apologie und unseren anderen Büchern.“

Luther hält in seiner Schrift vehement fest, dass er sowohl Gnade, wie das Gesetz erhalten nebeneinander und zusammen erhalten möchte:

Für Luther geht es dabei nicht um Details. Eine Ablehnung des Gesetzes wäre Grund genug für ein Schisma: „Selbst wenn ich unterstelle, dass ich gelehrt oder gesagt hätte, man sollte das Gesetz nicht in der Kirche lehren – obwohl doch alle meine Schriften es anders zeigen und ich von Anfang an immer den Katechismus behandelt habe –, sollte man mir darum so stur anhängen? Oder sollte man nicht mir selbst widersprechen – da ich doch alle Zeit sehr anders gelehrt habe – und von mir selbst abfallen, wie ich es mit der Lehre des Papstes getan habe?“ Weiterlesen

Robert Letham
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Interview mit Robert Letham

Robert Letham

Robert Letham ist Professer für systematische und historische Theologie an der Union School of Theology in Wales. Er doziert zudem regelmäßig am Westminster Theological Seminary. Er ist Autor von  The Work of Christ (in der Reihe: Contours of Christian Theology), Union with Christ, The Holy Trinity. 2019 erschien seine Systematische Theologie. Letham hat sich für ein Interview mit uns bereit erklärt.

S.P.: Sehr geehrter Prof. Letham. Vielen Dank für die Zeit, die sie sich für unsere Fragen nehmen! Können Sie darüber berichten, wie Sie Christ wurden?

R.L.: Ich wuchs in einem christlichen Elternhaus auf, wurde jedoch erst im Alter von 19 Jahren getauft. Es gab keine ungewöhnliche oder dramatische Erfahrung dabei.

S.P.: Ihr letztes Werk war eine Systematische Theologie (Erschienen Ende 2019). Aufgrund der Tatsache, dass zahlreiche systematische Theologien verfügbar sind, was ist das Besondere an Ihrem Werk?

Es hat das Ziel katholisch zu sein und bindet Figuren der Kirchenväter, des Mittelalters, der Reformation und der Moderne unterschiedlichen Spektrums in die Betrachtung mit ein. Gleichzeitig versuche ich die Soteriologie (Die Lehre vom Heil) mit der Ekklesiologie (Die Lehre von der Kirche) zu verknüpfen, um dem Wort und den Sakramenten ihre Zentralität zu gewähren. Ich habe dabei explizit auf eine trinitarische Struktur geachtet und beginne mit einem langen Abschnitt über die Dreieinigkeit. Daraufhin betrachte ich jeden Abschnitt mit Bezug auf Gott und seine Werke in der Schöpfung, Vorsehung und Gnade. Ich habe die Dogmatik auf eine Weise verfasst, die sie für zahlreiche Menschen zugänglich macht: Mit einem umfangreichen Glossar, Fragen zum Selbststudium und weiterführenden Literaturempfehlungen. Auf diese Weise kann jeder Leser die Themen weiter erforschen.

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Fünf Finger zeigen zum Himmel

Sonnevelt: Fünf Finger zeigen zum Himmel - Sola Gratia MedienSeit Jahrhunderten tobt er, tausende von Seiten sind über ihn geschrieben und er war, ist und wird ein Dauerbrenner unter Christen bleiben: Gottes souveräne Gnadenwahl. Pfarrer Cornelius Sonnevelt ist es in seinem Büchlein „Fünf Finger zeigen zum Himmel“ gelungen, klar und einfach die Tatsachen der Bibel zu diesem Thema auf den Punkt zu bringen.

Sonnnevelt behandelt das sogenannte TULIP, die fünf zentralen Punkte des Calvinismus, und stellt die Lehre von der freien und souveränen Gnade in komprimierter Form vor. Dies ist umso wichtiger, denn „gerade auch heute wird die biblische Sicht über das souveräne Heilswirken Gottes nicht gern gehört, sogar von Teilen der evangelischen Christenheit offen negiert“.

Die Ausführungen des Autoren sind anschaulich, ansprechend und vor allem verständlich. Er argumentiert immer ausgehend von klaren Bibelstellen und scheut sich nicht, auch kritische Anfragen an das „Lehrsystem“ zuzulassen. Angenehm empfand der Rezensent den Tonfall, da er zwar bestimmend, aber nicht anklagend oder verletzen gegenüber anderen Sichtweisen ist… Weiterlesen auf lesendglauben.de

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Preis und Ehre dem dreieinigen Gott

Beim Lesen von Robert Lethams Werk über die Heilige Dreieinigkeit Gottes bin ich über diesen Auszug des Pfingstgebets der syrisch-orthodoxen Kirche Südindiens gestoßen. Diese Christen führen ihre Gründung auf die Missionsarbeit von Thomas zurück! Die vollständige Liturgie zu Pfingsten findet sich hier.  Typisch Ostkirche: „Gott, Erbarme dich meiner!“. Auch Typisch Ostkirche (laut Letham): „Die Dreieinigkeit ist zentraler für das Leben und die Anbetung der Gemeinde als im Westen“. Dieses Gebet bestätigt Lethams Annahme:

„Ehre sei Ihm, der unsichtbar, verborgen und über allem menschlichen Denken, Sinnen und Verständnis erhaben ist. Er, selbstexistent und selbstgenügsam, Schöpfer und Erhalter aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge hat keinen Anfang und wird immerdar ohne Ende bestehen. Der ewige, unvergängliche und unergründliche eine wahre Gott. Ein Wesen, eine Autorität und ein Wille des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. In ihm ist kein Name ohne eine Person und keine Person ist jünger oder älter als die andere Person, noch gibt es einen Wandel oder eine Veränderung einer Person, ob zum Wachstum oder zur Erniedrigung. Kein Name und keine Person ist jünger oder von der göttlichen Substanz getrennt. Wenn der „Vater“ sagen, dann kommen der Sohn und der Heilige Geist von ihm. Wenn wir „Sohn“ sagen, dann werden der Vater und der Heilige Geist durch Ihn erkannt. Wenn wir „Geist“ sagen, dann sind der Vater und der Sohn in ihm vollkommen. Der Vater ist der Schöpfer, ungeboren. Der Sohn ist geboren und gebiert nicht. Der Heilige Geist geht vom Vater aus und empfängt vom Sohn die Person (consubstantial) und das Wesen (co-essential) des Vaters. Ihm gebührt Ruhm, Ehre und Macht zu dieser Zeit der Pfingstfeier und zu allen Festen, Zeiten, Stunden und Zeitpunkten von nun an in allen Tagen unseres Lebens für immer.“

Ich entschuldige mich für eine schwache Übertragung, da dieses Gebet so zweimal übersetzt wurde. Dennoch spürt man auch so die Anbetung der Heiligen Dreieinigkeit.

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Neuanfang – von David Powlison

– Im Folgenden eine Rezension von meinem Freund und Bruder Viktor, der mir die Genehmigung erteilt hat, diese Besprechung auch hier zu veröffentlichen. Wie Viktor richtig hinweist, hat das Buch eine weitaus größere Zielgruppe als Opfer sexueller Übergriffe. Für mich persönlich war es in vielen Bereichen eine Hilfestellung – 

Ich möchte in diesem Artikel ein Buch von David Powlison empfehlen, in dem es sowohl um sexuelle Übertretung als auch um das dadurch entstandene Leid geht:

Manche Bücher sind mit der Absicht geschrieben worden, Menschen im Kampf gegen ihre unmoralischen sexuellen Impulse zu helfen. Andere Bücher verfolgen das Ziel, Menschen in ihrem Kampf gegen die Auswirkungen von sexueller Untreue, Belästigung und Gewalt zu helfen. Doch dieses Buch soll bewusst in beide Richtungen blicken. Sünde und Leid sind zwei grundlegend unterschiedliche Dinge. Was Sie tun und was Ihnen geschieht, könnte nicht unterschiedlicher sein. Doch beides vermischt sich in der DNA der menschlichen Natur. Alle menschliche Erfahrung ist von einer Doppelhelix der Finsternis durchzogen. Die meisten Bücher über sexuelle Heiligung behandeln das Problem der Sünde und widmen sich höchstens am Rande den äußeren Kräften, die verlocken oder quälen. Und in den meisten Büchern für Opfer sexueller Gewalt geht es nicht um Heiligung und nur am Rande um unseren instinktiven Unglauben und unseren Impuls, falsch zu reagieren, wenn uns schweres Unrecht angetan wurde. Doch in der Heiligung geht es sowohl um Übertretungen als auch im Leid, sowie um deren permanentes Wechselspiel. Das ist von entscheidender Bedeutung denn es trifft sowohl auf die Bibel wie auf das Leben zu. Seite 17f

Wen betrifft das Thema?

Als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, dachte ich zunächst, dass mich das Thema nicht wirklich betrifft. Doch je mehr ich las, desto mehr wurde mir klar: das Thema berührt auf die eine oder andere Art fast jeden Menschen. Der Kampf spielt sich nämlich auf den verschiedensten Ebenen ab, bei manchen sehr offensichtlich, bei anderen subtiler, fast unbemerkt. Weiterlesen

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Tal der Liebe

Tal der Liebe Günther wird mit großen körperlichen Problemen in der Zeit des ersten Weltkrieges geboren. Das ist eine Zeit, in der man kaum Zeit und Muße für die Schwächsten der Gesellschaft besitzt. Das Urteil der Mitmenschen, auch derer, die ihm helfen sollten, steht somit fest: „Der taugt zu nichts“. Die Mutter ist mit ihm überfordert und der Vater hat für ihn keine Zeit. Die Oma „kümmert“ sich um seine Betreuung. Aber sie schämt sich seiner derart, dass sie ihn in ein Zimmer sperrt. Somit kann Günther auch mit 6 Jahren noch keinen Laut von sich geben. Man schreibt ihn, nicht nur als körperlichen Krüppel, ab.  Als es Oma zu viel wird, landet der Junge in Bethel. Hier erfährt Günther zum ersten Mal Zuwendung, die unerwartet und zügig Früchte bringt. Bald schon stellt sich heraus, dass er ‚im Kopf“ völlig gesund ist, ja gerade zu übereifrig dabei ist, etwas Neues zu lernen. Zunächst im Heim für Geistig-Behinderte untergebracht, hört Günther zum ersten Mal das Evangelium. Bodelschwingh und seine Mitarbeiter schämen sich nicht der vielen körperlich und geistig Behinderten und verkündigen diesen das Evangelium auf eine Weise, dass es auch die „dumpfsten Geister erreicht“. Der wache Geist Günthers ist schnell erreicht. Erste Fragen tauchen auf. Woher kommt dieses ganze Elend? Warum hat „alles einen Knacks“. Zum Glück erfährt er die Nähe des Werkes Christi am Kreuz, das Bodelschwingh so erklärt, dass selbst „hoffnungslose“ Fälle das Evangelium verstehen. Behinderte und Krüppel loben Gott und erleben eine tiefe Freude, die vielen verborgen bleibt, die nicht „zu diesem Abschaum“ gehören. Berechtigt weißt die Autorin darauf hin, dass unklar bleibt, wer denn nun die wirklich Verrückten sind: Die im Heim, oder die außerhalb ? Weiterlesen

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„In deiner Gerechtigkeit erlöse mich“

„Nun fühlte ich mich ganz und gar neugeboren und durch offene Pforten in das Paradies selbst eingetreten. Da zeigte sich mir sogleich die ganze Schrift von einer anderen Seite. Von daher durchlief ich die Schrift, wie ich sie im Gedächtnis hatte, und las auch in anderen Ausdrücken die gleiche Struktur [analogia], wie: >das Werk Gottes<, d.h. was Gott in uns wirkt, >die Kraft Gottes<, mit der er uns kräftig macht, >die Weisheit Gottes<, mit der er uns weise macht, >die Stärke Gottes<, >das Heil Gottes<, >die Herrlichkeit Gottes<. Nun, mit wieviel Haß ich früher das Wort >Gerechtigkeit Gottes< gehaßt hatte, mit um so größerer Liebe pries ich dieses Wort als das für mich süßeste; so sehr war mir diese Paulusstelle wirklich die Pforte zum Paradies. Später las ich Augustins »De spiritu et littera«, wobei ich unverhoffterweise darauf stieß, daß auch er die Gerechtigkeit Gottes ähnlich interpretiert: [als die Gerechtigkeit], »mit der uns Gott bekleidet, indem er uns rechtfertigt«/1/. Und obwohl dies noch unvollkommen gesagt ist und Augustin von der Anrechnung [imputatio] nicht alles klar expliziert, gefiel es mir doch, daß die Gerechtigkeit Gottes gelehrt wird, mit der wir gerechtfertigt werden“

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Ein kleines Jubiläum…

Etwas verspätet, aber besser als nie:Ein Artikel zu einem mehrfachen Jubiläum meinerseits für NIMM-LIES (7 Jahre, 30-er Geburtstag & 200-er Artikel). Ich möchte der Frage nachgehen, wie meine Beziehung zur (christlichen) Literatur ist.

Ausgangslage

Zunächst die Frage: Warum lese ich? In den letzten Jahren, bin ich von einem rein pragmatischen Lesen – Gott sei Dank- immer mehr, wenn auch nicht vollständig abgekommen. Damit meine ich, dass man ein Buch nur ließt, weil gerade eine Themenvorbereitung für eine Bibelstunde ansteht, oder man Illustrationen für eine Predigt sucht. Immer mehr wird es zu meiner Motivation, den biblischen Text, oder sogar vielmehr das Wesen und das Handeln Gottes besser zu verstehen. Und es gibt hier vieles, was mich irritiert, wo mich die Bibel vollständig überfordert, ja schockiert, vieles scheint super verwirrend zu sein. Ich habe mich persönlich auch bei zu vielen illegitimen Verkürzungen im Zugang zum Wort Gottes erwischt! Das Motto „die konservativst-möglichste Auslegung wird schon die echte sein“ ist einfach nicht ausreichend und wird der Bibel nicht gerecht. Somit ergibt sich für mich auch die Literaturwahl: Historisches Material, um das Verständnis von 2000 Jahren Heiligengeschichte aufzunehmen, wird ergänzt durch Bibelkunde, Kommentaren und auch systematischer Theologie. Was nicht sagen soll, dass ich nicht immer noch gerne mal zu einem Klassiker säkularer Literatur greife.

Entwicklung

Nur um ein Beispiel dessen zu geben, was mich aktuell beschäftigt. Immer wieder fällt es mir schwer das AT zum NT zusammenzubringen. Warum z.B. ist so wenig über das Ewige Leben (und auch die Ewige Verdammnis) im AT zu finden. Hier findet ja ein schon krasser Umbruch im Thema statt zwischen den beiden Teilen der Bibel. Auch in Fragen der Dreieinigkeit und ihrer Offenbarung im AT habe ich Verständnisprobleme. Nun gibt es hier keine einfache Abkürzung. Man wird die Antwort nicht durch eine halbe Stunde Konkordanzblättern oder Bibelsoftware finden. Hier ist oftmals guter Rat teuer! Mit der Zeit schätzt man immer mehr die Literaturhinweise in Büchern und referenziert immer weitere Kreise um zu einer wirklich soliden Antwort vorzudringen. Vor allem aber ist man dankbar für Menschen, die mit einem guten Wink zur Seite stehen. Solche sind aber wirklich schwer aufzufinden, ich würde aktuell nur 4 Brüder nennen können, auf deren Literaturhinweis ich wirklich hören würde.

Folgen

Es ist zwar schwierig gewesen zu guten Antworten vorzudringen, aber nicht unmöglich und oftmals ging es leichter als ich dachte. Ich weiß noch welcher Stein mir vom Herzen fiel, als mir klar war, dass ich einen viel zu unbiblischen Dualismus im Bezug auf den Menschen vertrete. Kaum war dieses Hindernis beseitigt, wurden aus vielen Versen, die ich bisher als Anklage sah, eine Verheißung. Römer 8,1, ein Vers der mich bisher zu tiefst anklagte, – wann wandelte ich schließlich wirklich völlig nur geistlich und nicht seelisch – wurde zu einer der kostbarsten Perlen im Trostschatz der Bibel für mich!

Überhaupt ist die Entwicklung vor allem eine einigende. Ich habe mich zu oft dabei erwischt, dass ich Grenzen und Trennungen dort ansetzte, wo keine nötig waren, z.B. auch im Bezug des AT und NT zueinander. Als diese näher zusammenwuchsen (in meinem Geiste), wurden viele dunkle Stellen viel klarer. Auch die Beschäftigung mit der Dreieinigkeit, oder der völligen Menschheit und Gottheit Jesu, brachte an vielen Stellen Licht.

Kosten

Neben diesen köstlichen Segnungen gilt es die Kosten zu überschlagen, und diese sind zumindest für mich teuer genug. Schon als Kind wurde man als Bücherwurm belächelt, heute ist es aber vielmehr völlige Verachtung. Selbst die nächsten Verwandten schrecken bereits vor dem Bücherregal zurück, im Besten Fall wird es als unnötige Investition gewertet, im schlimmsten Fall steht man immer ein bisschen unter „Ketzerverdacht“. Im Allgemein gilt, dass eigentlich in der Bibel alles klar sei, man ja nur die Aufgabe hätte, das was man müsste in die Tat umzusetzen, und unsere „praktische“ Zeit sowieso keine Theoretiker braucht. Kurz: Wie man Bücher lesen kann, ohne als ein vollständiger Idiot zu gelten, ist mir völlig unklar. Aber am Traurigsten ist eigentlich vor allem, dass man kaum einen findet, mit dem man mal über das gelesene reden und nachdenken kann. Der Pragmatismus vor allem konservativer Evangelikaler belastet mich hier schon oft sehr. Insgesamt ist es aber ein Preis, denn es sich zu zahlen lohnt. Neben diesen äußeren Problemen liegt noch die innere Spannung der Prioritäten (Familie, Gemeinde, Nächstenliebe) vor. Hier ist Weisheit nötig, die mir oft mangelt. Neben diesen Kosten gilt es natürlich auch Zeit zu finden, was aber durchaus positive Folgen hat, denn ich denke es ist es wert auf die ein oder andere Fete, auf den ein oder anderen Film oder eine andere Freizeitbeschäftigung um eines Buches willen zu verzichten.

Gefahren

Ich erkenne in mir die Gefahr, mich über die Gleichgültigkeit anderer oftmals in unnötigen Maße aufzuregen. Eine Lösung dafür habe ich noch nicht gefunden.

Viel schlimmer ist jedoch die Gefahr des Relativismus. Man könnte geneigt sein, dass Autor A die Position X ja ganz gut darstellte, während B die Position X völlig entgegengesetzt schilderte, aber auch mit guten Argumenten. Die Wahrheit sei entsprechend entweder gar nicht oder irgendwo in einer mystischen Mitte, die aber nie zu treffen sei, zu finden. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob der Schaden hier vom vielen Büchermachen herrührt, oder von einer allgemein sehr gleichgültigen und opportunistischen Haltung gegenüber Wahrheit herrührt.

Hier sehe ich auch den Anschlusspunkt zu meinem Ausgangspunkt. Jesus ist die Wahrheit! Natürlich werde ich Jesus nie ganz erfassen, und doch kann ich mehr von ihm lernen. Dabei werde ich und muss ich mich korrigieren lassen, den ein weiter Blick zeigt mir eine neue Facette ein neues Detail dieser Wahrheit. Die alten Bekenntnisse haben dieses Kreisen um die Wahrheit in Christus immer wieder wunderbar auf den Punkt gebracht.

Hier sehe ich auch meine Mission in der Mitarbeit für NIMM-LIES: Auf Christus hinweisen, meine Neuentdeckungen in seinem Wesen, seinem Handeln, seinen Ämtern und seinem Ratschluss hinzuweisen.

Einschätzung und Appell

Wenn ich auf meine 200 Artikel zurück blicke, dann bin ich eher schockiert davon, dass mir wirklich gute Rezensionen eher selten gelangen. Ich halte mich für keinen guten Rezensenten, aber ich habe die Arbeit gemacht. Das sehe ich als Appell an unsere Leser! Unterstützt uns, schickt uns eure Rezensionen! Schreibt selber welche bei Amazon! Je mehr gutes Material im Web, desto besser. Persönlich aber profitierte ich sehr. Schreiben ist unglaublich förderlich. Gedanken auf Papier zu bringen, herausfordernd. Es erhöht die Selbstkritik und den Blick auf die Sachen und hat schließlich den positiven Effekt eines abschließenden Buchreviews.