Alle Artikel von “Sergej Pauli”

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Walfisch, Rizinus und Niniveh

Für eine Andacht über das Gebets Jonas, habe ich mich durch etwas Material gebohrt. Eine kurze Auflistung:

The Prodigal Prophet: Jonah and the Mystery of God's Mercy„The Prodigal Prophet“ von Tim Keller, habe ich als Hörbuch bei Audible angehört. Keller hat nach eigener Aussage drei mal über das Buch Jona gepredigt und verfasste das Buch auf Wunsch seiner Frau. Vorteil des Werkes: Ausführlicher Anhang, in dem Jona thematisch, biblisch theologisch betrachtet wird. Nachteil: Ich denke Keller zieht am Schluß doch zu schnell Sprünge zu unserer Zeit. Dies kann aber auch am Fehlen der Fußnoten in der Hörbuchfassung liegen. Hier bezieht Keller zahlreiche weitergehende Kommentare mit ein.

Übrigens: Im Predigt Podcast von Keller findet sich auch eine Predigt über Jona aus den 90ern Jahren. Zusätzlich zum „Prodigal Prophet“, kann man so auch eine Entwicklung des Themas bei Keller betrachten. Eine aktuellere Predigt findet sich in youtube.

Wenn wir schon bei Predigten sind. Der Vierteiler von Dick Lucas über Jonah schien mir den größten Tiefgang zu besitzen. Lucas bleibt wirklich hartnäckig dabei, den Konflikt Jonas und Gottes Handeln mit diesem ungehorsamen Propheten zu verfolgen. Die Links zu den vier Teilen finden sich hier bei monergism. Weiterlesen

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Rezension: „Preaching?“ von Alec Motyer

Alec Motyer mausert sich zunehmend zu meinem Lieblingsanglikaner. Auf den 2016 verstorbenen Theologen bin ich übrigens durch Tim Keller aufmerksam geworden, der Motyer nebst Clowney zu den Menschen listet, die ihn als Prediger am meisten geprägt haben. Motyer dürfte mit Sott und Packer zu den bedeutendsten Evangelikalen Anglikanern des 20ten Jahrhunderts zählen, ist aber offensichtlich in Deutschland nur wenig bekannt. Auf jeden Fall ist dieses kurze Werk (mit dem leider wenig ansprechenden Cover) eine wertvolle Hilfe nicht nur für angehende Prediger, sondern für jeden, der nach Wegen sucht, seinen Nächsten biblische Texte besser zu erklären. Trotz seiner Kürze bleibt das Werk sehr umfassend. Motyer legt sich nicht auf einen bestimmten Predigtstil fest und befürwortet sowohl Predigten über ganze Bibelbücher, über thematische Wortstudien oder über biblische Personen. Dabei bespricht er sechs Methoden, wie er vom Bibeltext zur Predigt kommt. Was er auf jeden Fall ablehnt ist, das man bloß nach einem biblischen Text sucht, der als „Sprungrampe“ für ein Thema dient, welches man sich eigentlich schon längst ausgesucht hat, und das meistens nur wenig mit dem eigentlichen Text zu tun hat.

Etwas also, was sicherlich jeder schon zur Unmenge erlebt hat und was dringend anders gemacht werden sollte.  Hier blickt der Autor auf über 50 Jahre Erfahrung als Prediger zurück und berichtet von zahlreichen persönlichen Begegnungen und Erlebnissen.  Immer wieder wird deutlich, dass gute Predigt dazu führen wird, dass die Zuhörer motiviert werden, sich selbstständig mit der Bibel auseinanderzusetzen.  Dadurch dass der Autor jedes seiner Schritte mit zahlreichen Beispielen (und Notizen) aus eigener Arbeit illustriert, wird deutlich, dass Motyer wirklich ein Mensch war, der „das Wort Gottes geliebt hat“. Das Buch schließt mit einer Reihe von wöchentlichen Lesetexten, die Motyer als tägliche „Lese-Hausaufgaben“ im Rahmen seiner Predigten für seine Gemeinde erstellt hat. Weiterlesen

Robert Letham
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Interview mit Robert Letham

Robert Letham

Robert Letham ist Professer für systematische und historische Theologie an der Union School of Theology in Wales. Er doziert zudem regelmäßig am Westminster Theological Seminary. Er ist Autor von  The Work of Christ (in der Reihe: Contours of Christian Theology), Union with Christ, The Holy Trinity. 2019 erschien seine Systematische Theologie. Letham hat sich für ein Interview mit uns bereit erklärt.

S.P.: Sehr geehrter Prof. Letham. Vielen Dank für die Zeit, die sie sich für unsere Fragen nehmen! Können Sie darüber berichten, wie Sie Christ wurden?

R.L.: Ich wuchs in einem christlichen Elternhaus auf, wurde jedoch erst im Alter von 19 Jahren getauft. Es gab keine ungewöhnliche oder dramatische Erfahrung dabei.

S.P.: Ihr letztes Werk war eine Systematische Theologie (Erschienen Ende 2019). Aufgrund der Tatsache, dass zahlreiche systematische Theologien verfügbar sind, was ist das Besondere an Ihrem Werk?

Es hat das Ziel katholisch zu sein und bindet Figuren der Kirchenväter, des Mittelalters, der Reformation und der Moderne unterschiedlichen Spektrums in die Betrachtung mit ein. Gleichzeitig versuche ich die Soteriologie (Die Lehre vom Heil) mit der Ekklesiologie (Die Lehre von der Kirche) zu verknüpfen, um dem Wort und den Sakramenten ihre Zentralität zu gewähren. Ich habe dabei explizit auf eine trinitarische Struktur geachtet und beginne mit einem langen Abschnitt über die Dreieinigkeit. Daraufhin betrachte ich jeden Abschnitt mit Bezug auf Gott und seine Werke in der Schöpfung, Vorsehung und Gnade. Ich habe die Dogmatik auf eine Weise verfasst, die sie für zahlreiche Menschen zugänglich macht: Mit einem umfangreichen Glossar, Fragen zum Selbststudium und weiterführenden Literaturempfehlungen. Auf diese Weise kann jeder Leser die Themen weiter erforschen.

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Standardwerk zur Heiligen Dreieinigkeit Gottes

The Holy Trinity: In Scripture, History, Theology, and Worship (English Edition) von [Robert Letham]Ich glaube in der letzten Zeit hat mich kaum ein Thema mehr beschäftigt als die Dreieinigkeit. Es gab hier so viel Unklarheit, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen konnte. Einige Beispiele. Im Grunde genommen wäre das Modell das ich aus der Dreieinigkeit zeichnen würde in etwa so etwas wie eine „Zweieinigkeit“ von Vater und Sohn + einem in irgend einer Weise untergeordneten Heiligen Geist. Ehrlich gesagt kenne ich auch kaum einen aus dem konservativen Milieu der nicht in irgend einer Weise die Subordination des Sohnes lehren würde.

Der Sohn weiß ja schließlich nicht, wann das Ende der Zeiten anbrechen soll (Mt. 24,36). So ein Modell endet schließlich im Tritheismus: Die Lehre von drei göttlichen Wesen, die sich zudem im Umfang ihrer Göttlichkeit unterscheiden würden. Ein klarer Verstoß gegen die Einheit Gottes, die an so vielen Stellen der Schrift gelehrt wird. Zudem muss man eingestehen, dass die Dreieinigkeit so gut wie keine Rolle im Evangelikalismus spielt. Man wird zwar im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft, aber das die Dreieinigkeit das typisch christliche Element unserer Gotteslehre ist (z. B. im Vergleich zum Judentum, nicht nur zum Islam) wird in der Anbetung viel zu selten  ausgearbeitet. Mir ist es geradezu peinlich, wie viele Jahre ich die Omas in der Gemeinde, die ihre Gebete mit „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ beendeten, mit schrägen Blicken anblickte, im Verdacht, es wäre noch ein Restkatholizismus in ihrer Pietät enthalten. Weiterlesen

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Monatliche Auslese

Jakob Haddick ist Pastor und äußerst fleißiger Leser. Monatlich veröffentlicht er Kurz-Rezensionen auf gelesene Bücher. Eine gute Quelle um Impulse für neues Lesematerial zu finden. In Zukunft wollen wir auf NIMM-LIES regelmäßig auf seine Hinweise verweisen.

Im Juli 2020 bestand seine Lektüre aus:

  • Bernhard Ott: Handbuch Theologische Ausbildung
  • John Lennox: Vorher bestimmt?
  • Laura Vanderkam: Juliet’s School of Possiblities
  • Barbara Oakley: Mindshift

Zum Artikel geht es hier lang.

 

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Gottes Vorsehung im alltäglichen Leben

Gott sorgt sich umfassend um seine Schöpfung. Alle unsere Haare sind aktiv durchnummeriert und kein Sperling wird von einer Katze gefressen, ohne dass Gott es will. Auf der einen Seite sehen wir also Gottes ausgezeichnete und erstklassige Fürsorge für seine Schöpfung. Zwei Themen auf unserer Seite drängen sich dann beim Nachdenken über Gottes souveräne Vorsehung automatisch auf: Gebet und Leid. Wir beten, weil wir wissen, dass Gott uns hört, und doch weiß Gott, was wir bedürfen, bevor wir ihn bitten. An vielen Stellen ermutigt uns die Schrift, auch in der bitteren Vorsehung des Leids die liebende Hand Gottes zu wissen. Und doch macht so vieles an unserem Leid überhaupt keinen Sinn. Entsprechend hat Carson in beiden Büchern ein sehr ähnliches Kapitel darüber, was er als Vereinbarkeitsthese bezeichnet. Carson meint damit, dass folgende beide Aussagen wahr sind, auch wenn wir uns nicht erklären können, wie sie miteinander übereinstimmen können:

Donald A. Carson: Lernen, zu beten - 3L Verlag„1. Der allmächtige Gott waltet souverän und frei, doch wirkt sich seine Herrschaft niemals so aus, dass dabei die Verantwortung des Menschen beschnitten, minimiert oder gänzlich aufgehoben würde.

2. Menschen sind moralisch  verantwortliche Wesen – sie treffen sinnvolle Entscheidungen, rebellieren, gehorchen, glauben, widersetzen sich usw. und werden zu Recht für diese Handlungsweisen verantwortlich gemacht: Dies wirkt sich jedoch nie so aus, dass Gott dadurch eingeschränkt würde.“ (Ach, Herr, wie lange noch – S. 197)“

Ich empfehle die Lektüre beider Bücher, die zwar Thematisch wie mit einer Klammer zusammengehalten werden, aber literarisch ziemlich unterschiedlich umgesetzt wurden. Weiterlesen

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Christus ist das Haupt der Kirche, nicht Cäsar

Wilfried Plock hat mich auf diese legendäre Aktion von John F. MacArthur aufmerksam gemacht. Danke dafür!

Die Reaktion der GCC (Grace Community Church) ist angesichts der aktuell veranlassten unbefristeten und vollständigen Versammlungsverbote in Kalifornien nachvollziehbar:

Das erste Versammlungsverbot für Großveranstaltungen (eingeschlossen Gottesdienste) galt, ähnlich wie in Deutschland, für April/Mai diesen Jahres. Dabei wurde vorausgesetzt, dass die neu erlassenen Regelungen zeitlich befristet sind und schrittweise gelockert werden. Im Juni und zu Beginn des Juli konnten Gottesdienste unter besonderen Maßnahmen wieder stattfinden. Das nachfolgende Statement bezieht sich auf eine erneute, zweite Sperre, die im Juli erlassen wurde und nun speziell und unbefristet jegliche Ausübung von Religions-veranstaltungen, einschließlich Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen, in Kalifornien verbietet.

Die GCC stellt in ihrer Stellungsnahme klar:

„Die biblische Verpflichtung für unsere Kirchen offen zu bleiben Christus ist Herr über alles. Er ist das einzige wahre Haupt der Kirche (Epheser 1,22; 5,23; Kolosser 1,18). Er ist der König der Könige – Herrscher über jede irdische Autorität (1.Timotheus 6,15; Offenbarung 17,14; 19,16). Die Grace Community Church steht seit jeher unerschütterlich auf diesen biblischen Prinzipien. Als sein Volk sind wir seinem Willen und seinen Geboten unterworfen, wie sie in der Heiligen Schrift offenbart werden. Deshalb können und wollen wir eine von der Regierung auferlegte Sperre unserer wöchentlichen Gemeindegottesdienste oder anderen regelmäßigen gemeinsamen Versammlungen nicht hinnehmen. Eine Einwilligung wäre Ungehorsam gegenüber den klaren Geboten unseres Herrn.

Vielleicht denkt mancher, dass eine solch konkrete Aussage in direkten Widerspruch zu dem in Römer 13 und 1. Petrus 2 dargelegten Gebot steht, sich regierenden Autoritäten zu unterwerfen. Die Heilige Schrift gebietet einen sorgfältigen, gewissenhaften Gehorsam gegenüber allen regierenden Autoritäten, einschließlich Königen, Präsidenten, Arbeitgebern und ihren Bevollmächtigten (d.h., um es mit den Worten des Petrus zu sagen: „nicht allein den guten und gelinden, sondern auch den verkehrten“ [1. Petrus 2,18, Elbefelder 1905]). Soweit die Regierungsbehörden nicht versuchen, kirchliche Autorität auszuüben, oder Befehle zu erteilen, die unseren Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen verbieten, ist ihrer Autorität zu gehorchen, ob wir nun mit ihren Entscheidungen einverstanden sind oder nicht. Mit anderen Worten: Römer 13 und 1. Petrus 2 binden immer noch das Gewissen des einzelnen Christen. Wir sollen unseren irdischen Autoritäten gehorchen, da diese von Gott selbst eingesetzt sind.

Doch obwohl die zivile Regierung mit göttlicher Autorität ausgestattet ist um den Staat zu regieren, gewährt keiner der oben zitierten Texte (und auch kein anderer) den irdischen Machthabern die Rechtshoheit über die Kirche. Gott hat drei Institutionen innerhalb der menschlichen Gesellschaft geschaffen: die Familie, den Staat und die Kirche. Jede Institution hat ihren eigenen Autoritätsbereich mit Zuständigkeitsgrenzen, die respektiert werden müssen. Die Autorität eines Vaters ist auf seine eigene Familie beschränkt. Die Autorität der Kirchenführer (die ihnen von Christus übertragen wurde) ist auf kirchliche Angelegenheiten beschränkt. Und die Regierung ist speziell mit der Aufsicht und dem Schutz des bürgerlichen Friedens und Wohlergehens innerhalb der Grenzen einer Nation oder Gesellschaft betraut. Gott hat den irdischen Machthabern keine Autorität über die Lehre, die Praxis oder die Gestalt der Gemeinschaft in der Kirche verliehen. Der biblische Ordnungsrahmen beschränkt die Autorität jeder Institution auf ihre spezifische Zuständigkeit. Die Kirche hat nicht das Recht, sich in die Angelegenheiten einzelner Familien einzumischen und die elterliche Autorität zu ignorieren. Eltern haben nicht das Recht, öffentliche Angelegenheiten unter Umgehung der zuständigen staatlichen Beamten zu regeln. Und ebenso wenig haben Regierungsbeamte das Recht, sich in kirchliche Angelegenheiten in einer Weise einzumischen, welche die von Gott verliehene Autorität von Pastoren und Ältesten untergräbt oder missachtet…“ Weiterlesen hier.

Hier findet sich die Stellungnahme auf der Homepage der Gemeinde. Es ist möglich, diese mit seiner Unterschrift zu unterstützen.

In der Zwischenzeit hat man der GCC  übrigens angedroht den Strom abzuschalten, und bald danach das Wasser, um kirchliche Versammlungen unmöglich zu machen, falls sich die Kirche nicht den Sperren beugt. (siehe twitter posts bei GCC’s Pastor Phil Johnson)

 

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Wo ist bloß die Vorsehung hin?

Immer wenn ich ein systematisches Thema aus mennonitisch-evangelikaler Sicht betrachten möchte, greife ich zur  Biblischen Glaubenslehre von Thiessen. Kein Wunder, ist doch dieses Buch Pflichtlektüre auf dem Laien-Prediger Seminar einer recht großen evangelikalen Vereinigung (Stichwort: Friedensstimme). So musste auch ich zu diesem Werk greifen und (obwohl die Laienkurse einige Jahre her sind) erschüttert mich ein bestimmter Punkt an diesem Werk in besonderer Weise. Tatsächlich finde ich zahlreiche problematische Punkte in Thiessens Systematik, ob nun die ohne Besprechung einfach übernommene Trichotomie des Menschen oder die doch abenteuerlichen Spekulationen über die Endzeit. Doch diese Punkte verblassen, wenn man realisiert, dass der Autor einfach darauf verzichtet, über Gottes Vorsehung zu reden.

Egal wie ich die Sache drehe und betrachte, ich kann mir einfach keinen Reim darüber machen, wie Thiessen in seiner Glaubenslehre einen derart wichtigen Lehrpunkt wie die „Lehre von der Vorsehung“ übersehen konnte (Eine Definition von „Vorsehung“ findet sich in einem Essay von Paul Helm). Weiterlesen

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„Es gibt zahlreiche Probleme mit der zeitgenössischen Literatur“

Leland Ryken ist Professor Emiritus am Wheaton College. Er ist Experte für Milton, Puritaner und britische Literatur. Er ist Autor zahlreicher Werke über das Studium klassischer Literatur aus christlicher Perspektive und arbeitete an der English Standard Version, einer englischen Bibelübersetzung mit. Bekannt ist er zudem als Liebhaber von Lewis, wie auch als Biograph von J.I.Packer. Professor Ryken hat sich freundlicherweise bereit erklärt, unsere Fragen ausführlich zu beantworten.

  1. Wann begann Ihre Leidenschaft für Literatur?

Meine Leidenschaft für Literatur begann in der Kindheit. Ich komme aus einer sehr einfachen Bauernfamilie mit niederländischem Migrationshintergrund. Keiner meiner Eltern hat die Grundschule beenden können, weil sie auf dem Hof arbeiten mussten. In meinen ersten Lebensjahren waren Fernseher noch nicht üblich. Lesen war das einzige Vergnügen und meine Eltern und meine ältere Schwester waren leidenschaftliche Leser, so dass ich einfach ihrem Beispiel folgte. Bezüglich meiner nun fünfzigjährigen Laufbahn als Literaturdozent wurde ich einfach in diese Richtung gezogen, weil meine Schwester geplant hat, Englischlehrerin an einer High School zu werden. Ich kann mich nicht erinnern, mich bewusst für eine Berufung entschieden zu haben; es entwickelte sich einfach so, wie die göttliche Vorsehung mein Leben gestaltete.

  1. Wie kann ein Christ von Literatur profitieren?

Ich unterteile dieses Thema üblicherweise in drei Teile, basierend auf der dreifachen Aufgabe eines Schriftstellers. Die erste Aufgabe ist die Aufzeichnung oder Darstellung menschlicher Erfahrung. Das Thema der Literatur ist menschliche Erfahrung und die Wahrheit, die Literatur auf dieser Ebene vermittelt, ist Lebenswirklichkeit. Literatur als Ganzes ist das Zeugnis der Menschheit über ihre eigene Erfahrung. Ein praktischer Vorteil, Literatur zu lesen, ist, dass wir dazu geführt werden, menschliche Erfahrung zu betrachten. Während wir diese Erfahrung auf diese Weise betrachten, fangen wir an, sie klarer zu erkennen. Ich bezeichne es als Wissen in Form von richtigem Erkennen.

Zweitens zeichnen Schriftsteller menschliche Erfahrung nicht nur auf, sondern bieten auch Interpretationen derselben an. Das Ergebnis ist, dass Literatur Ideen oder Themen plastisch werden lässt. Diese Ideen können entweder richtig oder falsch sein, somit müssen wir uns mit den Wahrheitsansprüchen in einem Literaturwerk auseinandersetzen. Selbst wenn ein bestimmtes literarisches Werk der Wahrheit, wie sie der christliche Glaube vertritt, nicht gerecht wird, ist der Prozess der Abwägung des Wahrheitsanspruchs eines Werkes selbst ein Antrieb für unser eigenes Nachdenken über die Ideen, die uns vorgelegt werden.

Die dritte Aufgabe des Autors ist die Erschaffung von literarischer Form, Schönheit und Technik zu unserer Freude und Bewunderung zu kreieren. Gott will, dass wir Schönheit in unserem Leben haben. Wir müssen gute Verwalter sowohl unserer Freizeit als auch unserer Arbeit sein.  Die Freizeit kann eine Wachstumszeit für den menschlichen Geist sein und das Lesen von Literatur bietet dafür gute Möglichkeiten.

  1. Sie sind in besonderer Weise von den Puritanern eingenommen. Warum?

Ich wurde durch meine literarische Laufbahn zu einem Kenner der Puritaner. Mein Spezialgebiet in meinem Beruf als Literaturprofessor ist die Lyrik von John Milton, dem Autor des Epos „Paradise Lost“. Milton war Puritaner. Damit war der Grundstein für meine schriftstellerische Karriere gelegt. Eine Veröffentlichung über die Puritaner führte zur nächsten. Dann veranlasste mich Gott, in großen Dimensionen zu denken und so schrieb ich ein ganzes Buch über die Puritaner.  Es wurde unter dem Titel Worldly Saints: The Puritans as They Really Were[1] veröffentlicht. Als sich der Kreis schloss, wandte ich mein Wissen über die Puritaner wieder auf Milton an und wurde zu einem Spezialisten der puritanischen Aspekte seiner Poesie, insbesondere der Sonette.

  1. Wie haben Sie von C.S. Lewis profitiert?

A Reader's Guide to Caspian: A Journey into C. S. Lewis's Narnia (English Edition) von [Leland Ryken, Marjorie Lamp Mead]Ich möchte meine Antwort mit der Bemerkung einleiten, dass ich bei der Zusammenstellung der Verzeichnisse meiner Bücher über Literatur aus christlicher Perspektive feststelle, dass es für C. S. Lewis mehr Einträge gibt als für jeden anderen Autor.  Manchmal, wenn ich vor einer Klasse stehe und im Begriff bin, C. S. Lewis zu zitieren, frage ich: „Wer sagte das?“. Die Standardantwort lautet dann: „C. S. Lewis“.  C. S. Lewis hat einfach so viele gute Dinge über Literatur und das christliche Leben gesagt und er hat sie so gut gesagt, dass es nur natürlich ist, sich ständig auf ihn zu berufen.  Es war in meinem Leben eine Fügung der Vorsehung, dass mir genau die richtigen Lewis-Bücher und -Essays genau zur richtigen Zeit vorlagen.

  1. Sie haben eine Biographie über J.I. Packer geschrieben. (1) Warum haben Sie gerade ihn gewählt? (2) Was kann die heutige Kirche von ihm lernen?

Die Antwort auf Ihre zweite Frage, was Christen von Packer lernen können, ist die gleiche wie die, die ich gerade über C. S. Lewis gesagt habe, nämlich, dass er in vielen christlichen Fragen das Richtige gesagt hat und zwar mit ungewöhnlicher Klarheit.

Meine erste Begegnung mit J. I. Packer kam zustande, als ich als Teenager in einen christlichen Buchladen in meiner Heimatstadt ging (ich lebte tatsächlich auf einem Bauernhof fünf Meilen von der Stadt entfernt) und durch Gottes Vorsehung veranlasst wurde, ein Taschenbuchexemplar von dem zu kaufen, was, wie ich später erfuhr, Packers erstes veröffentlichtes Buch war.  Es trug den Titel Fundamentalism and the Word of God[2]. Bis zum heutigen Tag halte ich es für eines der fünf einflussreichsten Bücher in meinem Leben. Jahre später, als ich mit meinem Buch über die Puritaner zum Abschluss kam, schrieb The ESV and the English Bible Legacy (English Edition) von [Leland Ryken]ich an Packer und bat ihn, ein Vorwort dafür zu schreiben.  Zu meinem Erstaunen stimmte er zu. Viel später arbeitete ich mit Packer im Übersetzungskomitee der Englisch Standard Version (ESV) mit. Als ich mit Packer zwei Tage damit verbrachte, die Notizen durchzugehen, die er zur Manuskriptversion meiner Biografie über ihn geschrieben hatte, kannte ich ihn bereits persönlich und durch seine Schriften.

  1. Was ist in Ihren Augen der Hauptmangel zeitgenössischer Literatur?

Es gibt zahlreiche Probleme mit der zeitgenössischen Literatur. Vieles davon ist zu verwirrend, als dass sie gelingen könnte. Gleichzeitig ist vieles davon propagandistisch und ermangelt an künstlerischem Können. Fast alle gegenwärtige Literatur ist ein anhaltender Angriff auf die christliche Moral und den christlichen Glauben. Wenn wir Filme, visuelle Medien und die Kategorie der Popkultur darunter einschließen, werde ich nicht zögern zu sagen, dass ich die meisten gegenwärtigen Werke für billig und geschmacklos halte.

  1. Warum gibt es heutzutage so wenig kreative Literatur von Evangelikalen?

Es gibt keinen Mangel an Literatur, die von Evangelikalen verfasst wird, aber die Verlagslandschaft ist so breit gefächert und vielfältig, dass es für einzelne Werke schwierig ist, eine Position der Sichtbarkeit und Akzeptanz zu erreichen. Es ist auch wahr, dass wenig aktuelle christliche Literatur mit den großen Werken der Vergangenheit mithalten kann. Das ist ein guter Anlass, Literatur der Vergangenheit nach Herzenslust zu lesen.


Download der Antworten im Englischen.

[1] Zu deutsch etwa: Weltliche Heilige – Wie die Puritaner wirklich waren.

[2] Zu deutsche etwa: Fundamentalismus und das Wort Gottes