Alle Artikel von “Sergej Pauli”

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10 + 1 Fragen an Karl Heinz Vanheiden

Karl Heinz Vanheiden dürfte vor allem für seine Arbeit an der Neuen evangelistischen Übersetzung bekannt sein. Daneben veröffentlichte er weitere Eigene Werke, wie das gemeinsam  mit Werner Gitt entstandene evangelistische und evolutionskritische Buch „Wenn Tiere reden könnten.“

  1. Wie kamen Sie dazu Bücher zu schreiben?

Als Beauftragter für Jugendarbeit in den Brüder-Gemeinden musste ich Material für Mitarbeiter in Jugendfreizeiten erarbeiten, das dann vervielfältigt wurde. So kam ich in der Zeit der DDR zum Schreiben. Dann gab es einen Versuch, ein evangelistisches „Traktat“ zu verfassen, das allerdings zuerst „im Westen“ gedruckt wurde, bevor es in der DDR erscheinen konnte. Durch kurze Artikel in der Gemeindezeitschrift der Baptisten „Wort und Werk“, deren Innenteil die Brüder-Gemeinden gestalten durften, war ich gezwungen sorgfältig zu formulieren.

Unter Christen aus Freikirchen und der Gemeinschaftsbewegung in der DDR wurde eine von mir verfasste Stellungnahme zum Biologielehrbuch der 10. Klasse (gegen die dortige Evolutionslehre) häufig kopiert. Kurz vor der „Wende“ schrieb ich eine Geschichte über ein Tier – ich weiß nicht mehr welches – vielleicht war es der Spatz oder der Regenwurm oder der Maulwurf, die von dem Wunderwerk ihrer Schöpfung erzählten und die Evolutionstheorie auf die Schippe nahmen. Daraus entstand später zusammen mit Werner Gitt das Buch „Wenn Tiere reden könnten“, das viele Auflagen erlebte und in viele Sprachen übersetzt wurde. Weiterlesen

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Blog: challies.com

Ich bin diese Tage auf den sehr interessanten Blog von Tim Challies gestoßen.

Zunächst einmal ist die Menge wirklich überwältigend und ich habe den „Fehler“ begangen mich für den Newsletter anzumelden. Nun kommt tatsächlich täglich eine Mail mit sehr vielen unterschiedlichen Infos. Manchmal sind es nur Zusammenstellungen von unterschiedlichen Beiträgen und Artikeln von anderen Blogs, was schon äußerst hilfreich, weil man durch die kurze Indizierung sehr schnell filtern kann, was einen gerade interessiert.

Besonders beeindruckt mich die Bandbreite seiner persönlichen Artikel. So erschien in kurzer Abfolge ein Artikel über Joel Osteen, eine interessante Überlegung zum Thema „Krieg und Anbetung“, und eine Betrachtung über die Salonfähigkeit von Pornographie.

Der Autor ermutigt seine Leser ihm Leserbriefe zu schreiben, welche er dann auch teilweise ebenfalls veröffentlicht.

Challies scheint auch ein Liebhaber des Schönen zu sein, so sind seine Bilder auf Instagram sehr hochwertig.

Schließlich erstellt er regelmäßig Wallpaper mit Zitaten, ein Beispiel findet sich als Beitragsbild.

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Tipp: Der Große Katechismus

Das sind die nötigsten Stücke, die man zuerst Wort für Wort herzusagen lernen muß. Und zwar soll man die Kinder daran gewöhnen, dass sie täglich, wenn sie morgens aufstehen, wenn sie zu Tisch gehen und wenn sie sich abends schlafen legen, es aufsagen müssen, und man soll ihnen nicht zu essen und zu trinken geben, bis sie es hergesagt haben. Auch ist jeder Hausvater verpflichtet, es in gleicher Weise mit dem Gesinde, Knechten und Mägden zu halten: er soll sie nicht bei sich behalten, wenn sie es nicht können oder nicht lernen wollen.

In typischer lutherischer Manier fängt der große Katechismus an. Die nötigsten Stücke sind dabei die zehn Gebote, das (apostolische Glaubensbekenntnis) und das Vater Unser.  So ist auch der Große Katechismus nicht mehr und nicht weniger als die Erklärung dieser „nötigsten Stücke“. Ich denke auch unsere Zeit hätte mehr Besinnung auf „Kinderunterricht“ oder Wahrheiten, die jedes Kind wissen sollte nötig. Wie oft sind wir uns in Fragen des Heils unsicher. Wie oft werden ethische Fragen mit Glaubensartikeln verwechselt. Wie oft fehlt uns auch die Kraft eine rechte Bewertung zwischen Recht und Unrecht zu fällen. So schließt auch Luther seine Besprechung der Zehn Gebote mit dieser Anmerkung ab:

So haben wir nun die Zehn Gebote, einen Auszug göttlicher Lehre, was wir tun sollen, daß unser ganzes Leben Gott gefalle, und den rechten Born und Kanal, aus und in welchem alles quellen und gehen muß, was gute Werke sein sollen; so daß außer den Zehn Geboten kein Werk noch Wesen gut und Gott gefällig kann sein, es sei so groß und köstlich vor der Welt, wie es wolle. Laß nun sehen, was unsere großen Heiligen von ihren geistlichen Orden und großen, schweren Werken rühmen können, die sie erdacht und aufgeworfen haben und diese hier haben fahren lassen, gerade als wären diese viel zu gering oder schon längst ausgerichtet. Ich meine wenigstens, man sollte hier alle Hände voll zu schaffen haben, daß man diesehielte: Sanftmut, Geduld und Liebe gegen Feinde, Keuschheit, Wohltat usw. und was solche Stücke mit sich bringen. Aber solche Werke gelten und leuchten nicht vor der Welt Augen, denn sie sind nicht selten und aufgeblasen, an besondere eigene Zeit, Stätte, Weise und Gebärde geheftet, sondern allgemeine, tägliche Hauswerke, die ein Nachbar gegen den andern treiben kann, darum haben sie kein Ansehen. Jene aber sperren (den Menschen) Augen und Ohren auf, dazu helfen sie selbst mit großem Gepränge, Unkosten und herrlichem Bauwerk und schmücken sie hervor, daß alles gleißen und leuchten muß. Da räuchert man, da singet und klinget man, da zündet man Kerzen und Lichte an, daß man vor diesen keine andere hören noch sehen könne. Denn daß da ein Pfaff in einem goldenen Meßgewand steht oder ein Laie den ganzen Tag in der Kirche auf den Knien liegt, das heißet ein köstlich Werk, das niemand genug loben kann. Aber daß ein armes Maidlein eines jungen Kindes wartet und treulich tut, was ihr befohlen ist, das muß nichts heißen Was sollen sonst Mönche und Nonnen in ihren Klöstern suchen?
[Martin Luther: Der große Katechismus (1529). Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 1819
(vgl. Luther-W Bd. 3, S. 75-76) (c) Vandenhoeck und Ruprecht
http://www.digitale-bibliothek.de/band63.htm ]

Prädikat: Besonders Wertvoll!

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Tipp: Der Untergang des christlichen Abendlandes

Ouweneel scheint in den Kreisen der „Brüder“ durchaus umstritten zu sein. Aber selbst die größten seiner Kritiker finden noch Anerkennendes über sein Frühwerk.

Eines davon trägt den durchaus provozierenden Titel: „Der Untergang des Christlichen Abendlandes“ und ich würde das Buch als leichten Einstieg zu Schaeffers ausführlich gestalteter Analyse „Wie können wir denn Leben?“ sehen.  Ich fand das Buch neulich in meinem Bücherregal und habe die 60 Seiten sehr schnell durchgelesen.

Der Autor arbeitet heraus, dass der Existenzialismus für die Popkultur am Ende des zwanzigsten Jahrhundertes die Leitidee war. Der Existenzialismus kennt nur Relative Aussagen und ist hoffnungslos. Diese Hoffnungslosigkeit geht zunächst in die Kunst über und erreicht schnell junge Menschen und irgendwann die ganze Gesellschaft. Die Früchte dieser Entwicklung seit den 60 Jahren können wir heute überall ernten:

Das hat ganz einschneidende Konsequenzen. Früher war es absolut verboten zu morden, zum Beispiel auch, gesunde Kinder zu töten. Heute gibt es aber Fälle, in denen das Leben von Mutter und Kind nicht gefährdet ist und kein wirklich unlösbares Problem vorliegt, und doch erwogen wird, die Tötung des Kindes im Mutterleib zu legalisieren. Früher war es Personen desselben Geschlechts verboten, miteinander geschlechtlichen Umgang zu haben. Heutzutage ist es denkbar, das zu tolerieren oder sogar zu propagieren. Wir leben nicht mehr mit Gegensätzen zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Gutem und Bösem. Früher wurden die Kinder mit absoluten moralischen Maßstäben erzogen. Das ist nicht mehr so. Und darum gibt es keine echten Antworten mehr auf die drängenden Fragen der Jugend. (S. 33)

Wem Schaeffer zu kompliziert sein sollte, der sollte zu diesem Buch greifen. Jedoch wird man schnell sehen, eine genauere Analyse bräuchte sicher mehr Platz.  Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich. Mein Exemplar würde ich für 5 EUR inklusive Versand verkaufen. Wer zuerst kommt mahlt zuerst.

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Tipp: Orthodoxie

Je komplexer ein Thema ist, desto schwieriger wird es in Kürze einen roten Faden aufzuzeigen, ohne den Inhalt des Besprochenen zu korrumpieren. Zu Chestertons Werk „Ketzer“ gibt es zahlreiche Rezensionen, ich habe mich aber lieber für „Orthodoxie“ entschieden. Chesterton ist immer dann stark, wenn er das Christentum verteidigt, und immer dann schwach wenn er den Katholizismus verteidigt. So habe ich auch dieses Werk empfunden. Chesterton argumentiert offen und emotional von seiner Erfahrung und verweist von verschiedenen Argumenten her auf die Vollständigkeit und Fülle eines christlichen Denkens, welches er Dogma nennt. Das uralte Dogma wusste bereits alles, was die Denker mühselig entdecken mussten. Das Dogma ist auch ein Segen und einer Bereicherung, denn der Glaube schenkt den Menschen Freude, Zufriedenheit und … Demokratie! Für Chesterton auch eine Frucht des Glaubens.

Dieser Freude (und gleichzeitiger Leidensbereitschaft) des Glaubens steht entweder ein blinder Optimismus von Idealisten oder ein fataler Pessimismus von Materialisten entgegen. Chesterton beschreibt letzteren folgendermaßen:

Menschen, die die Kirche zunächst im Namen von Freiheit und Menschlichkeit bekämpften, schleudern am Ende Freiheit und Menschlichkeit von sich, nur um die Kirche zu bekämpfen. Das ist keine Übertreibung; ich könnte ein ganzes Buch mit Beispielen füllen. Als zielstrebiger Bibelkritiker zog Mr. Blatchford aus, um zu beweisen, dass Adam sich nicht gegen Gott versündigt hat; während er sich noch trickreich mühte, diese These zu untermauern, bekannte er ganz nebenbei, kein einziger Tyrann, von Nero bis König Leopold, habe sich gegen die Menschheit versündigt. Ich kenne einen Mann, der fanatisch zu beweisen sucht, dass es für ihn kein persönliches Leben nach dem Tod geben wird, und der bei der Ansicht landet, für ihn gebe es auch jetzt kein persönliches Leben. (…) Sie verbrannten ihr eigenes Getreide, nur um die Kirche in Brand zu stecken, sie zerschlugen ihr eigenes Werkzeug , nur um sie damit zu zerschlagen.; jeder Stock war gut genug, um auf sie einzuprügeln, auch wenn er das letzte Stück ihres eigenen zerbrochenen Mobiliars war. Den Fanatiker, der das Diesseits aus Liebe zum Jenseits zugrunde richtet, bewundern wir ganz und gar nicht und würden ihn kaum entschuldigen. Aber was halten wir von dem Fanatiker, der das Diesseits aus Hass gegen das Jenseits zugrunde richtet?

Was mich überrascht hat war, wie leicht das Buch zu lesen war. Chesterton arbeitet die Stärken eines Denkens aus, dass Supernaturalismus berücksichtigt. Hier sieht er generell das reichere Leben, das freiere Denken, die bessere Kunst. Diese Ansicht teile ich mit dem Autor. Die vor allem zum Schluss des Werkes stärker werdende Verteidigung des Katholizismus muss ich aber verwerfen.

Das Buch ist für 9,95EUR zu erwerben.

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10 + 1 Fragen an Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher

Wir sind Prof. Dr. Schirrmacher für die Beantwortung unserer Fragen dankbar. Er ist als einer bekannt, der auch bereit ist anzuecken. Mir ist er vor allem für seinen Kampf um verfolgte Christen weltweit bekannt. Seine offene Haltung zur Ökumene brachte Ihm jedoch auch viel Kritik ein. Bekannt ist er auch als Autor zahlreicher Publikationen, darunter das berühmte Standardwerk: „Ethik„.

1. Wie kamen Sie dazu Bücher zu schreiben?

Ich bin eigentlich ein Vortrags- und Vorlesungstyp. Aber ich konnte den Studenten und Zuhörern immer nur kleine Ausschnitte liefern und wollte ihnen mehr zum Weiterstudium da lassen. Also begann ich Vorlesungen zu verschriftlichen und stellte fest, dass ein gründliches Buch Leben verändern und sogar globale Diskussion in Gang bringen kann.

2. Ist aktuell ein Buchprojekt geplant?

Ja, immer. Neben einer völligen Bearbeitung meines Buches „Menschenhandel“ und der englischen Fassung von „Kaffeepausen mit dem Papst“ steht eine Geschichte des Dokumentes „Christliches Zeugnis in einer multireligösen Welt an.

3. Nennen Sie uns ihre 3 Lieblingsbücher (neben der Bibel)?

Johannes Calvins Institutio in allen Überarbeitungsstufen.

4. Welche Bücher würden Sie nicht noch einmal lesen?

Miroslav Wolfs Buch über den Islam, Rob Bells Buch über die Hölle und drei Romane von Johannes Mario Simmel, die wir in der Schule lesen mussten.

5. In welchem Bereich sehen Sie die größte Not in der heutigen Christenheit und wo(und/oder) wie könnte man da am besten einschreiten/helfen?

a) Im Analphabetentum der Bibel gegenüber. Wir müssten wieder von der Basis her eine ständig die Bibel lesende Bewegung sein. De facto kommen wir aber bei den Millionen Bekehrungen jedes Jahr mit der Schulung nicht mehr hinterher.

b) In der Vergesslichkeit, dass Christsein immer potentiell die Bereitschaft zum Leiden einschließt und dass für weite Teile der Christenheit das Wohlstandsevangelium absurd ist, weil die diskriminiert, verfolgt und getötet werden.

c) Während ich in dogmatischen Fragen weltweit ein Aufeinanderzubewegen in großen Teilen der Christenheit sehe, treiben gleichzeitig ethische Fragen die Kirchen weiter auseinander, trennen aber oft nicht eine Kirche von der anderen, sondern Flügel innerhalb der Kirchen. Ohne Heiligung wird aber kein Christ und keine Kirche die Herrlichkeit Gottes sehen.

6. Wie beurteilen Sie den reformatorischen Aufbruch unter vielen Christen aktuell?

Die evangelikale Bewegung hat in ihrer Geschichte allerlei mehr oder weniger gute Erweckungsbewegungen aufgenommen, die oft in lehrmäßigen Fragen recht dünn aufgestellt wurden, durch die Gemeinsamkeit mit anderen Christen aber den Grundstock der christlichen, biblischen Lehre übernahmen. Derzeit erleben wir weltweit, dass in der evangelikalen Bewegung wieder gründliche reformatorische Lehre gefragt ist. In den 1980er und 1990er Jahren war ich etwa mit meinen Auffassungen ein Außenseiter.

7. Wie wurden Sie Christ?

Zum einen haben mir zwei Diakonissen mit 6 Jahren erklärt, was Sünde ist und warum Menschen sie nicht wieder gut machen können. Darauf wollte ich, dass Jesus nicht „ein“ Herr ist, sondern „mein“ Herr. Mit 20 musste ich während des Theologiestudiums noch einmal eine Grundsatzentscheidung fällen, ob mein kindlicher Glaube angesichts der Bibelkritik Bestand haben kann. Der konnte!

8. Was bedeutet für Sie „Christ sein“?

Vor allem, dass ich selbstkritisch eingestehen kann, dass ich sündige und Fehler mache und nicht ständig anderen etwas vormachen muss, dies aber keine Entschuldigung ist, sondern durch Gottes Versöhnung und Vergebung zur Veränderung führt.

9. Worin sehen Sie Grundlagen für geistliches Wachstum?

Das ständige Gebet, dass Gottes Geist uns aufzeigt, wo wir irren, fehlen und uns selbst betrügen, damit unser von Vorurteilen geprägtes Denken durch Gottes Denken ersetzt werden kann (Römer 12,1-3).

10. Welche historischen Personen würden Sie gerne Treffen und welche Fragen würden Sie mit dieser besprechen wollen?

Kaiser Konstantin, um zu verstehen, wie sehr er wirklich persönlich Christ war und wie sehr er die Kirche nur für seine Politik benutzte.

Martin Bucer, um ihn zu fragen, wie er mit all den Angriffen und Beleidigungen von anderen Protestanten und von Katholiken umgegangen ist.

Den Jünger Thomas, um zu erfahren, wo er missioniert hat und ob er wirklich bis nach Südindien gekommen ist.

11. Ist die katholische Kirche heute nicht weiter entfernt von der Rechtgläubigkeit als zur Zeit der Reformation?

Die katholische Kirche ist in ihrer Geschichte nicht statisch, sondern macht starke Entwicklungen durch. In einigen Fragen hat sie sich viel weiter von biblischen Positionen entfernt, als noch zur Reformationszeit. Das gilt etwa für die ständige Überhöhung des Papstamtes oder den Ausbau der Mariendogmen. In anderen Fragen dagegen hat man falsche Positionen der Reformationszeit aufgegeben, etwa mit der Erlaubnis für Laien die Bibel zu lesen und der Massenverbreitung von Bibeln, oder der Religionsfreiheit, die Religionskriege früherer Zeiten unmöglich macht.

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Können so viele irren?

Eine Argumentation Luthers gegen die Einwände des Erasmus haben wir hier bereits besprochen. Im späteren Verlauf seines Buches, Vom unfreien Willen, widerspricht Luther diesem Einwand:

Denn es bewegt dich doch gewaltig, „die sehr lange Reihe höchst gelehrter Männer, die man jahrhundertelange einstimmig anerkannt hat; undter ihnen waren die besten Kenner der Schrift, ebenso die heiligsten Männer, einige davon Märtyrer, viele berühmte Wundertäter“ (S. 74)

Luther und seine Genossen sind wiederum nur einige Eigenbrötler, die „weder so hoch gebildet sind, noch so hoch begabt, zahlreich oder bedeutend, weder so heilig noch solche Wundertäter, „dass sie nicht einmal ein lahmes Pferd heilen können““ (S.75).

Hat sich nun die Kirche geirrt?

Luther argumentiert mit der verborgenen Kirche, die nicht irren kann.

Zuerst einmal sagen wir nicht, Gott hätte diesen Irrtum in seiner Kirche oder bei irgeneinem seiner Heiligen zugelassen; denn die Kirche wird durch Gottes Geist regiert, die Heiligen von Gottes Geist getrieben, und Christus bleibt bis ans Ende der Welt bei seiner Kirche. (…) Denn so steht es auch in dem uns allen gemeinsamen Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass es eine heilige, allgemeine Kirche gibt.“ So ist es unmöglich, dass sie auch nur im geringsten Artikel irre. Wenn wir auch zugeben, dass einige Auserwählte ihr ganzes Leben lang in einem Irrtum gefangen waren, so ist es doch nötig, dass sie vor ihrem Tode auf den rechten Weg zurückkehren; denn Christus sagt: „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen“ Hier aber ist Mühund Arbeit nötig, um sicher festzustellen, ob die welche du Kirche nennst, auch Kirche sind, oder besser: ob die, die sich ihr ganzes Leben irrten, zuletzt vor ihrem Tode wieder zurechtgebracht wruden (S.87.f)

Luther argumentiert weiter mit der unsichtbaren Kirche, die in der sichtbaren verborgen ist.

Was geschah unter Christus selbst, als alle Apostel an ihm Anstoß nahmen, und er danach vom ganzen Volk verleugnet und verdammt wurde? Als kaum der eine oder andere übrig blieb- NIkodemus und Josef von Arimathäa, zulietzt der Räuber am Kreuz? Aber wurden denn etwa diese damals „Gottes Volk“ genannt? Allerdings waren sie der Überrest des Volkes Gottes, aber sie wurden nicht so genannt; die, die so genannt wurden, waren es nicht. Wer weiß, ob nicht im ganzen Lauf der Welt von Anfang an dies der Zustand der Kirche Gottes war: Einige wurden Gottes Volk und Heilige Gottes genannt, die es nicht waren; andere aber, gleichsam als Überrest, wurden weder Volk noch Heilige genannt.

Bewegend ist sein Fazit, wie er mit den „Heiligen“ der katholischen Kirche umgehen will:

Ich sage dies nicht, weil ich leugnen will, dass diejenigen, welche du anführst, Heilige oder die Kirche Gottes seien, sondern weil dies nicht bewiesen werden kann, wenn es jemand leugnet, dass sie Heilige seien (und sagt), das bleibe vielmehr ganz ungewiss: darum sei die Lehre von der Heiligkeit derselben nicht zuverlässig genug, um irgend eine Glaubenslehre damit zu bestätigen. Ich nenne sie Heilige und halte sie dafür; ich gebe ihnen den Namen Kirche Gottes und achte sie so, nach der Regel der Liebe, nicht nach der Richtschnur des Glaubens, das ist, die Liebe, welche von jedermann alles Beste denkt, die nicht argwöhnisch ist, die alles glaubt und Gutes vom Nächsten voraussetzt, nennt jeden Getauften einen Heiligen, und es ist keine Gefahr, wenn sie irrt. Denn der Liebe Art ist, daß sie betrogen wird, da sie dem Gebrauche und Missbrauche aller ausgesetzt ist; sie ist die allgemeine Dienerin der Guten, der Bösen, der Gläubigen, der Ungläubigen, der Wahrhaften und der Falschen. Der Glaube aber nennt niemanden einen Heiligen, der nicht durch göttliches Urteil dafür erklärt ist, weil des Glaubens Art ist, dass er sich nicht betrügen lässt. Darum, wiewohl wir alle uns gegenseitig für Heilige halten sollen nach dem Rechte der Liebe, so darf doch keiner für einen Heiligen gehalten werden nach dem Rechte des Glaubens, als ob es ein Glaubensartikel wäre, daß der oder jener ein Heiliger wäre, wie der Papst, jener Widersacher Gottes, der sich an Gottes Statt setzt, seine Heiligen kanonisiert (das ist, für heilig erklärt), welche er nicht kennt.

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Tipp: Desiring God

Joy is not optional. It’s essential

Diese Aussage (Freude ist keine Option. Sie ist Grundlegend) ist zentral für den Dienst von John Piper. Man muss seinen Hedonismus nicht mögen, dennoch ist Piper als guter Autor auch im deutschsprachigen Raum durch die zahlreichen Übersetzungen des CLV-Verlages bekannt. Ich habe bisher keine seiner theologischen Werke, dafür aber einige seiner kurzgefassten Biographien zu zahlreichen Männern Gottes gelesen.

Auf der Homepage von John Piper finden sich zahlreiche Materialien, darunter auch eine beachtliche Menge an kostenfreien E-Books. Bei Desiring God gefällt mir auch die Rubrik Ask Pastor John. Ich habe zwar noch nicht probiert meine Fragen loszuwerden, aber habe regelmäßig einige seiner Artikel gelesen.

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Leserunde: Das Westminster Bekenntnis

Aus zwei Gründen, möchte ich Kapitel fünf, welches lesenswert ist, überspringen.

Erstens muss ich  zugeben, dass einige Dinge mir darin einfach zu hoch sind, und ich in der Gefahr stünde, beim Vornehmen einer Beschreibung den Inhalt nicht weiter zu erhellen, sondern nur zusätzlich zu verdunkeln.

Des Weiteren wundert mich etwas, warum das Westminster Bekenntnis Kapitel drei und fünf nicht gemeinsam bespricht, und dazwischen das Kapitel vier über die Schöpfung einschiebt. Aber eine solche Frage, wird uns nur ein Fachmann ausreichend beantworten können. Vielleicht aber möchte einer unserer Leser dazu etwas schreiben. Dem sei es hiermit freigegeben. Das wäre doch mal was: eine Gastkolumne für eine Leserunde!

Die ersten vier Artikel beschreiben das, was als Erbsünde bezeichnet wird. Mir ist das Ausmaß dieses Themas erst in jüngster Zeit bewusst geworden: Das Christentum ist einerseits voller Optimismus, hat aber gleichzeitig ein negatives Menschenbild. Chesterton hat dies wunderbar in seinem Buch „Orthodoxie“ dargestellt. Das Christentum steht damit im Kontrast, z. B. zum Islam, welches von einem guten Menschen ausgeht. Die Bibel jedoch kennt den durch und durch verdorbenen Menschen: Weiterlesen

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Tipp: Helmuth Egelkraut: Das Alte Testament

Ich bin Eduard zu großem Dank verpflichtet, dass er mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Nachdem ich J. Gresham Machens Buch „New Testament: An Introduction to its History and Literature“ gelesen habe und durch dasselbe deutlich in der Schrifterkenntnis gewachsen bin, war ich auf der Suche nach einem ähnlichen Werk für das Alte Testament. Mit diesem Buch ist meine Suche vorerst beendet.

Warum Einführungen in die Bibel?

Ist die Bibel etwa nicht klar verständlich? In den ersten Glaubensjahren scheute ich mich vor derartigen Büchern. Heute schätze ich sie mehr als einen entsprechenden Kommentar. Hat man z. B. Anliegen und Thema eines Briefes ausgearbeitet, bekommt man schneller Zugang zu einer deutlichen Anwendung desselben. Hier im Blog haben wir mehrmals zur systematischer Theologie aufgerufen. Der erste Schritt zu einer solchen ist eine saubere Bibelkunde. Was ist das Anliegen der Bibel, wie wird der rote Faden erarbeitet etc.? Am besten arbeitet man mit solchen Büchern und mit einem zusätzlichen Notizbuch und erstellt über jedes Bibelbuch eine Übersicht. Egelkraut vereinfacht einem diese Aufgabe, indem jedes einzelne Kapitel (zu jedem Buch des AT mindestens eins) mit Fragen „zur Wiederholung, Vertiefung und Weiterstudium“ aufhört. Weiterlesen