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Christus ist das Haupt der Kirche, nicht Cäsar

Wilfried Plock hat mich auf diese legendäre Aktion von John F. MacArthur aufmerksam gemacht. Danke dafür!

Die Reaktion der GCC (Grace Community Church) ist angesichts der aktuell veranlassten unbefristeten und vollständigen Versammlungsverbote in Kalifornien nachvollziehbar:

Das erste Versammlungsverbot für Großveranstaltungen (eingeschlossen Gottesdienste) galt, ähnlich wie in Deutschland, für April/Mai diesen Jahres. Dabei wurde vorausgesetzt, dass die neu erlassenen Regelungen zeitlich befristet sind und schrittweise gelockert werden. Im Juni und zu Beginn des Juli konnten Gottesdienste unter besonderen Maßnahmen wieder stattfinden. Das nachfolgende Statement bezieht sich auf eine erneute, zweite Sperre, die im Juli erlassen wurde und nun speziell und unbefristet jegliche Ausübung von Religions-veranstaltungen, einschließlich Gottesdiensten und anderen Gemeindeveranstaltungen, in Kalifornien verbietet.

Die GCC stellt in ihrer Stellungsnahme klar:

„Die biblische Verpflichtung für unsere Kirchen offen zu bleiben Christus ist Herr über alles. Er ist das einzige wahre Haupt der Kirche (Epheser 1,22; 5,23; Kolosser 1,18). Er ist der König der Könige – Herrscher über jede irdische Autorität (1.Timotheus 6,15; Offenbarung 17,14; 19,16). Die Grace Community Church steht seit jeher unerschütterlich auf diesen biblischen Prinzipien. Als sein Volk sind wir seinem Willen und seinen Geboten unterworfen, wie sie in der Heiligen Schrift offenbart werden. Deshalb können und wollen wir eine von der Regierung auferlegte Sperre unserer wöchentlichen Gemeindegottesdienste oder anderen regelmäßigen gemeinsamen Versammlungen nicht hinnehmen. Eine Einwilligung wäre Ungehorsam gegenüber den klaren Geboten unseres Herrn.

Vielleicht denkt mancher, dass eine solch konkrete Aussage in direkten Widerspruch zu dem in Römer 13 und 1. Petrus 2 dargelegten Gebot steht, sich regierenden Autoritäten zu unterwerfen. Die Heilige Schrift gebietet einen sorgfältigen, gewissenhaften Gehorsam gegenüber allen regierenden Autoritäten, einschließlich Königen, Präsidenten, Arbeitgebern und ihren Bevollmächtigten (d.h., um es mit den Worten des Petrus zu sagen: „nicht allein den guten und gelinden, sondern auch den verkehrten“ [1. Petrus 2,18, Elbefelder 1905]). Soweit die Regierungsbehörden nicht versuchen, kirchliche Autorität auszuüben, oder Befehle zu erteilen, die unseren Gehorsam gegenüber Gottes Gesetzen verbieten, ist ihrer Autorität zu gehorchen, ob wir nun mit ihren Entscheidungen einverstanden sind oder nicht. Mit anderen Worten: Römer 13 und 1. Petrus 2 binden immer noch das Gewissen des einzelnen Christen. Wir sollen unseren irdischen Autoritäten gehorchen, da diese von Gott selbst eingesetzt sind.

Doch obwohl die zivile Regierung mit göttlicher Autorität ausgestattet ist um den Staat zu regieren, gewährt keiner der oben zitierten Texte (und auch kein anderer) den irdischen Machthabern die Rechtshoheit über die Kirche. Gott hat drei Institutionen innerhalb der menschlichen Gesellschaft geschaffen: die Familie, den Staat und die Kirche. Jede Institution hat ihren eigenen Autoritätsbereich mit Zuständigkeitsgrenzen, die respektiert werden müssen. Die Autorität eines Vaters ist auf seine eigene Familie beschränkt. Die Autorität der Kirchenführer (die ihnen von Christus übertragen wurde) ist auf kirchliche Angelegenheiten beschränkt. Und die Regierung ist speziell mit der Aufsicht und dem Schutz des bürgerlichen Friedens und Wohlergehens innerhalb der Grenzen einer Nation oder Gesellschaft betraut. Gott hat den irdischen Machthabern keine Autorität über die Lehre, die Praxis oder die Gestalt der Gemeinschaft in der Kirche verliehen. Der biblische Ordnungsrahmen beschränkt die Autorität jeder Institution auf ihre spezifische Zuständigkeit. Die Kirche hat nicht das Recht, sich in die Angelegenheiten einzelner Familien einzumischen und die elterliche Autorität zu ignorieren. Eltern haben nicht das Recht, öffentliche Angelegenheiten unter Umgehung der zuständigen staatlichen Beamten zu regeln. Und ebenso wenig haben Regierungsbeamte das Recht, sich in kirchliche Angelegenheiten in einer Weise einzumischen, welche die von Gott verliehene Autorität von Pastoren und Ältesten untergräbt oder missachtet…“ Weiterlesen hier.

Hier findet sich die Stellungnahme auf der Homepage der Gemeinde. Es ist möglich, diese mit seiner Unterschrift zu unterstützen.

In der Zwischenzeit hat man der GCC  übrigens angedroht den Strom abzuschalten, und bald danach das Wasser, um kirchliche Versammlungen unmöglich zu machen, falls sich die Kirche nicht den Sperren beugt. (siehe twitter posts bei GCC’s Pastor Phil Johnson)

 

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Wo ist bloß die Vorsehung hin?

Immer wenn ich ein systematisches Thema aus mennonitisch-evangelikaler Sicht betrachten möchte, greife ich zur  Biblischen Glaubenslehre von Thiessen. Kein Wunder, ist doch dieses Buch Pflichtlektüre auf dem Laien-Prediger Seminar einer recht großen evangelikalen Vereinigung (Stichwort: Friedensstimme). So musste auch ich zu diesem Werk greifen und (obwohl die Laienkurse einige Jahre her sind) erschüttert mich ein bestimmter Punkt an diesem Werk in besonderer Weise. Tatsächlich finde ich zahlreiche problematische Punkte in Thiessens Systematik, ob nun die ohne Besprechung einfach übernommene Trichotomie des Menschen oder die doch abenteuerlichen Spekulationen über die Endzeit. Doch diese Punkte verblassen, wenn man realisiert, dass der Autor einfach darauf verzichtet, über Gottes Vorsehung zu reden.

Egal wie ich die Sache drehe und betrachte, ich kann mir einfach keinen Reim darüber machen, wie Thiessen in seiner Glaubenslehre einen derart wichtigen Lehrpunkt wie die „Lehre von der Vorsehung“ übersehen konnte (Eine Definition von „Vorsehung“ findet sich in einem Essay von Paul Helm). Weiterlesen

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„Es gibt zahlreiche Probleme mit der zeitgenössischen Literatur“

Leland Ryken ist Professor Emiritus am Wheaton College. Er ist Experte für Milton, Puritaner und britische Literatur. Er ist Autor zahlreicher Werke über das Studium klassischer Literatur aus christlicher Perspektive und arbeitete an der English Standard Version, einer englischen Bibelübersetzung mit. Bekannt ist er zudem als Liebhaber von Lewis, wie auch als Biograph von J.I.Packer. Professor Ryken hat sich freundlicherweise bereit erklärt, unsere Fragen ausführlich zu beantworten.

  1. Wann begann Ihre Leidenschaft für Literatur?

Meine Leidenschaft für Literatur begann in der Kindheit. Ich komme aus einer sehr einfachen Bauernfamilie mit niederländischem Migrationshintergrund. Keiner meiner Eltern hat die Grundschule beenden können, weil sie auf dem Hof arbeiten mussten. In meinen ersten Lebensjahren waren Fernseher noch nicht üblich. Lesen war das einzige Vergnügen und meine Eltern und meine ältere Schwester waren leidenschaftliche Leser, so dass ich einfach ihrem Beispiel folgte. Bezüglich meiner nun fünfzigjährigen Laufbahn als Literaturdozent wurde ich einfach in diese Richtung gezogen, weil meine Schwester geplant hat, Englischlehrerin an einer High School zu werden. Ich kann mich nicht erinnern, mich bewusst für eine Berufung entschieden zu haben; es entwickelte sich einfach so, wie die göttliche Vorsehung mein Leben gestaltete.

  1. Wie kann ein Christ von Literatur profitieren?

Ich unterteile dieses Thema üblicherweise in drei Teile, basierend auf der dreifachen Aufgabe eines Schriftstellers. Die erste Aufgabe ist die Aufzeichnung oder Darstellung menschlicher Erfahrung. Das Thema der Literatur ist menschliche Erfahrung und die Wahrheit, die Literatur auf dieser Ebene vermittelt, ist Lebenswirklichkeit. Literatur als Ganzes ist das Zeugnis der Menschheit über ihre eigene Erfahrung. Ein praktischer Vorteil, Literatur zu lesen, ist, dass wir dazu geführt werden, menschliche Erfahrung zu betrachten. Während wir diese Erfahrung auf diese Weise betrachten, fangen wir an, sie klarer zu erkennen. Ich bezeichne es als Wissen in Form von richtigem Erkennen.

Zweitens zeichnen Schriftsteller menschliche Erfahrung nicht nur auf, sondern bieten auch Interpretationen derselben an. Das Ergebnis ist, dass Literatur Ideen oder Themen plastisch werden lässt. Diese Ideen können entweder richtig oder falsch sein, somit müssen wir uns mit den Wahrheitsansprüchen in einem Literaturwerk auseinandersetzen. Selbst wenn ein bestimmtes literarisches Werk der Wahrheit, wie sie der christliche Glaube vertritt, nicht gerecht wird, ist der Prozess der Abwägung des Wahrheitsanspruchs eines Werkes selbst ein Antrieb für unser eigenes Nachdenken über die Ideen, die uns vorgelegt werden.

Die dritte Aufgabe des Autors ist die Erschaffung von literarischer Form, Schönheit und Technik zu unserer Freude und Bewunderung zu kreieren. Gott will, dass wir Schönheit in unserem Leben haben. Wir müssen gute Verwalter sowohl unserer Freizeit als auch unserer Arbeit sein.  Die Freizeit kann eine Wachstumszeit für den menschlichen Geist sein und das Lesen von Literatur bietet dafür gute Möglichkeiten.

  1. Sie sind in besonderer Weise von den Puritanern eingenommen. Warum?

Ich wurde durch meine literarische Laufbahn zu einem Kenner der Puritaner. Mein Spezialgebiet in meinem Beruf als Literaturprofessor ist die Lyrik von John Milton, dem Autor des Epos „Paradise Lost“. Milton war Puritaner. Damit war der Grundstein für meine schriftstellerische Karriere gelegt. Eine Veröffentlichung über die Puritaner führte zur nächsten. Dann veranlasste mich Gott, in großen Dimensionen zu denken und so schrieb ich ein ganzes Buch über die Puritaner.  Es wurde unter dem Titel Worldly Saints: The Puritans as They Really Were[1] veröffentlicht. Als sich der Kreis schloss, wandte ich mein Wissen über die Puritaner wieder auf Milton an und wurde zu einem Spezialisten der puritanischen Aspekte seiner Poesie, insbesondere der Sonette.

  1. Wie haben Sie von C.S. Lewis profitiert?

A Reader's Guide to Caspian: A Journey into C. S. Lewis's Narnia (English Edition) von [Leland Ryken, Marjorie Lamp Mead]Ich möchte meine Antwort mit der Bemerkung einleiten, dass ich bei der Zusammenstellung der Verzeichnisse meiner Bücher über Literatur aus christlicher Perspektive feststelle, dass es für C. S. Lewis mehr Einträge gibt als für jeden anderen Autor.  Manchmal, wenn ich vor einer Klasse stehe und im Begriff bin, C. S. Lewis zu zitieren, frage ich: „Wer sagte das?“. Die Standardantwort lautet dann: „C. S. Lewis“.  C. S. Lewis hat einfach so viele gute Dinge über Literatur und das christliche Leben gesagt und er hat sie so gut gesagt, dass es nur natürlich ist, sich ständig auf ihn zu berufen.  Es war in meinem Leben eine Fügung der Vorsehung, dass mir genau die richtigen Lewis-Bücher und -Essays genau zur richtigen Zeit vorlagen.

  1. Sie haben eine Biographie über J.I. Packer geschrieben. (1) Warum haben Sie gerade ihn gewählt? (2) Was kann die heutige Kirche von ihm lernen?

Die Antwort auf Ihre zweite Frage, was Christen von Packer lernen können, ist die gleiche wie die, die ich gerade über C. S. Lewis gesagt habe, nämlich, dass er in vielen christlichen Fragen das Richtige gesagt hat und zwar mit ungewöhnlicher Klarheit.

Meine erste Begegnung mit J. I. Packer kam zustande, als ich als Teenager in einen christlichen Buchladen in meiner Heimatstadt ging (ich lebte tatsächlich auf einem Bauernhof fünf Meilen von der Stadt entfernt) und durch Gottes Vorsehung veranlasst wurde, ein Taschenbuchexemplar von dem zu kaufen, was, wie ich später erfuhr, Packers erstes veröffentlichtes Buch war.  Es trug den Titel Fundamentalism and the Word of God[2]. Bis zum heutigen Tag halte ich es für eines der fünf einflussreichsten Bücher in meinem Leben. Jahre später, als ich mit meinem Buch über die Puritaner zum Abschluss kam, schrieb The ESV and the English Bible Legacy (English Edition) von [Leland Ryken]ich an Packer und bat ihn, ein Vorwort dafür zu schreiben.  Zu meinem Erstaunen stimmte er zu. Viel später arbeitete ich mit Packer im Übersetzungskomitee der Englisch Standard Version (ESV) mit. Als ich mit Packer zwei Tage damit verbrachte, die Notizen durchzugehen, die er zur Manuskriptversion meiner Biografie über ihn geschrieben hatte, kannte ich ihn bereits persönlich und durch seine Schriften.

  1. Was ist in Ihren Augen der Hauptmangel zeitgenössischer Literatur?

Es gibt zahlreiche Probleme mit der zeitgenössischen Literatur. Vieles davon ist zu verwirrend, als dass sie gelingen könnte. Gleichzeitig ist vieles davon propagandistisch und ermangelt an künstlerischem Können. Fast alle gegenwärtige Literatur ist ein anhaltender Angriff auf die christliche Moral und den christlichen Glauben. Wenn wir Filme, visuelle Medien und die Kategorie der Popkultur darunter einschließen, werde ich nicht zögern zu sagen, dass ich die meisten gegenwärtigen Werke für billig und geschmacklos halte.

  1. Warum gibt es heutzutage so wenig kreative Literatur von Evangelikalen?

Es gibt keinen Mangel an Literatur, die von Evangelikalen verfasst wird, aber die Verlagslandschaft ist so breit gefächert und vielfältig, dass es für einzelne Werke schwierig ist, eine Position der Sichtbarkeit und Akzeptanz zu erreichen. Es ist auch wahr, dass wenig aktuelle christliche Literatur mit den großen Werken der Vergangenheit mithalten kann. Das ist ein guter Anlass, Literatur der Vergangenheit nach Herzenslust zu lesen.


Download der Antworten im Englischen.

[1] Zu deutsch etwa: Weltliche Heilige – Wie die Puritaner wirklich waren.

[2] Zu deutsche etwa: Fundamentalismus und das Wort Gottes

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Die Heilige Dreieinigkeit

Ich glaube in der letzten Zeit hat mich kaum ein Thema mehr beschäftigt als die Dreieinigkeit. Es gab hier so viel Unklarheit, dass man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen konnte. Einige Beispiele. Im Grunde genommen wäre das Model das ich aus der Dreieinigkeit zeichnen würde in etwa so etwas wie eine „Zweieinigkeit“ von Vater und Sohn + einem in irgendeiner Weise untergeordneten Heiligen Geist. Ehrlich gesagt kenne ich auch kaum einen aus dem konservativen Milieu, der nicht in irgendeiner Weise die Subordination des Sohnes lehren würde. Der Sohn weiß ja schließlich nicht, wann das Ende der Zeiten anbrechen soll (Mt. 24,36). So ein Model endet schließlich im Tritheismus: Die Lehre von drei göttlichen Wesen, die sich zudem im Umfang ihrer Göttlichkeit unterscheiden würden. Ein klarer Verstoß gegen die Einheit Gottes, die an so vielen Stellen der Schrift gelehrt wird. Zudem muss man eingestehen, dass die Dreieinigkeit so gut wie keine Rolle im Evangelikalismus spielt. Man wird zwar im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft, aber das die Dreieinigkeit das typisch christliche Element unserer Gotteslehre ist (z.B. im Vergleich zum Judentum, nicht nur zum Islam) wird in der Anbetung viel zu selten ausgearbeitet. Mir ist es geradezu peinlich, wie viele Jahre ich die alten Damen in der Gemeinde, die ihre Gebete mit „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ beendeten, mit schrägen Blicken anblickte, im Verdacht, es wäre noch ein Restkatholizismus in ihrer Pietät enthalten. Zunehmend musste ich eingestehen, wie Analogien in der Erklärung der Dreieinigkeit im besten Fall als kindlich misslungen zu gelten sind. Man denke an das Model des Wassers: So wie Wasser drei Formen besitzt (Eis, Dampf, Flüssig) und doch immer Wasser bleibt, wäre es auch mit Gott. Doch dieses Model hat mehr Ähnlichkeit mit etwas, das die Kirche als Irrlehre des Modalismus (von Modus, Modi) zur Seite getan hat: Die verschiedenen Personen der Dreieinigkeit sind dann nur „Modi“ oder Erscheinungsformen der einen Person. Die Unterschiede der Personen verschwimmen und verschwinden so. Gleichzeitig wuchs zunehmend die Herausforderung an die Kinder ein biblisches Gottesbild zu vermitteln. Wer ist der Gott, auf dessen Wort wir hören, dem wir folgen, den wir anbeten? Ein zu großes Vermeiden über das Thema Dreieinigkeit nachzudenken, kann man auch kaum gut heißen. Es klingt zu sehr nach: „Was redest du da über Gott, ich will einfach wissen wie ich in den Himmel komme“. Können wir dann als gleichgültige Götzenanbeter die Rechtfertigung aus Gnaden überhaupt beanspruchen? Vielleicht spielt die Dreieinigkeit in unserem Leben deswegen eine solch geringe Rolle, weil wir so wenig Zeit im Gebet verbringen oder unsere Gebete eher dem Vortragen von Wunschlisten ähneln.

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Fünf Finger zeigen zum Himmel

Sonnevelt: Fünf Finger zeigen zum Himmel - Sola Gratia MedienSeit Jahrhunderten tobt er, tausende von Seiten sind über ihn geschrieben und er war, ist und wird ein Dauerbrenner unter Christen bleiben: Gottes souveräne Gnadenwahl. Pfarrer Cornelius Sonnevelt ist es in seinem Büchlein „Fünf Finger zeigen zum Himmel“ gelungen, klar und einfach die Tatsachen der Bibel zu diesem Thema auf den Punkt zu bringen.

Sonnnevelt behandelt das sogenannte TULIP, die fünf zentralen Punkte des Calvinismus, und stellt die Lehre von der freien und souveränen Gnade in komprimierter Form vor. Dies ist umso wichtiger, denn „gerade auch heute wird die biblische Sicht über das souveräne Heilswirken Gottes nicht gern gehört, sogar von Teilen der evangelischen Christenheit offen negiert“.

Die Ausführungen des Autoren sind anschaulich, ansprechend und vor allem verständlich. Er argumentiert immer ausgehend von klaren Bibelstellen und scheut sich nicht, auch kritische Anfragen an das „Lehrsystem“ zuzulassen. Angenehm empfand der Rezensent den Tonfall, da er zwar bestimmend, aber nicht anklagend oder verletzen gegenüber anderen Sichtweisen ist… Weiterlesen auf lesendglauben.de

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„Nicht den Gegenstand, der mir zum Falle wurde, nein, den Fall selbst liebte ich“

Auf diesen Auszug aus den Bekenntnissen von Augustinus bin ich durch eine sehr gelungen Predigt von Paul Koch aus der St. Martini Kirche in Bremen aufmerksam geworden. Dieser Text findet sich im Vierten Kapitel des zweiten Buches. Die deutsche Übersetzung der Confessiones  findet man lizenzfrei im Internet.

„Bekannt ist, dass dein Gesetz, o Herr, den Diebstahl bestraft, und zwar sogar das in die Herzen der Menschen eingegrabene Naturgesetz, das nicht einmal ihre Bosheit auszulöschen vermag. Denn welcher Dieb ertrüge, auch wenn er begütert ist, gleichmütig den Diebstahl eines, den Not dazu treibt? Ich aber wollte einen Diebstahl begehen und habe ihn auch begangen, nicht durch irgendwelche Notwendigkeit veranlasst: an Gerechtigkeit fehlte es mir, ja ich hatte Ekel vor ihr, und vor Bosheit erstickte ich. Denn ich stahl, was ich im Überfluß, ja noch viel besser besaß. Auch wollte ich nicht, was der Diebstahl mir verschaffte, genießen, sondern den Diebstahl selbst und die Sünde.

Nahe unserm Weinberg stand ein Birnbaum mit zwar zahlreichen, jedoch häßlichen und unschmackhaften Früchten. Diese abzuschütteln und hinwegzuschleppen, machten wir jungen Leute uns ohne Scham- und Ehrgefühl bei tiefer Nacht auf – so lange hatten wir unser verderbliches Spiel auf dem Platze getrieben – und trugen gewaltige Lasten von dort hinweg, nicht um sie zu essen, sondern um sie den Schweinen vorzuwerfen. Und wenn wir auch eine Kleinigkeit davon aßen, so geschah es nur deshalb, weil wir damit etwas Unerlaubtes tun konnten.

Sieh mein Herz, o mein Gott, sieh mein Herz, dessen du dich erbarmt hast in der Tiefe seiner Bosheit. Sieh, mein Herz soll dir nun sagen, was es dort suchte, dass ich nämlich ohne jeden Grund böse und meiner Bosheit Grund nur die Bosheit selbst war. Abscheulich war sie, und trotzdem liebte ich sie, liebte mein Verderben, liebte meinen Fehltritt.; als ich in der Verworfenheit meines Gemütes. mich von deiner Grundfeste ins Verderben stürzte, da begehrte ich nicht schimpflich irgendeinen Gegenstand, sondern die Schande selbst.“

Augustinus, der auch seine sexuellen Ausschweifungen vor seiner Bekehrung bereut, wählt doch gerade ein Ereignis seiner Kindheit als Generalexempel für seine abgrundtief böse Veranlagung. Trueman weist in Grace Alone  (S. 58, eigene Übersetzung) zurecht darauf hin, dass, „diese Passage eine wunderschöne Vereinigung aus Erzählung und Theologie ist. Die trivialen Details der Erzählung ziehen den Leser in die Begebenheit hinein, ganz subtil aber auch persönlich. Hätte Augustinus ein Schwerverbrechen, z.B. einen Mord, einen Raubüberfall oder einen Staatsverrat, wäre der Leser wohl schockiert, würde sich aber kaum mit dem Protagonisten identifizieren. Nur wenige Leser hätten Erfahrung gehabt solche Verbrechen zu begehen noch das Verlangen gespürt so etwas zu tun. Doch die Handlung eines kindlichen Diebstahls ist die Art von Sünde, die jedes Kind entweder begangen hat oder versucht hat. Die Erzählung zieht den Leser in etwas hinein, mit der er sich identifizieren kann: Den Diebstahl einer Frucht vom Baum des Nachbarn. Wir lesen den Abschnitt und wir erkennen etwas von uns selbst. Die Erzählung stellt eine theologische Falle dar.“

 

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Allein Gnade!

Carl Trueman hat einen Band zur fünfbändigen Reihe „5 Solas Series“ von Herausgeber Matthew Barrett beigetragen. Aktuell lässt sich „Grace Alone – Salvation as a Gift of God“ sehr günstig als Logos-Buch erwerben. Wie kann das Heil gleichzeitig allein aus Gnaden und allein aus Glauben und allein in der Schrift zu finden sein? Ein spannendes Statement dazu habe ich bei Donald Carson in „Collected Writings on Scripture“ gefunden (im Essay: „Recent Developments in the Doctrine of Scripture“):“Als ich ein Junge war, habe ich mich immer gewundert wie diese drei Aussagen (sola gratia, sola fide und sola scriptura) logisch sein können, wenn jedes für sich einen Alleinstatus beansprucht, doch im Laufe der Zeit lernte ich, dass die Gnade der einzige Grund für das Heil, der Glaube das einzige Mittel des Heils und die Schrift die einzige Autorität für Glauben und Leben ist“. Doch zurück zu Trueman.  Der Autor überzeugt neben guten Argumenten auch durch eine feine Ausdrucksweise und bildgeladene Sprache. Ich habe versucht ein etwas längeres Zitat zu übersetzen:

„Entgegen billiger Gefühlsduselei ist die Gnade Gottes im Alten Testament viel mehr als eine Marotte oder sich ergebende Kapitulation gegenüber menschlicher Rebellion. Gott ignoriert das Problem der Sünde nicht und tut nicht so, als existiere diese nicht. Er verspürt einen heiligen Zorn gegenüber der Sünde und kann diese Ablehnung seiner Herrschaft nicht einfach zur Seite wischen, als wäre sie nie geschehen. Somit etabliert Gott unter Mose ein Opfersystem (…) Diese Tatsache – das Gott es ist der das Opfersystem etabliert und reguliert – sollte nicht übersehen werden. Sie ist bedeutend, weil sie uns lehrt, dass die alttestamentlichen Opfer nicht ein Versuch menschlicher Wesen waren, etwas zu finden, dass einen zornigen Gott beruhigen oder ihm schmeicheln könnte. Weiterlesen

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Nicht wie bei Räubers!

Eines morgens wacht Tom im Königspalast auf und kann es kaum fassen. Gestern war er noch Sklave einer unbarmherzigen Räuberbande, heute aber wird er gebadet, bekommt frische Kleider und wird herzlich in die Königsfamilie aufgenommen, einschließlich Krone. Er wurde vom Königssohn mit dem Blut desselben freigekauft. Tom kann sein Glück (und seine Erlösung) kaum fassen… bis er eine kostbare Spieluhr zerstört! Voller Angst vor einer erbarmungslosen Bestrafung  flieht er aus dem Palast. Doch die Liebe des königlichen Vaters trägt weiter. In die Arme seines Vaters kann sich Tom herzlich fallen lassen. Seine Liebe und sein Vertrauen wachsen in ihm, auch wenn er weiterhin Fehltritte begeht. Schon bald wird er für eine besondere Mission ausgerüstet: Die Befreiung des Räuberdorfes…

Ich habe schon länger nach Material gesucht, dass das Thema Kindschaft (Adoption) kindsgerecht verarbeitet und habe es in diesem Buch gefunden. Sehr behutsam geht die Autorin damit um, was unsere Identität in Christus wirklich bedeutet: Wir sind als Kinder Gottes adoptiert. Nun dominieren Liebe und Vertrauen unser Verhältnis zu Gott. Themen wie die Notwendigkeit des Gebets und der Heiligung erklärt die Autorin ähnlich illustrativ und einprägsam. Aus dem Vorlesen des Buches zur Guten Nacht ergaben sich mit meiner ältesten Tochter immer wieder fruchtbare Gespräche.

Das Buch mit schwarzweiß Illustrationen lässt sich für 9,90EUR bei Amazon.de erwerben. Ich bin schon gespannt auf die zahlreichen Fortsetzungsbände.

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Vom Glück, selbstlos zu leben

Im konservativen Milieau ließt man Keller natürlich nur heimlich. Jeder weiß dabei wohl wissentlich, dass man „mit diesem Prediger aufpassen müsse“. Man habe das ja in einem Artikel von Betanien gelesen. Falls man jetzt denkt, dass das keine sinnvolle Rezensionseinleitung ist; – aufgepasst! Ich erzähle regelmäßig davon, dass ich Kellers Predigten gerne höre und die Reaktion von einem ganz bestimmten Typus Gesprächspartner ist dabei immer identisch (und so banal vorhersagbar): „Was, Keller? Ich habe da mal einen Artikel von Betanien gelesen…“ Ich glaube ich habe diese Reaktion schon ca. ein halbes Dutzend mal erlebt. Ursprünglich versuchte ich zu argumentieren, warum ich Keller dennoch für einen hilfreichen Prediger und Autor halte, aber ich habe festgestellt, das sich diese Einwände viel einfacher und zielführender entkräften lassen, nämlich durch die Frage: „Was waren die genannten Einwände?“ Siehe da! Keiner konnte diese wirklich nennen. Ich denke an dieser Stelle wird wirklich ein Problem sichtbar. Wir sind oft so notgeil darauf, Probleme und Schwierigkeiten der anderen zu erfahren und Fehler mit einem schwarzlicht-neonfarbenen Glitzerstift zu markieren, damit ja keiner diese übersehen kann.  Warum Keller ein Problem ist, konnte keiner sagen, aber dass er eines ist, wusste man ganz bestimmt. Hmm…

Nun, ich will mit meinen satirischen Seitenhieben (für die einzig ich die Verantwortung trage) nicht auch die letzen Leser von NIMM-LIES zur Weißglut bringen, aber ich glaube diese Einleitung ist genau die richtige für dieses kurze (gerade mal 40S. lang) Büchlein von Tim Keller. So wie ich verstehe handelt es sich dabei um eine Predigt über den Text „1. Kor. 3,21-4.7): Paulus setzt sich mit dem Hochmut der Korinther auseinander. Keller gelingt an dieser Stelle wie so oft, diesen Text in unsere Zeit zu holen. Sollte man jetzt viel von sich halten um nicht an Minderwertigkeitskomplexen und den Urteilen anderen zu leiden? Doch was macht man dann mit seinem eigenen täglich anklagenden Urteil, dass „man nicht genüge“. Besteht die Lösung dann vielleicht doch darin, dass man wenig und gering von sich denkt, die Schranke also niedrig hält. Aber wer lässt sich mit geringen Zielen zufriedenstellen? Täglich besitzt man den Eindruck als würde man wieder in den Gerichtssaal der Selbstbewertung hineingezogen (S. 38). Keller schreibt: „Alles, was ich dazu sagen kann, ist: Wir müssen das Evangelium immer wieder neu erleben: mit jedem Gebet, mit jedem Gottesdienst. Wir müssen es immer wieder neu durchbuchstabieren und uns fragen: Was tue ich im Gerichtssaal? Ich sollte nicht hier sein. Die Verhandlung ist vertagt – Wir können mit Paulus nachsprechen: „Was ihr denkt, ist mir egal, und was ich denke, ist mir auch egal, Nicht egal ist mir, was Gott denkt.“ Und das hat er uns gesagt: „Wer mit Jesus Christus verbunden ist, wird nicht mehr verurteilt (…) Leben wir von diesem Urteil. (S.39)“

Keller weist darauf hin: Wir drehen uns zu viel um uns selbst. Durchgehend arbeiten wir an unserem Lebenslauf und lassen uns von unseren eigenen Zielen hetzen: „Vielleicht gibt es uns Sicherheit, wenn wir uns Etiketten aufkleben: „guter Mensch“, „freier Mensch“, „religiöser Mensch“, „moralischer Mensch“. Egal, wie sie lauten, es gilt immer dasselbe: Das Urteil beruht auf dem, was wir darstellen. (S. 36)“

Das ist der Lebensstil von Paulus. Einerseits ist er enorm charakterstark, hatte ungeheuren Einfluss, unglaublich viel Selbstvertrauen. Er packte die Dinge an und nichts konnte ihn entmutigen. Und doch sagt er im ersten Timotheusbrief (1,15): „Jesus Christus ist auf diese Welt gekommen, um uns gottlose Menschen zu retten. Ich selbst bin der Schlimmste von ihnen“. (…) Das passt nicht in unser Konzept. Wir sind es nicht gewohnt, dass ein Mensch mit unglaublich großem Selbstvertrauen von sich sagt, er sei einer der Schlimmsten. (S.26)“

Es geht um ein verändertes Selbstbewusstsein, um eine veränderte Sicht auf sich selbst. „Das ist Neuland. Dies ist Demut im Sinn des Evangeliums, das Glück der Selbst-Losigkeit. Nicht, wie in modernen Gesellschaften, höher von mir denken, oder, wie in traditionellen Gesellschaften, geringer. Einfach weniger an mich denken. (S.32)“

Perfekte Leselektüre für Egoisten, Perfektionisten, Verzweifelte, Verbitterte und sonstig unglücklich in sich verkrampfte Menschen.

Für 4,99EUR bei SCM erhältlich.

 

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H. Goerz: Die Molotschnaer Ansiedlung

Unter meinen Vorfahren befinden sich Mennoniten, die in der Molotschnaer Ansiedlung in der Südukraine für zirka 100 Jahre eine Heimat fanden. Das war der Anlass für mich, dieses Geschichtsbuch über die Entstehung, Entwicklung und den Untergang der deutschen Kolonie zu lesen. Meine Hoffnungen waren einen Einblick in das gemeindliche und tägliche Leben zu gewinnen, das meine Vorfahren von 1810 bis zirka 1920 geführt haben.

Das Buch ist eine Neuauflage und ist ursprünglich 1950 im Echo-Verlag in Manitoba (Kanada) erschienen. Die Sprache ist daher etwas gediegen und nicht immer ist verständlich was gemeint ist. Der Autor hat selbst die blühende Phase der Molotschna erlebt und schreibt daher nicht „nur als Historiker“, sondern auch als Zeitzeuge. Er berichtet auf 350 Seiten systematisch und in zeitlicher und teilweise thematischer Abfolge das Geschehene und hält sich mit Bewertungen meist zurück.

Beim Lesen hat sich mir eine zu großen Teilen unbekannte Geschichte eröffnet und hat meine Identität als mennonitischer Christ gefestigt. Für Nachfahren der Mennoniten der Molotschna ist dieses übersichtliche Werk eine wertvolle Informationsquelle. Das Buch ist mit einigen Fotos und Fußnoten versehen und bietet daher Hinweise auf Quellen und weiterführende Literatur. Der Verlag sollte das Buch vor einer Neuauflage unbedingt korrekturlesen, da auffällig viele Rechtschreibfehler die Leselust etwas trüben.

Das Buch ist bei Lichtzeichen erschienen und kostet 12,90 EUR.