Alle Artikel von “Sergej Pauli”

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Know the Heretics

Wer hat nicht schon mal dieses Bild gehört, wenn man von der Dreieinigkeit spricht: Diese könne man mit Wasser vergleichen, da dieses ebenfalls drei Formen (fest, flüssig, gasförmig) annimmt. Obwohl ich lieber eine schlechte Analogie für die Dreieinigkeit begrüssen würde, als vollständiges Schweigen darüber, fallen die Schwächen dieses Models schnell ins Auge: In der Dreieinigkeit sind Vater, Sohn und Heiliger Geist immer gleichzeitig gegenwärtig und erfreuen sich an der Gegenseitigen Gemeinschaft. Alle sind zudem gleicherweise Gott, ohne Abstriche an der „Göttlichkeit“. Dabei ist das Wasser-Model eines, dass in der Kirchengeschichte schon einmal diskutiert und von der Kirche verdammt wurde, nämlich dass des Modalismus: Gott ist immer einer, der unterschiedliche Formen annimmt: Im AT wäre es der Vater in den Evangelium Jesus der Sohn und nun im Leben der Gläubigen der Heilige Geist. Modalismus , aber auch der Doketismus (der lehrt, dass Jesu Menschlichkeit nur eine Scheinbare sei) sind Beispiele für irrige Lehrmeinungen, die auch bis heute allzu schnell in unser Denken und Sprechen über die biblischen Wahrheiten hineinschleichen.

Dabei – so die These des Autors – dürfte gerade eine klare Positionierung darüber, was wirklich Häresie ist, auch helfen, den Vorwurf der Ketzerei nicht so schnell zu ziehen und ein Wachsen im Glauben und in der Erkenntnis zu ermöglichen. Natürlich verkündigt die Bibel eine absolut richtige und zuverlässige Lehre, aber das Ringen in der Kirchengeschichte zeigt auch, dass es oftmals leichter war, falsche Positionen zu widerlegen als richtige zu definieren.  Da der Autor strikt chronologisch vorgeht gelingt es ihm auch, darzustellen wie die Kirche gerade durch den Einfluss der Irrlehrer dazu gebracht wurde, genauer in die Bibel zu blicken und ihre Positionen zu untermauern: So z.B. bei der Frage des Kanons. Diesen überhaupt irgendwie festzulegen, war nicht sonderlich nötig, so lange alle das gleiche lasen. Als aber im 2 Jhdt. Marcion auftrat, dessen Kanon 10 Briefe des Paulus und Teile des Lukas-Evangeliums enthielt, wurde eine Positionierung nötig. Ähnlich kämpfte man um eine präzisere Formulierung der Trinität und der inner trinitarischen Beziehungen in Gott, als die Arianer auftraten (Durch Bekenntnisschriften in den Konzilen von Nizäa und Konstantinopel). Weiterlesen

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Meine Real Life Story (und die Sache mit Gott) 

Philipp Mickenbecker ist 23 Jahre alt; mit seinem Bruder Johannes und Freunden betreibt er einen YouTube Kanal mit Millionenreichweite (The Real Life Guys). Auf ihrem Kanal bauen sie ein U-Boot, bringen eine Badewanne zum Fliegen, oder konstruieren eine Achterbahn in einem Baumarkt. Dabei wollen sie Jugendliche dazu motivieren, statt ihre Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen, sich zurück ins reale Leben zu begeben, und selber Dinge zu unternehmen. Ihr Motto: «Do Something». Philipp bekam Mitte 2020 seine dritte Krebsdiagnose. Kurz davor veröffentlichte er seine persönliche Real Life Story. Ich habe das Hörbuch dazu auf Spotify angehört, dass der Autor selber vorliest.  

Philipp wuchs in einem christlichen Elternhaus auf und wurde anfangs zu Hause unterrichtet. Doch ab der vierten Klasse mussten er und seine Geschwister (neben seinem Zwillingsbruder Johannes hatte er noch eine Schwester) an eine offizielle Schule wechseln, weil Homeschooling in Deutschland nicht erlaubt ist. Zuhause lernten sie aus Interesse. An der neuen Schule wurde dieses Prinzip umgekehrt: die Lehrer verordneten den Lernstoff. Die Schule wurde, wie er schreibt, für sie zum Gefängnis. Aus Langeweile gestalteten sie sich den Schulalltag selbst spannender, und begannen mit Exprimenten und Streichen. So hackten sie sich beispielsweise in das gesamte IT-Netz der Schule. In dieser Zeit bekam Philipp die erste Krebsdiagnose. Als er während der Chemo die Bibel zu lesen begann, machte er erste Erfahrungen mit Gott. Mehrere Verse sprachen ihn an, und er fand Parallelen zwischen Leiderfahrungen der biblischen Personen und ihm. Doch als es ihm langsam wieder besser ging, vergass er diese Erfahrungen, und stürzte sich in neue Projekte. Nach gut vier Jahren kam der Krebs wieder. Dieses Mal hatte er keine Kraft mehr für eine weitere Chemo. So probierte er viele alternative Behandlungsmethoden aus. Auch begann er wieder, die Bibel zu lesen, und forderte von Gott ein Zeichen als Beweis für dessen Existenz. Immer wieder sprach Gott durch Verse in der Bibel zu ihm. Durch ein solches Erlebnis kam er zum Glauben. Vorher hatte er den Sinn des Lebens in den verrückten Abenteuern gesucht, doch fand er ihn erst in Christus. Er beschreibt sich als einen rational denkenden Menschen. Damit meint er, dass sein Verstand in den Glauben eingeschlossen sein muss. In den folgenden Zeilen beschreibt er treffend, was ihn vom Christentum fernhielt: 

«Am meisten gestört habe ich mich an den Christen, die mich mit ihrem Leben einfach nicht überzeugen konnten. Ich kannte ja diese ganzen Versprechen aus der Bibel, und habe überall nach erfüllten, glücklichen Menschen gesucht, die einander lieben und ein Licht in der Welt sind. Stattdessen begegneten mir Besserwisser und Spassbremsen, Verklemmte und Vorschriftspolizisten, die sich selbst und anderen das Leben schwer machten.»   Weiterlesen

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Ist der Glaube ein Geschenk von Gott?

Es ist immer wieder bereichernd, manchmal aber auch ernüchternd konfessionelle Schriften zu studieren. So bin ich erst jetzt dazu gekommen, die fünf Punkte der Remonstranten von 1610 zu lesen und habe doch etwas unerwartet Überraschendes entdeckt. Ich übersetzte aus der lateinischen und holländischen Version, die ich von P. Schaff besitze:

Dass der Mensche den selig machenden Glauben nicht aus sich selber besitzt, noch aus Kraft seines freien Willens, da er im Zustand der Auflehnung und der Sünde nichts Gutes (was ja insbesondere der seligmachende Glaube ist) aus sich heraus denken, wollen oder tun kann. Es ist aber notwendig, dass er von Gott, in Christus durch seinen Heiligen Geist wiedergeboren und in der Wiedergeburt, in Vernunft, den Affekten, des Willen und allen Kräften neu belebt wird, damit er nach dem Wort Christi richtig verstehen, denken, wollen und das wahre Gute vollbringen kann. Wie auch Joh. 13,5 sagt: „Ohne mich könnt ihr nichts tun!“

Bei der Recherche ist mir aufgefallen, dass die englische Übersetzung von Schaff, die auch im Weg Grundlage für zahlreiche veröffentlichte Versionen ist, das holländische „´t salichmaeckende Gheloove“ (bzw. in der lateinischen Fassung dieser fünf Punkte mit „salvificam fidem“) interessanterweise mit „saving grace“ wiedergibt. Dadurch geht m.E. der doch wichtige Punkt verloren, dass die Remonstranten an dieser Stelle wirklich vom Glauben als Geschenk sprachen. Lateinisch, was auch so weit ich das verstehe die Veröffentlichungssprache war, ist die Sache eindeutig ausgedrückt: „Homo salvificam fidem non habet a se“ – Der Mensch hat den rettenden Glauben nicht aus sich selbst.

Noch spannender aber: Sie sprechen davon, dass der Glaube auf die Wiedergeburt folgt.

Das bringt mich zu dieser Überlegung: Was meint man eigentlich damit, wenn man meint, dass man „sich nicht festlegen möchte“ und weder „Calvinist noch Arminianer“ sei, sondern irgendwo in der Mitte stehe, da man „beiden Seiten der Medaille“ recht geben möchte. Diese möchte ich dann bitten mir zu sagen, warum selbst die „arminianische“ Position für sie zu deterministisch ist?  (z.B. hier auf apologia.net). Natürlich ist obiger Punkt auch im geschichtlichen Kontext zu sehen, z.B. darin, dass die ganze Debatte um die „Fünf Punkte“ eigentlich nur in einem reformierten Kontext stattfinden kann, und der Arminianismus nur in einem solchen Kontext entsteht. Oder auch darin, dass die lutherische Betonung der Gnadenlehre aufgrund der völligen Verderbtheit hier entsprechend eine Anschlußpunkt sah.

Was mir aber aufs neue aufging, wie furchtbar rational wir von der freien Selbstbestimmung des Menschen ausgehen. Der Mensch ist Herr über sein Schicksal und selbst die Himmel sollen sich ihm fügen. Glaube ein Geschenk? Wiedergeburt als Grundlage für irgend etwas Gutes? Im Bekenntnis meiner Gemeinde klingt es anders. Hier ist die Rede davon, dass Gott uns die Wiedergeburt schenkt, wenn wir uns zu ihm bekehren. Ein Denken, dass im Evangelikalismus weit verbreitet sein dürfte.  Ob wir dann noch Arminianer und nicht vielmehr längst Pelagianer ist dann  ja die eigentliche Frage.

„Homo salvificam fidem non habet a se“

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Bis zum Bodensatz

Auf Siegfried Kettling bin ich durch Viktor von Christusallein.com gestoßen. Kettling, lutherischer Theologe, besitzt eine ungewöhnliche Ausdrucksweise, wahrscheinlich wohl etwas, das Lutheraner häufig auszeichnet. Hilfreich empfand ich seine Ausführungen zum Beten. Es ist ein größerer Abschnitt, denn ich unverändert wiedergeben möchte. Gefunden in: „Und der sagte ja“, ein nur noch antiquarisch erhältliches Werk:

Kürzlich habe ich ein Gebet gelesen. Es lautete etwa so: “ Gott, ich will dir sagen, wer du bist und wie du dich mir gegenüber benommen hast. Ich sage es dir mitten ins Gesicht, nehme kein Blatt vor den Mund. Mit glatten Worten bist du auf mich zugekommen wie ein junger Mann, der schön tut, wenn er ein ahnungsloses Mädchen beschwatzen will. Schließlich habe ich mich betören lassen, bin mir dir gegangen. Übel hast du mein Vertrauen missbraucht, mich brutal vergewaltigt und anschließend sitzengelassen. Nun stehen die Leute ringsum, halten sich den Bauch vor Lachen: „Schön dumm von Dir, auf den reinzufallen.“ Gott, ich sage es dir ins Gesicht – ein Verführer bist du!“

Ist das – ein Gebet? Nicht eher eine Gotteslästerung?`Sollten wir nicht nach der Polizei rufen? glücklicherweise ist Blasphemie strafbar. Welcher Lump redet so von Gott, und wer wagt so etwas abzudrucken? Weiterlesen

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Biblische Themen Kidsgerecht verpackt

R. Lutzer: KraftpaketIch habe schon länger nach einem Buch für die Katechese unserer Kinder gesucht und war mit dem kleinen Kinderkatechismus von MacKenzie nicht wirklich zufrieden (Es wird einfach nicht dadurch kindergerechter, wenn man die Antworten einfach nur kürzer hält). R. Lutzer scheint mir dabei ein besserer Ansatz gelungen zu sein: In etwa der Sortierung, wie man diese in einer Dogmatik gewöhnt ist, geht sie ca. 40 Themen auf jeweils 2-3 Seiten durch. Angefangen bei Gott, Schöpfung und Jesus werden in besonderer Weise die Heilslehre (Erlösung, Errettung, Rechtfertigung) und Lebensbereiche, die bereits für Kinder große Lernfelder (Freundschaften, Sorgen, Gedanken, Mut) sind, besprochen. Jedes Kapitel besteht dabei aus zentralen Bibelstellen, die oftmals sehr gut gewählt sind und sich häufig auch zum Auswendiglernen eignen. Unser 6-jähriger und unsere 8-jährige kommen mit den Texten bereits ziemlich gut zurecht. Nicht immer scheinen die Beispiele besonders gut zu passen,dazu dürfte der Vergleich der Dreieinigkeit mit einem Ei gehören, oder das sich die Diskussion des Themas Vergebung sich nahezu gänzlich auf das zwischenmenschliche Verhalten beschränkt. Diese Schwächen abgesehen empfinde ich das Buch als hilfreich um mit den Kindern über zentrale Themen des christlichen Glaubens ins Gespräch zu kommen. Aktuell als Schnäpchen für 3,00EUR bei cbuch.de erhältlich.

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Schmeckt und Seht

John Piper: Schmeckt und seht - AndachtenZu Weihnachten haben wir dieses Andachtsbuch von John Piper geschenkt bekommen und hatten nun Zeit zum anlesen. Das Buch, das der Autor für seine Adoptivtochter Talitha geschrieben hat, unterscheidet sich wahrscheinlich vor allem durch die Länge der „Artikel“ von anderen Andachtsbüchern. Die einzelnen Beiträge sind meistens drei Seiten lang, womöglich zu lang, um den Text als kurzen Andachtstext am Morgen zu lesen. Dafür sind es auch „nur“ insgesamt 140 gewählte Texte. Man steht also nicht unter Druck, jeden Tag einen Artikel zu lesen. Im Grunde fühlt es sich an, als würde man Blog-Artikel von DesiringGod lesen. Entsprechend bunt ist auch die Bandbreite der Artikel angelegt. Die Artikel reichen von „Gedanken nach dem 11. 09.2001“, über „Gebetsanliegen von Pastoren“, bis zu Lektionen, die Piper aus dem Leben vergangener Christengenerationen zieht, wie Brainerd, Simeon, und bei Piper wohl fast obligatorisch, Jonathan Edwards.  In den meisten Artikeln jedoch zieht uns der Autor in die Neuentdeckungen seiner persönlichen Bibellese hinein. Vor allem wenn er über weniger beachtete Verse schreibt, wie z.B. Hi. 5,8-10 (Staunen über das Wunder von Regen) oder Spr. 22,13 (zu welchen Ausreden die Faulheit kommt), wird das Buch besonders wertvoll. Obwohl manchmal seine Textbetrachtungen manchmal etwas Tiefgang vermissen lassen und andere Artikel sich nicht so ohne Weiteres in den europäischen Kontext zu übertragen sein dürften, ist dieses Werk eine willkommene Erweiterung in unserer Sammlung der Andachtsbücher. Viele Artikel haben zu weiteren Gesprächen am Tisch angerecht und das Gebet bereichert. Beides dürfte ja genau das sein, was man von einem Andachtsbuch erwartet.

Der über 400 Seiten dicke Band ist gelungen übersetzt und  für günstige 12,90EUR  bei CLV zu haben.

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Verschwende deinen Morgen nicht!

„John Piper nennt drei schlechte Motive, die uns anziehen, am Morgen zuerst zum Handy zu greifen.

  • Neuigkeitshunger: Wir wollen mit Neuigkeiten über unsere Freunde versorgt werden.
  • Egohunger: Es schmeichelt, wenn uns jemand erwähnt.
  • Unterhaltungshunger: Wir wollen unterhalten werden.

und dann drei Dinge, die wir vermeiden möchten:

  • Langeweile vermeiden
  • Verantwortlichkeit vermeiden
  • Härte vermeiden

Alternative? Lass dich wecken, um die Bibel zu lesen.“

aus „Ich führe mich, weil Gott mich führt“ von Hanniel Strebel,

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„Mir scheint der Teil der christlichen Lehre welcher von der Prädestination handelt, nicht der schwierigste zu sein…“

Die Webseite Licht-und-Recht.de ist immer wieder eine Quelle für Neuentdeckungen.

So habe ich neulich ein Schreiben von Ursinus an einen (zu diesem Zeitpunkt) lutherisch-humanistischen Theologen namens Jakob Monau gefunden, der sich mit der Lehre von der Prädestination auseinandersetzt. Ganze 14 DINA4-Seiten ist der Brief lang und wurde offensichtlich in einer Nacht fertiggestellt. Eine ganze Seite lang zitiert Ursinus Bibelverse, wie Gott auch im „Bösen“ wirkt. Wie gesagt, ohne jegliche digitalen Mittel, im Grunde aus dem Stand heraus. Obwohl nicht immer ganz freundlich im Ton, bleibt Ursinus sachlich und leicht verständlich. Er schreibt:

„Mir scheint der Teil der christlichen Lehre welcher von der Prädestination handelt, nicht, wie Du schreibst, der schwierigste zu sein; wofern wir nur die heilige Schrift ohne Vorurteile lesen undohne Leidenschaft mit dem ernsten Streben, nicht etwa Gott nach unseren Phantasiegebilden umzugestalten, sondern von Ihm selbst über Ihn zu lernen und ihm allein alle Ehre zu geben und von uns ab zu Ihm hin zu wenden. So ist mir vieles leicht geworden, was schwierig zu sein schien, so lange ich auf das Ansehen der Menschen mich stützte, welche weder sich, noch mir halfen. Es gibt kein Stück der heiligen Lehre, über welches sich in den prophetischen und apostolischen Schriften mehr Stellen finden, als eben von der Vorsehung, von der Erwählung und dem freien Willen, so daß es mich Wunder nimmt, wie gelehrte und christliche Männer hier nicht vorwärts können.

Tue, was ich getan habe. Ich habe nämlich, um alles, was sowohl in Aussprüchen als auch in
Beispielen der heil. Schrift über diese Frage enthalten ist, zu sammeln, zu erwägen und zusammenzustellen, die Bibel mit großem Fleiß von der Genesis bis zum Schluß der Apokalypse durchgelesen. Als ich solches getan hatte, belächelte ich teils, teils aber verwünschte ich jenen Kehricht von Disputationen und diesen Dunst von Sophismen, welche vergebens diesem Blitz entgegengestellt werden. Manche, auch Gutgesinnte, hatten hierzu wirklich keine Muße, sonst hätten sie sich gewiß nicht so verirrt. Das aber halte mir fest! Wenn nicht gleich Alles Dir klar und deutlich wird, so lasse Dich dadurch nicht verwirren, sondern denke ernstlich in Deinem Gemüte nach, Gott um Beistand anrufend und jene Grundlage, welche bei den Frommen außer aller Frage steht, festhaltend: Daß nämlich nicht Du, sondern Gott der Urheber Deines Heils und alles dessen ist, was Du bist, hast und Gutes entweder Großes oder Kleines tust. So wirst Du niemals mit Gefahr Deines Gewissens oder Heiles irren, wenn Du auch nicht Alles auflösen und entwirren kannst, was Du wohl möchtest. Das Wissen bläht auf, die Liebe aber erbaut.“

Ursinus, einer der Autoren des Heidelberger Katechismus brilliert als Meistertheologe. Im Übrigen beweist dieser Brief auch, dass all die Fragen, die heute diskutiert wurden, bereits vor knapp 500 Jahren diskutiert wurden. Von Ursinus werde ich sicher mehr lesen.

 

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Tertullian: Verteidigung

„Wenn der Tiber bis in die Stadtmauern steigt, wenn der Nil nicht bis über die Feldfluren steigt, wenn die Witterung nicht umschlagen will, wenn die Erde bebt, wenn es eine Hungersnot, wenn es eine Seuche gibt, sogleich wird das Geschrei gehört: „Die Christen vor den Löwen!“ So viele vor einen?! Ich bitte euch, wie viele Kalamitäten haben nicht schon vor Tiberius, d.h. vor der Ankunft Christi, den Erdkreis und die Stadt betroffen?“ – Tertullian in „Verteidigung“.

Es gibt viele Gründe, warum man Tertullian lesen sollte. Da wäre erst einmal die generell anti- oder zumindest unchristliche Atmosphäre des zweiten Jahrhunderts, die unserer nicht unähnlich ist. C. Trueman bemerkte meines Erachtens  zurecht, dass wir vor allem aus dem zweiten und dritten Jahrhundert am meisten für unsere Zeit schöpfen können. Ähnlich wie vor fast zweitausend Jahren, wird das Christentum nicht nur abgelehnt, es gilt als unästhetisch und widerlich. Vom Marktplatz der zulässigen Meinungen ist es schon lange ausgeschloßen.

Doch es liegt auch an Tertullian persönlich, warum seine „Verteidigung des Christentums“ ein guter Startpunkt ist, um die Literatur der Kirchenväter kennenzulernen. Er gehört mit Geburtsjahr 150 n.Chr. noch zu den sehr frühen Kirchenvätern und dürfte die Schnittstelle des Wandels von der griechisch zur lateinisch sprechenden Kirche sein. Was nur Wenige wissen: Tertullian polemisierte gegen eine zu frühe Taufe von Kindern (in „Von der Taufe“). Als Baptist habe ich natürlich eine besondere Freude bei diesem Werk gehabt. Tertullian ist dabei Polemiker durch und durch. Es dürfte natürlich an seiner juristischen und rhetorischen Ausbildung gelegen haben. Aber das alles macht sein Werk nur lesenswerter. So veröffentlicht er sein Apologeticum, also seine Verteidigung des Christentums mitten in einer wüsten Verfolgung der Christen in und um Karthago. Argument für Argument zerlegt er die antichristliche Haltung des römischen Reiches. So frägt er sich, warum Christen gefoltert werden, auch nachdem sie ihr „Verbrechen Christen zu sein“ gestanden haben. Bei allen anderen Verbrechern wende man die Folter schließlich nur bis zum Geständnis ein, ja nach römischem Recht sei Folter nach dem Geständnis gar nicht zulässig. Er enttarnt geschickt die antichristlichen Verschwörungstheorien seiner Zeit: Christen waren als inzestpraktizierende Kannibalen verrufen. Hier zeigt sich sein Wissen der Kultur im römischen Reich. Tatsächlich zeigt er menschenverachtende Praktiken in den unterschiedlichen römischen Götzenkulten auf. Allen diesen ist das Christentum überlegen. Schließlich ist auch das Christentum ein Weg von alters her, eine uralte Religion. Auch hier kann Tertullian darauf verweisen, das Mose als Prophet älter ist, als mancher der römischen Gottheiten und auf jeden Fall älter als die römische Geschichte. Weiterlesen

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Stille Nacht – Heilige Nacht

Stille Nacht - Heilige NachtWeihnachten ist längst nicht mehr nur ein christliches Fest – es ist auch ein säkularer Feiertag: Je nach Glaubensüberzeugung feiern die einen die Geburt Jesu Christi, die anderen das Fest der Liebe, des Friedens und der Familie. Man kann Weihnachten in der säkularen Gesellschaft ohne Gottesdienst, ohne christliche Lieder und ohne Christus feiern. Mit dieser Beobachtung beginnt Timothy Keller sein Buch Stille Nacht – Heilige Nacht. Warum wir Weihnachten heute noch feiern. Nach seiner Wahrnehmung ist die wahre Weihnachtsbotschaft vielerorts verloren gegangen – und zwar auch in christlichen Kreisen: „Im säkularen wie im christlichen Weihnachtsfest geht es fast nur um Frieden, Freude und Licht“ (S. 110).

Dass Weihnachten einen viel tieferen Sinn hat, entfaltet der Autor in acht Kapiteln zu klassischen Weihnachtstexten aus dem Propheten Jesaja, dem Matthäus- und dem Lukasevangelium sowie 1. Johannes 1,1–4. Zwar spricht auch Keller in den acht Kapiteln seines Buchs viel von Gottes Liebe, seinem Frieden und seinem Licht, diese Begriffe wirken bei ihm jedoch kräftiger als in so mancher Weihnachtspredigt, da er sie in den Kontrast zur Finsternis, zum Krieg (in dieser Welt und in unseren Herzen) und Gottes gerechtem Zorn setzt. Keller ist überzeugt: „Weihnachten ist – genau wie Gott selber – sowohl wunderbarer als auch gefährlicher und bedrohlicher, als wir uns das vorstellen“ (S. 8). weiterlesen auf evangelium21.net