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Schlechtes Gesetz versus gutes Gesetz

Robertson McQuilkin schreibt in seiner „Biblischen Ethik“ im Rahmen der Besprechung von Bestrafungen von Verbrechen:

„Im Allgemeinen verstärken gute Gesetze moralische Standards, und schlechte Gesetze schwächen moralische Standards. Es gibt viele Arten, schlechte Gesetze oder Justizsysteme zu entwickeln.

Nicht durchsetzbare Gesetze, welche die Gesellschaft nicht durchsetzen will, so wie die amerikanische Prohibition) sind schlecht, weil sie den Respekt für das Gesetz untergraben, wenn sie nicht durchgesetzt werden und Korruption unter den Bürgern und den verantwortlichen Beamten fördern. 

Ungerechte Gesetze gibt es auf unterschiedliche Arten. Es ist ungerecht, Beweise vom Hörensagen anzuerkennen oder jemanden ohne angemessene Beweise zu verurteilen. Es ist ungerecht, ein Opfer von sexueller Gewalt oder von Kindesmissbrauch wiederholten emotionalen und mentalen Angriffen, Scham und Einschüchterung im Gerichtssaal auszusetzen. Eine vorherrschende Art der Ungerechtigkeit in unserem gegenwärtigen System ist, dass die Armen ohne Beziehungen und die Ungebildeten proportional wesentlich häufiger verurteilt werden als jene, die sich die Vertretung durch einen Rechtsanwalt leisten können, die Freunde in hohen Positionen haben und wissen, wie man das System „bearbeitet“. Es ist ungerecht, jemanden zu einer Gefängnisstrafe zu verurteilen, der einen Ladendiebstahl im Wert von zehn Dollar begangen hat, aber kein Gesetz dagegen zu haben, dass der Besitzer der Ladenkette die Regierung illegal um Hunderte und Tausende von Dollars seiner Einkommenssteuer bringt.“

Im weiteren Verlauf schildert der Autor, wie vier völlig unterschiedliche Verbrechen (ein Mord, ein Kuss und die Ermordung eines „königlichen Schwans“) zu komplett gleichen Strafen geführt haben.

Obwohl McQuilkin vornehmlich die US-Amerikanische Situation im Blick hat, ist sein Impuls bedenkenswert, ich denke auch in der Besprechung und Bewertung der Corona-Maßnahmen.

Das das Infektionsschutzgesetz bis zu fünf Jahre Haft bei Verstößen dagegen androht (siehe hier) ist schon starker Tobak, wenn man bedenkt, dass die Kosten des Gesundheitssystems vom privaten Bürger getragen werden und im Blick hat, dass hier Politik vornehmlich durch Verordnungen, also sowohl am Parlament und am Föderalismus vorbei, also mehrfach die prüfenden Augen der Gewaltenteilung aushebend, realisiert wird. Wenn man Kinderpornos besitzt und verbreitet, kommt man übrigens mit einem halben Jahr auf Bewährung davon, wie uns ein bekannter Fußballspieler neulich lehrte.

Ich denke auch, dass das ein Aspekt ist, der in der Bewertung der Corona-Maßnahmen zu kurz kommt, so wie er z.B. in der Erklärung „Jesus im Mittelpunkt behalten – trotz Corona“ dargestellt wird. Ein schlechtes Gesetz ist nämlich für mich die Möglichkeit als Bürger mich bei Regierung und mit sonstigen Mitteln dafür einzusetzen, dass dieses Gesetz „besser wird“. Der Pauschale Verweis ja/nein genügt da nicht. Noch weniger überzeugt es, wenn man Kritiker der Maßnahmen, die z.B. gerichtlich gegen Verordnungen vorgehen, bereits „unbiblischen Verhaltens“ zu tadeln. Im Übrigen würden wir ja kaum jemanden so auf den Pranger stellen, weil er regelmäßig mit Strafzetteln für schnelles Fahren zu rechnen hat. Und ja, ich weigere mich die Aufrichtigkeit hinter den Maßnahmen zu akzeptieren, wenn ich die Hunderttausend Abgetriebenen Jährlich im Blick habe. Manche scheinen zu vergessen, dass kaum ein Politiker so vehement für die Verpflichtung zum Tragen medizinischer Masken gekämpft hat, wie Nüßlein. War sicher nur ein Zufall…

Ich beobachte sehr wohl auch ganz lebensnah diese Ausgewogenheit. Für den 09.05.2021 wurde für unsere Stadt eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen abgesagt. Die Polizei marschierte mit 300 Polizisten durch die Stadt, um die knapp 30 illegal doch angekommenen Demonstranten die geballte Macht des Staates entgegenzusetzen. Aber was konnte ich dann beobachten: Sah ich doch wirklich zwei Polizisten in einem Fahrzeug der Bundespolizei ohne den verpflichtenden Mundschutz herumfahren (Etwas was mir übrigens schon häufiger aufgefallen ist). Normalerweise empfände ich es als gewisse Erleichterung, wenn auch die Polizei nicht penibel auf dem Buchstaben des Gesetzes baut, aber hier packte mich doch ein „heiliger Zorn“. Einerseits ein Grundrecht auf Demonstrationen so rigoros einschränken und doch gleichzeitig so locker mit der Maskenpflicht umzugehen, kann nicht ausgewogen sein.

Ich habe das Fahrzeug daraufhin bei der Polizei gemeldet. Ob wirklich irgendwelche Maßnahmen unternommen werden, werde ich nie erfahren können. Wer soll mir garantieren können, dass hier nicht eine Gilde wie Pech und Schwefel medienwirksam zusammenhält?  Werden dem Polizisten nun auch fünf Jahre Haft für potentielle Verbreitung von Corona angedroht? Oder anders gefragt: Meine Heimatstadt Villingen-Schwenningen ist nun mal Hochburg für Prostitution und Sexgewerbe, ein beachtlicher Teil davon ist illegal organisiert. Warum nicht auch mal hier mit brachialer Staatsgewalt samt Hubschrauber durchgreifen?

Mich persönlich frustriert nur eine Sache dabei: Ich bin nämlich äußerst unpolitisch. Zunehmend kommt also die Frage auf, wie gerecht Gesetze sind, wenn zunehmend alltägliche Handlungen politisiert werden.

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„Gelobt sei der Herr, der dir heute den Erlöser nicht versagt hat“

Das Buch „Five Festal Garments“ von B.G. Webb untersucht fünf Bücher des AT, die wir als Christen häufiger vernachlässigen. Webbs Überlegungen waren unter anderem die Grundlagen für nachfolgende Skizzen:

1. Episodische Struktur:

Webb macht auf die Schönheit des Aufbaus im Inneren des Werks aufmerksam. Es liegt eine strukturelle Parallele mit geringfügigen Varianten in Kapitel 2 und Kapitel 3 vor:

Kapitel 2: Kapitel 3:
1. Ruth bietet Naomi, ob sie gehen kann und sagt ihr was sie tun will. Naomi bietet Ruth zu gehen Naomi bietet Ruth zu gehen und sagt ihr, was sie zu tun hat.
2. Ruth geht 2. Ruth geht
3. Boas frägt, wer Ruth sei und es wird ihm erklärt 3. Boas frägt, wer Ruth sei und es wird ihm erklärt
4. Boas bittet Ruth zu bleiben und sagt, dass „Sie segnenswert sei“ und gibt ihr Nahrung 4. Boas sagt Ruth, dass „Sie segnenswert sei“ und bittet sie zu bleiben und gibt ihr Nahrung
5. Ruth spricht mit Naomi, erzählt ihr was passiert sei und bekommt von ihr Rat 5. Ruth spricht mit Naomi, erzählt ihr was passiert sei und bekommt von ihr Rat

Doch in dieser Parallele entwickelt sich weiter, so wie aus der Erntezeit von Kapitel zwei die Dreschzeit von Kapitel drei wird.

Dieses Zentrum wiederum ist flankiert von „Namenslisten“: Zu Beginn finden wir mindestens drei Namen, die keinerlei Rolle mehr spielen sollen. Die Genealogie zum Schluß kann jedoch kaum bedeutender sein, verknüpft sie Ruth doch als Bindeglied zwischen der Mose-Richter Zeit mit der Zeit des großen Königs Davids. Entsprechend spiegeln auch diese Namenslisten die Entwicklung von der Leere zur Fülle wider, die Naomi und Ruth als Individuen widerfährt für einen größeren Kontext wieder

2. Thematische Entwicklung und Kanonische Einbindung

Damit wären wir mitten im Plot des Buches. Wer Ruth als an Richter anschließend liest, dem wird auffallen, dass die zwei abschließenden Horrorgeschichten des Richter-Buches damit Anfangen, dass Jemand Bethlehem (= Haus des Brotes) verlässt ( Ri 17,9 und Ri 19,2 bzw. 19,18). Wer das Haus des Brotes verlässt, steht in der Gefahr eine Katastrophe auszulösen. Ruth als Abschließender Teil dieser Trilogie bietet nun die „Kontra-Erzählung“ dafür. Dabei war die Ironie besonders groß, dass im „Haus des Brotes“ eine Hungersnot herrscht (Rt. 1,1). Im Übrigen dürfen wir auch sonst Umstände der Richter-Zeit erwarten: Ein jeder tut was ihm recht vor Augen scheint. Das gerade eine fremde Migrantin ein beliebtes Opfer für ein kurzes Sexabenteuer werden kann, scheinen Rt2,21 und Rt2,15 zumindest anzudeuten.

Doch zehn Jahre nach Verlassen des verheißenen Landes ausgerechnet in Richtung Moab, muss Ruth Buße übend zurückkehren und bekennt, als die Frauen rufen: „Ist das die Naomi?“:

„Nennt mich nicht Naomi(Lieblich), sondern Mara (Bitter). Denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wieder heimgebracht.“  Weiterlesen

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A Clear and Present Word

Heute möchte ich auf dieses kurze Büchlein aufmerksam machen, das Prolegomena für jedes hermeneutische Werk sein dürfte. Ich denke, das man heute über Hermeneutik so reden kann, dass der Eindruck entsteht, dass es eigentlich kaum möglich ist, die Bibel zu verstehen, und dass man zunächst unzählige hermeneutische Werkzeuge beherrschen muss, in die Kulturgeschichte zu investieren hat und eigentlich so wieso immer auf Experten angewiesen ist. Ohne diese Beiträge zu schmälern verteidigt Thompson in diesem Werk, das Lesen der Bibel in der Gegenwart Gottes.

Für mich ein äußerst zentrales Thema, das von vielen Seiten angegriffen wurde und angegriffen wird: Thompson arbeitet z.B. sauber heraus, dass die Debatte zwischen Erasmus und Luther über die Freiheit des Willens hinter dieser Frage vor allem ein Streit darüber ist, ob die Bibel klar und bestimmt verstanden werden kann. Erasmus sieht die Schrift als schwer verständlich, die nicht so ohne weiteres eindeutig z.B. über den Willen in Bezug auf das Heil spricht und er hat auch eine Lösung für das Problem: Die Kirche bringt Licht dafür, wie solche Themen zu verstehen sind. Diesem hält Luther die Klarheit der Schrift entgegen, ein Thema, das die Reformatoren von nun an häufig zu verteidigen hatten.

Heute jedoch sind die Angriffe auf die Klarheit der Schrift oft gänzlich anderer Natur. Die Auslegung der Schrift ist Gelehrtensache geworden und die Rolle des Papstes nimmt oft der Theologieprofessor (oder der Endzeitexperte) ein, der jederzeit mit päpstlicher Autorität festzulegen vermag, welche Auslegung den gerade gilt. Weiterlesen

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Kierkegaards Sprung

Heute berichtet Udo Schmitt darüber, wie er durch das Werk Kierkegaards zur Schrift und zum Glauben geführt wurde:

Ein undatiertes Gemälde des dänischen Theologen, Schriftstellers und Philosophen Sören Kierkegaard. (picture alliance / dpa)

Durch die Rezension einer neuen Biographie über den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard (Buchhinweis: Der alte Freund Kierkegaard – Hanniel bloggt.) wurde ich daran erinnert, welche bedeutende Rolle dieser Mann in meinem Leben gespielt hat. Viele kluge Köpfe haben schon wissenschaftliche, theologische oder philosophische Abhandlungen über ihn geschrieben. Mein kurzer Beitrag ist dagegen lediglich eine Beschreibung meines persönlichen Erlebens eines kleinen Aspekts seiner Gedanken über den Glauben.

Gleich im ersten Semester meines Philosophie-Studiums begegnete ich dem Werk Kierkegaards. Da er in seinen Veröffentlichungen immer wieder auf die Bibel Bezug nahm, musste ich mich wohl oder übel mit diesem Buch beschäftigen. Also las ich die Bibel innerhalb weniger Tage vom Anfang bis zum Ende.  Als ich nach den letzten Zeilen der Offenbarung das Buch zuschlug, war ich sicher, dass dies das Wort Gottes ist. Nur wenig später wurde ich durch das Wunder der Wiedergeburt gerettet.

Aussagen Kierkegaards wie „Der Glaube beginnt gerade da, wo das Denken aufhört“ erwecken den Eindruck, dass sich Glaube und Vernunft nichts zu sagen haben.  Da es zwischen Glaube und Verstehen keine Verbindung gibt, wird das Christwerden somit zum Sprung ins Ungewisse. Dieser „Sprung des Glaubens“ wird vor allem von konservativen Theologen teilweise scharf kritisiert wird. Für den von mir sehr geschätzten Theologen Francis Schaeffer handelt es sich hierbei um einen Sprung ohne jede Rationalität. Vielen gilt Kierkegaard gar als ein Vordenker des säkularen und religiösen Existenzialismus sowie als Wegbereiter der historisch-kritischen Denkweise.

Doch dieser „Sprung des Glaubens“ war für mich zum Zeitpunkt meiner Bekehrung ganz subjektiv tatsächlich ein solcher. Ein Sprung hinweg über einen Graben, der mich zu etwas bringen sollte, von dem ich trotz angelesenem Wissen eigentlich nicht viel wusste, aber dennoch alles erhoffte.

Natürlich handelte ich einerseits rational, also vernunftgeleitet, indem ich die Bibel systematisch studierte, doch schon bald kam ich an einen Punkt, an dem mir klar wurde, dass das was mich im Moment noch von Gott trennt, nicht durch weiteres Nachdenken überwunden werden kann. Erforderlich war ein Sprung. Ein Sprung ins Ungewisse, denn was auf der anderen Seite des Grabens auf mich wartete, war für mich zuvor undenkbar. Auf der anderen Seite angekommen, konnte ich dann wie Hiob zu Gott sagen: „Bisher kannte ich dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!“ (Hiob 42:5).

Meines Erachtens ist Kierkegaard nicht nur Zeit seines Lebens, sondern auch bis in die heutige Zeit hinein in vielerlei Hinsicht missverstanden worden, was unter anderem an der teilweise überzogenen Kritik am „Sprung des Glaubens“ zum Ausdruck kommt, den ich persönlich aber genauso wie von Kierkegaard beschrieben, erlebt habe.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Christen auch heute noch großen Nutzen aus dem Studium von Kierkegaards Schriften ziehen können, da sie in ihrer Radikalität ein Weckruf für ein eingeschlafenes Christentum sind. Eine kleine und empfehlenswerte Auswahl seines Werks findet sich hier: Tatort Christenheit (clv.de)

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Fragen über das Woher und das Wohin

Woher, wozu und wohin gehören zu den drei großen Fragen des Lebens. Christen geben darauf andere Antworten als Atheisten. Dr. Markus Widenmeyer, Mitarbeiter in der Zentralen Forschung eines Technologiekonzerns und ehrenamtlich für die Studiengemeinschaft Wort und Wissen tätig, ist ein Vertreter des Kreationismus. Trotz seines vollen Terminkalenders hat er sich Zeit genommen, um sich den Fragen der christlichen Literaturblogs NIMM-LIES.de und lesendglauben.de (hier weitere Interviews von lesendglauben) zu stellen. Aber, lesen Sie selbst, welche Antworten der Autor mehrere Bücher zu diesem Themenkomplex gibt.

  1. Vor wenigen Wochen haben Dr. Reinhard Junker und Sie das Buch „Schöpfung ohne Schöpfer“ herausgegeben. Dort schreiben Sie beide, dass die Arbeit eines christlichen Wissenschaftlers mit der eines Kriminalkommissars vergleichbar ist. Was genau möchten Sie damit zum Ausdruck bringen?

MW: Echte Wissenschaft besteht wie die Arbeit eines Kriminalkommissars darin, dass man wirklich die Wahrheit sucht. Das bedeutet Ergebnisoffenheit und daher Ermitteln nach allen Richtungen. In Ursprungsfragen: Man sollte unvoreingenommen zur Kenntnis nehmen, was natürliche Prozesse nachweislich zustande bringen. Man sollte aber genauso unvoreingenommen akzeptieren, wenn es systematische Grenzen gibt und dann Schöpfung die bessere Erklärung für das Leben sein könnte.

  1. Sie sprechen davon, dass die Weltanschauung des Naturalismus den weltanschaulichen Hintergrund der Arbeitsweise der institutionalisierten Wissenschaften dominiert. Können Sie diese Weltanschauung kurz darstellen?

MW: Es ist die Ansicht, dass es nur natürliche, letztlich wissenschaftlich beschreibbare Prozesse gibt. Alles Übernatürliche wird von vornherein abgelehnt. Die Ergebnisoffenheit z.B. bezüglich der Frage nach dem Ursprung des Lebens, des Universums oder auch der Möglichkeit von Wundern oder Prophetie ist dann nicht mehr gegeben.

  1. Inwieweit unterscheidet sich die Arbeit der Studiengemeinschaft Wort und Wissen von diesem Forschungsansatz?

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Literaturhinweise auf lesendglauben

Henrik Mohn von lesendglauben.de hat eine Menge lesenswerter neu aufgelegter Bücher besprochen. Eine Auswahl:

Geisler, Zukeran: Wie kann ich meinen Glauben verteidigen?

Das Autorenduo legt eine Arbeit vor, die sich mit dem apologetischen Methoden Jesu Christi beschäftigt und stellt damit den Versuch dar, eine Lücke im Bereich der Apologetik zu schließen. „Überall demonstriert Jesus, dass er bereit ist, jedem aufrichtig Suchenden Beweise zu liefern für das, was er lehrte“. Die insgesamt zwölf Kapitel richten ihren Blick auf das Handeln Jesus und setzen dabei die Brille eines Apologeten auf. Bei all den Gründen und Ausführungen ist sich das Autorenduo aber folgender Tatsache bewusst: „Apologetische Beweise sind entscheidend für den Glauben, dass Christus der Sohn Gottes ist. Aber der Heilige Geist ist unverzichtbar für einen Glauben an Christus als den Sohn Gottes. Apologetik kann intellektuelle Zustimmung herbeiführen, aber nur der Heilige Geist kann das Herz verändern“. Mehr…

Coyle: Sie ist in Pornographie verstrickt

Bilder mit sexuellem Inhalt haben Hochkonjunktur. Bildungspläne möchten möglichst früh Kinderherzen mit Sexualität konfrontieren. Pornografie ist der beispiellose Ausdruck unserer dekadenten Epoche. Doch längst ist die Unzucht vor dem Bildschirm keine reine Männerdomäne mehr. In „Sie ist in Pornografie verstrickt“ blickt Autorin Rachel Coyle auf das Tabuthema. Mehr…

Barber et al: Könige – Menschen der Bibel

Der vorliegende 12-Wochen-Studienkurs entstammt dem evangelikalen Verlag rigatio, der sich zum Ziel gesetzt hat, Material zum Selbst- und Gruppenstudium herauszugeben. Das Anliegen des Kurses ist es dem ähnlich zu werden, dem wir folgen. Anhand unterschiedlicher Könige im Alten Testament verdeutlicht das Autorentrio, worauf es bei echter Nachfolge ankommt. „Führerschaft ist die Kraft von Einfluss“. Mehr…

Boston: Die Notwendigkeit der Buße

Der Autor, Thomas Boston, ist außerhalb der englischsprachigen Welt eher weniger bekannt. Doch mittlerweile werden seine Schriften auch im deutschsprachigen Raum publiziert. Boston gilt als ein Verfechter der puritanischen Theologie und legt besonders Wert auf Frömmigkeit. Dabei ringt er in seinen Ausführungen um die reine biblische Lehre. J. I. Packer meint, dass seine Werke einer theologischen Zusammenfassung des Puritanismus gleichen. „Wer die puritanische Theologie verstehen will, muss somit Boston lesen“. Mehr…

Bonhoeffer: Schöpfung und Fall

Das Buch „Schöpfung und Fall“ stellt den Druck einer Vorlesung dar, die Bonhoeffer im Wintersemester 1932/33 an der Berliner Universität hielt. Bonhoeffer selber ist der sogenannten dialektischen Theologie zuzuordnen, „die in Anknüpfung an die reformatorische Theologie als Theologie des Wortes die Bibel zur Grundlage ihrer Überlegungen gemacht hat“. In seinen Ausführungen wagt es Bonhoeffer, die „exegetische und systematische Schultradition seiner Zeit hinter sich zu lassen und die Bibel unmittelbar nach Antworten auf die brennenden Probleme der Gegenwart zu befragen“. Es sei erwähnt, dass Bonhoeffer die Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese nicht pauschal ablehnt, doch bleibt er nicht bei der philologischen und historischen Auslegung stehen, „sondern fragt, was die Bibeltexte für den heute gelebten Glauben in seinen unterschiedlichen Bezügen zu sagen haben“. Mehr…

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„Der Gott des Alten Testaments ist der gleiche wie der Gott des Neuen Testaments“

Dr. T. Desmond Alexander ist wohl der Experte für das Alte Testament schlechthin. Er ist Author und Herausgeber von Enzyklopädien zum Pentateuch und zur Biblischen Theologie, schrieb Kommentare zum Buch Jona und zum zweiten Buch Mose (Wissenschaftlich und Pastoral). Neben thematischen Studien zum Neuen und Alten Testament ist vor allem seine Einführung zum Pentateuch besonders  (zur Buchbesprechung) hervorzuheben.

S.P.: Dr. Alexander, vielen Dank dafür, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen nehmen.    Woher kommt Ihre Leidenschaft für das Alte Testament?

T.D.A.: Meine Leidenschaft für das Alte Testament fing an, als ich im Grundstudium semitische Sprachen an der Queens University in Belfast studiert habe. Ich sollte dabei erwähnen, dass ich als Teenager zum persönlichen Glauben an Jesus Christus gekommen bin. Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich eine Berufung zum christlichen Dienst. Durch eine ungewöhnliche Reihe an Ereignissen brachte mich Gott in Kontakt mit einer Gruppe von christlichen Universitätsdozenten: David Payne, Gordon Wenham und David Gooding. Alle stammten aus England, unterrichteten jedoch in Nord-Irland. Damals waren wir gerade mal drei Studierende im Kurs und so besaß ich beinahe eine persönliche eins zu eins Ausbildung. Es mag seltsam klingen, doch Gordon Wenhams Kommentar zum dritten Buch Mose öffnete meine Augen dafür, das Alte Testament auf neue Weise zu lesen. Ich bekam dann die Möglichkeit meine Doktorarbeit bei Gordon Wenham und später bei David Payne zu schreiben. Die Vorsehung führte dahin, dass ich Semitistik an der Queens University unterrichtete. Das gab mir weitere Möglichkeiten mich auf das Alte Testament zu konzentrieren, obwohl ich immer wieder auch die Möglichkeit besaß, das Neue Testament zu lehren. Rückblickend kann ich erkennen, dass Gott den Weg für mich öffnete, Theologie zu unterrichten und mir so Möglichkeiten eröffnete das Alte Testament zu erforschen und darüber zu schreiben.

S.P: Warum ist das Alte Testament in unserer Gesellschaft derart irrelevant? Wie könnte man das ändern?

T.D.A.: Unglücklicherweise wird der erste Teil der Bibel als das Alte Testament bezeichnet. Unsere menschliche Tendenz ist es, sich an dem zu orientieren was neu ist und es in irgendeiner Weise als überlegen zu betrachten. Innerhalb der modernen Kirche betrachten die meisten Gläubigen das Neue Testament für wichtiger und relevanter als das Alte Testament. Das führte zu einer Vernachlässigung des Alten Testaments und zu einem Mangel des Verständnisses dafür, wie es zu einem größeren Verständnis von Gottes Anliegen für die Welt und für unser individuelles Leben dient. Es lohnt sich darüber nachzudenken, dass die Gläubigen zur Zeit des Neuen Testaments die Schriften der hebräischen Bibel als autoritativ betrachteten. Sie blickten in sie hinein, um zu verstehen, wer Jesus Christus ist und wie Gott mit seinem Volk handelt. Weder Jesus noch einer seiner Jünger verwarf das Alte Testament als unbedeutend. Im Gegenteil, sie betrachteten es als unausgesprochen wichtig. Es ist unmöglich das Neue Testament mit all seinen Zitaten, Anspielungen und Echos an das Alte Testament zu verstehen, ohne ein Verständnis der Hebräischen Bibel zu besitzen. Leider sind wir durch die Vernachlässigung des Alten Testaments in einem Teufelskreis geraten. Christen orientieren sich zum Neuen Testament hin und verpassen so die Reichtümer, die sich im Alten Testament finden lassen. Die einzige Lösung besteht im soliden Lehren, dass das Alte Testament beleuchtet und seine Relevanz für das Leben der Christen heute erörtert. Wir müssen die Bibel als Ganzes annehmen, und erkennen, wie die Story des Alten Testaments in die Story des Neuen Testaments hineinfließt und so ein volleres Bild Gottes und seiner Handlungen in unserer Welt gibt.

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Sehnsucht nach Pastor Latzel

Mal wieder war es Viktor von Christusallein der hier der auslösende Trigger war. Er hat mich auf eine Predigt von Latzel aufmerksam gemacht (und was für eine, höre hier). Bis dahin habe ich weitestgehend nur amerikanische Predigten angehört (vornehmlich Tim Keller, siehe hier für meine Lieblingsauswahl an Kellers Predigten), und wollte vor allem deswegen etwas daran ändern, damit wir als Familie auch gemeinsam Predigten hören können.

Mir ist es wichtig, bei so etwas Kontinuität zu besitzen und ich habe nur wenige Prediger auf meiner Liste, dafür diese dann möglichst umfassend. Olaf Latzel  haben wir gleich gerne angehört und es war das gegeben, was mir wichtig ist: Reformierte Lehre, einfache und verständliche Verkündigung, sowohl Gemeinde wie Weltmenschen im Blick.

Schon bald wurde Latzel zum Haus und Hof-Prediger, als im ersten Corona-Lockdown keine Gottesdienste möglich waren. Ein Höhepunkt dabei war auch das digitale Abendmahl irgendwann im April 2020. Auf jeden Fall haben wir sehr profitiert, nicht nur von den Predigten Latzels, sondern auch von denen von Koch, Bierbaum und den anderen Predigern der Martini-Gemeinde. Weiterlesen

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„Bedingter Gehorsam? Unbedingt“

In der aktuellsten Fest und Treu (Ausgabe 173, soweit ich verstehe, noch nicht digital erhältlich) ist ein äußerst herausfordernder „Kommentar zur aktuellen Debatte um das Verhältnis von Christ und Staat“ von Fürchtegott Christlieb (Pseudonym) erschienen.

Das durch führende Größen in der Brüderbewegung vor allem durch den Kanal der KfG immer wieder und aktuell verstärkt darauf hingewiesen wird, dass man dem Staat unbedingt gehorsam sein muss, ist auch mir, der ich das Geschehen in den Brüdergemeinden höchstens am Rande mitverfolge, sauer aufgestoßen.

Aufgefallen sind mir aber die Früchte. So bringt man sich ja auch in der Causa Latzel (ein weiterer Artikel dazu wird meinerseits folgen) schon sehr auffällig in Sicherheit. Freunde und Verwandte die der KfG nahestehen beklagen sich vor allem über das Fehlverhalten der Martini-Gemeinde und seines Pastors, weniger darüber, dass es hier angebracht sein müsste, als Christen enger zusammenzurücken und zusammen zu halten.

Entsprechend begrüße ich den sehr deutlichen Kommentar in der FuT. Ich möchte mir die Freiheit nehmen etwas ausführlicher zu zitieren:

„…und das deckt sich mit vielen persönlichen Gesprächen in der letzten Zeit – dass die Gründe, warum der Staat gewisse Verordnungen erlässt, eine entscheidende Rolle im Hinblick unserer Reaktion darauf spielen. Das ist offenbar auch das Argument zweier weiterer Autoren (Hinweis von mir: Das Zitat stammt aus der KfG 37, S. 30) (…): “ Es wurden keine Gottesdiensthäuser geschlossen, während die Fussballstadien offen blieben. Es wurden keine Treffen von Christen untersagt, während Party Stattfinden durften. Es gibt nicht den leisesten Verdacht, dass die Maßnahmen ideologisch geprägt waren. Alle Maßnahmen geschahen aus der Sorge um das menschliche Wohl.“ – Hier wird recht deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Motivation des Staates und/oder der Empfängerkreis einer Verordnung ein entscheidender Faktor sei, der mitbestimmend ist, ob wir einer Anordnung Folge leisten müssen oder nicht.

Mit Verlaub, aber ich danke, dass dies nicht biblisch ist. Wir haben uns solange unterzuordnen, wie die Anordnungen nicht eindeutig gegen „den Willen Jesu“ verstoßen. Aber warum die staatlichen Anordnungen erlassen wurden – und für wen sie sonst noch gelten – spielt im Hinblick auf die Frage der Unterordnung aus biblischer Sicht überhaupt keine Rolle. Ob es sich um einen Unrechts- oder einen Sozialstaat, eine Demokratie oder eine Diktatur handelt, ist egal. Ob der Staat Bürger schützen, Ideologien unterdrücken oder einfach nur eine Lobby glücklich machen will – sobald ein Ge- oder Verbot die „Oberherrschaft Gottes verletzt“, darf ich als Christ keinen Gehorsam mehr leisten. Egal , aus welcher Motivation der Staat handelt und ob es den Kleingartenverein genauso betrifft wie uns. „ – Zitat Ende

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Matthew Henry

Allan Harman hat eine Biographie über Matthew Henry verfasst, die dank des 3L-Verlag auch deutschsprachig erhältlich ist.

Das Buch ist gut übersetzt und lässt sich durch seine Kürze relativ schnell durchlesen. Einige Lektionen, die ich mitgenommen habe:

  • Matthew Henry hat fast alles bei seinem Vater Philip Henry gelernt: Als Nonkonformisten war es ihm verwehrt, Theologie zu studieren. Es blieb nur der Weg über Jura, der ihm den Zugang zu den antiken Sprachen ermöglichte (obwohl er griechisch schon als Kind gelernt hat)
  • Es gab zwar wohl ein illegales theologisches Seminar der Nonkonformisten. Doch kaum hat Matthew mit dem Studium angefangen, wurden fast alle Studierende krank an der Grippe (sie wohnten auf engstem Raum) und einige verstarben gar. Für Matthew bedeutete es erst einmal das Ende seiner theologischen Laufbahn
  • Er wird Pastor einer presbyterianischen Gemeinde und sucht ständig Kontakt mit anderen Gemeinden, ja schreibt darüber sogar ein Buch. Dennoch wird ihm die Annahme durch die offizielle Kirche erst nach seinem Tode gewährt (er wird in einer anglikanischen Kirche bestattet)
  • Er arbeitet ungemein viel, predigt äußerst systematisch und sein berühmter Kommentar entsteht im Grunde begleitend zu seinen Predigtausarbeitungen.
  • Der Kommentar ist zu seinen Lebzeiten noch recht wenig bekannt (und wird auch nicht vollständig von ihm selbst fertiggestellt). Doch schon bald zieht er weite Kreise. Harman kann zeigen, dass zahlreiche Lieder Wesleys (!) vom Bibelkommentar Henrys zehrt. Ja Wesley veröffentlicht sogar auf eigene Kosten eine gekürzte Version davon.

Das ein historischer Kommentar so eine lange Popularität erlebt ist äußerst ungewöhnlich, bekanntlich wurde die deutsche Übersetzung erst kürzlich fertiggestellt. J.I. Packer schrieb einmal über Henrys Exposition:

„Weil sein Stil einfach und praktisch ist, obgleich der Inhalt sehr scharfsinnig und gut durchdacht ist, wird der Kommentar immer ein klassisches Werk bleiben, das mit Kopf und Schultern herausragt über jedes andere populäre Bibelwerk, das vorher oder seither geschrieben worden ist.“