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4 Blogs über den Tellerrand

Es ist mir ja fast peinlich, aber ich habe erst vor kurzem angefangen Blog-Artikel zu lesen. Sie ersetzen zunehmend meine Frustration der täglichen Nachrichtenschau. Entsprechend möchte ich 4 meiner Neu-Entdeckungen vorstellen, die allesamt über meinen Teller als Evangeliums-Christ hinausgehen:

1. Lutherisches Lärmen

Es gibt viele Gründe, warum man diesen sehr ungewöhnlichen Blog lesen sollte: Zunächst wird der Freikirchliche Leser damit konfrontiert, dass Luther in einigen Punkten nicht so „evangelikal“ war, wie wir es hoffen würden (z.B. dieser Artikel über das Übergabegebet) und ich habe eine gewisse Freude am Zerlegen von Worthaus, (z.b. hier). Überhaupt ist es der Blog zu dem ich greife, wenn ich wissen möchte, wie eigentlich Lutheraner das erklären würden. Trotz der generellen Leseempfehlung bleibt zumindest für mich immer eine gewisse Irritation darüber, dass es ja eigentlich überhaupt keine Bedeutung hätte, den Autoren völlig recht zu geben. Fast bei jedem Artikel frage ich mich: Ok, und jetzt? Ich wüsste nicht wie es möglich sein sollte, in Deutschland auf diese Weise lutherisch orthodox zu werden, wie die Autoren es schildern. Wenn es sowohl die EKD, die ja immerhin Luthers offizieller Stellvertreter ist und die Freikirchen erst recht falsch machen, wie geht dann richtig? Irritationen sind natürlich immer guter Nährboden für aufmerksames Lesen. Neuerdings bauen die Autoren einen Podcast aus, denn ich mir auf die nächste Hör-Liste mitgenommen habe.

2. TheoBlog

Die Blogger Heimat von Ron Kubsch, des wohl fleißigsten deutschsprachigen Bloggers überhaupt. Nahezu täglich findet sich ein neuer Artikel aus den unterschiedlichsten Bereichen. Für mich geht er über deswegen über den Tellerrand weil er reichlich über Feulleton und Politik berichtet. Der letzte fleißige Zeitungsleser schreibt ausführlich über die Gender-Debatte und Meinungsfreiheit, stellt Bücher vor, skizziert Kurzbiographien, sammelt Links zu interessantem Material und liefert so einen der lesenswertesten deutschen Blogs überhaupt. Ein weiterer Bonbon: Es ist einer der wenigen christlichen Blogs die ich kenne, die einen regen, genutzten und nicht vollgemüllten Kommentarbereich besitzen. Kubschs‘ Leistung ist sicherlich herausfordernd und vorbildhaft für jeden christlichen Blogger. Achtung: Man hat es hier mit einem Vollblut-Akademiker zu tun!

3. Philipp Keller

Philipp Keller hat wieder angefangen intensiv zu bloggen. ich wünsche ihm, dass er (und seine Frau) es nun lange durchziehen können! Eigentlich war sein Blog der Auslöser, dass ich angefangen habe, morgens nicht mehr Nachrichten sondern mal einen Blogartikel (meist in der Kaffee-Pause) zu lesen. Die Stärke Philipps (und seiner Frau) ist, dass viele Themen sehr ausführlich über eine  längere Themenreihe verfolgt werden, z.B. über das Gebet,  aber auch viel krasser, über Minimalismus. Es hat gedauert bis mir dämmerte, dass sie es wirklich ernst meinen. Keller geht über meinen Tellerrand, weil er Pfingstler (?, zumindest pfingstlerischer als ich) ist. Philipp Keller hilft uns Cessationisten plumpe Anti-Charismatik abzulegen und aufeinander zuzugehen (ja ich weiß, was ich gerade schreibe). Ein guter Einstiegsartikel handelt über Erziehungsbücher. 

4. Unter dem Regenbogen

Ich denke, der am meisten unterschätze Blog dürfte der von Ruth Metzger sein, eine Schwester, die mich schon lange mit Übersetzungen unterstützt (Hier eine Auswahl an Artikeln). Wenn Philipp Keller darüber berichtet, Ruth als weise Lebensberaterin kennengelernt zu haben, dann deckt sich das mit meiner persönlichen Erfahrung. Ihr Blog geht absolut über meinen Tellerrand, könnten doch zwei Menschen nicht antithetischer sein. In Christus aber, werden wir alle zu einer neuen Kreatur vereinigt. Mir ist beim Lesen der Kommentare auf dem Blog aufgefallen, dass Ruth vor allem Leser hat, die in einer komplett anderen Bubble leben. Hier ist eine Frau im Einsatz auf einem Acker, der für viele unerreichbar ist. Ausgangspunkt für die Leser ist sicher Ruths Lebensgeschichte.

Welche Blogs lest ihr und warum?

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A House for My Name

Peter Leithart war mir bisher vor allem als Autor von FirstThings bekannt. Gerne möchte ich an dieser Stelle auch auf einen Artikel von Leithart verweisen, der vor einigen Wochen bei E21 übersetzt erschienen ist: Wie man Kindern die Bibel nahe bringt. Der Artikel und mein Interesse an „Biblischen Theologien“ führte mich zu diesem Buch.

Für knapp 250 Seiten äußerst kurz, ist Leithart dennoch ein gut ausgearbeitetes und lesenswertes Werk gelungen. Leithart gelingt es, zahlreiche thematische Linien, die sich im alten Testament zunehmend weiterentwickeln auf sehr verständliche Weise darzustellen, ohne langweilig oder wiederholend zu werden. Ob nun die Entwicklung der messianischen Verheißungen, die dichterische Wiederholung der Themen wie Stadt Gottes, Tempel, Opfer (die Einprägsamste Erklärung der ersten Kapitel Levitikus, die ich je gelesen habe), Priestertum oder die Chronologie der Bibel, –  sauber arbeitet der Autor an der Heilsgeschichte weiter. Fast auf jeder Seite habe ich eine wertvolle Markierung hinterlegt. Weiterlesen

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„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schildbürger sind ursprünglich für ihre Klugheit weithin bekannt und werden überall in der Welt gefragt um mit ihrer Klugheit die Dinge zu regeln. Doch Schilda, ihr Heimatort geht dadurch den Bach runter. Also muss etwas unternommen werden. Die Schildbürger nehmen sich nun vor, sich besonders dumm zu stellen. Allen sagt der Plan zu, außer dem Lehrer, der einwendet:

„Wer klug tut, wir davon noch lange nicht klug.Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“. Die anderen lachten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, meinte der Schmied neugierig. „Eure Dummheit“, rief der Lehrer. Da lachten sie ihn alle aus.

Als erste Dummheit beschließt man den Bau eines dreieckigen Rathauses ohne Fenster. Dieser wird bald eine weltbekannte Kuriosität und spült Geld in die Stadtkasse:

>„So wurden die Schildbürger zwar nicht wegen ihres dreieckigen Rathauses, sondern vielmehr wegen ihrer vergessenen Fenster berühmt. Es dauerte nicht lange, so kamen auch schon die ersten Reisenden nach Schilda, bestaunten die Einwohner, übernachteten und ließen überhaupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte der Ochsenwirt zu seinen Freunden, „als wir gescheit waren, mussten wir das Geld in der Fremde verdienen. Jetzt, da wir dumm geworden sind, bringt man es uns ins Haus!“ 

Doch wie viel Dummheit ist eigentlich ideal? Als man Minna, die Kuh des Bürgermeisters dazu bringen möchte, das Gras auf einer Mauer abzugrasen und sie beim Hinaufhieven erstickt, bemerkt der Bürgermeister voll Kummer:

„Liebe Freunde«, sagte er zerknirscht, »an Minnas vorzeitigem Ableben ist einzig und allein unser Scharfsinn und Verstand schuld. Hätte ich das Gras auf der Mauer nicht bemerkt und daraus gefolgert, daß es nutzbringend verwendet werden müsse, wäre das brave Tier noch munter und guter Dinge. Ich fürchte, wir sind noch immer nicht dumm genug.« Die anderen nickten nachdenklich.“

Weil die Schildbürger irgendwann mit dem Umgang mit einem „Maushund“ überfordert sind, zünden sie ihre ganze Stadt an und sind so gezwungen in die ganze Welt auszuwandern:

„Und so kommt es, daß es heutzutage die Stadt Schilda nicht mehr gibt und die Schildbürger auch nicht. Das heißt: Es gibt sie natürlich noch. Nur ihre Enkel und Urenkel und deren Enkel und Urenkel leben über die ganze Erde verstreut. Sie wissen gar nicht mehr, daß sie von den Schildbürgern abstammen. Von Leuten also, die sich, um glücklich zu werden, dumm stellten und dadurch ins Unglück gerieten, daß sie dumm wurden. Und sie können es auch gar nicht wissen.

Denn heutzutage gelangen die Dummen zu Ruhm und Rang, zu Geld und Glück genauso wie die Gescheiten. Woran sollten also die Dummen auf unserer Erde merken, daß sie dumm sind? Ein einziges Merkmal gibt es, woran man die Dummen erkennt: Mit dem, was sie erreicht haben, sind sie selten, aber mit sich selber sind sie stets zufrieden. Gebt also gut Obacht! Bei den anderen, und bei wem noch? Ganz recht,bei euch!“

Alle Zitate aus Erich Kästner: Die Schildbürger.

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Die Predigt des Reverend Sprague aus St. Petersburg

In die Abenteuer von Tom Sawyer hat Reverend Sprague zwei Mal die Gelegenheit für eine Predigt. Das eine Mal spricht er über dies und das und das andere Mal ist er ein Tausendsassa um die Realität in den gewünschten Farben leuchten zu lassen. Nichts neues im Westen also.  Ganz zu Beginn des Buches erleben wir einen Sonntag von Tom (Hervorhebungen von mir):

„Und jetzt kam die Predigt. Es war eine gute, leutselige Predigt und ging bis ins einzelne. Sie beschäftigte sich mit der Kirche und mit den Kindern der Kirche; mit den anderen Kirchen des Dorfes; mit dem Dorfe selbst; mit dem Lande; mit dem Staat; mit den Behörden der einzelnen Staaten; mit den Vereinigten Staaten; mit dem Kongreß; mit dem Präsidenten; mit den Staatsdienern; mit den armen, sturmumtosten Seefahrern; mit den unter dem Joch ihrer Monarchen seufzenden Millionen Europas und des Orients; mit den Glücklichen und Reichen, die nicht Augen haben, zu sehen und Ohren, zu hören; mit den armen Seelen auf fernen Inseln; und schloß mit der Bitte, daß seine Worte auf guten Boden fallen und dereinst hundertfältige Frucht tragen möchten. Amen

Der Knabe, dessen Geschichte dieses Buch enthält, hatte keine Freude an dieser Predigt, er hörte sie einfach an — und vielleicht auch das nicht. Doch merkte er sich einzelne Details daraus, ganz unbewußt, denn, wie gesagt, er achtete kaum darauf, aber er kannte den Sermon des Geistlichen
schon längst und bemerkte es sofort, wenn mal irgend ein neuer Passus eingeschoben war, und das empfand er dann unangenehm; er hielt Beisätze und Abweichungen von dem Althergebrachten für unnobel und unrecht“ (S. 33 aus dieser Übersetzung)

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Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein, als ein langlebiger verschlafener Planet

Bleibt unnachahmlich: Jack London in seinem Haus in Glen Ellen, Kalifornien.

„Ich will lieber Asche sein, als Staub!
Ich will lieber,
dass mein Lebensfunke sich ausbrennt in einer hellen Flamme,
als dass er in Fäulnis erstickt.
Ich will lieber ein prächtiger Meteor sein
der in all seinen Atomen zugleich verglüht,
als ein langlebiger verschlafener Planet.
Der Mensch ist gemacht, damit er lebt; nicht damit er existiert.
Ich werde meine Tage nicht damit vergeuden, dass ich sie zu verlängern suche.
Ich werde meine Zeit gebrauchen.“

In den nächsten Artikeln möchte ich vermehrt Klassiker der Literatur vorstellen und mir scheint Jack London ein guter Anfang zu sein. Ich liebe das oben genannte Zitat (hier original). Aber ich glaube, dass wir London unrecht tun, wenn wir in ihm einen Autor von Jugendliteratur sehen. Das hat meist die negative Folge, dass man die Erzählungen und Romane Londons nur in stark bearbeiteten „jugendlichen“ Varianten kennt. Dabei ist natürlich z.b. Alaska Kid ein gutes teenagergerechtes Einstiegswerk. Bei Ruf der Wildnis und Wolflblut mag dies durch das sehr stark positive „paradiesische“ Ende ebenfalls zutreffen. Es wird aber schon deutlich düsterer, wenn man „den Seewolf“ liest. Weiterlesen

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Die verändernde Macht der Rechtfertigung aus Gnaden

„Vor kurzem ging ich durch die Straßen von Sandtown. Es fühlte sich für mich wie das vom Krieg zerstörte Vukovar an, nur dass diese Zerstörung nicht durch Krieg, sondern durch rassische Spannungen, Verbrechen und wirtschaftlichen Niedergang verursacht wurden. Es gab aber auch einen weiteren wichtigen Unterschied. Zwölf Blöcke der Stadt wurden durch die New Song Community zu einem Bereich der Liebe Gottes herausgeschnitzt. Tote Straßen aufs neue mit Leben erfüllt.

Mark Gornik, Pastor der Gemeinde machte die Bemerkung beinahe beiläufig. Als er die Vernichtung der Wohngebiete erklärte, meinte er, dass die Lehre von der Rechtfertigung aus Gnaden die notwendigen Ressourcen für Heilung enthält. Er muss es wohl wissen, dachte ich, schließlich lebt und arbeitet er hier in Sandtown schon seit mehr als zehn Jahren (…).

Doch für die meisten Theologen ist die Rechtfertigung aus Gnaden eine leere Doktrin. Manche haben sie verlassen und lassen sie auf dem theologischen Misthaufen dahinrosten; sie halten sie im Allgemeinen für nutzlos, ja selbst für deutlich geringere soziale Pathologien als wenig hilfreich, geschweige denn in Fragen von Armut, Gewalt und Hoffnungslosigkeit. Andere verfolgen eine Art antiquarisches Interesse an dieser Lehre. Sie untersuchen und polieren ein Artifakt des sechzehnten Jahrhunderts und zeigen ihre Sammlung stolz den seltenen Besuchern ihrer kleinen Museen. Ob nun rostig oder poliert, die Lehre von der Rechtfertigung aus Gnaden gammelt dahin, leer und leblos. Eine tote Lehre.

Könnte die Hoffnung für Innenstädte auch in der Wiederentdeckung der Lehre von der Rechtfertigung aus Gnade liegen? Wie können tote Straßen von einer toten Lehre belebt werden?

Stell dir einmal vor, du hast keine Arbeit, kein Geld und bist von der restlichen Gesellschaft abgeschnitten in einer Welt, die von Armut, Gewalt beherrsch ist (…) Dich umgibt dabei eine Gesellschaft, die vom eisernen Gesetz des Erfolgs regiert wird. Seine glitzernden Güter jagen an deinen Augen vorbei, wenn du fernsiehst und auf tausendfache Weise sagt die Gesellschaft dir tagaus und tagein, dass du wertlos bist, weil du nichts erreicht hast. Du bist ein Versager und du weißt ganz genau, dass du auch weiterhin ein Versager bleiben wirst, weil es keine Möglichkeiten gibt, morgen das zu erreichen, was du heute nicht erreicht hast. Deine Würde ist zerstört und deine Seele ist gefangen in der Finsternis der Verzweiflung.

Doch das Evangelium sagt dir, dass du nicht durch außenstehende Kräfte definiert wirst. Es sagt dir, dass du bedingungslos angenommen, ja viel mehr, bedingungslos und unendlich geliebt wirst, völlig unabhängig von dem, was du erreicht hast oder nicht erreichen konntest. (…)

Stell dir nun vor, dass dieses Evangelium von einer Gemeinschaft nicht bloß verkündigt, sondern verkörpert wird, die nicht das „Ergebnis von Werken“ ist, sondern eine Gemeinschaft ist, die „in Christus zu guten Werken geschaffen wurde“ (Eph. 2,10). Durch grenzenlose Gnade gerechtfertigt, sucht sie die „Rechtfertigung“ durch Gnade derer, die durch das unangebrachte Leistungsgesetz der Gesellschaft „ungerecht gemacht wurden“. (…) Das ist Rechtfertigung aus Gnaden, verkündigt und gelebt. Eine tote Lehre? Wohl kaum!“ (…)

Gottes Liebe ist diese unentbehrliche Fürsorge für die menschliche Seele, von der der Prophet spricht, wenn er ausruft: „Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! (Jes 55,1)“


Aus „Against the Tide“ – Love in a Time of Petty Dreams and Persisting Enmities von Mirsolav Volf (Kindle Positionen 1406 – 1431) – eigene Übersetzung

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Von der ewigen Vorherbestimmung Gottes

Calvin widmete diese Schrifte, deren Teile später auch in die 1559- Auflage der Institutio bildeten, der Stadt Genf. Die Schrift wurde Anfang 1552 als gemeinsame Erklärung der Genfer Pastoren. Calvin setzt sich mit dieser Schrift mit zwei katholischen Widersachern, Pighius und Siculus auseinander, aber er stellt sich auch der Ablehnung der doppelten Prädestination im protestantischen Lager. Die Schrift, ist in 47 kleinere Abschnitte eingeteilt, die immer wieder für ein „Deja-Vu“ gesorgt haben. Immer wieder ernüchternd festzustellen, wie uralt „moderne“ Einwände gegen die Prädestinationslehre sind.

Das Buch ist sicherlich eines der anspruchsvollsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, das aber weniger durch das gewählte Thema zurückzuführen ist, als darauf, dass Calvin ständig Bezug auf die Thesen seiner Kritiker Pighius und Siculus nimmt. Man müsste eigentlich ihre Werke ebenfalls zur Hand haben. Aus diesem Grunde musste ich regelmäßig Abschnitte wiederholt durchlesen und kam relativ langsam durch das Werk voran.

Dennoch empfinde ich das Buch in mehrfacher Hinsicht als Bereicherung:

1.Wenn Calvin davon spricht, dass „Augustinus totus noster“ (Augustinus völlig unser) sei, dann ist das weniger ein Schmücken mit Federn der Kichenvätern sondern tatsächlich sattelfeste Kenntnis der unterschiedlichsten Werke von Augustinus. Bestimmt nimmt er etwa hundert Mal Bezug zu den Werken Augustins. Das spiegelt auch Calvins Absicht wieder, keine originellen theologischen Konzepte entwickeln zu wollen, sondern „klassisches Christentum“ zu vermitteln. Eine Köstlichkeit aus Augustinus´Enchiridion, dass ich durch Calvins Werk entdeckt habe:

„Es geschieht also nichts, wenn nicht der Allmächtige will, dass es geschieht, sei es, indem er zulässt, dass es geschieht, oder indem er es selbst tut (…) Und man darf nicht zweifeln, dass Gott gut tut, indem er geschehen lässt, was Böses geschieht. Denn er lässt es nur nach gerechtem Gerichte zu… Obgleich also nun das Böse, insofern es böse ist, nicht gut ist, so ist es dennoch gut, dass es nicht nur Gutes, sondern auch Böses gibt. Denn wenn es nicht gut wäre, dass auch Böses ist, so würde auf keine Weise von dem guten Allmächtigen zugelassen werden, dass Böses wäre. Ihm ist es ohne Zweifel ebenso leicht, zu tun, was er will, wie nicht zuzulassen, was er nicht will. wenn wir dies nicht glauben, so ist der Anfang unseres Glaubens selbst in Gefahr, mit dem wir an den allmächtigen Gott zu glauben bekennen.“

Nach der Lektüre habe ich unterschiedliche Werke von Augustinus auf meine Leseliste genommen. Weiterlesen

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Stories with Intent

Gegriffen habe ich zu diesem Buch, weil mir auffiel, wie häufig Jonathan Edwards über Gleichnisse predigte und ich mich hier zunächst selber damit auseinandersetzen wollte. Das Buch ist Teil meiner Logos Bibliothek und so ist mir womöglich nicht gleich aufgefallen, was für ein dicker Wälzer das ist. Das ist aber bereits mein erstes Lob für dieses Werk: Es ist wirklich comprehensive, also verständlich und leicht zu lesen. Bereits nach wenigen Tagen habe ich einen Großteil des Einleitungskapitels durchgelesen sowie die Besprechung mehrerer Gleichnisse.

Das Buch besteht aus vier Teilen: In der Einführung bespricht der Autor die Auslegungsgeschichte der Gleichnisse, die von zwei Extremen geprägt ist Einerseits ein rigoroses Allegorisieren aller einzelnen Elemente in einem Gleichnis. Berühmt dürfte hier Augustinus Auslegung des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter sein: Jericho (= Mond) steht für unsere Sterblichkeit und Jerusalem ist die himmlische Stadt. Der Überfallene ist Adam und die Räuber sind der Satan und seine Dämonen. Der gute Samariter ist Christus und der Wirt Apostel Paulus. (Übrigens: Snodgrass weist darauf hin, dass das Allegorisieren der Kirchenväter im Rahmen der damals üblichen vierfachen Auslegung stattfand und nicht als Grundlage für dogmatische Positionen). Auf der anderen Seite steht der Rationalismus, der sich weigerte, Allegorie in der Bibel per se anzuerkennen. Ein Überrest dieser Position ist noch in der Meinung zu finden, in jedem Gleichnis gibt es nur einen Hauptgedanken! Das führt oft dazu, dass man ein komplexeres Fazit übersieht. In diesem Kapitel geht der Autor der Frage nach was eine Allegorie ist, bespricht Herangehensweisen an Allegorien, aber auch die Rezeption der Gleichnisse in der historisch-kritischen Methode. Weiterlesen

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„Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.“

Blogger Viktor (ich empfehle seinen exzellenten Artikel über die Petrusschlüssel) hat mich auf den exakten Wortlaut der zwei Paragraphen zu Schwangerschaftsabbrüchen gemacht. Ich staune über den unerwarteten Pro-Life Wortlaut. So heißt es in §219, Absatz 1:

“ Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen. Das Nähere regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.“

Zur Gegenüberstellung: nur 3 % der mehr als 100.000 (in Worten: Ein hundert Tausend Schwangeschaftsabbrüche 2019 wurde von Minderjährigen vorgenommen. Das ist keine Pro-Life Propaganda, sondern offizielle Daten des statistischen Bundesamtes. Ich habe bei diesen hohen Zahlen Mühe zu glauben, dass die Beratung der Frauen wirklich im Kontext von §219 stattfand. Weiterlesen

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„Groß sind die Werke des Herrn“

Bildergebnis für bioteenyWir wurden mehrfach gebeten, die Spurensuche, das Videoprogramm des Kinderlesebunds zu besprechen. Diesem möchte ich hiermit nachkommen. Zunächst die Punkte, die unbedingt positiv hervorgehoben werden müssen:

Nach einer kostenlosen Registrierung bekommt man Zugang zu mittlerweile weit mehr als 30 abendfüllenden Filmen.Diese bestechen durch hervorragende Qualität, aber auch durch die durchgängig hochwertige Moderation. Vor allem ist es eine Wohltat für die Ohren, einen Tierfilm anzuschauen, in dem nicht jeder zweite Satz mit „Die Evolution hat XX in XX Millionen Jahren entwickelt.“ „Die Natur hat sich dabei etwas gedacht…“ Wie macht doch dieser grausig unaufrichtige Naturalismus die ansonsten hohe Qualität von z.b. den Dokumentationen der BBC zunichte. Wirklich, wenn ich von Wohltat spreche, dann meine ich es so: Ich liebe es, die Wunder in der Natur und Schöpfung Gottes zu betrachten. Eine Doku, die mit „Am Anfang war das Wort“ anfängt, hat sich einfach schon einen Pluspunkt extra verdient.

Man muss dabei im Blick haben, dass die Leute das alles ehrenamtlich machen und unglaublich viel Zeit, Mühe, Geduld und Arbeit reinstecken. Was dann ensteht, ist ein 50-minutiges Video, im Stile einer Kinderstunde , in dem etwa die Hälfte einer Bibelarbeit und die andere Hälfte der Tierdokumentation gewidmet ist. Einige der Dokus (z.B. die über die Buckelwale und über die Sandkugelkrebse) wurden gar vollständig in Eigenregie erstellt. Ich kann nur spekulieren, wie viel Zeit so etwas erfordert und kann diesen Einsatz nicht genug würdigen, der ja gerade in der Corona-Zeit äußerst gelegen kommt. Weiterlesen