Alle Artikel in der Kategorie “Rezensionen

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Sag mal – wer ist Jesus?

Sinclair B. Ferguson ist wahrscheinlich so etwas wie ein Universal-Theologe, sein Werk umfasst Kommentare (Jakobus-Brief, Markus-Evangelium), dogmatische Werke (The Holy Spirit in der CoCT-Reihe, The Christian Life, eine Einführung in Dogmatik), historisch-theologische Studien (The Whole Christ, Ein Werk, dass die Marrow-Kontroverse analysiert). Der Schotte ist Mitherausgeber eines theologischen Lexikons, Dozent am Westminster Theological Seminary und reger Prediger (auf sermonaudio.com finden sich immerhin über 680 Predigten von ihm, wenn man bereit ist, sich auf den heftigen schottischen Akzent einzulassen). Entsprechend habe ich auch gleich zugegriffen, als ich erfuhr, dass es von Ferguson ein Kinderbuch gibt.

Die 33 Lektionen des Buches sind grob in 6 Teile unterteilt, von denen die ersten drei weitestgehend chronologisch das Leben Jesu durchgehen. Hier zeigt sich die Interdisziplinarität des Autors große Vorteile. So geht er zunächst von allgemeinen Fragen aus: „Was bedeutet der Name Jesus?“ ,“Wie konnte Jesus wissen, was Gott von ihm erwartete?“ oder „Wie verhielt sich Jesus als Kind und als Jugendlicher?“ Anschließend geht er die Stationen der Taufe, der Versuchung, der Berufung der Jünger, der Lehrtätigkeit, der Wunder und schließlich des Leidens Jesu durch. Das Buch hat seine größte Stärke vor allem darin, dass der Autor wirklich die Darstellung Jesu in den Evangelien sprechen lässt. Wenn er z.B. über die Versuchung Jesu in der Wüste spricht, verpasst Ferguson es nicht, auf die Parallele zum Volk Gottes in der Wüste, wie auch der Versuchung von Adam und Eva im Garten hinzuweisen. Auch wenn er über Jesu Lehre spricht, geht der Autor z.B. der Frage nach, warum Jesus „so viele außergewöhnliche Geschichten erzählt hat“. In den weiteren Abschnitten  beschäftigt sich Ferguson damit, was es bedeutet, das Jesus der Retter war, wie sein Weg ans Kreuz aussieht, und wie sein Ruf an die Nachfolge heute an uns ergeht.

Jede der 33 Lektionen besitzt eine zentrale Bibelstelle, einen Lektürehinweis, eine Frage zum Weiterdenken und sprechen und eine kreative Aufgabe. Dadurch ist das Buch zum Vorlesen, wie zum Selber /-lesen und /-bearbeiten geeignet. Wir haben die 33 Lektionen entsprechend in ca. 2 Monaten durchgearbeitet.

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„Gelobt sei der Herr, der dir heute den Erlöser nicht versagt hat“

Das Buch „Five Festal Garments“ von B.G. Webb untersucht fünf Bücher des AT, die wir als Christen häufiger vernachlässigen. Webbs Überlegungen waren unter anderem die Grundlagen für nachfolgende Skizzen:

1. Episodische Struktur:

Webb macht auf die Schönheit des Aufbaus im Inneren des Werks aufmerksam. Es liegt eine strukturelle Parallele mit geringfügigen Varianten in Kapitel 2 und Kapitel 3 vor:

Kapitel 2: Kapitel 3:
1. Ruth bietet Naomi, ob sie gehen kann und sagt ihr was sie tun will. Naomi bietet Ruth zu gehen Naomi bietet Ruth zu gehen und sagt ihr, was sie zu tun hat.
2. Ruth geht 2. Ruth geht
3. Boas frägt, wer Ruth sei und es wird ihm erklärt 3. Boas frägt, wer Ruth sei und es wird ihm erklärt
4. Boas bittet Ruth zu bleiben und sagt, dass „Sie segnenswert sei“ und gibt ihr Nahrung 4. Boas sagt Ruth, dass „Sie segnenswert sei“ und bittet sie zu bleiben und gibt ihr Nahrung
5. Ruth spricht mit Naomi, erzählt ihr was passiert sei und bekommt von ihr Rat 5. Ruth spricht mit Naomi, erzählt ihr was passiert sei und bekommt von ihr Rat

Doch in dieser Parallele entwickelt sich weiter, so wie aus der Erntezeit von Kapitel zwei die Dreschzeit von Kapitel drei wird.

Dieses Zentrum wiederum ist flankiert von „Namenslisten“: Zu Beginn finden wir mindestens drei Namen, die keinerlei Rolle mehr spielen sollen. Die Genealogie zum Schluß kann jedoch kaum bedeutender sein, verknüpft sie Ruth doch als Bindeglied zwischen der Mose-Richter Zeit mit der Zeit des großen Königs Davids. Entsprechend spiegeln auch diese Namenslisten die Entwicklung von der Leere zur Fülle wider, die Naomi und Ruth als Individuen widerfährt für einen größeren Kontext wieder

2. Thematische Entwicklung und Kanonische Einbindung

Damit wären wir mitten im Plot des Buches. Wer Ruth als an Richter anschließend liest, dem wird auffallen, dass die zwei abschließenden Horrorgeschichten des Richter-Buches damit Anfangen, dass Jemand Bethlehem (= Haus des Brotes) verlässt ( Ri 17,9 und Ri 19,2 bzw. 19,18). Wer das Haus des Brotes verlässt, steht in der Gefahr eine Katastrophe auszulösen. Ruth als Abschließender Teil dieser Trilogie bietet nun die „Kontra-Erzählung“ dafür. Dabei war die Ironie besonders groß, dass im „Haus des Brotes“ eine Hungersnot herrscht (Rt. 1,1). Im Übrigen dürfen wir auch sonst Umstände der Richter-Zeit erwarten: Ein jeder tut was ihm recht vor Augen scheint. Das gerade eine fremde Migrantin ein beliebtes Opfer für ein kurzes Sexabenteuer werden kann, scheinen Rt2,21 und Rt2,15 zumindest anzudeuten.

Doch zehn Jahre nach Verlassen des verheißenen Landes ausgerechnet in Richtung Moab, muss Ruth Buße übend zurückkehren und bekennt, als die Frauen rufen: „Ist das die Naomi?“:

„Nennt mich nicht Naomi(Lieblich), sondern Mara (Bitter). Denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt. Voll zog ich aus, aber leer hat mich der HERR wieder heimgebracht.“  Weiterlesen

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Kierkegaards Sprung

Heute berichtet Udo Schmitt darüber, wie er durch das Werk Kierkegaards zur Schrift und zum Glauben geführt wurde:

Ein undatiertes Gemälde des dänischen Theologen, Schriftstellers und Philosophen Sören Kierkegaard. (picture alliance / dpa)

Durch die Rezension einer neuen Biographie über den dänischen Philosophen Sören Kierkegaard (Buchhinweis: Der alte Freund Kierkegaard – Hanniel bloggt.) wurde ich daran erinnert, welche bedeutende Rolle dieser Mann in meinem Leben gespielt hat. Viele kluge Köpfe haben schon wissenschaftliche, theologische oder philosophische Abhandlungen über ihn geschrieben. Mein kurzer Beitrag ist dagegen lediglich eine Beschreibung meines persönlichen Erlebens eines kleinen Aspekts seiner Gedanken über den Glauben.

Gleich im ersten Semester meines Philosophie-Studiums begegnete ich dem Werk Kierkegaards. Da er in seinen Veröffentlichungen immer wieder auf die Bibel Bezug nahm, musste ich mich wohl oder übel mit diesem Buch beschäftigen. Also las ich die Bibel innerhalb weniger Tage vom Anfang bis zum Ende.  Als ich nach den letzten Zeilen der Offenbarung das Buch zuschlug, war ich sicher, dass dies das Wort Gottes ist. Nur wenig später wurde ich durch das Wunder der Wiedergeburt gerettet.

Aussagen Kierkegaards wie „Der Glaube beginnt gerade da, wo das Denken aufhört“ erwecken den Eindruck, dass sich Glaube und Vernunft nichts zu sagen haben.  Da es zwischen Glaube und Verstehen keine Verbindung gibt, wird das Christwerden somit zum Sprung ins Ungewisse. Dieser „Sprung des Glaubens“ wird vor allem von konservativen Theologen teilweise scharf kritisiert wird. Für den von mir sehr geschätzten Theologen Francis Schaeffer handelt es sich hierbei um einen Sprung ohne jede Rationalität. Vielen gilt Kierkegaard gar als ein Vordenker des säkularen und religiösen Existenzialismus sowie als Wegbereiter der historisch-kritischen Denkweise.

Doch dieser „Sprung des Glaubens“ war für mich zum Zeitpunkt meiner Bekehrung ganz subjektiv tatsächlich ein solcher. Ein Sprung hinweg über einen Graben, der mich zu etwas bringen sollte, von dem ich trotz angelesenem Wissen eigentlich nicht viel wusste, aber dennoch alles erhoffte.

Natürlich handelte ich einerseits rational, also vernunftgeleitet, indem ich die Bibel systematisch studierte, doch schon bald kam ich an einen Punkt, an dem mir klar wurde, dass das was mich im Moment noch von Gott trennt, nicht durch weiteres Nachdenken überwunden werden kann. Erforderlich war ein Sprung. Ein Sprung ins Ungewisse, denn was auf der anderen Seite des Grabens auf mich wartete, war für mich zuvor undenkbar. Auf der anderen Seite angekommen, konnte ich dann wie Hiob zu Gott sagen: „Bisher kannte ich dich nur vom Hörensagen, jetzt aber habe ich dich mit eigenen Augen gesehen!“ (Hiob 42:5).

Meines Erachtens ist Kierkegaard nicht nur Zeit seines Lebens, sondern auch bis in die heutige Zeit hinein in vielerlei Hinsicht missverstanden worden, was unter anderem an der teilweise überzogenen Kritik am „Sprung des Glaubens“ zum Ausdruck kommt, den ich persönlich aber genauso wie von Kierkegaard beschrieben, erlebt habe.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Christen auch heute noch großen Nutzen aus dem Studium von Kierkegaards Schriften ziehen können, da sie in ihrer Radikalität ein Weckruf für ein eingeschlafenes Christentum sind. Eine kleine und empfehlenswerte Auswahl seines Werks findet sich hier: Tatort Christenheit (clv.de)

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Literaturhinweise auf lesendglauben

Henrik Mohn von lesendglauben.de hat eine Menge lesenswerter neu aufgelegter Bücher besprochen. Eine Auswahl:

Geisler, Zukeran: Wie kann ich meinen Glauben verteidigen?

Das Autorenduo legt eine Arbeit vor, die sich mit dem apologetischen Methoden Jesu Christi beschäftigt und stellt damit den Versuch dar, eine Lücke im Bereich der Apologetik zu schließen. „Überall demonstriert Jesus, dass er bereit ist, jedem aufrichtig Suchenden Beweise zu liefern für das, was er lehrte“. Die insgesamt zwölf Kapitel richten ihren Blick auf das Handeln Jesus und setzen dabei die Brille eines Apologeten auf. Bei all den Gründen und Ausführungen ist sich das Autorenduo aber folgender Tatsache bewusst: „Apologetische Beweise sind entscheidend für den Glauben, dass Christus der Sohn Gottes ist. Aber der Heilige Geist ist unverzichtbar für einen Glauben an Christus als den Sohn Gottes. Apologetik kann intellektuelle Zustimmung herbeiführen, aber nur der Heilige Geist kann das Herz verändern“. Mehr…

Coyle: Sie ist in Pornographie verstrickt

Bilder mit sexuellem Inhalt haben Hochkonjunktur. Bildungspläne möchten möglichst früh Kinderherzen mit Sexualität konfrontieren. Pornografie ist der beispiellose Ausdruck unserer dekadenten Epoche. Doch längst ist die Unzucht vor dem Bildschirm keine reine Männerdomäne mehr. In „Sie ist in Pornografie verstrickt“ blickt Autorin Rachel Coyle auf das Tabuthema. Mehr…

Barber et al: Könige – Menschen der Bibel

Der vorliegende 12-Wochen-Studienkurs entstammt dem evangelikalen Verlag rigatio, der sich zum Ziel gesetzt hat, Material zum Selbst- und Gruppenstudium herauszugeben. Das Anliegen des Kurses ist es dem ähnlich zu werden, dem wir folgen. Anhand unterschiedlicher Könige im Alten Testament verdeutlicht das Autorentrio, worauf es bei echter Nachfolge ankommt. „Führerschaft ist die Kraft von Einfluss“. Mehr…

Boston: Die Notwendigkeit der Buße

Der Autor, Thomas Boston, ist außerhalb der englischsprachigen Welt eher weniger bekannt. Doch mittlerweile werden seine Schriften auch im deutschsprachigen Raum publiziert. Boston gilt als ein Verfechter der puritanischen Theologie und legt besonders Wert auf Frömmigkeit. Dabei ringt er in seinen Ausführungen um die reine biblische Lehre. J. I. Packer meint, dass seine Werke einer theologischen Zusammenfassung des Puritanismus gleichen. „Wer die puritanische Theologie verstehen will, muss somit Boston lesen“. Mehr…

Bonhoeffer: Schöpfung und Fall

Das Buch „Schöpfung und Fall“ stellt den Druck einer Vorlesung dar, die Bonhoeffer im Wintersemester 1932/33 an der Berliner Universität hielt. Bonhoeffer selber ist der sogenannten dialektischen Theologie zuzuordnen, „die in Anknüpfung an die reformatorische Theologie als Theologie des Wortes die Bibel zur Grundlage ihrer Überlegungen gemacht hat“. In seinen Ausführungen wagt es Bonhoeffer, die „exegetische und systematische Schultradition seiner Zeit hinter sich zu lassen und die Bibel unmittelbar nach Antworten auf die brennenden Probleme der Gegenwart zu befragen“. Es sei erwähnt, dass Bonhoeffer die Ergebnisse der historisch-kritischen Exegese nicht pauschal ablehnt, doch bleibt er nicht bei der philologischen und historischen Auslegung stehen, „sondern fragt, was die Bibeltexte für den heute gelebten Glauben in seinen unterschiedlichen Bezügen zu sagen haben“. Mehr…

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Matthew Henry

Allan Harman hat eine Biographie über Matthew Henry verfasst, die dank des 3L-Verlag auch deutschsprachig erhältlich ist.

Das Buch ist gut übersetzt und lässt sich durch seine Kürze relativ schnell durchlesen. Einige Lektionen, die ich mitgenommen habe:

  • Matthew Henry hat fast alles bei seinem Vater Philip Henry gelernt: Als Nonkonformisten war es ihm verwehrt, Theologie zu studieren. Es blieb nur der Weg über Jura, der ihm den Zugang zu den antiken Sprachen ermöglichte (obwohl er griechisch schon als Kind gelernt hat)
  • Es gab zwar wohl ein illegales theologisches Seminar der Nonkonformisten. Doch kaum hat Matthew mit dem Studium angefangen, wurden fast alle Studierende krank an der Grippe (sie wohnten auf engstem Raum) und einige verstarben gar. Für Matthew bedeutete es erst einmal das Ende seiner theologischen Laufbahn
  • Er wird Pastor einer presbyterianischen Gemeinde und sucht ständig Kontakt mit anderen Gemeinden, ja schreibt darüber sogar ein Buch. Dennoch wird ihm die Annahme durch die offizielle Kirche erst nach seinem Tode gewährt (er wird in einer anglikanischen Kirche bestattet)
  • Er arbeitet ungemein viel, predigt äußerst systematisch und sein berühmter Kommentar entsteht im Grunde begleitend zu seinen Predigtausarbeitungen.
  • Der Kommentar ist zu seinen Lebzeiten noch recht wenig bekannt (und wird auch nicht vollständig von ihm selbst fertiggestellt). Doch schon bald zieht er weite Kreise. Harman kann zeigen, dass zahlreiche Lieder Wesleys (!) vom Bibelkommentar Henrys zehrt. Ja Wesley veröffentlicht sogar auf eigene Kosten eine gekürzte Version davon.

Das ein historischer Kommentar so eine lange Popularität erlebt ist äußerst ungewöhnlich, bekanntlich wurde die deutsche Übersetzung erst kürzlich fertiggestellt. J.I. Packer schrieb einmal über Henrys Exposition:

„Weil sein Stil einfach und praktisch ist, obgleich der Inhalt sehr scharfsinnig und gut durchdacht ist, wird der Kommentar immer ein klassisches Werk bleiben, das mit Kopf und Schultern herausragt über jedes andere populäre Bibelwerk, das vorher oder seither geschrieben worden ist.“

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A House for My Name

Peter Leithart war mir bisher vor allem als Autor von FirstThings bekannt. Gerne möchte ich an dieser Stelle auch auf einen Artikel von Leithart verweisen, der vor einigen Wochen bei E21 übersetzt erschienen ist: Wie man Kindern die Bibel nahe bringt. Der Artikel und mein Interesse an „Biblischen Theologien“ führte mich zu diesem Buch.

Für knapp 250 Seiten äußerst kurz, ist Leithart dennoch ein gut ausgearbeitetes und lesenswertes Werk gelungen. Leithart gelingt es, zahlreiche thematische Linien, die sich im alten Testament zunehmend weiterentwickeln auf sehr verständliche Weise darzustellen, ohne langweilig oder wiederholend zu werden. Ob nun die Entwicklung der messianischen Verheißungen, die dichterische Wiederholung der Themen wie Stadt Gottes, Tempel, Opfer (die Einprägsamste Erklärung der ersten Kapitel Levitikus, die ich je gelesen habe), Priestertum oder die Chronologie der Bibel, –  sauber arbeitet der Autor an der Heilsgeschichte weiter. Fast auf jeder Seite habe ich eine wertvolle Markierung hinterlegt. Weiterlesen

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„Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“

Die Schildbürger sind ursprünglich für ihre Klugheit weithin bekannt und werden überall in der Welt gefragt um mit ihrer Klugheit die Dinge zu regeln. Doch Schilda, ihr Heimatort geht dadurch den Bach runter. Also muss etwas unternommen werden. Die Schildbürger nehmen sich nun vor, sich besonders dumm zu stellen. Allen sagt der Plan zu, außer dem Lehrer, der einwendet:

„Wer klug tut, wir davon noch lange nicht klug.Aber wer sich lange dumm stellt, wird vielleicht eines Tages wirklich dumm“. Die anderen lachten ihn aus. „Seht, es fängt schon an.“ „Was?“, meinte der Schmied neugierig. „Eure Dummheit“, rief der Lehrer. Da lachten sie ihn alle aus.

Als erste Dummheit beschließt man den Bau eines dreieckigen Rathauses ohne Fenster. Dieser wird bald eine weltbekannte Kuriosität und spült Geld in die Stadtkasse:

>„So wurden die Schildbürger zwar nicht wegen ihres dreieckigen Rathauses, sondern vielmehr wegen ihrer vergessenen Fenster berühmt. Es dauerte nicht lange, so kamen auch schon die ersten Reisenden nach Schilda, bestaunten die Einwohner, übernachteten und ließen überhaupt ein gutes Stück Geld in der Stadt. „Seht ihr“, sagte der Ochsenwirt zu seinen Freunden, „als wir gescheit waren, mussten wir das Geld in der Fremde verdienen. Jetzt, da wir dumm geworden sind, bringt man es uns ins Haus!“ 

Doch wie viel Dummheit ist eigentlich ideal? Als man Minna, die Kuh des Bürgermeisters dazu bringen möchte, das Gras auf einer Mauer abzugrasen und sie beim Hinaufhieven erstickt, bemerkt der Bürgermeister voll Kummer:

„Liebe Freunde«, sagte er zerknirscht, »an Minnas vorzeitigem Ableben ist einzig und allein unser Scharfsinn und Verstand schuld. Hätte ich das Gras auf der Mauer nicht bemerkt und daraus gefolgert, daß es nutzbringend verwendet werden müsse, wäre das brave Tier noch munter und guter Dinge. Ich fürchte, wir sind noch immer nicht dumm genug.« Die anderen nickten nachdenklich.“

Weil die Schildbürger irgendwann mit dem Umgang mit einem „Maushund“ überfordert sind, zünden sie ihre ganze Stadt an und sind so gezwungen in die ganze Welt auszuwandern:

„Und so kommt es, daß es heutzutage die Stadt Schilda nicht mehr gibt und die Schildbürger auch nicht. Das heißt: Es gibt sie natürlich noch. Nur ihre Enkel und Urenkel und deren Enkel und Urenkel leben über die ganze Erde verstreut. Sie wissen gar nicht mehr, daß sie von den Schildbürgern abstammen. Von Leuten also, die sich, um glücklich zu werden, dumm stellten und dadurch ins Unglück gerieten, daß sie dumm wurden. Und sie können es auch gar nicht wissen.

Denn heutzutage gelangen die Dummen zu Ruhm und Rang, zu Geld und Glück genauso wie die Gescheiten. Woran sollten also die Dummen auf unserer Erde merken, daß sie dumm sind? Ein einziges Merkmal gibt es, woran man die Dummen erkennt: Mit dem, was sie erreicht haben, sind sie selten, aber mit sich selber sind sie stets zufrieden. Gebt also gut Obacht! Bei den anderen, und bei wem noch? Ganz recht,bei euch!“

Alle Zitate aus Erich Kästner: Die Schildbürger.

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Von der ewigen Vorherbestimmung Gottes

Calvin widmete diese Schrifte, deren Teile später auch in die 1559- Auflage der Institutio bildeten, der Stadt Genf. Die Schrift wurde Anfang 1552 als gemeinsame Erklärung der Genfer Pastoren. Calvin setzt sich mit dieser Schrift mit zwei katholischen Widersachern, Pighius und Siculus auseinander, aber er stellt sich auch der Ablehnung der doppelten Prädestination im protestantischen Lager. Die Schrift, ist in 47 kleinere Abschnitte eingeteilt, die immer wieder für ein „Deja-Vu“ gesorgt haben. Immer wieder ernüchternd festzustellen, wie uralt „moderne“ Einwände gegen die Prädestinationslehre sind.

Das Buch ist sicherlich eines der anspruchsvollsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, das aber weniger durch das gewählte Thema zurückzuführen ist, als darauf, dass Calvin ständig Bezug auf die Thesen seiner Kritiker Pighius und Siculus nimmt. Man müsste eigentlich ihre Werke ebenfalls zur Hand haben. Aus diesem Grunde musste ich regelmäßig Abschnitte wiederholt durchlesen und kam relativ langsam durch das Werk voran.

Dennoch empfinde ich das Buch in mehrfacher Hinsicht als Bereicherung:

1.Wenn Calvin davon spricht, dass „Augustinus totus noster“ (Augustinus völlig unser) sei, dann ist das weniger ein Schmücken mit Federn der Kichenvätern sondern tatsächlich sattelfeste Kenntnis der unterschiedlichsten Werke von Augustinus. Bestimmt nimmt er etwa hundert Mal Bezug zu den Werken Augustins. Das spiegelt auch Calvins Absicht wieder, keine originellen theologischen Konzepte entwickeln zu wollen, sondern „klassisches Christentum“ zu vermitteln. Eine Köstlichkeit aus Augustinus´Enchiridion, dass ich durch Calvins Werk entdeckt habe:

„Es geschieht also nichts, wenn nicht der Allmächtige will, dass es geschieht, sei es, indem er zulässt, dass es geschieht, oder indem er es selbst tut (…) Und man darf nicht zweifeln, dass Gott gut tut, indem er geschehen lässt, was Böses geschieht. Denn er lässt es nur nach gerechtem Gerichte zu… Obgleich also nun das Böse, insofern es böse ist, nicht gut ist, so ist es dennoch gut, dass es nicht nur Gutes, sondern auch Böses gibt. Denn wenn es nicht gut wäre, dass auch Böses ist, so würde auf keine Weise von dem guten Allmächtigen zugelassen werden, dass Böses wäre. Ihm ist es ohne Zweifel ebenso leicht, zu tun, was er will, wie nicht zuzulassen, was er nicht will. wenn wir dies nicht glauben, so ist der Anfang unseres Glaubens selbst in Gefahr, mit dem wir an den allmächtigen Gott zu glauben bekennen.“

Nach der Lektüre habe ich unterschiedliche Werke von Augustinus auf meine Leseliste genommen. Weiterlesen

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Stories with Intent

Gegriffen habe ich zu diesem Buch, weil mir auffiel, wie häufig Jonathan Edwards über Gleichnisse predigte und ich mich hier zunächst selber damit auseinandersetzen wollte. Das Buch ist Teil meiner Logos Bibliothek und so ist mir womöglich nicht gleich aufgefallen, was für ein dicker Wälzer das ist. Das ist aber bereits mein erstes Lob für dieses Werk: Es ist wirklich comprehensive, also verständlich und leicht zu lesen. Bereits nach wenigen Tagen habe ich einen Großteil des Einleitungskapitels durchgelesen sowie die Besprechung mehrerer Gleichnisse.

Das Buch besteht aus vier Teilen: In der Einführung bespricht der Autor die Auslegungsgeschichte der Gleichnisse, die von zwei Extremen geprägt ist Einerseits ein rigoroses Allegorisieren aller einzelnen Elemente in einem Gleichnis. Berühmt dürfte hier Augustinus Auslegung des Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter sein: Jericho (= Mond) steht für unsere Sterblichkeit und Jerusalem ist die himmlische Stadt. Der Überfallene ist Adam und die Räuber sind der Satan und seine Dämonen. Der gute Samariter ist Christus und der Wirt Apostel Paulus. (Übrigens: Snodgrass weist darauf hin, dass das Allegorisieren der Kirchenväter im Rahmen der damals üblichen vierfachen Auslegung stattfand und nicht als Grundlage für dogmatische Positionen). Auf der anderen Seite steht der Rationalismus, der sich weigerte, Allegorie in der Bibel per se anzuerkennen. Ein Überrest dieser Position ist noch in der Meinung zu finden, in jedem Gleichnis gibt es nur einen Hauptgedanken! Das führt oft dazu, dass man ein komplexeres Fazit übersieht. In diesem Kapitel geht der Autor der Frage nach was eine Allegorie ist, bespricht Herangehensweisen an Allegorien, aber auch die Rezeption der Gleichnisse in der historisch-kritischen Methode. Weiterlesen

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„Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens.“

Blogger Viktor (ich empfehle seinen exzellenten Artikel über die Petrusschlüssel) hat mich auf den exakten Wortlaut der zwei Paragraphen zu Schwangerschaftsabbrüchen gemacht. Ich staune über den unerwarteten Pro-Life Wortlaut. So heißt es in §219, Absatz 1:

“ Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt. Die Beratung soll durch Rat und Hilfe dazu beitragen, die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen. Das Nähere regelt das Schwangerschaftskonfliktgesetz.“

Zur Gegenüberstellung: nur 3 % der mehr als 100.000 (in Worten: Ein hundert Tausend Schwangeschaftsabbrüche 2019 wurde von Minderjährigen vorgenommen. Das ist keine Pro-Life Propaganda, sondern offizielle Daten des statistischen Bundesamtes. Ich habe bei diesen hohen Zahlen Mühe zu glauben, dass die Beratung der Frauen wirklich im Kontext von §219 stattfand. Weiterlesen